Ich bereue meine Abtreibung sehr

Hallo ihr lieben,

ich habe mich an dieses Forum gewendet da ich sonst niemanden habe mit dem ich darüber reden kann. Zu groß ist die Angst verurteilt zu werden. Ich habe vor 5 Jahren abgetrieben. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits alleinerziehende Mutter einer gerade 1 jährigen Tochter. Ich bin von Anfang an alleinerziehend. Ich hatte große Schwierigkeiten meine Tochter anzunehmen wobei sie ein Wunschkind war. Der Auslöser lag an den Beziehungsproblemen mit ihrem Vater. Während der Schwangerschaft ist er mir gegenüber handgreiflich geworden, ich hatte damals schon mit dem Gedanken gespielt sie abtreiben zu lassen aufgrund der damaligen Situation :-( ich habe mich dennoch für sie entschieden. Ich konnte anfangs nicht die Gefühle für meine Tochter aufbringen wie es eine Mutter normalerweise tun sollte, zu sehr hat sie mich an ihren Vater erinnert, obwohl sie ja nichts dafür kann. Ich war mit der gesamten Situation überfordert, alleinerziehend, unglücklich. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich es bereut sie damals nicht abgetrieben zu haben so hart es sich auch anhört. Ich dachte, dadurch wäre mir halt viel erspart geblieben. Was nun natürlich nicht der Fall ist. Nach einiger Zeit fingen die Umgänge seitens des Kindsvater an. So dumm wie ich auch war habe ich mit ihm irgendwann geschlafen und bin unerwartet ungewollt wieder schwanger geworden:-( Für mich stand damals sofort fest ich werde abtreiben. Eine Woche später war es dann auch soweit. Ich hatte das Gefühl die absolut richtige Entscheidung getroffen zu haben, zumal der KV Anabolika konsumiert und ich Angst hatte, dass das Kind Schäden davon tragen könnte und ich allgemein bereits überfordert mit meiner Tochter war... heute bereue ich meine Entscheidung sehr und würde den Tag der Abtreibung am liebsten wieder zurückdrehen. Seit ca. einem Jahr quäle ich mich damit herum was ich da eigentlich getan habe. Ich weine jeden Tag, schlafe schlecht. Ich wünschte ich wäre damals in einer besseren psychischen Verfassung gewesen und hätte anders entschieden. Ich denke jeden Tag an mein ungeborenenes Kind. Und wenn ich meine Tochter anschaue könnte ich nur noch heulen, da ich ihren Bruder/Schwester getötet habe,:-((( ich liebe meine Tochter heute überalles und bereue es keineswegs sie bekommen zu haben. Sorry für den langen Text, ich wollte mich einfach Mal ausheulen da ich sonst niemanden habe dem ich meine Geschichte anvertrauen kann.

1

Guten Morgen, du Liebe,
dann hast du hier zum ersten Mal offen über deine Gefühle und das Geschehene gesprochen?! Du konntest damals die Situation nicht anders sehen. Du warst überfordert und unter Druck. Hättest viel mehr Unterstützung gebraucht. Ganz bestimmt hast du es dir nicht leicht gemacht und es tut mir sehr leid.
Es ist wichtig für dich, dass du weiter darüber redest, dein Kind betrauerst, dich verabschiedest. Damit du einen neuen und wertvollen Lebensabschnitt beginnen kannst. Ich selber kenne es nicht, weiß aber von anderen Frauen und ihren Erfahrungen damit. Der Weg zur Heilung beginnt, wenn die Mauer des Schweigens durchbrochen wird. Das hast du gestern getan. Es gibt Heilung und Versöhnung mit dem Geschehenen. Auch für dich, du Liebe #liebdrueck
Eine Freundin hat mir mal von einem Buch dazu von Karin Lamplmair erzählt. Die Autorin beschreibt darin ihre eignen Erfahrungen. „Ich nannte sie Nadine“ heißt das Buch. Vielleicht wäre es auch etwas für dich und es tröstet dich und hilft dir weiter. Weiter kenne ich vom lesen die Seite von Deborah e.V.. Eine selbst betroffene Frau hat sie gestaltet. Die VillaVie ist auch so eine Adresse. Du merkst, du bist wirklich nicht alleine und auch für dich wird es nach der Trauer eine gute weitere Zukunft geben.
Ich wünsche dir von Herzen viel Trost und Kraft und dass du das Passende für dich findest und dass im Neuen Jahr 2021 Neues in dir wachsen kann.
Ganz liebe mitfühlende Grüße von Britta #liebdrueck

2

Hallo, ich finde es sehr mutig von dir das du offen über deine Gefühle sprichst, du kannst die Zeit leider nicht mehr ändern, versuche es so schwer das auch sein mag, so zu akzeptieren und einfach deine ganze Liebe deiner Tochter zu geben, ich kann dich sehr gut verstehen, meine Mutter wurde damals Garde nach 1 Jahr mit Kind 4. Wieder schwanger Ich war 13 Jahre alt meine Geschwister 8, 3, 1 Jahre alt, mein Stiefvater war ein Gewalttätiger Drogen Anhänger, leider hatte meine Mutter ihn geliebt und nicht gesehen wie schlecht er war. Naja auf jeden war sie wieder schwanger, und ich sagte damals zu ich möchte keine Geschwister mehr, und es hieß auch vom Fr Arzt es könnte eventuell behindert sein. Meine Mutter hat dann auch abgetrieben, und es sehr viele Jahre bereut, aber eigentlich war es die beste Entscheidung weil sie auch total überfordert war und ohne mich es nicht geschafft hätte, ich musste sehr viel helfen und hab auf meine Kindheit verzichtet.. Heute weiß meine Mutter auch das es eine gute Entscheidung war, und vielleicht kannst du bald für dich damit abschließen. Lg

3

Du sagst, du wünschst dir, dass du damals in einer besseren psychischen Verfassung gewesen wärst. Ich habe den Eindruck, du solltest lieber daran arbeiten, heute in einer besseren psychischen Verfassung zu sein.

Nach deiner Schilderung hast du zum damaligen Zeitpunkt die einzig richtige Entscheidung getroffen. Es war objektiv richtig, das Kind nicht zu bekommen, die Gründe dafür hast du selber schon aufgezählt.

Was bringt es dir, heute mit der Entscheidung zu hadern, weil deine Situation heute eine andere ist? Du kannst die damalige Entscheidung nicht mehr ändern, nichts mehr rückgängig machen! Weißt du, wie deine Situation heute wäre, wenn du das Kind bekommen hättest? Vielleicht wärst du komplett überfordert gewesen, beide Kinder würden mittlerweile im Heim oder in Pflegefamilien leben. Vielleicht hast du deine Kinder vor einem solchen Schicksal bewahrt? Und sowieso... hätte, wäre, wenn... alles Zuviel Konkunktiv. Sei dankbar für das, was du hast und das es gut gelaufen ist und du eine gesunde Tochter hast, die du liebst.

Meiner Meinung nach hast du nicht ihren Bruder/Schwester getötet, sondern dich selbst gerettet und dafür einen Zellhaufen hergegeben.

Warum fängst du Jahre später an dich mit der Vergangenheit - an der du nichts mehr ändern kannst! - zu quälen? Vermutlich, weil du auch heute noch psychisch instabil bist, nein, es ist schon gut so wie es ist.

Leb dein Leben, es ist doch gut so wie es ist!

LG