Lähmende Angst vor Veränderung..

    • (1) 07.08.19 - 14:13

      Hallo zusammen,
      ich weiß garnicht so richtig, ob das hier in das Trauer-Forum passt, aber Trost brauche ich gerade ziemlich dringend, deshalb schreib ich hier rein.
      Ich habe gottseidank niemanden verloren sondern eher ein Problem mit mir selbst, vielleicht geht oder ging es einem von euch genauso und ihr könnt mir sagen, wie ihr damit umgeht oder umgegangen seid:

      Ich studiere gerade und habe das Gefühl, dass das, was einen eigentlich in der Pubertät "umnieten" sollte, jetzt auf mich zukommt: Erwachsenwerden, Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen - und ich hab das Gefühl, damit überfordert zu sein und mich sozusagen aus Angst vor dem Leben in die andere Richtung zu entwickeln. Ich habe unglaubliche Angst vor Veränderung. Das ist schon seit längerem so, als meine Eltern letztes Jahr unser Haus renovierten, konnte ich selbst die kleinsten Veränderungen nur schwer ertragen. Jetzt ziehe ich nach 2 Jahren aus meinem 8qm²-Studentenwohnheims-Zimmer aus, von dem alle meine Freunde sagen, sie hätten es nie solange darin ausgehalten. Und ich kann mich seit Wochen nicht mit dieser Entscheidung anfreunden, die ich mal für richtig und gut gehalten habe - einfach, weil sie Veränderung mit sich bringt!
      Irgendwie ist glaube ich meine Befürchtung, etwas von meiner Vergangenheit unwiederbringlich zurückzulassen, wenn ich aus meinem klitzekleinen Nest hier ausziehe.
      Aber es werden doch noch so viel größere, wichtigere, permanentere Entscheidungen auf mich zukommen, eine Vorstellung, die ich fast unerträglich finde!

      Hattet ihr solche Ängste schonmal? Sind sie einfach weggegangen oder habt ihr was dagegen getan? Ich bin seit Wochen ein grübelndes, heulendes Wrack und schaffe es nicht aus meiner Gedankenspirale heraus.. :´(

      Danke fürs Lesen!

      • Liebe Dusk to Dawn,

        ich kenne diese Ängste selbst nicht, kenne aber Menschen, die etwas ähnliches durchgemacht haben. Wenn es so massiv ist, wie bei Dir, rate ich Dir dringend zu einer Therapie. Ich habe beobachten können, daß dabei recht schnell gute Erfolge erzielt werden können. Das gibt ein tolles Gefühl für den Anfang. Um langfristig etwas zu ändern, mußt Du aber an der Therapie dranbleiben. Bitte sprich unbedingt mit einem Arzt des Vertrauens, idealerweise Deinem Hausarzt und schildere ihm die Situation und auch, wie sehr Du darunter leidest.

        Nur Mut, das, was Du beschreibst, ist ein klassisches Beispiel für eine (Verhaltens)therapie. Da muß Dir einfach jemand helfen, der sich damit auskennt. 😌

        Alles Gute Dir!

        (3) 10.08.19 - 15:47

        Du machst ein Studium also hast du doch ein richtiges Betonfundament um dein Leben aufzubauen.
        Klar hat man Angst vor Veränderungen,
        Die "was ist wenn" Frage, die im Kopf rumgeistert, aber was ist Leben wenn nicht Veränderung und Erfahrung sammeln?
        Was sonst gehört für immer dir?

        Es gehört dazu und manchmal tut es etwas weh, manchmal fällt man hin, aber mit jedem Fehler den ich in meinem Leben gemacht habe, habe ich dazu gelernt, würde keinen davon wiederholen und wollte keine Erfahrung und keinen einzelnen von ihnen missen, denn Lebenserfahrung macht mich aus, die nimmt mir keiner mehr weg.

        Leben bedeutet Veränderung, egal ob gewollt oder nicht, an Dingen festhalten, sei es Deko oder ein Zimmer wird immer wieder Verluste bringen, weil die Sachen nicht bleiben. Und anstatt das die Sachen dir das Leben schöner machen, engen sie dich ein, weil jede einzelne sich zwangsläufig irgendwann verändern wird.

        Verantwortung hast du für dein Handeln, das stimmt und für dich ist sie eher ein Gefängnis, dabei ist ihr wahrer Name Freiheit. Die Freiheit ein Mensch zu sein, der Entscheidungen selbst treffen darf, du studierst, du bist also nicht auf den Kopf gefallen, kannst falsch und richtig unterscheiden... Was soll schief gehen?

        Ich kenne das Problem von meinen Eltern, es dürfte nie etwas am Haus verändert werden, wenn doch würde Jahre darüber geredet bevor gehandelt wurde, es wurde geweint, geschrien, getrauert.... Und die ganze schöne Lebenszeit in der man hätte Eis essen und in Urlaub gehen können ist vorbei gezogen... Und kommt nicht mehr zurück, für kein Geld der Welt. Jetzt ist das riesige Haus nur noch von meinen Eltern bewohnt, mum putzt den ganzen Tag obwohl sie krank ist, Papa arbeitet im Garten und macht sich die Knie kaputt... Für ein Haus, das zu groß ist, für ein Haus, das einen schönen Lebensabend finanzieren könnte, ohne Sorgen und Arbeit.. Aber das Haus darf nicht, es muss um jeden Fall behalten werden, denn es war schon "immer" da, was nichtmal der Wahrheit entspricht.
        Es wurde gebaut, es wird irgendwann abgerissen, es wird nicht für immer sein, aber ohne diese Angst vor Veränderung hätte es wenigstens seinen Zweck erfüllen können.

        Ich kann dir nicht sagen wie du damit zurecht kommst, das muss von dir selbst kommen, aber vielleicht versuchst du einfach Sachen nicht als absolut zu sehen sondern als etwas das dich eine Weile begleiten wird, irgendwann aber halt nicht mehr. Solange sie dir Freude bereitet haben solange sie dich begleitet haben, haben sie ihren Zweck erfüllt und was keine Freude bereitet, am besten entsorgen.

        • (4) 18.08.19 - 11:20

          Ich danke euch für eure einfühlsamen Antworten, es war sehr schön sie zu lesen und tatsächlich haben sie geholfen, ich wusste garnicht, dass das Internet das kann :P Ich habe gestern eine Psychotherapeutin kontaktiert und fühle mich zumindest mit dieser Entscheidung sehr gut. Dankeschön euch allen :)

      Mir ging es auch eine Zeit lang so. Es war bei mir auch eher der Übergang Abitur/Ausbildung und dann Ausbildung/Berufsleben.
      Ich habe es auch immer wieder mit Veränderungen recht schwer. Mir hat es geholfen es einfach zu akzeptieren dass ich es damit schwerer haben als andere. Jetzt bin ich 29 und es ist nicht mehr ganz so schlimm.

    • Vielleicht hilft es dir schonmal zu wissen: Du bist nicht allein! Angst vor Veränderungen zu haben ist denke ich sehr natürlich. Es wird halt nur zum Problem, wenn es anfängt dein Leben zu beeinträchtigen. Die Sache ist die, musst du denn etwas verändern? Musst du ausziehen? Wenn du so zufrieden bist, dann ist das ja vielleicht nicht nötig. Wenn doch, dann kannst du dir vielleicht bewusst machen, was für schöne neue Dinge auf dich zukommen.

      Ich kenne das halt in soweit, dass ich Routine brauche, mich diese Routine aber schnell langweilt. Sobald etwas neues auf mich zukommt, gerate ich in Panik. das ist wirklich so ein Teufelskreis.

      Ich glaube auch, dass in solchen Fällen eine Therapie sinnvoll wäre. Es fängt halt immer klein an und entwickelt sich dann zu einem so großen Problem, dass man gar nicht mehr weiter weiß....

      (8) 28.08.19 - 22:50

      Hallo du Liebe,

      Ich habe das gerade als Erwachsene. Als Mutter von 2 Kindern. Ich kenne das Gefühl nur allzu gut.
      Ich nehme immer die Ausrede, dass ich wegen der Kinder nicht umziehen kann. Aber ich glaube die Kinder kämen mit einer Veränderung besser zurecht als ich..


      LG..

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