Vormundschaft/vorübergehendes Sorgerecht für Nichte und Neffen?

    • (1) 13.10.16 - 22:07

      Guten Abend an alle,
      ich habe eine vielleicht etwas seltsame Frage: ist es möglich, die Vormundschaft bzw. ein vorübergehendes Sorgerecht für meine Nichte und meine beiden Neffen zu bekommen? Die Kinder sind 14, 6 und 4 Jahre alt.

      Kurz zu unserer Situation. Vor einigen Monaten verstarb meine Schwester. Mein Schwager verkraftet den Verlust nur schwer. Er ist seit 3 Wochen in stationärer Behandlung in einer Psychiatrie. Die Kinder sind seitdem dauerhaft bei uns und sollen dies bis er genesen ist auch bleiben.

      Leider hatten mein Mann und ich nun schon mehrmals Probleme, die Angelegenheiten der Kinder zu regeln. Bei der 6-jährigen standen Impfungen an, die ich nicht veranlassen durfte, der Großen sollte die Klassenfahrt verweigert werden, weil wir keine Einverständniserklärung meines Schwagers hatten. Den Kleinen konnte ich einmal nur mit Mühe und Not aus dem Kindergarten holen (bis dato hatte es durch zufallen immer die Oma erledigt, die auch eingetragen ist. Niemand scheint aber befugt zu sein, weitere Abhol-Personen hinzuzufügen).

      Es scheint einfach nichts geregelt zu sein. Ein erster Versuch meinerseits beim Jugendamt an Informationen zu kommen scheiterte.

      An wen kann ich mich denn wenden?

      Es muss doch Möglichkeiten geben, dass wir in der nächsten Zeit wie Pflegeeltern behandelt werden.

      Es wäre wirklich hilfreich, wenn jemand wüsste, an wen wir uns wenden können. Diese oben geschilderten Situationen können wir im Moment nicht auch noch gebrauchen...

      Freundliche Grüße von 2l-s

      • Hallo

        Warun läßt Du dir keine Vollmacht vom Vater geben?
        Warum hat er die Klassenfahrt nicht unterschrieben?

        Ich kann gut verstehen das Du nicht immer zu deinem Schwager fahren kannst aber das schreiben von der Klassenfahrt liegt eigentlich so früh vor das man sowas mit der Post hin und her schicken kann.

        Kindergarten das gleiche und impfen auch.

        • "Warun läßt Du dir keine Vollmacht vom Vater geben?
          Warum hat er die Klassenfahrt nicht unterschrieben?"

          Weil er in einer Psychiatrie ist, das hat sie doch geschrieben. Ich gehe davon aus, dass es ihm entweder so schlecht geht, dass er noch keine Kontakte nach draußen haben und keine Alltagsangelegenheiten regeln darf (Schwere Depression mit Suizidgefahr bspw.) oder dass die Klinik viel zu weit weg ist. Tippe aber eher auf Ersteres.

          Danke für deine Antwort.
          Er ist derzeit nicht in der Lage sich um diese Angelegenheiten zu kümmern. Sonst hätten wir das natürlich so gemacht.

          • Hallo,

            fahr im Notfall hin und lass dir die Vollmachten unterschreiben.

            Ich war auch schon in der Psychiatrie, aber wenn man Kinder hat, muss man sich mal zusammenreißen oder braucht einen Tritt in den Arsch. Unpopuläre Meinung, ich weiß, aber so geht das nicht.

            Die Impfungen müssen halt verschoben werden, davon geht die Welt nicht unter.

            Wie geht es denn den Kindern damit, dass auf einmal beide Eltern weg sind? Was sagt er dazu?

            Es gibt auch Kliniken, die Kinder mit aufnehmen, Mütter machen das oft so.

            LG

            • Hallo,

              wir können zur Zeit nicht zu ihm. Wir sind in ständigem Kontakt mit den behandelnden Ärzten und halten uns an deren Anweisungen zum Umgang. Unser Ziel ist, dass er therapiert wird und zurück ins Leben findet. Wir stehen noch ganz am Anfang. Wir haben ein familiäres und freundschaftliches Verhältnis. Die Finanzen werden wir in Angriff nehmen. Er ist erst seit drei Wochen weg. Dafür hatte ich einfach noch keinen Kopf. Es ist nicht so, dass er uns das Geld verweigert.

              Wie es den Kindern geht habe ich weiter unten einer anderen Userin geantwortet.

              Die Kinder können im Moment auch nicht zu ihm. Auf der Station können auch keine Kinder mit aufgenommen werden. Im Moment hegt auch noch keins der Kinder diesen Wunsch. Wir behalten das natürlich im Kopf, je nachdem wie seine Therapie verläuft.

              Freundliche Grüße

              von 2l-s

              • Jetzt mache ich mir echt Sorgen um deinen Schwager, auch wenn ich ihn nicht kenne.

                Auf jeder geschlossenen Station, die ich kenne, darf man nach Anmeldung Besuch empfangen.

                Bitte schau mal nach ihm, wie es ihm geht!

      (8) 14.10.16 - 06:58

      Ich könnte mir vorstellen, dass ein Anwalt für Familienrecht da eher beraten kann. Eventuell ist ein Eilantrag beim Familiengericht zu stellen, so dass geprüft werden kann, warum der Vater nicht imstande ist, die notwendigen Formulare zu unterschreiben. Eventuell muss er aber auch freiwillig eine Zeit lang auf gewisse Teile seines Sorgerechts verzichten.

      Aber definitiv würde ich da eher einen Anwalt einschalten, als das Jugendamt, nicht dass die Kinder noch in eine Pflegefamilie gesteckt werden.

      • (9) 14.10.16 - 08:50

        Vielen Dank.
        Also manchmal hat man ja wirklich ein Brett vorm Kopf, natürlich müssen wir einen Anwalt zur Rate ziehen. Ich habe sofort eine Kanzlei kontaktiert und schon für nächste Woche einen Termin bekommen.
        Und du lagst ganz richtig. Mein Schwager ist im Moment zu krank um diese Angelegenheit selbst zu regeln. Er telefoniert im Moment einmal die Woche mit seiner großen Tochter. Sie ist zwar erst 14, aber sie versteht schon sehr gut, was mit ihm passiert ist und wir tun was wir können, um sie (und natürlich auch die Kleinen) aufzufangen und zu unterstützen.

        Ich hatte beim Jugendamt auch etwas Bauchschmerzen, aber ich bin dort auf völliges Desinteresse an der Sitation gestoßen. Den Kindern ginge es ja gut...

        • (10) 14.10.16 - 09:34

          Du dürftest auch den Kopf zu voll haben, um klar genug denken zu können. Von daher wundert es mich nicht, dass Du erst ans Jugendamt gedacht hast (die übrigens selbstverständlich zumindest beratend hätten wissen müssen, was zu tun ist).

          Hast Du schon überlegt, soziale Einrichtungen und psychologische Unterstützung ins Boot zu holen? Die Kinder haben ihre Mutter verloren und nun ist auch noch der Vater "weg". Und ihr habt plötzlich drei Kinder mehr. Das muss man nicht alles alleine stemmen und für die Kinder wäre es eventuell gut, wenn sie sich mal aussprechen könnten.

          Es klingt ein wenig so, als versucht Ihr zwar alles zu regeln und schafft das auch ganz gut, hängt aber mit einem Bein so ein wenig in der Luft.

          • (11) 14.10.16 - 13:21

            Wir haben für die Große eine Psychologin gefunden. Die Gespräche helfen ihr sehr und sie kann sie jederzeit (auch nachts) anrufen und mit ihr sprechen. Sie nimmt es gut an, ich höre sie spät Abends manchmal telefonieren und sie erzählt mir am nächsten Tag davon.

            Bisher ist es glücklicherweise so, dass alle Kinder mit uns sprechen und sich öffnen. Sie sprechen über ihre Trauer und ihre Angst.

            Der Kleine hat "akzeptiert", dass Mama nicht mehr wieder kommt und dass Papa einige Zeit braucht, um wieder gesund zu werden. Er fragt manchmal ob es ihm gut geht und "malt" Geschichten auf, die er ihm erzählen will, wenn er wieder nach Hause kommt.

            Der 6-Jährige ist zur Zeit unser Sorgenkind. Er erfasst das Thema Tod und Krankheit schon ganz anders als der Kleine und hat jede Nacht schlimme Albträume. Er erzählt uns auch von diesen Träumen. Noch schlimmer wurde es, als er eingeschult wurde im August. Er geht gerne in die Schule und kommt gut mit, aber er wirkt extrem gestresst. Mit einem Psychologen wollte er bisher nicht sprechen, auch nicht mit der Psychologin seiner Schwester. Er hat Panik, wenn einer von uns alleine unterwegs ist, weil er denkt, es passiert ein Unfall und wir kommen nicht zurück.

            • (12) 14.10.16 - 13:34

              Das klingt insgesamt sehr beruhigend, auch wenn der Mittlere anscheinend noch Zeit braucht und es ihm akut schlecht geht. Aber sein Papa ist ja auch "erst" drei Wochen weg.

              Die Psychologin gibt Euch ja sicher für ihn auch Tipps, oder?
              Wenn der Junge so gestresst ist, helfen ihm vielleicht Entspannungsmethoden für Kinder? Kuschelt er gerne?

              • (13) 14.10.16 - 13:50

                Ja, wir haben von ihr schon viel Hilfe an die Hand bekommen und das meiste lässt sich wirklich gut umsetzen.
                Er kuschelt gern, kommt abends ohne "Couch" nicht zur Ruhe. Wir haben ihm gesagt, dass er jederzeit runter kommen kann, wenn er zu viele Gedanken hat, nicht schlafen kann oder träumt. Das macht er nun jeden Abend. Er wartet bis alle anderen Kinder schlafen oder sich verzogen haben und kommt dann zu uns und schläft auf der Couch bis wir ins Bett gehen. Das ist mit Sicherheit nicht der Weisheits letzter Schluss, aber es tut ihm im Moment gut dann noch etwas bei uns zu sein und uns reden zu hören. Dann kann er abschalten und schläft ein.

                Die Entspannungsmethoden sind ein guter Tipp, ich habe mal einen Artikel zu autogenem Training für Kinder gelesen, darüber werde ich mich mal informieren. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihm das hilft. Er kann sich eigentlich gut konzentrieren, nur bekommt er seine Gedanken und Ideen einfach nicht sortiert.

                • (14) 14.10.16 - 13:57

                  Ja, sprich mal die Psychologin auf autogenes Training drauf an, sie müsste sich ja zumindest ansatzweise auskennen und Tipps dazu haben. Oder kann Dir einen anderen Ansprechpartner nennen.

                  Ich persönlich finde, er ist bei Euch auf der Couch gut aufgehoben. Pädagogik und erzieherische Strenge haben an der Stelle nichts verloren. ;-)

                  • (15) 19.10.16 - 13:22

                    Hallo,
                    du hast mir letzte Woche so tolle Tipps für meinen Neffen gegeben, daher wollte ich dir einfach gern eine Rückmeldung geben. Wir haben von der Psychologin mehrere Audiobooks und auch Mediaclips für autogenes Training für Kinder im Grundschulalter bekommen und es klappt erstaunlich gut. Er hört meistens per Kopfhörer, er schämt sich etwas, wenn die anderen Kinder mithören, aber das ist ok.
                    Er kommt zur Ruhe und schläft oft ein. Er träumt immer noch, aber wir können ihn viel besser beruhigen und er fragt manchmal nachts, ob er nochmal eine Geschichte hören kann.
                    Das war wirklich ein sehr wertvoller Tipp. Danke!
                    Viele Grüße

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