4-jähriger kann nicht abschließen

Hallo,

vor fast einem Jahr ist mein Schwiegervater nach Krankheit gestorben. Wir alle wussten, dass das kommen wird und sind deswegen so gut damit zurecht gekommen, wie es eben geht. Außer mein Sohn...

er vermisst seinen Opa noch immer sehr und wünscht sich so sehr, dass er wieder da ist. Die zwei waren ein Herz und eine Seele, haben sich täglich gesehen usw
deswegen war mir klar, dass das schwer wird, aber... naja, dass Sohnemann noch immer so leidet, zerreißt mir das Herz!
wir haben so viel probiert... Anfangs habe ich es ihm erklärt: Opa war krank, ist nun verstorben und wird nicht mehr wieder kommen. Er wohnt jetzt bei den Sternen und passt auf uns auf und es geht ihm gut dort.
wir haben ein Bild für Opa gemalt und es ans Fenster geklebt, damit er es sieht.
wir haben außerdem ein Bild vom Opa ins kizi gestellt.
nun verlief es anfangs "normal". Seine Kita wusste Bescheid und hat ihn gut unterstützt.
zuhause reden wir, wenn Sohnemann redebedarf hat. Manchmal geht er mit Oma zum Friedhof.
mittlerweile werden seine Fragen aber besorgniserregend. zb ob er Opas Knochen mal ausgraben und angucken kann...
ich weiß nicht mal, wie er darauf kommt... Opa ist in einer Urne beigesetzt worden, aber auch das weiß er gar nicht, weil wir uns einig sind, dass derartige Infos noch nix für ihn sind.
jedenfalls ist es auch so, dass wann immer er wegen irgendwas weint, es irgendwann zu rufen nach Opa kommt. Ich erkläre ihm immer und immer wieder, dass Opa nicht mehr da ist, und wir das nicht ändern können; dass es in Ordnung ist traurig darüber zu sein. Wir alle sind manchmal traurig darüber...
ich bin einfach mit meinem Latein am Ende, bin ehrlicherweise sogar manchmal genervt, zeige ihm das aber nicht. Ich möchte ja seine Trauer nicht kleinreden oder abtun oder so, aber es kann ja so nicht weitergehen!
hatte jemand schon ähnliche Erfahrungen? Wie seid ihr damit umgegangen? Habt ihr Tipps für uns?

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Es tut mir, dass Du Deinen Schwiegervater verloren hast.

Dein Sohn muss begreifen, dass sein Opa gestorben ist und nicht wieder kommt. Ich vermute, dass er nicht auf der Beerdigung war. Er hat nicht die Urne gesehen, das Loch im Friedhof, seinen Opa tot gesehen?

Ich würde ein gutes Kinderbilderbuch über den Tod kaufen. Seine Fragen würde ich ihm ehrlich beantworten. Auf Fragen, wo Opa jetzt ist, würde ich antworten, dass ich es nicht wisse, da ja niemand wieder gekommen ist. Vielleicht gibt es nichts. Vielleicht ist er bei den Sternen. Ich würde ihn fragen, was er sich vorstellt. Mein Sohn sagte, sein Bruder würde hinterherfliegen oder sitzt gerade auf dem Baum...

Begreifen kann er seinen Opa nicht mehr. Damit meine ich anfassen, sehen, dass er tot ist. Erzähle ihm von der Einäscherung, zeige ihm eine Urne oder Bilder davon.

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Durfte er mit zur Beerdigung? Viele wollen ihre Kinder schützen und dann ist es für diese schlimmer, weil der Opa einfach weg ist.
Meine Enkelin war auch vier, als ihr erster Opa starb. Sie hat ihn auch krank erlebt und die Einäscherung wurde ihr auch erklärt, bei der Beisetzung der Urne war sie auch dabei. Die ersten Wochen ging sie abends immer noch auf die Terrassemund schickte ihrem Opa eine "Gute Nacht" zu den Sternen.
Beim Tod meines Mannes war sie acht, und saß sogar in der Küche und hörte im Babyphon, als ihr wirklich sehr geliebter Opa plötzlich nicht mehr atmete. Am Tag darauf suchte sie die Urne für ihn aus - es war alles so selbstverständlich und natürlich. Sie weinte auch um ihn, sah aber auch ein, dass er nun keine Scjmerzen mehr hatte.
Beantworte die Fragen Deines Sohnes ganz normal, ohne gereizten Unterton - sie sind nichts Besonderes, wir Erwachsene interpretieren das anders. Kinder machen sich andere Gedanken als wir.
Die Ansicht, dass alles, was mit Sterben usw. zu tun hat "nichts für Kinder ist" finde ich vollkommen falsch, weil das Sterben zum Leben dazugehört.
Sicher ist jedes Kind anders, aber je selbstverständlicher Erwachsene damit umgehen, desto besser.
Du wirst Deinem Sohn die Einäscherung erklären müssen, dann ist das Thema Knochen ausgraben auch durch.
LG Moni

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Ich würde mich an eurer Stelle Mal über Trauerbegleitung informieren.
Es gibt Organisationen, die speziell Kindern helfen mit Trauer umzugehen.
Das halte ich hier für angebracht.

Ich hab dazu vor Ewigkeiten Mal einen Informationsabend besucht und da wurde sehr deutlich gemacht, das Kinder anders Trauern wie Erwachsene und man das auf gar keinen Fall verharmlosen soll ( was du ja nicht tust)

Vielleicht mal beim KiA oder Jugendamt nachfragen. Die haben bestimmt Kontakte.
Ich weiß leider echt nicht mehr, wie das hieß.

Liebe Grüße und alles Gute für euch 💐

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Hallo,

das klingt jetzt komisch, aber vielleicht geht es nicht um den Opa - auch wenn dein Sohn nach ihm ruft - sondern um die Sterblichkeit und die Endlichkeit an sich. Und den Verlust. Und weil man als Kind nicht genug Worte und Erfahrungen hat, um die Gefühle und die Situation zu beschreiben, nimmt man das her, was man schon hat an Erfahrungsschatz.

Kinder sagen ja auch oft, sie haben ein blödes Gefühl. Blöd steht für so vieles und dann fängt man die Forscherei an und findet heraus, dass blöd auch für einsam, ängstlich, peinlich berüht, Scham oder ein ganz anderes Gefühl stehen kann.

An deiner Stelle würde ich den verstorbenen Opa nicht mehr so viel zum Thema machen, sondern vom Opa ablenken und fragen, wo denn der Schuh wirklich drückt. Und auch die Fragen nach den Knochen finde ich nicht ungewöhnlich oder besorgniserregend. Ein Kind ist neugierig und ich denke, dass man in solch einem Rahmen auch erklären kann, dass es eine Einäscherung gab und keine Knochen mehr vom Opa im Grab liegen.

Viele Grüße
lilavogel

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Es wurden schon viele Gute Sachen gesagt. Ich würde dir auch raten ganz ehrlich mit deinem Sohn zu sein und den Tod so beschrieben wie er wirklich ist und nichts zu beschönigen. Kinder merken sowas und das macht ihnen Angst. Mein Sohn (7) hat seinen Opa auch vor einigen Wochen verloren. Er hat den Leichnam von ihm gesehen. Hat gefühlt, dass der Körper ganz hart und kalt ist und hat sogar nachgehorcht, dass sein Herz nicht mehr schlägt. Auch die Einäscherung haben wir ihm erklärt, aber auch was bei einer Erdbestattung passiert. Wir haben versucht ihm all das möglichst neutral erklärt. Das war alles total ok für ihn und es hat ihm nicht geschadet. Klar, er weint manchmal auch um den Opa. Aber er hat nicht mehr gefragt, was mit dem Körper vom Opa passiert ist oder ähnliches.

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>> er vermisst seinen Opa noch immer sehr und wünscht sich so sehr, dass er wieder da ist <<
Sagt er das oder interpretierst Du das in sein Verhalten? Das Verhalten bzw. seine Äusserungen finde ich - wenn man kindliche Logik anwendet - gar nicht mal seltsam.

Knochen ausgraben: Neugier. Vermutlich hat er irgendwo mitkriegt, daß von Toten nur noch Knochen übrigbleiben und die will er halt sehen. Wenn wir die ganzen Erwachsenen-Tod-Tabus weglassen ist das auch durchaus ein spannendes Thema.

Nach Opa rufen: Du hast ihm erzählt, daß Opa nun vom Himmel aus auf ihn aufpasst. Und wenn sonst nichts hilft, bemüht Söhnchen halt himmlische Kräfte. 4jährige nehmen Dinge sehr wörtlich. Da ist nix mit 'im übertragenen Sinne'.

Ich denke, Du darfst nicht erwarten, daß Dein Sohn irgendwann 'durch' ist mit Opa. Das ist man nie, wenn ein geliebter Mensch gestorben ist. Die Traurigkeit wird nur weniger. Das man trotzdem oft an ihn denkt, halte ich für normal.

Grüsse
BiDi

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Hallo ihr lieben,

sorry,dass ich erst jetzt antworte, aber wie bei vielen, ist gerade das rl dazwischen gekommen...

erstmal danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt, zu antworten!

in der Zwischenzeit ist es schon besser geworden, ohne großes zutun, wenn ich ehrlich bin...

ich halte es ja so, dass ich warte, wenn er redebedarf hat. Also nicht so, dass ich mit dem Thema anfange. Und naja, er hat nicht mehr gefragt...

aber ich habe mir vorgenommen, ihm das mit den Arten der Bestattungen noch mal genau zu erklären und auch die totenruhe.

was ich zudem weiter verfolgen werde, ist die frage, ob "Opa" vielleicht stellvertretend für andere Gefühlslagen herangezogen wird. Danke für diesen Denkanstoß!

ah, eins habe ich doch getan! Ich habe meiner Schwiegermutter mehr oder weniger verboten, ihre Trauer bei meinem Sohn abzuladen. Das tut sie nämlich irgendwie... bestimmt nicht absichtlich oder so, und ich will ihr auch keine Vorwürfe machen! Aber wenn sie einen schwachen tag/moment hat, erträgt sie Fröhlichkeit nicht so gut. dann sagt sie zu meinem zb sowas: "ich bin so traurig, dass ich nicht mehr mit Opa kuscheln kann. Willst du vielleicht stattdessen mit mir kuscheln?"
und jetzt, wo ich das mal so in Worte fasse, finde ich das irgendwie noch bedenklicher, als so schon?!

naja, danke nochmal für eure Antworten!

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Hat deine Schwiegermutter sowas öfter gemacht oder gesagt? Hat oder hatte dein Sohn vielleicht das gefühl den Opa ersetzen zu müssen um Oma wieder fröhlich zu machen? Und weil er das nicht konnte hat er sich so an den Wunsch geklammert das Opa wieder kommt?

Ich glaube das solltets du im Auge halten das die Oma sich dran hält. Die kann sich bei jedem ausheulen aber nicht bei einem Kleinkind.
Es gibt für alles seine Zeit. Auch die Trauer braucht ihre Zeit. Bei jedem Menschen anders. Aber wenn die Oma sowas öfters gesagt hat dann hatte dein Sohn ja gar nicht die Möglichkeit mit seiner Trauer ab zu schließen. Wenn Oma den Opa noch so schlimm vermisst muss ich das auch.