Fast drei Jahre w├Ąre sie jetzt ­čśö

    • (1) 02.11.18 - 20:50

      Hallo ihr Lieben.

      Ich muss mir das mal von der Seele schreiben. Meine Tochter w├Ąre nun schon fast drei Jahre alt und zur Zeit muss ich wieder echt k├Ąmpfen. Ich erlebe diese Zeit zur Zeit schon wieder sehr intensiv. Ich muss sehr oft an sie denken und dann kommen mir auch schon die Tr├Ąnen.ich habe solche Sehnsucht,dass ich manchmal das Gef├╝hl habe es zerrei├čt mich. Mein kleiner Sohn gibt mir viel Kraft aber wenn ich allein bin ├╝berrollt es mich manchmal einfach.


      Meine Tochter hat nur viel Wochen gelebt und ist dann verstorben.die Zeit war sehr schwer,da die ss auch sehr schwer war und ich eine schwere gestose hatte.irgendwie h├Ąng ich zur Zeit oft in dieser Zeit fest mit meinen Gef├╝hlen.


      Och danke euch f├╝r eure Zeit und das ihr es gelesen habt. Ich w├╝nsche euch einen sch├Ânen Abend.

      • Hey,

        es tut mir sehr leid, dass eure Maus nicht bei euch sein kann. Unsere erste Tochter w├Ąre nun auch schon 6 Jahre und auch ich kenne immer wieder solche Phase, wo die Gedanken wieder kreisen und die Sehnsucht so gro├č wird.

        Kennst du dich Geschichte vom Trauerkind? Sie beschreibt sehr gut, dass es auch noch vielen Jahren immer wieder solche Tage geben kann.

        Alles Liebe und versuch die Gef├╝hle einfach so anzunehmen, wie sie halt im Moment sind.

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        Das Trauerkind
        Der Moment, an dem wir unser Kind gehen lassen mussten, ist der Moment der Geburt unserer Trauer.
        Und wie ein Neugeborenes verh├Ąlt sie sich auch. Sie f├╝llt unser ganzes Wesen aus, unseren ganzen Tag, unser ganzes Dasein. Wie ein S├Ąugling den ganzen Tag von uns getragen wird, tragen wir die Trauer 24 Stunden. Wir sp├╝ren ihr Gewicht k├Ârperlich in Form von Schmerz. Die Trauer liegt auf unserer Brust, nimmt uns die Luft zum Atmen, und trinkt unsere Energie. Es gibt nichts Anderes in dieser ersten Zeit, nur den Schmerz, die Kraftlosigkeit, die Trauer.
        Aber ein S├Ąugling entwickelt sich, zun├Ąchst unmerklich, dann mit kleinen Spr├╝ngen. Pl├Âtzlich kann es von der Mutter wegrobben, eigenes Terrain entdecken. Es wird nicht mehr 24Stunden am Tag an der Brust getragen, will das auch nicht. Es braucht noch immer sehr viel K├Ârperkontakt, aber auch Freiraum. Und irgendwann schl├Ąft es zum ersten Mal durch.
        Und unsere Trauer? Verbl├╝fft stellen wir fest, dass wir die Trauer zwar noch st├Ąndig sp├╝ren, dass der k├Ârperliche Schmerz aber Pausen macht, Pausen an denen man zwar noch sehr intensiv trauert, aber wieder atmen kann. Die Lebensenergie wird nicht mehr unendlich abgezogen, Kleinigkeiten des Alltags sind uns wieder m├Âglich. Manche M├╝tter k├Ânnen das erste Mal nach langer Zeit wieder nachts schlafen, bei Anderen waren (wie bei manchen "lebenden Kindern") die N├Ąchte eigentlich kein so gro├čes Problem. Wieder ist das "Schlafenk├Ânnen" nicht das Ma├č unserer Trauer oder gar unserer Liebe zu unseren Sternchen.
        Dann kommt das Kind in den Kindergarten. Am Anfang macht sich die Mutter gro├če Sorgen, denkt die ganzen 4 Stunden ununterbrochen an ihr Kind. Manche Kinder f├Ąllt der ├ťbergang leicht, andere klammern. Liebt eine Mutter ihr Kind weniger, wenn das Kind losl├Ąsst und geht? Nat├╝rlich nicht. Liebt eine Mutter ihr Kind weniger oder mehr, wenn das Kind mit 5 Jahren mehr oder weniger K├Ârperkontakt braucht? Nat├╝rlich nicht. Und nach dem Kindergarten kommt das Kind in die Arme der Mutter geflogen, holt sich die Geborgenheit die es braucht, und will erz├Ąhlen
        Genauso ist es mit unserer Trauer. Nicht einschneidend, aber schleichend, gibt es Momente, an dem wir die Trauer nicht sp├╝ren, an dem wir vielleicht ├╝ber Witze lachen k├Ânnen, einen Kuschelabend mit unserem Partner verbringen oder richtig aufmerksam einen Film ansehen k├Ânnen, ohne st├Ąndig an unseren Verlust zu denken. Und wie bei den lebenden Kindern, so ist diese Entwicklung auch bei unseren Engelchen bei jedem Anders. Aber die Liebe ist immer die Gleiche. Und der Schmerz kommt dann auch zur├╝ck, genauso nah genauso heftig wie man es schon gew├Âhnt ist.
        Manchmal bekommt das Kind ein Geschwisterchen. Es ist eifers├╝chtig, weil das neue "Neugeborene" mehr Zeit und k├Ârperliche N├Ąhe beansprucht, f├╝hlt sich vom Thron gesto├čen und f├Ąllt in alte Babygewohnheiten zur├╝ck.
        So kann es auch unserem Trauerkind gehen, wenn ein Folgekind kommt. Schon in der Schwangerschaft stellt sich oft die k├Ârperliche Trauer ein, diesmal verbunden mit Angst. Und ist das Folgebaby erst einmal da, sp├╝ren wir den vorwurfsvollen "Blick" unseres Trauerkindes, manchmal wie k├Ârperlich "Und ich? F├╝r mich hast Du keine Zeit mehr, liebst Du mich nicht mehr?", und wir bekommen ein schlechtes Gewissen, glauben eine schlechte Mutter zu sein, die ihr totes Kind vernachl├Ąssigt.
        Irgendwann hat sich aber alles eingespielt. Das Trauerkind merkt, dass es auch Zeit f├╝r es gibt, dass es nicht vergessen ist. Auch das Folgekind lernt, dass noch ein Geschwisterkind auch die Liebe seiner Eltern mit beansprucht. Es wird zum Grab mitgenommen und wenn es ├Ąlter wird, werden ihm Fotos gezeigt und es wird ihm erkl├Ąrt, was passiert ist. So wie Geschwister ganz selbstverst├Ąndlich miteinander gro├č werden, lernt auch das Folgekind, dass das Sternenkind das Trauerkind bei seinen Eltern gelassen hat, an seiner statt. Und da auch bei der gr├Â├čten Geschwisterliebe Streit unvermeidlich ist, werden auch da Machtk├Ąmpfe um die elterliche Aufmerksamkeit nicht ausbleiben. Manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn man sein Folgekind richtig gl├╝cklich anlacht, dann wieder wird das Folgekind zum "Kasper" oder "Haustyrann" wenn es merkt, dass Mama "zu lange" heute so still und nachdenklich ist. Aber irgendwie gibt es dann auch schnell wieder Vers├Âhnung.
        Dann kommt das Kind in die Pubert├Ąt, lehnt sich gegen die Eltern auf, es gibt Zoff. "Lass mich in Ruhe. Du hast mir ├╝berhaupt nichts zu sagen" etc. Die Liebe der Mutter wird ausgetestet bis zum geht nicht mehr, aber sie ist (meistens) immer noch da, auch wenn viele Jugendliche den Kontakt zu ihren Eltern fast ganz ablehnen, die T├╝ren verschlie├čen.
        Und unser Trauerkind: Jetzt passiert es zum ersten Mal, dass wir z.B. einen Kinderwagen ansehen, hineinschauen und das Baby bewundern, wartend auf das so bekannte Gef├╝hl des Schmerzes- und es kommt nicht. Wenn das zum ersten Mal passiert, erschrecken wir uns wahrscheinlich, denken "Ich liebe mein Baby nicht mehr. Ich sp├╝re den Schmerz nicht. Was bin ich f├╝r eine Rabenmutter". Aber die Trauer will nicht mehr "abrufbar" sein. Will einfach nicht mehr irgendwelchen Ritualen und Signalen gehorchen, will kommen und gehen, wann es ihm passt. Jetzt kann es sein, dass man von heftiger Trauer mitten in der Nacht geweckt wird, was wahrscheinlich schon lange nicht mehr passiert ist. Wie ein Jugendlicher, der nachts um 3 beschlie├čt seiner Mutter doch von seinem Liebeskummer zu erz├Ąhlen.
        Dann irgendwann ist das Kind erwachsen, verl├Ąsst das Elternhaus. Stirbt damit die Liebe der Mutter? Nein. Nach einer Eingew├Âhnungszeit f├Ąngt die Mutter an, ihr Leben wieder ganz so zu leben, wie sie es m├Âchte. Sie liebt ihr Kind, aber es ist aus dem Haus. Und jedes Kind ist anders. Einige rufen ihre Mutter 2 mal die Woche an, einige lassen sich noch eine Weile die W├Ąsche waschen und sie sehen sich h├Ąufig, wieder andere melden sich nur zu Weihnachten und Neujahr. Aber die Mutterliebe bleibt.
        Und die Trauer. Auch die zieht irgendwann vielleicht aus, nur das warme Gef├╝hl der Liebe zu diesem Kind bleibt. Und der gelegentliche Anruf, das gelegentliche Gef├╝hl, das an den alten Schmerz erinnert, aber doch ganz anders ist.
        Und wie es bei lebenden Kindern sein kann, dass auch nach vielen Jahren, die erwachsene Tochter mit einem Koffer in der Hand in der T├╝r steht, weinend in die Arme der Mutter fliegt und erst einmal wieder f├╝r ein halbes Jahr zur├╝ck ins alte Kinderzimmer zieht, kann auch unser Trauerkind zur├╝ckkommen, mal f├╝r einen Kurzbesuch, dann vielleicht sogar f├╝r eine ganze Phase. Aber ob das nun passiert oder nicht, die Mutterliebe ist die Gleiche.

      • Hey.danke f├╝r deine Worte. Dieser Text ist wirklich der Wahnsinn. Beim Lesen hab ich mich sofort wieder gefunden und die Worte sind so passend,als wenn es jemand direkt f├╝r mich geschrieben hat. Ich danke dir daf├╝r.

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