Hilfe: Probleme im Islamischem Haushalt - Total am Ende

Wunderschönen guten Abend zusammen,

ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich hier mit diesem Thema fehl am Platz bin. Aber ich kann nicht mehr. Um meine Lage zu erläutern: Ich bin eine 23 Jahre alte Studentin mit Migrationshintergrund. Die Traditionellen Werte sind meinen Eltern äußerst wichtig. Ich habe immer das getan, was mir meine Eltern geraten haben. In schlechten Lebenssituationen und ärmeren Verhältnissen habe ich schon einiges geschafft. Ich hatte nie wen gehabt, der mir bei meinen schulischen Leistungen hilft, mich hat keiner unterstütz, da Zuhause keiner bereit war und meine Mutter der deutschen Sprache nicht mächtig ist. Habe Mein Abitur geschafft, bin gerade am studieren und arbeite als Werkstudentin bei einem bekannten Unternehmen, weshalb ich Anonym bleiben möchte. Ich habe zwei ältere Geschwister die beide (Schwester und Bruder) sehr cholerisch sind. Schreien immer rum wegen nonsense und machen mich für ihr Leid verantwortlich. Mein Vater ist auch so drauf, vorallem wenn er seiner Alkoholsucht ausgeliefert ist.

Ich komme in der Zeit viel rum. Habe auch eine Fernbeziehung, wir verstehen uns super und haben uns gern. Ich habe also viel zutun in meinem Leben und meine Freizeit opfere ich dafür meine Mutter von A bis Z zu kutschieren. Führe Telefonate, mache das Rechnungswesen Daheim seit ich 9 Jahre alt bin und erledige den Wocheneinkauf, welchen ich tätige seit dem ich meinen Führerschein in der Hand habe und welchen ich sogar sehr oft aus eigener Tasche zahle, ohne, dass ich etwas zurück bekomme! Ich habe auch Zuhause viel Hass und Gewalt erfahren, leider auch missbrauch. Um es runter zu brechen versuche ich durch meine Situation zu kommen. Ich will hier raus aber ich schaff den Absprung nicht. Für meinen Freund würden sie mich töten, wenn sie das wüssten, er ist ''Keiner von uns''. Ich habe mich immer an ihre Regeln gehalten und sie behandeln mich wie Dreck. Ich leider unter Panikkattacken und Depressionen. Ich führe ein Doppelleben. Auf der Arbeit bin ich so, in der Uni mal so und Zuhause bin ich die einzige Organisatorin und werde wie Müll behandelt.

Gerade bin ich für eine Woche mit meinem Freund zusammen weggefahren und wir sind bei seiner Familie. Ich bleibe mit ihm in seiner Wohnung dort. Meinen Eltern habe ich erzählt, dass ich mit meiner besten Freundin weg bin. Sie haben mir diese Woche erlaubt, weil sie gesehen haben wie schlecht es mir in den vergangenen Wochen ging. Ich hab viel geweint auch Nachts viele Panikattacken bekommen. Wir haben hier eine wundervolle Zeit. Die Gegend ist wunderschön und die Menschen hier total freundlich. Mit seiner Familie verstehe ich mich auch gut. Heute waren wir mit seinen Cousinen und deren Hund wandern. Danach sind wir spazieren gegangen. Wir kamen dann Zuhause an und zu Abend sind wir zu seiner Tante zum Abendessen gefahren. Wir haben so lange Gespräche miteinander, dass ich nicht mehr weg wollte. Gerade ist er eingeschlafen. Es ist so unbeschreiblich schön hier und er sagt auch ständig zu mir, dass ich so aufblühe und anders bin. Dass es ihn freut, dass es mir gut geht. Wir kochen zusammen und gehen gemeinsam einkaufen, als ob wir wirklich zusammen leben. Als ob ich vorher kein anderes Leben gelebt habe. Er ist so geduldig und herzlich zu mir, hat mir mein Geburtstagsgeschenk nachträglich gegeben, weil er meinte, es ist so viel persönlicher. Ich bin so glücklich hier. Mir geht es unfassbar gut. Meine beste Freundin deckt mich auch soweit.

Aber es ist alles nur eine Frage der Zeit und dieses Lügen macht mir Bauchweh. Seitens meiner Familie herrscht Stille. Dennoch ist das schlechte Gewissen so stark, ich denke dieser Druck ist in meinem Kopf größer. Ständig höre ich die Stimme meines Vaters im Kopf und habe Kopfkinos wie ich brutal dafür von meinem Bruder geschlagen werde. Ich weiß nicht wie lange ich das hier machen werden kann. Dieses Doppelleben ist hart. Ich möchte ihn wirklich nicht verlieren. Ich möchte hier auch nie mehr zurück, ich möchte keinen mehr von meiner Familie sehen. Mir schmerzt es so. Jedes mal, wenn ich mich von meinem Freund verabschiede, habe ich angst, dass das das letzte Mal war wo ich ihn sehe. Bin dann immer am heulen wie ein Wasserfall und ich bin immer so traurig, dass er nicht bei mir sein kann. Dass ich mich von ihm verabschieden muss, nur um dann bei meiner Familie zu sein, wo es mir nicht gut geht. Ich werde immer so schwach und depressiv wenn ich Zuhause bin. Hier bin ich stark und motiviert. Meine Angst ist weniger geworden. Ich will von dem Leben dort drüben nichts mehr wissen. Wenn mein Freund jeden Tag neben mir schlafen würde, hätte ich nie mehr so viel Panik in der Nacht und ich würde durchschlafen. Er geht in solchen Situationen immer super um mit mir. Ich will einfach nur glücklich sein wie jetzt gerade.

Ich habe Versucht nun alles runter zu brechen Ich hoffe wirklich auf Hilfe und Unterstützung. Ratschläge sind herzlich willkommen. Ich kann nicht mehr und bin so Traurig.

Herzliche Grüße.

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So hart es klingt, Du MUSST da raus.
Sprich mit der Familie Deines Freundes, ob sie Dich unterstützen und zieh weg. Deinem Bruder muss unmissverständlich klargemacht werden, dass die Polizei eingeschaltet wird, wenn er nur das Geringste versucht, Dich zu verletzen. Das gilt auch für andere Familienmitglieder.
Ich habe schon mal in einem anderen Fall gelesen, da hat eine junge Muslimin sogar deren Imam eingeschaltet, um aus einer gewalttätigen Familie rauszukommen. Die haben sie zwar dann verstoßen, aber sie hatte Ruhe.
Dein Freund stärkt Dich ganz sicher - zieh weg, fang neu an. Dass Deine Mutter nie deutsch lernte, ist nicht Dein Problem, soll sich Dein Bruder kümmern.
Alles Liebe!
LG Moni

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Du musst Dir Hilfe suchen. Wende Dich an https://rahmazentrum.de/ - Hilfe rund um die Uhr erhalten Sie unter folgender kostenfreien Hotline: 08000 116 016
Du bist stark und hast schon soviel geschafft. Aber ich fürchte sie werden Dich nicht einfach gehen lassen. Wünsche Dir viel Kraft.

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Erstmal sind mir beim Lesen deines Textes die Tränen gekommen! Es tut mir so unendlich leid, für Dich, für alle, die in so einer Situation gefangen sind! Wie schon gesagt wurde, du MUSST dir definitiv Hilfe holen um da rauszukommen. Ich kenne mich da wirklich nicht so gut aus, aber du bist echt stark und intelligent, was du schon alles geschafft hast, das schaffst du auch noch! Deine Familie wird sich definitiv nicht ändern, nach deinen Erzählungen sind deine Familienmitglieder in Ihren Werten und Lebensvorstellungen anders wie du. Ich bin da immer vorsichtig zu sagen, DAS ist Richtig oder DAS. Für den Einen sind die traditionellen Islamischen Wertvorstellungen genau das richtige, für andere eben nicht. Was ich nur immer erschreckend finde in "solchen Familien" (entschuldige bitte den Ausdruck), dass sehr häufig nur die traditionellen Wertvorstellungen des Islams zählen. In anderen Religionen ist es freier. Für mich wäre es völlig in Ordnung, wenn meine Kinder sagen, dass sie nicht mehr christlich sein wollen oder dass sie sich frei entwickeln möchten und nach anderen Wertvorstellungen leben möchten, wie ich! Das hilft dir jetzt jedoch nicht weiter in deiner Situation! Kämpfe für deine Freiheit und deine Ziele. Wende dich an eine Hilfsorganisation und rede mit deinem Freund und seiner Familie! Vielleicht gibt es in deiner islamischen Familie ja irgendjemanden, dem es ähnlich geht wie dir? Cousin oder Cousine, Tante o.ä. mit dem du auch darüber sprechen kannst? Was mich bei deiner Schilderung stutzig macht, du schreibst, dass dein Vater Alkohol trinkt?! Das ist doch als Muslim verboten, wenn man nach traditionellen Werten lebt? Also hält sich dein eigener Vater ja auch nicht, an alle Gesetze und Regeln des traditionellen Bildes.... ?! Ich wünsche dir alles Gute! Liebe Grüße Franzi

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Ach meine Liebe, das klingt wirklich blöd. Ich habe auch ein sehr schlechtes Elternhaus gehabt und war unglaublich glücklich ausgezogen zu sein.
Meiner Meinung nach MUSST du da raus. Such dir heimlich ein Studentenwohnheim aus und bewerbe dich dort um eine Wohnung. Mach das überall, wo du es dir vorstellen könntest. Hast du Bafög? Das wird dir über die Runden helfen. Eventuell kannst du deinem Freund erzählen wie schlimm es dir geht und vielleicht kannst du zumindest vorübergehend bei ihm wohnen.
Du kannst den Kontakt zu deiner Familie etwas schleifen lassen. Evtl. mal anrufen oder halt auch gar nicht. Aber ich kann mir vorstellen dass deine Familie dann ungefragt an deiner Haustür stehen wird, wenn du ihnen sagst wo du wohnst.