Warum Angst vor Insulin?

Hallo zusammen,

Ich habe Gestationsdiabetes und muss nun seit einer Woche Insulin spritzen. Beim Lesen der Beiträge hier fällt mir immer wieder auf, dass viele Mädels Angst davor haben und versuchen möglichst ohne auszukommen. Hierzu meine Frage: warum? Was ist daran so schlimm? Insulin ist ein körpereigenes Hormon und ist zudem nicht plazentagängig.
Würde mich interessieren, wie Ihr das seht.

Viele Grüße!

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Hallo,
Ich finde deinen Eindruck total nachvollziehbar. Überall lese ich wie froh Frauen mit Ssd sind kein Insulin spritzen zu müssen. Ich bin in der 13. Woche und schon sehr früh diagnostiziert worden, wegen meiner Vorgeschichte in der Kinderwunschklinik. Und bevor jetzt jemand sagt, dann ist es ja kein echter ssd - bleibt mir bloß weg. Die Definition ist mir echt egal. Hauptsache es wird behandelt und dem Kind geht's gut.
Für mich war es irgendwie ein Kontrollverlust und ein Versagensgefühl, dass ich die Werte mit Sport und Ernährungsumstellung nicht in den Griff bekommen habe. Dazu noch die Sorge zuviel zuzunehmen, zuwenig zu essen. Zuviel Kohlenhydrate, zu wenig, Übelkeit, Müdigkeit. Dabei möchte ich nach 5 Jahren Kinderwunsch, OPs und Enttäuschungen im letzten Jahr doch einfach nur eine unbeschwerte Schwangerschaft. So ist das bei mir. Es hätte mir einfach ein gutes Gefühl gegeben wenigstens ein bisschen Kontrolle zu haben. Da bei mir aber nur der Nüchternwert zu hoch ist - Und der auch nur für Schwangere (98 war für mich unschwanger normal und jetzt eben nicht mehr) muss ich jetzt abends Basalinsulin spritzen. Nun gut. Ich kann mir schöneres vorstellen als meinen Oberschenkel allabendlich zu malträtieren. Aber natürlich auch schlimmeres.
Ich weiss, dass meine Kontrollfreakeinstellung nicht so sinnvoll ist und finde deine Einstellung auch wirklich besser. Aber mei, ist halt so.

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Danke für Deine Antwort! Ich habe zwei Monate lang nach der Diagnose versucht, die Werte durch die Ernährungsumstellung in den Griff zu bekommen. Kein Weizenmehl, mehr Gemüse, (fast) kein Zucker. Und trotzdem hatte ich in der Woche ein paar Ausreißer! Und diese ständige Beschäftigung mit dem Thema Essen! Was darf ich, was nicht, wenn ich etwas darf, dann wie viel davon?
Und bei der letzten Untersuchung war trotzdem der Bauchumfang vom Baby eine Woche voraus.
Das ist mega frustrierend!! Und das Gefühl da, versagt zu haben. Obwohl ich mich wirklich sehr bemüht habe! Mit Insulin habe ich wenigstens ein bisschen das Gefühl, die Kontrolle zu behalten.

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Ich musste mir in der Schwangerschaft Basalinsulin spritzen (morgens und abends). Ich habe auf meine Ernährung geachtet und das Insulin hat den Rest geregelt, falls ich mal nicht so konform war. Das Spritzen von Insulin hat mir extrem den Druck genommen, penibel auf die Ernährung zu achten. Ich war morgens schon gestresst, weil ich nicht wusste, was ich zum mittag und abend essen soll. Zum Glück blieb es beim Basalinsulin und ich musste kein Kurzzeitinsulin spritzen. Mein Sohn kam mit 49 cm und 3354 gr in SSW 38+5 gesund und normalgewichtig auf die Welt.

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Für mich persönlich gab es zwei große Anreize, alles zu versuchen, um kein Insulin zu benötigen:
1. Ich habe nicht sonderlich große Lust auf regelmäßiges Spritzen 😅
2. bei insolinpflichtigem ssd sind die Chancen, in den folgenden Jahren einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, nochmal höher als ohnehin schon mit ssd. 2/3 aller insulinpflichtigen Schwangeren entwickeln innerhalb von 3 Jahren einen Typ-2-Diabetes. Im Vergleich dazu sind es bei Frauen ohne Insulinpflicht etwa die Hälfte.

Wenn es nicht anders ginge, würde ich natürlich Insulin spritzen, aber mein Bemühen war darauf fokussiert, es ohne zu schaffen. Ich hatte Glück und werde wohl kein Insulin mehr spritzen müssen.

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Das ist Quatsch. Gibt es eine Quelle zu diesen Zahlen?

Ich bin Diabetesberaterin und es hat absolut nichts damit zu tun, ob du Insulin gespritzt hast oder nicht um prädispostioniert für einen Typ 2 Diabetes zu sein.

Wenn deine BZ Werte so schlecht sind, dass du Insulin benötigen würdest und du nur deshalb keines zuführen musst, weil du eben KH einsparst, dann bist du trotzdem genauso gefährdet für einen Typ II, wie jemand, der Insulin gespritzt hat. Du hast ja an deiner körperlichen Ausgangssituation nichts geändert.

Schwangere mit einem Gestationsdiabetes werden zu 50% einen Typ II in den nächsten 10 Jahren entwickeln.. Das ist eine evidenzbasierte Aussage. Das Schwangere, die Insulin benötigten ein höheres Risiko haben, liegt daran, dass ihre Stoffwechsellage generell bereits schlechter ist. Jeder Diabetiker kommt ohne oder mit weniger Insulin aus, wenn er Low-Carb oder gar ohne KH lebt.

Alles Gute

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Wenn ich da was falsch verstanden habe, ist es ja sehr gut. Die Aussage kam von meinem diabetologen persönlich 🤷🏼‍♀️ Meine Beraterin hat mir zum Beispiel das hier als Info geschickt:

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Ich kann das auch ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Es schadet keinem, ganz im Gegenteil. Viele essen zu wenig um die Werte konstant gut zu halten nur um kein Insulin zu spritzen, was letztendlich viel schlimmer ist als Insulin zu spritzen. Ganz ehrlich, ich persönlich wär froh gewesen man hätte mir von Anfang an tagsüber Insulin zu den Mahlzeiten gegeben. Nicht weil ich egoistisch bin und nicjt auf das verzichten will was ich nicht mehr essen kann, sondern weil es mir so viel innere Unruhe und Stress erspart hätte weil ich nicht ständig Angst gehabt hätte meine Werte seien zu hoch.

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Ich hab auch gespritzt und es als eine absolute Erleichterung empfunden.

Hab es auch nie verstanden.

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Also, der einzige Grund, der für mich besorgniserregend wäre, ist, dass ich das Insulin versehentlich überdosieren könnte. Eine Unterzuckerung ist ja akut wesentlich gefährlicher als eine Überzuckerung, deshalb hätte ich da ein bißchen bammel. Aber ich glaube, wenn man gut geschult ist, dann passiert das nicht wirklich...

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Bekommt man ja alles erklärt.. Und man misst ja auch immer ;)

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Ich hatte keine SSD und hoffe auch dieses mal nicht. Aber ich kann sagen was mir am meisten Angst macht. Das ich mir selbst eine Nadel in meinen Körper stecken darf. 😨😰 Ich kann es absolut nicht sehen wenn eine Nadel in meinen Körper wandert. 😱

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Ja, das kann ich verstehen. Hatte ich auch. Dabei muss ich sagen, dass das keine richtige Nadeln sind. Sehr dünn und kurz. Zum Teil merke ich den Einstich gar nicht. Beim ersten Mal kostet es Überwindung, klar. Dann geht es. Vor allem wenn ich daran denke, dass es zum Wohlergehen vom Baby beiträgt.

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Dünn und kurz? 😨 Da kommt die nächste Angst.... was wenn sie abbricht... ich hab einfach riesen Respekt davor.... 🙈🙈🙈

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Hallo,

bei mir, also tatsächlich bei MIR persönlich, nicht bei der Schwester der Nachbarin meiner Arbeitskollegin, war es so, dass ich einwandfreie Zuckerwerte hatte - nur der Nüchternwert war immer leicht über dem Grenzwert. Irgendwie hat die Diabetologin mir da echt Angst gemacht, dabei war es wirklich nur ganz leicht. Interessanterweise war er immer dann besser, wenn ich abends entweder spät noch gegessen oder einfach viel (Süßes) gegessen hatte am Tag zuvor.

Gleichzeitig war ich in dem KH, in dem ich entbinden wollte, ab der 25. Woche wöchentlich zur Kontrolle beim Chefarzt bestellt, weil das Baby nicht wuchs, wie es sollte. Und das in Verbindung mit Diabetes ist eine ganz ganz doofe Kombi. Normalerweise sind ja die Babys dann eher groß und schwer, also riet mir die DIABETOLOGIN, abends weniger und nicht mehr so spät zu esssen. DER CHEFARZT wiederum riet mir, spätabends vor dem Schlafengehen noch einen Apfel oder eine Scheibe Brot zu essen - WENN das Baby nachts schon Überzucker bekommt, dann wenigstens mit etwas Nährstoffen dabei. Ich war völlig verwirrt.

Dann fing die Diabetologin an, ich könnte ja ganz wenig Insulin am Abend spritzen. Ich war erleichtert, weil sie mir mit den Werten auch Angst gemacht hatte. Hab also 5 Tage gespritzt, bis zur nächsten Kontrolle im KH. Baby war in dieser Woche GAR NICHT gewachsen. Der Chefarzt fiel aus allen Wolken und sollte SOFORT das Insulin absetzen, das wäre lebensgefährlich fürs Baby. Ich hatte nur Angst. Die ganzen letzten Wochen über...

Am Ende stand aber im Mutterpass, ich hätte "insulinpflichtige SS-Diabetes" gehabt und deswegen wurde ich auch direkt am ET eingeleitet. Wegen 5 Tagen Insulin!

War jetzt nicht sooo schlimm, weil ich auch einfach erleichtert war, dass ich es hinter mit hatte und die Sicherheit, dass alles gut gegangen ist. Aber ich hätte der Maus auch einfach die Zeit gegen können, die sie noch brauchte. Ein paar Tage wächsen wären vielleicht gut gewesen...

Vielleicht haben also viele Frauen auch vor diesem "Rattenschwanz" Angst, den das Insulinspritzen nach sich zieht. Oder vor den Auswirkungen aufs Baby. Ich weiß nicht. Aber im Nachhinein hätte ich auf dieses Hin und Her gerne verzichtet...

Ich wünsche Dir alles Gute! Es hat jeder so seine eigene Geschichte und Hintergründe. Ich jedenfalls würde bei der nächsten Schwangerschaft wohl SEHR vorsichtig sein, wenns ums Insulinspritzen geht, einfach aus Erfahrung.

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Zum einen bin ich sehr kritisch weil ich erlebt habe dass heute schon bei leicht über der Norm liegenden Werten mit Insulin behandelt wird, zum anderen hab ich auch eine Bekannte die sich in der Schwangerschaft in den Unterzucker gespritzt hat und in der Notaufnahme landete.

Mir wurde die Diagnose nur in der ersten meiner Schwangerschaften gestellt. Damals war sowohl der Nüchternwert teilweise grenzwertig als auch der Wert nach einer Stunde. Laut meines Arztes reichte die diätische Kontrolle, aber ich kannte zur gleichen Zeit Frauen die mit ähnlichen Werten Insulin nehmen mussten. Das machte mich zugegebenermaßen ebenfalls skeptisch.

Was ich ebenfalls sehe ist die Interventionskaskade die da dran hängt. Bist du insulinpflichtig wirst du zum ET eingeleitet - womit generell schon ein paar Risiken einhergehen. Wenn du eingeleitet wirst erhöht es die Wahrscheinlichkeit eine PDA zu benötigen,..

Ich finde es aber gut dass der Test auf Schwangerschaftsdiabetes heute zum Standardscreening gehört.

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Ja, das kommt noch dazu! Ich habe das Gefühl, dass es unterschiedlich gehandhabt wird. Je nachdem, von wem man sich beraten lässt.

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Es ist unterschiedlich, weil es auf das Wachstum des Babys ankommt.

Wenn die Werte Grenze sind, und das Baby normal ist... Ist halt Grenze... Wenn das Baby aber eh schon 3 Wochen weiter ist... Dann lieber behandeln... So sehen es auch die meisten docs

Es hängt von mehreren Faktoren ab. Nicht nur vom bz wert allein.

Ich wurde übrigens bei 38+2 eingeleitet wegen Gewicht und Größe, und habe keine pda oder sonst was benötigt.

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