38. SSW und immer noch verunsichert wegen dem Geschlecht

Ich fühle mich wirklich schlecht, das hier zu schreiben, und ich habe wirklich ein schlechtes Gewissen, dass ich überhaupt so fühle. Aber ich bin jetzt in der 38. Woche mit einem Sohn. Mein Mann und ich haben uns eigentlich beide eine Tochter gewünscht, natürlich mit dem Hintergedanken, dass man es nicht beeinflussen kann. Mein Mann war anfangs, als das Geschlecht bekannt wurde, zwar ein bisschen enttäuscht, aber hat es jetzt nie mehr angesprochen und kommt denke ich ganz gut damit "klar". Im Gegensatz zu mir.

Ich bin mit einem drei Jahre älteren Bruder aufgewachsen, der wirklich ein Arsch war als Kind und mich nur geschlagen und gemobbt hat. Wenn wir Power Rangers spielten, war ich immer das Monster und er der Held. Wenn wir Schlitten fuhren, wollte er immer runter fahren und ich durfte den Schlitten hoch ziehen. Und viele andere Dinge. Meine Mutter hat sich da überhaupt nicht eingemischt und meinte nur manchmal zu mir "schlag doch zurück!". Hab ich natürlich nicht gemacht.

Das, was mich am Meisten geprägt hat, war, dass er mich mit ungefähr 9 (er war 12) versucht hat zu vergewaltigen, oder vergewaltigt hat, ich hab vieles davon verdrängt und kann mich nicht mehr an alles erinnern. Danach hatten wir ein noch feindseligeres Verhältnis als eh schon, und haben uns erst langsam wieder angefreundet, als ich 24 war (jetzt bin ich 29).

Langer Rede kurzer Sinn: ich hasse kleine Jungs. Immer, wenn ich einen kleinen Jungen im Alter zwischen 1 und vllt 14, 15 seh, projizier ich da meinen Bruder rein. Ich assoziiere kleine Jungs mit Arschlöchern (sorry für den derben Ausdruck). Das war mir vor der Schwangerschaft noch nicht so bewusst, aber im Laufe der Schwangerschaft kam das langsam alles hoch.

Ich habe furchtbare Angst, dass ich meinen Sohn deswegen nicht annehmen kann. Ich war seit ich 15 bin schon in vielen Therapien, aber ganz weg kriegt man sowas wahrscheinlich nie. Ich habe Angst, dass ich auch in meinem Sohn meinen Bruder sehe, als er klein war.

Außerdem steckten mein Mann und ich noch bis vor Kurzem in einer tiefen Beziehungskrise. Als die Krise langsam anfing, besser zu werden, haben wir uns zur Familiengründung beschlossen, weil wir das eigentlich schon viele Jahre wollten. Mein Mann meinte neulich, dass er sich gar nicht so richtig aufs Kind freuen kann, und dafür gibt er mir die Schuld (ich hab die Krise damals ausgelöst). Ich denke, mit einer Tochter wäre er viel besser mit der ganzen Sache zurecht gekommen. Wenn ich google (und das tu ich im Übermaß), lese ich AUSSCHLIEßLICH nur, dass der Mann eifersüchtig auf den Sohn ist, nie aber auf eine Tochter. Bei jedem Beitrag á la "Meine Frau kümmert sich nur noch ums Baby", ist immer von einem Sohn die Rede. Mein Mann ist ein ziemlicher "Alpha-Mann", immer der Anführer, der Frauen beschützt und Männer leitet. Er wollte damals auch lieber eine Katze als einen Kater, da er die Katze besser beschützen kann (nur so am Rande). Ich habe Angst, dass er unseren Sohn nicht so liebt, wie er eine Tochter lieben würde. Jeder Mann in den Foren scheint sich immer nur über Söhne zu beschweren, und die Töchter werden geliebt. Und ich habe Angst, dass ich in unserem Sohn ebenso einen Arsch sehe, wie mein Bruder es war. Ich verlass mich zwar schwer drauf, dass das nach der Geburt alles hinfällig ist, ich drüber lach und mein Kind mehr liebe als alles andere, egal ob Junge oder Mädchen. Aber ich habe trotzdem furchtbare Angst. Vor meinen Gefühlen, und vor allem vor denen meines Mannes. Lieben Männer ihre Töchter immer mehr als ihre Söhne...?

Sorry für den langen Text, aber ich musste mich einfach mal ausheulen.

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Ich habe bereits eine Tochter und seit kurzem einen Sohn. Als es hieß es wird ein Junge, war ich richtig enttäuscht. Ich wollte wieder Kleider und Zöpfe und keinen schreienden Rabauken. 9 von 10 Jungs die ich kenne sind nicht lieb und ruhig sondern laut und hauen. Nicht alles ist Erziehung, der Charakter ist nun auch mal wie er ist, aber du hast die Zügel in der Hand um deinen Sohn zu einem lieben Menschen zu erziehen, der im Umgang mit Mädchen/Frauen entsprechend erzogen wird. Du bist nicht deine Mutter, du schaust nicht weg. Ich verstehe dass für dich das durch gemachte traumatisch ist und dadurch automatisch eine Abneigung zu Jungs entsteht. Ich hatte eine schwere Schwangerschaft, lag ein paar Wochen im Krankenhaus und hab mir hab mir dann echt gedacht, musste ich dieses Kind wirklich noch haben? Aber er hatte keinerlei Schuld an der Situation. Er kam als Frühchen per Sectio zur Welt und wir hatten durch die Umstände und die Kinderklinik einen holprigen Start. Dennoch liebe ich ihn genauso sehr wie meine Tochter! Ich hätte nicht gedacht, dass ich von dem kleinen Kerl so hin und weg bin. Dein Sohn wird dir bedingungslose Liebe schenken, wenn er alt genug ist um dir den ersten Kuss zu geben und zu sagen „Mami ich hab dich lieb“ - das wird Balsam für dein Herz und deine Seele sein! Ich bin mir sogar sicher, dass er der Schlüssel dazu sein wird, die Wunden von damals zu heilen 💙

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Wow, vielen Dank für diese emotionale Antwort. Der letzte Satz hat mich zum Heulen gebracht 💙. Vielleicht "sollte" es ja wirklich ein Junge sein, um dieses Trauma ein wenig besser auflösen zu können. DANKE!!!

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Ich möchte hier nur die Frage beantworten, ob Männer Mädchen mehr lieben als Jungs: NEIN!!! Mein Mann reißt sich für seinen Sohn ein Bein aus und würde alles für ihn tun, ab dem Zeitpunkt der Schwangerschaft! Ich bin jetzt wieder schwanger und das einzige was für uns wichtig ist, ist das es dem Krümel gut geht, ganz egal welches Geschlecht es ist!!! Das ist Liebe und das ist Eltern sein!

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Also erstmal tut es mir leid, dass du solche schlechten Erinnerungen mit deinem Bruder hattest.. Das muss aber nichts heißen, bzgl. Deiner Beziehung zu Deinem Sohn. Du kannst es aus der Perspektive sehen, einen liebevollerin, sensibleren Jungen zu erziehen.
Es ist irgendwo eventuell wahr, dass gerade zur Pubertät Mädchen mit Müttern und Jungen mit Vätern mehr "Generationskonflikte" durchmachen. Hat aber nichts zu bedeuten, wie sehr sie sich lieben und akzeptieren und später auch verstehen.
Ich denke dass was du schilderst hat viel mehr mit der "Krise" zu tun die eventuell doch nicht richtig vom Tisch ist.. Ein Kind ist auf dem Weg und dir sollte diese Verantwortung bewusst sein. Er wird komplett auf deine Liebe, Zuneigung und Nähe angewiesen sein. Er ist ein Teil von dir Und ich denke wenn du ihn auf den Armen hast wirst du das schon spüren! Vllt ist er das Glück um gewisse schlechten Erinnerungen mit guten zu ersetzen :) Alles Gute

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Ich kann diese Gedanken u Empfindungen zwar nicht nachempfinden, aber eines ist sicher, sobald dir der kleine Kerl nach der Geburt auf die Brust gelegt wird, werden all diese Emotionen verfliegen u du wirst dein Fleisch u Blut über alles lieben 🙂 alles gute f die Geburt u freu dich aufs Kuscheln ...