Fast drei Jahre wĂ€re sie jetzt 😔

    • (1) 02.11.18 - 20:50

      Hallo ihr Lieben.

      Ich muss mir das mal von der Seele schreiben. Meine Tochter wĂ€re nun schon fast drei Jahre alt und zur Zeit muss ich wieder echt kĂ€mpfen. Ich erlebe diese Zeit zur Zeit schon wieder sehr intensiv. Ich muss sehr oft an sie denken und dann kommen mir auch schon die TrĂ€nen.ich habe solche Sehnsucht,dass ich manchmal das GefĂŒhl habe es zerreißt mich. Mein kleiner Sohn gibt mir viel Kraft aber wenn ich allein bin ĂŒberrollt es mich manchmal einfach.


      Meine Tochter hat nur viel Wochen gelebt und ist dann verstorben.die Zeit war sehr schwer,da die ss auch sehr schwer war und ich eine schwere gestose hatte.irgendwie hĂ€ng ich zur Zeit oft in dieser Zeit fest mit meinen GefĂŒhlen.


      Och danke euch fĂŒr eure Zeit und das ihr es gelesen habt. Ich wĂŒnsche euch einen schönen Abend.

      • Hey,

        es tut mir sehr leid, dass eure Maus nicht bei euch sein kann. Unsere erste Tochter wĂ€re nun auch schon 6 Jahre und auch ich kenne immer wieder solche Phase, wo die Gedanken wieder kreisen und die Sehnsucht so groß wird.

        Kennst du dich Geschichte vom Trauerkind? Sie beschreibt sehr gut, dass es auch noch vielen Jahren immer wieder solche Tage geben kann.

        Alles Liebe und versuch die GefĂŒhle einfach so anzunehmen, wie sie halt im Moment sind.

        *************************************

        Das Trauerkind
        Der Moment, an dem wir unser Kind gehen lassen mussten, ist der Moment der Geburt unserer Trauer.
        Und wie ein Neugeborenes verhĂ€lt sie sich auch. Sie fĂŒllt unser ganzes Wesen aus, unseren ganzen Tag, unser ganzes Dasein. Wie ein SĂ€ugling den ganzen Tag von uns getragen wird, tragen wir die Trauer 24 Stunden. Wir spĂŒren ihr Gewicht körperlich in Form von Schmerz. Die Trauer liegt auf unserer Brust, nimmt uns die Luft zum Atmen, und trinkt unsere Energie. Es gibt nichts Anderes in dieser ersten Zeit, nur den Schmerz, die Kraftlosigkeit, die Trauer.
        Aber ein SĂ€ugling entwickelt sich, zunĂ€chst unmerklich, dann mit kleinen SprĂŒngen. Plötzlich kann es von der Mutter wegrobben, eigenes Terrain entdecken. Es wird nicht mehr 24Stunden am Tag an der Brust getragen, will das auch nicht. Es braucht noch immer sehr viel Körperkontakt, aber auch Freiraum. Und irgendwann schlĂ€ft es zum ersten Mal durch.
        Und unsere Trauer? VerblĂŒfft stellen wir fest, dass wir die Trauer zwar noch stĂ€ndig spĂŒren, dass der körperliche Schmerz aber Pausen macht, Pausen an denen man zwar noch sehr intensiv trauert, aber wieder atmen kann. Die Lebensenergie wird nicht mehr unendlich abgezogen, Kleinigkeiten des Alltags sind uns wieder möglich. Manche MĂŒtter können das erste Mal nach langer Zeit wieder nachts schlafen, bei Anderen waren (wie bei manchen "lebenden Kindern") die NĂ€chte eigentlich kein so großes Problem. Wieder ist das "Schlafenkönnen" nicht das Maß unserer Trauer oder gar unserer Liebe zu unseren Sternchen.
        Dann kommt das Kind in den Kindergarten. Am Anfang macht sich die Mutter große Sorgen, denkt die ganzen 4 Stunden ununterbrochen an ihr Kind. Manche Kinder fĂ€llt der Übergang leicht, andere klammern. Liebt eine Mutter ihr Kind weniger, wenn das Kind loslĂ€sst und geht? NatĂŒrlich nicht. Liebt eine Mutter ihr Kind weniger oder mehr, wenn das Kind mit 5 Jahren mehr oder weniger Körperkontakt braucht? NatĂŒrlich nicht. Und nach dem Kindergarten kommt das Kind in die Arme der Mutter geflogen, holt sich die Geborgenheit die es braucht, und will erzĂ€hlen
        Genauso ist es mit unserer Trauer. Nicht einschneidend, aber schleichend, gibt es Momente, an dem wir die Trauer nicht spĂŒren, an dem wir vielleicht ĂŒber Witze lachen können, einen Kuschelabend mit unserem Partner verbringen oder richtig aufmerksam einen Film ansehen können, ohne stĂ€ndig an unseren Verlust zu denken. Und wie bei den lebenden Kindern, so ist diese Entwicklung auch bei unseren Engelchen bei jedem Anders. Aber die Liebe ist immer die Gleiche. Und der Schmerz kommt dann auch zurĂŒck, genauso nah genauso heftig wie man es schon gewöhnt ist.
        Manchmal bekommt das Kind ein Geschwisterchen. Es ist eifersĂŒchtig, weil das neue "Neugeborene" mehr Zeit und körperliche NĂ€he beansprucht, fĂŒhlt sich vom Thron gestoßen und fĂ€llt in alte Babygewohnheiten zurĂŒck.
        So kann es auch unserem Trauerkind gehen, wenn ein Folgekind kommt. Schon in der Schwangerschaft stellt sich oft die körperliche Trauer ein, diesmal verbunden mit Angst. Und ist das Folgebaby erst einmal da, spĂŒren wir den vorwurfsvollen "Blick" unseres Trauerkindes, manchmal wie körperlich "Und ich? FĂŒr mich hast Du keine Zeit mehr, liebst Du mich nicht mehr?", und wir bekommen ein schlechtes Gewissen, glauben eine schlechte Mutter zu sein, die ihr totes Kind vernachlĂ€ssigt.
        Irgendwann hat sich aber alles eingespielt. Das Trauerkind merkt, dass es auch Zeit fĂŒr es gibt, dass es nicht vergessen ist. Auch das Folgekind lernt, dass noch ein Geschwisterkind auch die Liebe seiner Eltern mit beansprucht. Es wird zum Grab mitgenommen und wenn es Ă€lter wird, werden ihm Fotos gezeigt und es wird ihm erklĂ€rt, was passiert ist. So wie Geschwister ganz selbstverstĂ€ndlich miteinander groß werden, lernt auch das Folgekind, dass das Sternenkind das Trauerkind bei seinen Eltern gelassen hat, an seiner statt. Und da auch bei der grĂ¶ĂŸten Geschwisterliebe Streit unvermeidlich ist, werden auch da MachtkĂ€mpfe um die elterliche Aufmerksamkeit nicht ausbleiben. Manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn man sein Folgekind richtig glĂŒcklich anlacht, dann wieder wird das Folgekind zum "Kasper" oder "Haustyrann" wenn es merkt, dass Mama "zu lange" heute so still und nachdenklich ist. Aber irgendwie gibt es dann auch schnell wieder Versöhnung.
        Dann kommt das Kind in die PubertĂ€t, lehnt sich gegen die Eltern auf, es gibt Zoff. "Lass mich in Ruhe. Du hast mir ĂŒberhaupt nichts zu sagen" etc. Die Liebe der Mutter wird ausgetestet bis zum geht nicht mehr, aber sie ist (meistens) immer noch da, auch wenn viele Jugendliche den Kontakt zu ihren Eltern fast ganz ablehnen, die TĂŒren verschließen.
        Und unser Trauerkind: Jetzt passiert es zum ersten Mal, dass wir z.B. einen Kinderwagen ansehen, hineinschauen und das Baby bewundern, wartend auf das so bekannte GefĂŒhl des Schmerzes- und es kommt nicht. Wenn das zum ersten Mal passiert, erschrecken wir uns wahrscheinlich, denken "Ich liebe mein Baby nicht mehr. Ich spĂŒre den Schmerz nicht. Was bin ich fĂŒr eine Rabenmutter". Aber die Trauer will nicht mehr "abrufbar" sein. Will einfach nicht mehr irgendwelchen Ritualen und Signalen gehorchen, will kommen und gehen, wann es ihm passt. Jetzt kann es sein, dass man von heftiger Trauer mitten in der Nacht geweckt wird, was wahrscheinlich schon lange nicht mehr passiert ist. Wie ein Jugendlicher, der nachts um 3 beschließt seiner Mutter doch von seinem Liebeskummer zu erzĂ€hlen.
        Dann irgendwann ist das Kind erwachsen, verlÀsst das Elternhaus. Stirbt damit die Liebe der Mutter? Nein. Nach einer Eingewöhnungszeit fÀngt die Mutter an, ihr Leben wieder ganz so zu leben, wie sie es möchte. Sie liebt ihr Kind, aber es ist aus dem Haus. Und jedes Kind ist anders. Einige rufen ihre Mutter 2 mal die Woche an, einige lassen sich noch eine Weile die WÀsche waschen und sie sehen sich hÀufig, wieder andere melden sich nur zu Weihnachten und Neujahr. Aber die Mutterliebe bleibt.
        Und die Trauer. Auch die zieht irgendwann vielleicht aus, nur das warme GefĂŒhl der Liebe zu diesem Kind bleibt. Und der gelegentliche Anruf, das gelegentliche GefĂŒhl, das an den alten Schmerz erinnert, aber doch ganz anders ist.
        Und wie es bei lebenden Kindern sein kann, dass auch nach vielen Jahren, die erwachsene Tochter mit einem Koffer in der Hand in der TĂŒr steht, weinend in die Arme der Mutter fliegt und erst einmal wieder fĂŒr ein halbes Jahr zurĂŒck ins alte Kinderzimmer zieht, kann auch unser Trauerkind zurĂŒckkommen, mal fĂŒr einen Kurzbesuch, dann vielleicht sogar fĂŒr eine ganze Phase. Aber ob das nun passiert oder nicht, die Mutterliebe ist die Gleiche.

Top Diskussionen anzeigen