Warum bin ich nicht traurig?

    • (1) 23.05.07 - 19:42

      Hallo!

      Ende Januar starb die Oma meines Mannes im Alter von 79 Jahren ziemlich überraschend. Mein Hase litt sehr. Seine Oma hat ihn quasi aufgezogen. Ich denke, er leidet auch heute noch, er zeigt es nur nicht. Lieber überspielt er das ganze mit irgendwelchen doofen Sprüchen.

      Seine Oma hat mich recht herzlich vor sieben Jahren in der Familie willkommen geheißen. Der erste Satz von ihr: Hallo, ich bin die Maria, du kannst aber Oma zu mir sagen! Ich mochte sie wirklich unheimlich gerne und als der Anruf kam, das sie gestorben ist, da war ich geschockt, aber nicht traurig. Ich war auch in der Zeit danach nicht traurig. Ich kann aber nicht sagen warum und habe deswegen öfter ein schlechtes Gewissen. Mir ging und geht immer der Gedanke durch den Kopf, dass sie ja eigentlich ihr Leben gelebt hat. Sie hatte ein schönes Leben und es hat ihr, glaub ich, an nichts gefehlt. Manchmal frag ich mich, ob mir das Recht zusteht, so zu denken?!?!

      Ich habe einige Todesfälle in meiner Familie mitgemacht, den Selbstmord eines Bekannten, den Krebstod einer entfernten Bekannten. Bin ich abgestumpft?

      So und jetzt Danke fürs Zuhören!

      Julia

      • Hallo,

        also ich denke nicht, dass Du abgestumpft bist und Du musst Dir auch keine Vorwürfe machen, weil Du nicht traurig bist.

        Mein Opa ist im April ( an meinem Geburtstag) nach 18 Jahren Parkinson im Alter von 81 verstorben. Ich bin auch mit meinen Großeltern aufgewachsen und habe ein sehr enges Verhältniss zu ihnen gehabt. Meine Trauer war aber auch sehr schnell vorbei. Ich denke das ist einfach der Prozess des älter werdens und sich mit dem Tod abfinden.

        So ist nun mal der Lauf des Lebens. Es ist doch schön, dass die Oma deines Freundes ein so erfülltes Leben hatte. Genau das sehe ich bei meinem Opa auch. Und vor allem das er von seinen Qualen auf gnädige Art und Weise erlöst wurde. Glaub mir, alt zu sein ist auch nicht immer eine Freude.

        Mach Dir bitte keine Vorwürfe. Sieh es als positiven Aspekt, dass Du für deinen Freund da sein kannst und ihm bei seiner Trauerarbeit helfen kannst.


        Liebe Grüße
        Susisum

        Hallo Julia,

        mir gehts wie Dir !
        Vor 10 jahren ist mein Opa gestorben , vor 6 Jahren meine Oma und letzte Woche mein anderer Opa mit 90 Jahren . Meinem Mann seine Oma is gestorben vor 4 Jahren und irgendwie kann ich nicht wirklich trauern .
        Als meine Mama mich letzte Woche angerufen hatte das Opa gestorben ist , habe ich gesagt : Naja er war auch schon alt und wir haben ja irgendwie auch jeden Tag darauf gewartet , Heute ist seine Beerdigung und trotzdem bin ich nicht traurig ! Ich fahr hin weil ich eben muss... wollen tu ich nicht wirklich !
        Meine Oma ( seine Frau ) stirbt bestimmt auch bald , der Arzt meinte das es sicher auch nicht mehr lange dauert , sie vertrocknet innerlich und hat etwas mir dem Darm .

        Ich denke halt immer , es muss so sein aufhalten kann man es eh nicht und für die Pers . ist es sicher das Beste und sie haben Ihr Leben gelebt ...

        Daniela

        Danke für eure lieben Antworten!

        Das hat mir doch schon sehr geholfen!

        LG

        Julia

      • jeder verarbeitet trauer anders..deswegen bist du nicht schlecht......


        Ich habe vor 8 Jahren meinen Grossvater verloren,er war aber eher ein vater für mich... er fehlt mir heute schrecklich.....
        Er wurde krank,war da noch in italien...wir holten ihn zu uns nach Hause ,man sagte wenn er glück hat 12 monate...es wurden aber nur 2 wochen.......
        Er spukte eines morgens blut fiel zu boden und kam ins KH....
        Mich rief morgens mein Stiefvater an und sagte mir ,das mein Grossvater verstorben sei...ich solle zu meiner familie kommen.

        Ich hab eigentlich nur noch die worte im kopf" papa ist tot" dann lies ich mich in der küche auf den boden fallen und heulte wie eine verrückte....ein Bekannter war grad zu besuch...er sprach kurz am telefon.Ging aus dem Raum und holte eine Bibel...er lass mir daraus vor...

        Ich beruhigte mich und es gab mir das Gefühl das nun alles gut ist...von da an war ich nur noch die Trösterin in der Familie...nur einmal weinte ich als ich meine Grossmutter am Grab weinen sah...ich lass ihm Kreis der Familie genau das aus der Bibel vor...und endete meinen Satz " Da wo er nun ist spürt er kein Leid und keinen Schmerz und das macht mich glücklich"

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