Schwierige Erlebnisse im Umfeld (Achtung, Trigger)

Guten Morgen,

Ich bin in der 25. SSW mit unserem zweiten Kind. In meiner ersten Schwangerschaft hatte ich von Anfang an immer das Gefühl, alles wird gut und ein gutes Vertrauen in meinen Körper.

Jetzt in der zweiten Schwangerschaft ist es so, dass das "Körpergrundgefühl" zwar grundsätzlich gut ist, aber der Verstand da nicht so ganz mitmachen will.

Seit der Geburt unseres ersten Kindes haben wir in unserem engen Umfeld viele traurige Momente miterlebt. Das schlimmste war für mich der Tod des Kindes meiner Schwester unter Geburt (40. SSW und ohne jegliche vorherige Anzeichen).

Das hat mich so mitgenommen, dass ich lange gezweifelt habe, überhaupt ein zweites Kind zu wollen. Das Schicksal hat uns nun die Entscheidung abgenommen und uns mit einem zweiten Wunder überrascht. Und auch wenn Ich mich freue und die Angst im Wochenverlauf etwas abgenommen hat, ist sie dennoch da. Allein zu wissen - es könnte auf den letzten Metern noch etwas passieren.

Ich habe sowohl mit meiner Gyn als auch mit meiner Hebamme darüber gesprochen, aber so richtig viel gebracht hat es mir nicht. Mein Mann meinte, ich solle mal "mit einem Experten" sprechen, aber da ist hier im nächsten halben Jahr kein Termin zu bekommen.

Vielleicht hat ja von euch jemand ein paar beruhigende Worte oder Tipps und Tricks im Umgang damit?

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Es gibt online Beratungen. Zb proFamilia und andere. Auch bei Caritas und Diakonie könnte dir geholfen werden.
Bei den niedergelassenen Experten bekommt man ja leider immer schwer Termine.

Liebe Grüße

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Ich kenne das Problem. Meine erste Schwangerschaft war wie aus dem Bilderbuch und endete in einem für mich extrem schlimmen Notkaiserschnitt. Seitdem ist die zweite Schwangerschaft schwierig, jede Kleinigkeit meines Körpers macht mich panisch, und dass es im Umfeld nun einige Dinge gab (HELLP und Co.) hilft auch nicht. Ich merke, wie ich extrem hypochondrisch werde und permanent irgendwelche Symptome recherchiere. Gestern hatte ich starke Kopfschmerzen, ein paar Tage davor mal Augenflimmern - das Kopfkino kannst du dir vorstellen. Völlig übertrieben.

Was mir momentan hilft: Kontakt zur Hebamme, die stoisch und gelassen alles beantwortet. Und die schiere Statistik. Das, was deiner Schwester passiert ist, kann man sich kaum vorstellen, so furchtbar ist es. Aber es ist so, so selten - das muss man sich immer vor Augen halten. Die reine Wahrscheinlichkeit spricht in überwältigendem Maß dafür, dass bei dir alles gutgehen wird, und daran muss man sich halten. Das ist total schwer, aber ich finde, dass nackte Zahlen da echt guttun.

Ansonsten würde ich auch mal Caritas und Diakonie um Rat fragen, die haben immer gute Anlaufstellen für sowas. Es gibt auch Online-Angebote, die AOK bietet sowas beispielsweise an, um eben die langen Wartezeiten bis zu einer Therapie abzufangen - oder für kleinere Dinge, die nicht so akut sind. Den Namen weiß ich leider gerade nicht, aber lässt sich bestimmt schnell herausfinden.

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Hallo,
Erstmal mein Beileid für den Verlust deiner Schwester..
Ja, auch auf den letzten Metern kann etwas passieren, meine Geschichte möchtest du da lieber nicht hören. Ich hatte eine stille Geburt in der 39. Woche, das Herz unseres Sohnes hat einfach aufgehört zu schlagen. Er war komplett gesund, ich auch. Keiner kann erklären, warum das passiert ist.
Aber, es ist seeehr selten, nur ca. 3500 Fälle im Jahr in Deutschland. Aber natürlich reißt es einem als Betroffene selbst den Boden unter den Füßen weg, aber auch die Familie leidet.
Ich denke nicht, dass du deshalb einen Psychologen brauchst. Es ist ganz normal, dass man wenn man einmal sowas im nahen Umfeld mitbekommen hat - eben auch berechtigte Angst davor hat. Und die wird wohl auch erst vergehen, wenn du dein Baby im Arm hältst. Du kannst wohl selber nicht viel machen, außer auf seinen Körper und dein Baby achten (Kindsbewegungen, Ausfluss, Schmerzen), alle Vorsorgetermine wahrnehmen und bei einem schlechten Gefühl einen Arzt aufsuchen. Aber auch trotz allem, gibt es keine Garantie für ein gesundes Baby, keine Garantie dafür, dass du morgen nicht vom Auto überfahren wirst, oder dein Kind mit 10 Jahren an Krebs stirbt. Trotzdem müssen wir weiterleben.
Ich bin jetzt auch wieder schwanger (24. Woche) und die Angst ist riesengroß. An manchen Tagen so schlimm, dass ich kaum meinen Alltag bewältigen kann. Trotzdem versuche ich eben auch bewusst die Momente zu genießen, die ich aktuell mit meinem Baby habe. Denn vielleicht sind es die letzen. Das ist das einzige woran ich mich festhalten kann, dass ich die erste Schwangerschaft mit unserem Sohn genossen habe, mir oft die Zeit für ihn genommen habe, den Bauch gestreichelt habe und seine Bewegungen bewusst gespürt habe. Denn das ist eine schöne Erinnerung, das einzige was ich von ihm noch habe und das werde ich nie vergessen.
Versuche den Moment jetzt zu genießen, im jetzt zu leben, denn was morgen ist, weiß sowieso keiner. Es ist unwahrscheinlich, dass euch auch so etwas passiert, aber ja, ausschließen kann man es nicht. Auch ich kann nicht ausschließen, dass diese Schwangerschaft wieder nicht gut endet. Trotzdem kämpfen wir uns da durch.
Und auch wenn es dir nicht jeden Tag gelingt, wenn du schon wenige Stunden am Tag entspannt bist, dann sind diese viel wert ❤️
Ich wünsche dir und deiner Schwester alles Gute für die kommende Zeit 🍀