Schwanger und (noch) nicht glücklich?

Hallo,
ich muss mir mal meinen ganzen „Frust“ von der Seele schreiben und hoffe, dass die Eine oder Andere Verständnis findet.

Zu mir: Ich bin 27 Jahre und zum ersten Mal schwanger (14. SSW). Die Schwangerschaft war nicht geplant, aber wir haben uns ohne Zögern dafür entschieden. Mein Freund und ich sind seit 7 1/2 Jahren ein Paar und haben letztes Jahr ein Haus gekauft, das wir mit viel Eigenleistung und Liebe zu einem echten Schätzchen verwandelt haben. Wir fühlen uns mit unseren 2 Katzen sehr wohl und würden uns nie anders entscheiden. Und: 2 Kinderzimmer sind eingeplant.

Ich bin Förderschullehrerin und seit April letztens Jahres mit allem fertig (das Lehramtsstudium und Ref ziehen sich auf 6 1/2 Jahre). Seit August habe ich meine eigene Klasse und bin daran sehr gewachsen. Es war oft anstrengend, aber absolut wert. Kaum war Corona da, wurden die Schulen geschlossen und nach einer Woche wünschte ich mich an die Schule zurück. Zu meinen tollen SchülerInnen, die auch unbedingt wieder in die Schule wollten und die ich jeden Tag beim Telefonieren vertrösten musste (ja, ich habe fast jeden Tag mit jedem meiner 10 SchülerInnen telefoniert).

Am ersten Tag der Schulöffnung habe ich dann erfahren, dass ich schwanger bin. Am nächsten Tag habe ich’s der Schulleitung mitgeteilt und nach nochmal 2 Wochen Homeoffice folgte das BV. Meine Klasse habe ich dennoch weiter betreut, indem ich alles individuell vorbereitet habe - in einer Förderschule kann man nicht so schnell die Aufgaben übertragen. Mittlerweile sind alle Aufgaben erledigt und die Zeugnisse geschrieben. Meine Nachfolgerin ist bekannt. Mir graut es davor meinen Klassenraum leer zu räumen. Ich bin wirklich unglücklich und könnte nur weinen.

Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie ich die Zeit bis zur Geburt nutzen kann und dann nochmal ein Jahr zuhause zu bleiben... Alle, die von meinem BV wissen, sagen, dass ich es genießen soll: „Was ein Luxus, volles Gehalt und Freizeit.“ Natürlich, ein Luxusproblem. Aber ich kann nichts genießen. Ich würde am liebsten in die Schule fahren. Ich bin eine Planerin und das Kind kam meinem Plan, noch ein oder zwei Jahre Berufserfahrung zu sammeln, dazwischen.

Versteht mich nicht falsch - ich bin froh, dass es dem/der Kleinen gut geht und würde mich auch nie anders entscheiden.
Aber es ist trotzdem schwer für mich zu akzeptieren. Dazu kommt, dass mir immer noch recht übel ist und ich wenig machen kann. Meinem Freund fällt es außerdem immer noch schwer zu sagen, dass er Vater wird. Als er das genauso gesagt hat, bin ich echt wütend geworden. Ich darf nicht mehr arbeiten gehen und musste es meiner Chefin direkt am nächsten Tag sagen. Aber er schafft es nicht mal Wochen danach?!

Ich traue mich nicht vor FreundInnen so offen darüber zu reden wie hier. Immerhin sollte ich doch auf Wolke 7 schweben?! Stattdessen habe ich totalen Frust und Schuldgefühle gegenüber dem wachsenden Krümel im Bauch, dass ich mich nicht so, wie verdient, freue..

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Erstmal herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft! Ich kann Dich total verstehen. Mir fiel es beim ersten Kind auch super schwer, nicht mehr zu arbeiten. War ab der 23. SSW krankgeschrieben. Vielleicht kannst du Die Zeit für Online-Schulungen/ Onlinekurse/ nutzen, um dich weiterzubilden oder hast du Freundinnen, die aktuell auch nicht arbeiten, mit denen du dich zusammentun kannst? Ich glaube eine Aufgabe bzw. Ablenkung sind jetzt wichtig für Dich! Ein voller Terminkalender lenkt vielleicht etwas vom Nicht-Arbeiten ab.

Wünsche Dir alles Gute!

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Hallo😊
Ich glaub dir, dass du solche Gefühle hast. Die Gefühle habe ich selber und hab es erst gestern geschafft schon mal die Fachbereichsleiterin Bescheid zu geben über die Schwangerschaft. Mein Mann erzählt es auch keinen , nicht mal seinen Chef. Für uns beide war das ein Schock die Schwangerschaft, zumal die Familienplanung abgeschlossen ist. Bei euch fängt die jetzt erst ab. Du hast vollkommen Recht, der kleine Wurm kann nichts dafür, ihn hat keiner gefragt... Versuch dich trotzdem zu freuen, auch wenn es schwer fällt. Ich versuche das ja auch🤭Das wird schon. Denk dran, dass liegt auch an den Hormonen😅

Lg Ines

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Hallo,

Ich möchte dir erstmal sagen, dass du dich dafür echt nicht schämen musst. Ich finde es schade, dass du dich da keiner Freundin anvertrauen kannst.

Aber nun zu der eigentlichen Sache: ich kenne solche Gefühle. Unsere erste Tochter war geplant und trotzdem hatte ich diese Gefühle. Ich habe gerade eine stellvertretende Leitung bei uns bekommen und 2 Tage danach erfahren, dass ich schwanger bin. Ich "Sorge" sehr gerne auf der Arbeit selbst für mein Sachgebiet und freue mich nicht unbedingt wenn ich etwas von meinen Sachen abgeben muss. Irgendwie hat man eine persönliche Bindung dazu. Ich denke dass das bei dir mit den Kindern noch extremer ist.
Deshalb hatte ich auch ständig das Gefühl "eigentlich wäre es gar nicht schlecht gewesen wenn die Schwangerschaft noch gedauert hätte". Aber ich glaube im Nachhinein, dass es völlig egal gewesen wäre wann das kommt. In 2 jahren fällt es einem nicht leichter.
Ich war nicht im BV und das stell ich mir auch echt sehr schwer vor. Finde da auch nichts schönes dran. Außer vielleicht jetzt im Sommer falls man Freundinnen hat, die auch zuhause sind.
Nach der Geburt kann ich jedoch sagen sind diese Gedanken erst einmal weg. Bei mir kamen sie wieder als etwas Routine rein kam. Da war sie ca 4 Monate und als sie 6,5 Monate alt war, war ich wieder teilzeit arbeiten. Da geht bei uns super, da ihr Papa als Feuerwehrmann nur 2 mal in der Woche auf Arbeit ist. Ein Jahr wäre für mich auch Überwindung gewesen. Mir haben tatsächlich babygruppen wie pekip oder Schwimmen geholfen und mich abgelenkt. Dachte immer das ist total nervig sowas aber das waren meine Termine in der Woche auf die ich mich immer gefreut habe. Kann ich nur empfehlen.

Ich drücke dir die Daumen für die nächste Zeit. Vielleicht kannst du irgendeinem Hobby nachgehen, für das sonst nur wenig Zeit blieb.
Aber nochmal zum Schluss: Diese Gefühle haben null Auswirkungen darauf, wie sehr man sein Baby am Ende liebt. Das ist wirklich das unglaublichste was ich je erlebt hab.

Liebe Grüße
Mia mit Mona (11 Monate und Toni 24ssw.)

Ps:wir haben übrigens nun direkt nachgelegt, auch damit ich nicht nochmal so komplett aus dem Beruf raus muss, sondern nach dem 2. Kind dann da auch wieder Fuß fassen kann.

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hab keine Schuldgefühle! es ist die größte Veränderung, die ein Mensch durchmachen kann und das braucht ein wenig zeit! vor allem, wenn du ein mensch bist,der alles plant! aber auch frauen, die schon lange auf ein baby warten, haben dann ängste und negative gedanken, das ist völlig normal!

ich denke, dass du dadurch dann nur ein noch besserer Mensch wirst! du wirst damit umgehen lernen, dass man nunmal nicht alles im leben planen kann und dass das auch gut so ist! dein wunder beweist dir das gerade!

verurteile deinen mann nicht dafür, dass er es noch nicht sagen kann! auch er darf seine zeit dafür brauchen! nicht nur du wirst mit dieser situation gerade überfordert sein! redet offen miteinander und traut euch, auch über negative Gedanken zu reden! keiner kann etwas für seine Gefühle!

wirst sehen, bald schon wirst du sehen, dass deine Familie wichtiger ist, als alles andere! Berufserfahrung kannst du noch dein ganzes leben lang machen, das läuft dir nicht davon!

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Hey, hab keine Schuldgefühle :)
Warum?

Die Schwangerschaft ist wie ein Blitzeinschlag in alles. Es teilt - finde ich - das Leben in ein vorher und ein nachher und man muss sich erstmal sortieren. Dein Plan hat einfach eine Vollbremsung gemacht - vor allem das BV ist ja doof.

Man kann sich ja auch freuen UND etwas schade finden zugleich.

Ich bin auch nicht 24/7 superhappy, vor allem nicht, wenn ich wieder mit Übelkeit und Kreislauf auf dem Sofa liege und der Tag vorbeizieht :D
Das ist normal. Es schadet deinem Kind auch nicht - wie auch?

Was kannst du denn in der Zeit tun? Für dich? Hast du Hobbies, gibt es spanende Fortbildungen? Wie schnell willst du wieder in den Job? Kannst du Coachen, Sport als Trainer geben, Ehrenamt machen? Lesepate?

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Huhu :)

Deine Gefühle sind völlig normal und dafür solltest du dich auch nicht schämen.

Ich bin mit dem zweiten Kind schwanger und obwohl es geplant war, kam es sehr überraschend. Wir wollten noch 2 bis 3 Jahre warten.
Nachdem uns dann letztes Jahr gesagt wurde, ich kann auf natürlichem Weg keine Kinder mehr bekommen, war es eh abgehakt für uns.

Nun ja, ich bin jetzt in der 23. Woche und natürlich freue ich mich auf unser Wunder, aber seit der Schwangerschaft bin ich ins BV geschickt worden.

Ich hatte erst im Vorjahr angefangen in der Einrichtung zu arbeiten. Ich habe meine Kleinen Lorbeeren gewonnen und nun war es mir gar nicht möglich mich von ihnen zu verabschieden.
Dann kam Corona.
Ich vermisse die Kinder und die Kollegen sehr.

Jetzt bin ich bis 2022 draußen und ich wünschte mir, dass es anders gelaufen wäre.

Mir fällt die Decke auf den Kopf. Ich brauche meine Arbeit.

Langsam gewöhnt man sich daran und natürlich überwiegt auch die Freude.
Traurig ist man dennoch.
Ich war gerne auf Arbeit. Andere schwangere Kolleginnen konnten auch bis zum Mutterschutz bleiben.
Mir fehlen blöderweise Immunitäten.

Die Zeit zieht sich wie Gummi.
Wenn das Baby aber erstmal da ist, dann ist es ganz anders.

Liebe Grüße

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Hey,
Ich bin auch Förderschullehrerin und weiss sehr sehr genau wie es dir geht!
Ich bin seit knapp 2 Jahren mit dem ref fertig.... Das ref war horror und ich habe sehr an mir gezweifelt. Letztes Jahr dann die Hochzeit und für mich war klar, verbeamtung und dann Familienplanung..... Die Vorstellung des BV war Horror und ko-Kriterium....
Ich liebe unseren Job! Gegen Jahresende hat sich gezeigt, dass mein Mann "bereit" ist (zumindest hat er gesagt dass er nicht 40 sein will, wenn er Papa wird)....
Nach einigen Gesprächen wurde mir persönlich bewusst, dass meine Situation Luxus ist: sicherer Job, gutes Gehalt und sehr gefragt!
Wir haben also um. Weihnachten beschlossen, es drauf an zu legen... Tja Mitte Januar hab ich den Gang zur schulleitung gemacht, nachdem es bzgl heben eine unschöne situation gab.....
Ich habe sehr gebangt ob ich das bv bekomme... Und mir ging es in der Zeit nicht gut.... Wie soll ein Ort, an dem es mir sooo gut geht, für mein Kind gefährlich sein?
Ich habe es nicht bekommen und war happy.... Absoulter Exot an unserer Schule....
Tja.... Dann kam Corona.....
Lange Rede.... Versuche die Situation zu akzeptieren! Du wirst nicht ohne Grund ins BV geschickt worden sein!
Es wird Höhen und Tiefen geben immer wieder! Aber ganz ehrlich: wie ich es rauslese, bist du Lehrerin mit Herz und Seele! Du verlernst deinen Job nicht, dafür arbeiten wir mit zu viel Gefühl!
Du hast noch den rest deines Lebens Zeit, dich um deine Schüler zu kümmern, jetzt bist du und dein Bauchzwerg dran!

Wie gesagt, Höhen und Tiefen.... Immer wieder, auch heute noch.... Meine Sachen sind mittlerweile bei. Mir und es steht noch der abschied von den Schülern bevor....
Ich bin dankbar, nach dem ref wieder Selbstvertrauen in mein können zu bekommen.... Und ich vertraue, dass ich dass auch in 1,5-2 Jahren noch kann!

Zu deinem Mann:
Ich war überrascht, dass mein Mann früher als ich "bereit" war, für ein Kind.... Und trotzdem, sagt er niemandem, dass er Vater wird, wenn ich ihn nicht drauf stosse.... Er sagt er sei ja nicht schwanger.... Und die Leute würden es dann ja merken, wenn der kleine da ist....
Er hat aber letztes Jahr auch niemandem gesagt, dass wir heiraten.... Gib ihm Zeit! Es wird bestimmt besser (zumindest dem. Getränkehändler hat er es jetzt erzählt.... Warum ihm? Keine Ahnung)

Ich bin.mir sicher, dass ihr super viele Kompetenzen habt, wundervolle und liebevolle Eltern zu sein! Alles wird gut

(sorry für den langen Text, aber du siehst, trotz bewussten "drauf anlegen" ging es mir mit job nicht anders...) melde dich, wenn ich dir irgendwie helfen kann oder du bedarf hast, doch mit wem in einer (ich behaupte mal) ähnlichen situation auszutauschen 😉

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Ich arbeite auch sehr gerne und ziehe da viel raus. Das ist doch erst einmal sehr schön. Und natürlich haut so eine Schwangerschaft mit BV (habe ich nicht) und dann Elternzeit da enorm rein ins Berufsleben und andere Kollegen entwicklen sich derzeit weiter. Ich werde mit meinem Mann die Elternzeit teilen. Ist das eventuell bei Deinem Mann auch möglich, so dass Du nicht fast zwei Jahre raus bist? Oder Ihr arbeitet beide Teilzeit und ihr teilt auch die Verantwortung. Es gibt sicherlich viele Lösungen.
Liebe Grüße!

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Ist denn für deinen Partner Elternzeit keine Option? Oder wenigstens die Elternzeit aufteilen?

Ich kann das gut nachvollziehen und ein schlechtes Gewissen musst du absolut nicht haben. Manche gehen total auf in der intensiven Zeit zuhause mit dem Kind (was ja vielleicht sogar so sein wird), andere brauchen noch etwas, sei es die Berufstätigkeit oder fordernde andere Aufgaben / Hobbys.

Ich bin bei meinem ersten Kind nach 9 Monaten wieder in Teilzeit arbeiten gegangen, jetzt beim zweiten Kind möchten wir die Elternzeit aufteilen, da ich mir es auch nicht vorstellen kann, ein ganzes Jahr zuhause zu bleiben.