Keine Lust mehr zu leben

Hallo ihr Lieben,

Das ist das erste mal, dass ich über so etwas schreibe, deswegen wird das jetzt ein langer Brief.

Ich bin 31 J., habe einen 14 Monate alten Sohn und bin verheiratet. Wir haben Gott sei Dank keine Geldprobleme, unseren Freunden und Verwandten geht es super, mein Baby ist der größte Sonnenschein und sehr pflegeleicht, mein Mann liebt mich sehr.

Klingt alles wie im Bilderbuch, so, wie ich es mir immer gewünscht habe.

Und doch habe ich keine Lust mehr zu Leben. Ich habe das Gefühl, mein Leben driftet an mir vorbei. Als ob ich in einem Ozean unter Wasser bin und ich schaffe es nicht aufzutauchen. Bei den kleinsten Dingen, die mein Mann zu mir sagt flippe ich völlig aus, werde selbstzerstörerisch. Ich bin müde, egal wie viel ich schlafe, ich bekomme es manchmal noch nicht einmal den Tisch aufzuräumen oder die Spülmaschine einzuschalten. Es fühlt sich alles so sinnlos an.

Ich denke mir, vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich kaum noch rauskomme. Dass ich seit über zwei Jahren nicht mehr arbeite aber bis dahin immer die volle bussiness Frau war. Es fehlt mir. Aber mir würde mein Sohn noch viel mehr fehlen wenn ich plötzlich wieder so viel arbeiten müsste. Der Gedanke ihn den ganzen Tag abzugeben nur damit ich meinem "Hobby" nachgehen kann ist für mich unerträglich, da er auch so an mir hängt und ich auch an ihm.

Mit meinem Mann habe ich nur noch selten Sex, nie Lust, habe das Gefühl, dass er sich für mich wie ein Fremdkörper anfühlt. Wir streiten seit einigen Monaten so viel wie nie und ich raste so aus. Und dann gibt es aber Tage und Momente, da geht es mir plötzlich super. Aber das hab ich vielleicht nur noch 1-2 im Monat, es wird immer seltener.

Meine einzige Kraftquelle ist mein Sohn. Und ich fühle mich wie eine Rabenmutter, dass ich das so von ihm abhängig mache. Allgemein fühle ich mich wie ein schlechter und undankbarer Mensch, weil ich Probleme mache obwohl es keine gibt.

Ich wünsche mir ganz oft einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen. Vielleicht ist es eine Deppression, mein Arzt hatte mir sogar eine Überweisung für einen Psychologen gegeben aber seit Monaten meldet sich niemand weil die überlastet sind. Und mir fehlt jeglicher Antrieg und Kraft da noch weiter nachzugehen, ich weiß keinen Weg mehr raus.

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geh bitte dringend und lass dir helfen, das ist ganz sicher eine Depression,

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Bitte ruf noch heute dieser Notrufnummer an 0800 3344533
oder auch die Telefonseelsorge, auch sie können Dir wirklich helfen 0800 – 111 0 111

Nicht nur vielleicht, ich denke wirklich, dass Du bereits in einer Depression steckst, aber es gibt Hilfe bei den o.a. Nummern. Bitte ruf an. Alles Liebe für Dich.
Hast Du keine Eltern oder Freundin, die Dir für den Moment helfen können? Du brauchst Dich für nichts schämen, frag sie einfach.
LG Moni

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Liebe kandis!
Das klingt tatsächlich nach einer Depression.
Bitte suche dir Hilfe bevor es sich noch mehr festigt. Ach Mensch. Das klingt wirklich ungut.
Aber es gibt Unterstützung und Hilfe.

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Wie glaubst Du kann Dir ein Forum bei so etwas Gravierendem helfen?! Geh bitte so bald wie möglich in die Notaufnahme eines Krankenhauses mit Psychiatrie.

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Hallo Kandis,
Es tut mir sehr Leid, dass es dir so schlecht geht. Ich kann das nachempfinden. Nachdem meine Tochter auf der Welt war ging es mir zusehends immer schlechter, ich wurde auch depressiv obwohl um mich herum alles passte. Ich begann eine Therapie und meine Psychologin meinte zu mir, dass ich die Wochenbettdepression verschleppt hätte. Mit der Therapie wurde es leichter und nachdem ich in einer Psychosomatischen Klinik war (mit meiner Tochter), ging es mir auch besser. Dort kam dann auch heraus, dass ich mit der Schilddrüse Probleme hatte.
Jetzt, einige Jahre später, reflektiere ich und bin mir sicher, dass es auch an meinem Hashimoto lag, dass es mir so schlecht ging. Zumal ich bis heute Probleme mit der Erkrankung habe. Die Depressionen sind Gott sei Dank verschwunden.

Ich kann dir nur empfehlen, nicht aufzugeben, nicht an deiner Ehe oder eurer kleinen Familie zu zweifeln und bis du mit einer Therapie beginnen kannst, vielleicht sogar versuchst einen Platz in der Psychosomatik zu bekommen. Das geht auch mit Kind. Ich weiß nicht woher du kommst, aber ich kann dir in München eine gute Klinik empfehlen.

Mit Depressionen ist man nicht man selbst und die Krankheit gaukelt einem auch Dinge vor, die nicht so sind. Man kann auch nichts dafür, wenn man darunter leidet.
Schade ist, wie die Gesellschaft darauf reagiert. Und jetzt, wo ich wieder „gesund“ bin, bereue ich nur die wertvolle Zeit die ich mit meiner Tochter „verpasst“ habe, weil ich sie nicht so wahrnehmen konnte, wie ohne Depression.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft! Auch wenn alles aussichtslos wirkt, es gibt immer ein Licht am Ende des Tunnels. 🧡

Liebe Grüße!