SS Diabetes inkl. Basalinsulin

Hallo ihr lieben :)

Schön, dass ihr auf meinen Eintrag gestoßen seid und schon einmal herzlichen Dank wenn ihr dazu auch noch etwas beitragen möchtet.

Erstmal zu mir:
Ich bin 34, schwanger mit meinem ersten Kind und das in der 32. Woche. Aufgrund meines Übergewichts, meiner schon immer grenzwertigen Langzeitwerte und der Diabeteserkrankung meines Vaters wurde ich relativ früh zum Diabetologen einberufen.

Die Diagnose:
In der 14. Woche durfte ich nüchtern zur Blutabnahme und aufgrund des erhöhten Nüchternwertes hat man auf den Zuckerbelastungstest verzichtet und mich gleich "Gebranntmarkt" ;) Und ja, ich hätte heulen können weil ich doch bis zuletzt gehofft hatte an der Diagnose vorbei zu kommen.. schließlich merkt man ja doch irgendwie gar nichts davon.

Der Beginn:
Ich ernähre mich aufgrund meines Übergewichts schon relativ lange bewusst und kohlenhydratarm - jetzt fragt sich der ein oder andere vielleicht warum ich dann überhaupt noch übergewichtig bin - Nun ich bin einfach eine faule Socke ;) An meiner Ernährung hatte die Diabetologin also sehr wenig auszusetzen also musste ich meinen inneren Schweinehund überwinden und irgendwie mehr Bewegung in meinen Altag integrieren.

Ich fing also an in der Mittagspause einfach 30 Minuten spazieren zu gehen und merkte schnell, dass es sowohl meinem Rücken als auch meinem Blutdruck und Blutzucker gut tat.

Zudem wurde ich mit Messgerät und Tabelle ausgestattet und durfte, wie jeder zu Beginn, brav vor und nach jedem Essen meine Blutzuckerwerte dokumentieren.

Und wenn es eins gibt, was ich in den letzten Monaten durch das Messen gelernt habe; die Wirkung meines Körpers auf verschiedene Lebensmittel ist vollkommen unberechenbar und variiert teilweise von Tag zu Tag oder sogar von Stunde zu Stunde #augen

Die Therapie:
Nach 2 Wochen akribischster Dokumentation - und ich war wirklich extrem genau und organisiert, was habe ich wann gegessen und welche Wirkung hatte es etc. - stand dann fest:
Herzlichen Glückwunsch ihre Nüchternwerte sind grundsätzlich zu hoch (in meinem Fall i.d.R. zwischen 98 und 110) wir verschreiben ihnen Basalinsulin für die Nacht #klatsch
Yeahhhh DANKE als Spritzenphokier ein absoluter Traum *ironie Ende*

Meine Tageswerte sollten 1h nach dem Essen nicht höher als 140 und 2h nicht höher als 120 sein. Der Nüchternwert maximal 93 nach dem Aufstehen.

Der Verlauf:
Ich begann also am Abend mit 2 Einheiten Insulin gegen 23:00 Uhr und bekam meine Werte hierdurch mal mehr mal weniger gut in den Griff. Die ersten 4 Wochen verliefen prima und alle waren zufrieden und dann zack Werte wieder zwischen 97 und 110.
Also fing ich an auszuprobieren:

- gar keine Kohlenhydrate außer in Form von Gemüse zum Abendessen
- nicht nach 17:30 Uhr Essen
- nach dem Spritzen eine Nachtmahlzeit (mal mit mal ohne KH)
- später oder früher spritzen

Half aber alles nichts, also blieb nur in Absprache mit meiner Diabetologin die Insulindosis um eine Einheit erhöhen. Ab der SSW 18 war es dann so, dass die Werte 2 Wochen stabil waren und ich dann um 1 Einheit erhöhen musste. Zudem hatte mein innerer Schweinehund mich noch nicht besiegt und ich wanderte brav meine 10.000 Schritte am Tag.

Alles schön und gut bis meine Werte über Weihnachten und in der SSW 27 aufgrund verschiedenster Leckereien etwas außer Kontrolle gerieten. Meine Tageswerte waren zwischendurch leider auch mal auf 210 und die Nüchternwerte reagierten auch auf eine Insulinerhöhung kaum noch. Zu dieser Zeit war ich bei 12 Einheiten Basalinsulin am Abend.

Es musste also etwas passieren. Die Tageswerte bekam ich relativ schnell wieder in den Griff, ich musste nur wieder anfangen kontrollierter und gesünder zu essen. Aber die Nüchternwerte waren hiervon vollkommen unbereindruckt und das sind sie leider bis heute, SSW 32 und angekommen bei 40 Einheiten, leider auch geblieben. In eigener Regie (das war mit meiner Diabetologin so abgesprochen) durfte ich bei schlechten Werten selbstständig um 1-2 Einheiten erhöhen. Ich erhöhe seither meine Einheiten fast täglich, der Wert ist am nächsten Tag ok (nicht super sondern nur ok, also bei 91-93) und am darauffolgenden Tag schon wieder zum Haare raufen.

Das beunruhigt mich leider ein wenig und wie wir wissen ist psychischer Stress genau so schlecht für den Blutzucker wie Bananen essen ;) Meine Diabetologin konnte mich mit dem Satz "das ist leider normal zum Ende der Schwangerschaft steigt der Insulinbedarf häufig nochmal drastisch an" leider auch nicht beruhigen ...

Aktuell hoffe ich sehr, dass sich die Werte wieder bei einer gewissen Menge an Insulin wieder stabilisieren :) Zuversichtlich bleiben hat sich bisher in meiner Schwangerschaft immer bewehrt ;)

Die Entwicklung meines Babys:
Vorweg möchte ich sagen, ich gehöre zu den Menschen, die bei Problemen so viel Informationen aufsaugen wollen wie möglich. Das heißt ich bin ein notorischer Krankheiten googler :-D Das bringt einen natürlich nicht immer nur zu positiven Ergebnissen sondern schürt hin und wieder auch Panik, Ängste, Heulkrämpfe und Verzweiflung.

Aber der Satz: "Mach dir nicht zu viele Sorgen" ist hier absolut angebracht und berechtigt.

Meine kleine ist bisher vollkommen normal entwickelt, ist weder zu schwer noch zu leicht und macht keine Anzeichen für irgendwelche Auswirkungen der Diabetes. Alle zusätzlichen pränatal diagnostischen Untersuchungen waren unauffällig.

Ja, es hätte auch anders sein können und ja es könnte noch etwas kommen auch nach der Geburt. Meine Aussage soll auch absolut kein Freibrief dafür sein, hemmungslos zu essen und sich nicht um die Werte und insbesondere um die Gesundheit des Kindes zu kümmern. Es soll lediglich zeigen, dass nicht jede Diabetes furchtbare Konsequenzen haben muss. Meiner Meinung nach gibt es weitaus schlimmere "Komplikationen" in einer Schwangerschaft und ich bin froh, dass es "nur" eine Gestationsdiabetes ist.

Meine Tipps:
Was habe gesucht nach Tipps über das Essen mit SS Diabetes ;) Leider ist das nicht so pauschal zu beantworten. Wie ich schon sagte muss man viel ausprobieren und selbst das Brot von heute kann morgen schon zu hohen Werten führen. Aber ein paar von meinen Erfahrungen möchte ich euch trotzdem mitgeben:

1. Vollkornbrot ist kein Gottes Geschenk ;-) Ich habe es überhaupt nicht gut Vertragen und hatte danach Werte von 180. Aktuell bin ich bei Eiweißbrot (Edeka 82% weniger Kohlenhydrate) gelandet, zwischenzeitlich konnte ich Knäckebrot mal gut vertragen.

2. Nudeln - Ich vertrage ganz normale Bandnudeln manchmal sogar am Abend sehr gut. Auch hier, Vollkornnudeln fürn Arsc... :-D
3. Sojajoghurt (Alnatura mit Kokos) Am Anfang dachte ich noch "ihhhhhhhhh" aber ich war überrascht wie gut er mir schmeckt.
4. Babybel und Gouda - rettet mir häufig die Abende wenn der Hunger einfach nicht weggehen will
5. Alle LowCarb Rezepte die ich jemals googlen konnte :-D Lasst euch nicht erzählen ihr müsst unbedingt täglich Kohlenhydrate in Form von Kartoffeln, Reis oder Nudeln zu euch nehmen. Fast jedes Lebensmittel enthält in irgendeiner Form Kohlenhydrate auch Gemüse und besonders Obst und eurer Kind wird sich die Nährstoffe nehmen die es braucht.

Ich vertrage Reis, Nudeln und Kartoffeln nur in kleinstmengen.
6. Magnesium direkt - Am Abend zum Spritzen 300 mg Magnesium Verla haben meine Werte zumindest am Anfang positiv beeinflusst und ich hatte nie Wadenkrämpfe *lach* Vielleicht hab ich mir den positiven Effekt aber auch nur eingebildet - mir egal.
7. Dunkle Schokolade oder Yoghurette - Probiert aus, wann ihr es am besten vertragt und esst sie einfach dann. Lasst euch von eurem Partner ein Stück oder einen Riegel geben und holt es euch nicht selbst - klappt nicht immer aber zumindest manchmal #sonne
8. Nachtmahlzeit - 40%iger Quark mit Mandelsplittern, Süßstoff und ein wenig Wasser damit es cremiger wird.

9. Fanta Zero <3 Immer nur Wasser ist nämlich auf Dauer echt ätzend ;-)
10. Lasst den Versuch mit EL oder TL voll (Apfel)Essig *würg* das war eklig und hat gar nichts gebracht.

Hier noch ein kleines Beispiel für meinen Tag. Es musste immer so sein, dass ich Frühstück und Mittag am Vortag gut vorbereiten und mit auf die Arbeit nehmen konnte. Daher gibt es bei uns nur Abends warme Küche:
6:15 Uhr: Aufstehen, Nüchtern messen
6:20 Uhr: 1 Babybel und 1-2 Schluck Milch am liebsten direkt aus der Packung und eiskalt :-D
8:30 Uhr: 2 Scheiben Eiweißbrot mit Butter und 2 Scheiben Gouda, manchmal noch ein wenig Salatgurke

12:00 Uhr: 250g Sojajoghurt Kokos, 1/2 Apfel, 2-3 EL Mandelsplitter
Frühstück und Mittag vertausche ich auch manchmal :)
15:00 Uhr: Meine Kollegen haben IMMER Schokolade im Büro... ;-)
18:00 Uhr manchmal früher, meistens später: Alles was ich mir an leckeren Rezepten googlen konnte:
- Blumenkohlbombe (Blumenkohl, Hackfleisch, Käse, Bacon)
- selbstgemachte Curreywurst mit Wedges (Rezept von WW)

- Nudeln mit Schinken-Sahne Sauce oder Tomatensauce oder Hackfleischsauce
- Fischstäbchen mit Spinat (Hier kommt die Pannade leider nicht so gut an)
- Bratwurst mit Sauerkraut
- Hackfleischpizza (Hackfleisch, Gemüse, Käse und evtl. Schinken)
- usw. usw.

Fazit:
Lasst euch nicht verrückt machen von Riesenbabys, Eklampsie, Präeklampsie, Kaiserschnitt Androhungen usw. sondern findet euren eigenen Weg. Meiner ändert sich manchmal von Tag zu Tag, manchmal bleibt er wochenlang gleich und wie er Endet wissen wir in ca. 8 Wochen #verliebt

OMG ich wusste nicht, dass der Beitrag so lang werden würde :-D Daher herzlichen Glückwunsch jedem Leser, der bis hierin noch nicht eingeschlafen ist ;-) Ich freue mich über euer Feedback, eure Erfahrungen vielleicht auch Tipps für mich, bezogen auf mein aktuelles Insulinproblem.

Bis dahin euch und euren kleinen Wundern die besten Wünsche #klee
Eure Chrissy

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Dein Beitrag hat es auf den Punkt gebracht, jeder muss probieren und testen was einem gut tut und was nicht. Ich habe das zweite mal eine Schwangerschaftsdiabetis. Beim ersten mal musste ich vier mal am Tag spritzen und die Werte waren ganz gut eingestellt. Dieses mal spritze ich zur Nacht und vor dem Frühstück und die Werte lassen sich nicht so gut einstellen. Es gab Zeiten da hab ich ne Stunde nach dem essen Werte von 170 gehabt und eine Stunde später war ich schon fast im unterzucker.

Inzwischen sind die Werte wieder besser geworden, bin heute bei 38+1 angekommen. Um die Werte zwei Stunden nach dem Frühstück in Griff zu bekommen musste ich eine zwischenmahlzeit einbauen, die zum Teil fast mehr ke hat als das eigentliche Frühstück.

Ich freue mich schon sehr auf die Zeit nach dem spritzen.

Einen Tipp wegen deinen Werten habe ich leider nicht, ich musste erhöhen bis die Werte fast gepasst haben und ich der Diabetologin gesagt habe das ich wegen dem unterzucker nicht weiter erhöhen werde. Seit dem sind die Werte besser.

Ich weiß wie nervig zu hohe Werte sein können (und das darüber aufregen kann die Werte auch in die Höhe treiben) also versucht ruhig zu bleiben, solange sich eure Babys normal entwickeln.

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Hallo,

ich hatte auch insulinpflichtigen GDM. Musste zum Schluss zu jeder Mahlzeit spritzen da die Werte trotz hungern zu hoch waren und ich quasi gar nichts mehr essen konnte. Angefangen hab ich aber auch mit Basalinsulin zur Nacht da die Nüchterwerte immer erhöht waren. Ich musste alle 2 Tage um 2 Einheiten erhöhen da die Werte immer wieder erhöht waren bis ich eines Abends mal vergessen habe zu spritzen und der Wert am nächsten Morgen war super. Also hab ich es am nächsten Abend wieder weggelassen und der Wert morgens war wieder super. Von da an hab ich das Basalinsulin komplett weggelassen und es war kein einziger Nüchternwert mehr erhöht. Komisch, ich weiß. Keiner wusste warum es so war. Die Tagesdosis hab ich aber bis zum Schluss gebraucht.

Soll kein Tip sein sondern nur meine Erfhrung.

LG
Seska mit Prinz 5 Monate