Wenn sich ein Elternteil verändert ..

    • (1) 22.03.19 - 20:07
      Inaktiv

      Hallo. Bin gerade so traurig. Ich fühl mich gerade als hätte ich ein Brett vor dem Kopf - zumindest möchte man mir das einreden. Es geht darum ob meine Mama Demenz hat oder nicht. Sie ist gerade im Klinikum weil sie sehr geschwächt ist nach einer Lungenentzündung. Es stimmt das sie vor einiger Zeit den Verdacht äußerte jemand aus der Familie würde sie heimlich bestehlen. Die Beschuldigte Person gehörte eigentlich zum Kreis derer die sie immer mochte. Sie hat auch öfter vermittelt kleine Beträge plötzlich mit grosssen Schein zu bezahlen und der Verdacht war mal kurz da ob sie plötzlich Probleme hat Geldwerte richtig zu schätzen. Aber ansonsten ist sie eigentlich fit - versorgte sich selber. Ging täglich spazieren einkaufen kochte usw .. ich merke oft das sie Teile ihres herzlichen Wesens verloren hat und lieber zu Hause ist als auswärts. Aber es war ja auch Winter und das Alter ist halt nicht immer einfach. Nun sagt man aber wenn sie zurück ist vom kh muss eine Pflegestufe von der KK geprüft werden und ein Pflegedienst her. Meine Schwester sagt ich sei blind und verstehe nicht was los sei. Ich denke sie ist seit Wochen geschwächt und das macht doch auch was mit dem Gehirn und dem logischen Handeln. Anfang nä Woche soll sie heim kommen und mir geht grad alles zu schnell. Ein Neurologe wird sie Montag noch untersuchen. Ach ich weiß nicht was richtig ist, meine Schwester redet von Heim usw ich hab gerade furchtbar gestritten deshalb weil ich ihr vorwerfe den für Sie bequemsten weg zu gehen. Danke fürs lesen - weiß auch nicht was ich nun hören will u denken soll. Kennt jemand solche Situationen?

      • (2) 22.03.19 - 21:42

        Was eine schwierige Situation, du Arme! Wie alt ist deine Mama? Lebt sie alleine? Es kann natürlich sein, dass sich die Demenz bestätigt, vielleicht ist es aber auch wirklich ihr Allgemeinzustand. Wartet ab, was die Untersuchungen ergeben und welche Empfehlungen die Ärzte machen - vielleicht gibt es Therapiemöglichkeiten oder Medikamente, mit denen man sie (vorerst) einstellen kann.

      (4) 23.03.19 - 08:41

      Guten Morgen,
      hoffentlich geht es deiner Mutter bald besser.
      Die Beantragung eines Pflegegrades sehe ich als sehr sinnvoll. Es heißt ja nicht dass sie dadurch zum Pflegefall wird. Aber es muss eben ein Grad festgestellt werden (es sind Pflegegrade und keine Stufen mehr) damit Leistungen erbracht werden können. So hat deine Mutter bei Pflegegrad 1 bereits die Möglichkeit über einen Pflegedienst die sog. Entlastungsleistung in Anspruch zu nehmen. Damit kann z.B. eine Hilfe für den Haushalt bezahlt werden (wenn dies ein Pflegedienst macht, der dann direkt mit der Pflegekasse abrechnet).
      Ebenso hat sie ein Recht auf Pflegehilfsmittel.

      Wenn erst mal ein Pflegegrad genehmigt wurde ist es auch leichter diesen bei Verschlechterung "hochzustufen". Es stehen bspw. auch finanzielle Mittel für eine Kurzzeitpflege zur Verfügung.
      Lies dich da mal ein wenig rein.

      Dass bei einer beginnenden Demenz andere beschuldigt werden es sei etwas gestohlen worden kommt oft vor. Es wird verdrängt dass man selber etwas verlegt hat und es wird immer bei den anderen die Schuld gesucht. Es kann sein dass dies ein Anzeichen ist, es muss aber nicht.

      Ebenso ist es normal dass -gerade in dem Alter deiner Mutter- einen Gang zurück geschaltet wird. Man mag nicht mehr so gerne raus, Dinge die man früher gerne gemacht hat fallen einem schwer und bereiten keine Freude mehr. Hinzu kommt dass viele Mütter diese Dinge gerne von den Töchtern fern halten, denn sie möchten ja nicht zur Last fallen. Nun fällt es allerdings durch eine Krankheit und den KKH-Aufenthalt natürlich auf. Aber dies ist sicher kein Grund dass sie in ein Heim muss.

      Ich denke mit Hilfe eines Pflegedienstes der ihr im Haushalt behilflich ist, der ihr bei der Körperhygiene zur Seite steht, ihr ggf. die Medikation stellt und dies auch überwacht fahrt ihr zuerst einmal ganz gut. Sie ist in ihrem gewohnten Umfeld. Und es ist somit auch regelmäßig jemand bei deiner Mutter und ist immer über die gesundheitliche Lage informiert und kann schnellstmöglich handeln falls es nötig ist.

      LG
      masinik

      • (5) 23.03.19 - 08:50

        1000 Dank, Deine ausführliche Antwort tat mir gerade sehr gut. Ich hoffe auch, daß die Veränderungen die nun anstehen nicht Knall auf Fall kommen. Und sie sich bei besserer Gesundheit auch wieder besser fühlt. Danke.

        (6) 23.03.19 - 19:36

        Hallo,

        um Medikamente stellen zu können reicht eine Verordnung dafür vom Hausarzt aus.... dann kann man dafür einen Pflegedienst beauftragen, aber DAS hat nichts mit einem Pflegegrad zu tun!

        LG

        • (7) 23.03.19 - 20:10

          Das sollte ja auch nur ein Beispiel sein was ein Pflegedienst alles machen kann, ist schon klar dass nur dafür kein Pflegegrad bewilligt wird. LG

          • (8) 23.03.19 - 20:57

            Da ich das Ganze auch grad durch habe mit meiner Mutter (auch 85 Jahre jung) weiß ich dass es hilft wenn solche Dinge vorher schon bewilligt wurden. Ansonsten IMMER jemanden vom Pflegedienst dabei haben... wenn der MDK kommt oder so.... ansonsten hat uns der SoVD suuuuuper geholfen den Pflegegrad 2 durchzusetzen..... Meine Mom lebt auch noch alleine, hat eine Haushaltshilfe und eine Duschhilfe und die Medis werden ihr gestellt, noch reicht das aus. Ich, als Tochter, werde ja auch nicht jünger...... und das musste die Pflegekasse leider anerkennen.... auch wenn sie eigentlich gegenan wollte.

            LG

    (9) 23.03.19 - 16:35

    Ja, ich kenne solche Situationen leider nur zu gut. Und ja, solche Dinge, wie Geldwerte verwechseln, Geld verstecken/verlegen und andere beschuldigen habe ich auch kennengelernt, leider.
    Gerade wenn deine Mutter noch bisher allein gelebt hat, konnte sie, wenn es denn so ist, eine beginnende Demenz gut verstecken. Viele Dinge versuchen die Erkrankten geheim zu halten, sie reißen sich extrem zusammen, wenn jemand bei ihnen ist und viele Sachen klappen ja auch noch. Ebenso sind sie oft sehr geschickt darin, das Gespräch auf ein Thema zu lenken, worin sie sicher sind...eben nicht das Tagesgeschehen sondern Erinnerungen an früher, keine klaren Antworten auf Fragen sondern ein allgemeines Geplauder.
    Je enger man zusammen lebt, je eher merkt man die Veränderungen, man sieht die Dinge im Kühlschrank, die da nicht rein gehören, man findet den Socken in der Besteckschublade oder bekommt mit, wenn sie etwas erfolglos suchen. Und fast immer, wenn so etwas vorkommt, ist immer ein anderer schuld.
    Aber soll ich dir etwas sagen? Gerade wenn man eng dran lebt, möchte man es anfangs auch gar nicht wahrhaben, man erfindet für sich selbst Erklärungen... derjenige hat gerade keine gute Zeit, weil... er krank war, älter wird, die Blutwerte nicht stimmen...irgendwas halt.
    Und dann kommt der Punkt, an dem man sich stellen muss oder eher gesagt, an dem man diesen Menschen dahin bringen muss, sich der Sache zu stellen und das ist erst richtig hart, denn einerseits braucht man für sich selbst und auch für die Versorgung des Kranken eine Diagnose andererseits fürchtet man sie und auch der Erkrankte fürchtet sie, denn danach ist nichts mehr wie zuvor.
    Dies alles erzählt, um dir zu sagen, du bist nicht allein mit dem Durcheinander in deinem Kopf und der Angst.

    Ich habe das alles durch, meine Mutter erkrankte vor bestimmt 8/9 Jahren an Demenz, erst waren es auch nur so kleine Dinge, im KH nicht zurecht kommen, keine Orientierung an fremden Orten, dann wurde es immer schlimmer. Mein Vater leugnete es sich für sich selbst ab, meine Mutter schob ihm ihre "Verfehlungen" in die Schuhe...so oft hab ich meine Eltern nie streiten gehört.
    Irgendwann hab ich meine Mutter mit zum Neurologen genommen (es gab noch andere Erscheinungen, die in eine Parkinson Problematik passten und daher eine Untersuchung ebenfalls notwendig machten), ein paar kleine Tests und dann ganz unverwunden die Diagnose: Demenz.
    In den folgenden Jahren wurde es immer problematischer, aber dadurch, dass ich, im gleichen Haus wohnend, sie ver- und umsorgte ging es. Mein Vater war nicht so der Pflegemensch, aber er war da und das war für sie wichtig.
    Irgendwann war uns bewusst, das schaffen wir nicht mehr lange, es war ein Tag- und Nachtjob, sehr belastend und aufreibend, obwohl ich es gern getan habe, da ich meiner Mutter immer sehr sehr nahe stand. Wir haben über Möglichkeiten geredet, uns einen Plan gemacht (...wenn es nicht mehr geht) und weitergemacht, bis mein Vater zum wiederholten Male schwerst erkrankte, selber zum Pflegefall wurde und schließlich verstarb. In dieser Zeit bin ich bis an und über meine Grenzen gegangen und habe mir irgendwann eingestanden, ich schaffe das nicht mehr.
    In den letzten 1,5 Jahren war meine Mutter im Pflegeheim, hier bei uns im kleinen Ort, ich war sehr oft bei ihr, wusste sie dort gut versorgt, hatte aber trotzdem oft ein schlechtes Gewissen, weil ich wusste, so wirklich glücklich war sie nur, wenn ich bei ihr war. Aber auch ich musste mein Leben leben, ich habe Mann und Kinder, die mich sehr unterstützt haben und auch die Oma gern besuchten. So haben wir eine Lösung gefunden, die vielleicht nicht für alle Beteiligten superideal war, aber für alle die bestmögliche.
    Vorletzte Woche ist meine Mutter verstorben, es war eine lange Zeit mit der Krankheit, ich hab ganz viel darüber gelernt und viele Erfahrungen gesammelt, ich bin meiner Mutter sehr nah gewesen und habe sie eng begleitet. Es war hart, aber ich möchte es auch nicht missen.
    In diesem Sinne, mach das Beste aus der Situation, sei bei deiner Mutter, begleite sie, wie es dir möglich ist. Und wenn die Diagnose kommt, mach dich kundig, mach Kurse (ich habe einen Demenz-Pflegekurs gemacht, der sehr hilfreich war), lass dir helfen, lass dir Hilfen aufzeigen, tätige und finanzielle, sprich dich mit deiner Schwester ab und redet miteinander nicht gegeneinander, vielleicht hat sie Dinge beobachtet, die dir nicht aufgefallen sind und weiß was evtl. auf euch zukommt!
    Auf alle Fälle, alles, alles Liebe für euch, ihr schafft das!!!

    • (10) 23.03.19 - 19:35

      Mein Beilied Dir zum Verlust Deiner Mutter, und ein ganz großes Dankeschön für die ausführliche Schilderung und die vielen Ratschläge. Das ist gerade sehr sehr wichtig für mich. Es stimmt, ich scheue das Ergebnis des anstehenden Termins beim Neurologen. Man will es nicht wahrhaben...und hofft halt so sehr auf gute Nachrichten.
      Ich hoffe es so sehr, daß sie noch recht lang selbstständig und selbstbestimmt leben darf.

      LG

      (11) 25.03.19 - 21:13

      Meinen ausdrücklichen Respekt dafür, wie Du Dich um Deine Mutter gekümmert hast, und zwar vollkommen egal, ob zuhause oder im Heim. Das ist nicht selbstverständlich. In der Zeit, als ich meinen Mann pflegte, war ich in einem Pflegeforum und bekam täglich mit, dass sich wirklich die meisten Angehörigen, besonders auch Kinder, nach und nach zurückziehen und alles meist an einer Person hängenblieb. Sehr sehr traurig und schlimm. Für Dich alles Gute, Du hast alles richtig gemacht. Liebe Grüße von Moni

      • Dankeschön! Ja da hast du wohl recht, das ist leider oft so!
        Ein richtig schönes Erlebnis hatte ich, als ich das Zimmer meiner Mutter geräumt hatte, die Pflegerin, die sich viel um meine Ma gekümmert hat, war an diesem Nachmittag dort und als ich mich verabschiedete nahm sie mich in den Arm und meinte, solche Angehörige würde sie sich viel mehr wünschen! Das tat mir in dem Moment so gut!
        Auch dir alles Gute und liebe Grüße!

(13) 10.04.19 - 10:35

Hallo,

mein Oma hatte Demenz. Bei ihr fing es auch mit einer Wesensveränderung an. Mir fiel das Abbauen deutlicher auf als dem Rest meiner Familie, da ich meine Oma zu dem Zeitpunkt nur 4x im Jahr sah, die restliche Familie sah sie beinahe täglich. Ich vermutete also schon viel früher als der Rest, dass etwas mit ihr nicht stimmt. Sie wurde ruhiger, zog sich mehr zurück als sonst. Vorher war sie sehr lebenslustig, machte viele Ausflüge mit dem Rentnerclub usw. Dann fing auch sie an, dass ihr Geld fehle und verdächtige auch irgendwelche Personen. Sei es, dass die Dame ihr auf der Bank den falschen Betrag ausgezahlt hat oder die Verkäuferin ihr falsch raus gegeben hat. Irgendwann sagte sie mal, dass ein größerer Betrag Geld aus ihrer Wohnung fehle. Als wir ihr erklärten, dass keiner in ihre Wohnung rein kann, war sie felsenfest überzeugt, dass ihr Vermieter es gewesen sein muss. Sie wirkte auch streitsüchtiger als früher. Ihren Haushalt machte sie allerdings komplett alleine, kaufte sich selbst ein und war dahingehend eigentlich rüstig und fit. Sie wurde nach und nach immer grieskrämiger und fand an allen Menschen was schlechtes. Das war früher nicht so. Sie kam mit jedem aus und hatte einen großen Freundeskreis. Danach kam die Vergesslichkeit. Auch schleichend. Zeitgleich merkte man ganz unterschwellig, dass sie öfters mal dachte, im Früher zu leben. Das merkte man aber nur bei genauem Hinhören, wenn sie über Personen aus ihrem früheren Leben sprach. Bsp.: ich habe xyz beim Einkaufen getroffen, der hat mich mit heim genommen. Dieser xyz ist ein ehemaliger ....

  • (14) 10.04.19 - 10:48

    .... Arbeitskollege, der schon lange nicht mehr lebte. Sie tat es anfangs als Versprecher ab und berichtigte sich. Dieses Leben im Früher nahm dann immer stärkere Ausmaße an und sie konnte dann nicht mehr unterscheiden. Meine Mutter kümmerte sich dann tatsächlich schon um einen Platz im Pflegeheim, denn die Wartelisten waren lang. So schleichend wie es anfangs ging, so schlagartig ging es dann zum Schluss. Sie bräuchte rund um die Uhr Betreuung und konnte alleine nichts mehr machen. Das Pflegeheim war die beste Entscheidung weil wir sie Zuhause mit der Demenz nicht mehr hätten pflegen und betreuen können, da rund um die Uhr jemand nach ihr schauen musste. Vom Anfang, als es die ersten Anzeichen gab, bis hin zur völligen Hilflosigkeit dauert es allerdings mehrere Jahre. Ich schätze grob 3-4 Jahre. 2007/2008 merkte ich die ersten Anzeichen, 2011 kam sie dann ins Pflegeheim. So ca. 2015 konnte sie nur noch schlecht am Alltag im Pflegeheim teilnehmen, ab 2016 erkannte sie uns nicht mehr und 2017 ist sie im Alter von 86 Jahren verstorben.

    Es ist schwer mit anzusehen, dass die eigenen Eltern hilflos und pflegebedürftig werden. Man darf sich davor aber nicht verschließen. Fangt am besten jetzt schon an zu überlegen und zu planen wie es weitergeht. Seht die Sache realistisch. Deine Schwester hat gar nicht so unrecht, den Gedanken Pflegeheim ins Auge zu fassen. Das muss nicht sofort sein, aber ich würde mich vorab schon mal über verschiedene Heime informieren. Eine schwere Demenz ist Zuhause fast unmöglich zu pflegen.

    LG
    Michaela

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