Kann der Vater die Kinder bekommen?

    • (1) 09.11.16 - 06:12

      Hallo Zusammen,

      ich möchte Euch heute hier fragen, da meine Cousine gerade meine Hilfe braucht und ich leider keinerlei Erfahrung mit dem Thema habe:

      Folgendes: Paar, verheiratet, 2 Kinder in der Grundschule.
      Vater ist aufgrund psychischer Probleme schon ein paar Jahre zu Hause, Frau geht halbtags arbeiten. Vater will sich trennen.
      Nun möchte er die Kinder haben, da er sich ja angeblich mehr um die Kinder gekümmert hat.
      Meine Cousine ist am Ende.

      Der Mann ist vordergründig sehr charmant und kann sehr überzeugend auftreten. Hintenrum sieht es natürlich anders aus, er setzt meine Cousine unter Druck, droht ihr sogar. Das aber natürlich nur hinter verschlossenen Türen.

      Kann er da tatsächlich die Kinder bekommen? Werden die Kinder befragt? ( Er manipuliert auch die Kinder, sie sind noch zu jung das zu begreifen..).

      Was kann meine Cousine tun?

      Ich stehe einfach nur hilflos daneben...

      LG
      Juva

      • Ist seine psychische Erkrankung "aktenkundig", ist er in Behandlung?

        • Da er lange krankgeschrieben war, ja ich denke schon....

          • Ich kenne mich selber nicht wirklich aus, aber das ist schon mal gut, als wenn es eine Behauptung des anderen Elternteils is, dass er psychisch krank ist. Ich denke auch, dass ein alleiniges Sorgerecht in so einem Fall ungewöhnlich wäre. Die Arguentation, dass sich der Elternteil, der für den Familienunterhalt sorgt weniger Zeit it den Kindern verbringt ist ja auch nicht so wirklich stichhaltig.

            • Das er die Kinder bekommt ist gerade ihre größte Angst und die würde ich ihr so gerne nehmen...ich kann mir das auch nicht vorstellen, aber was weiß ich schon...:-(

              • Bis es endgültig geregelt ist wird sich diese Angst nicht nehmen lassen, aber es ist unwahrsheinlich. Am Besten guten Rechtsbeistand suchen und versuchen das für die Kinder so konfliktfrei wie möglich zu regeln. Wenn sich die Krankheit des Vaters auch auf die Kinder auswirkt, das dokumentieren lassen.

                • Wie begründest du dein "ist unwahrscheinlich"?

                  Nur wegen der psychischen Erkrankung ohne Kenntnis der Auswirkungen?

                  ISt das nicht sehr weit aus dem Fenster gelehnt?

                  Wenn die Erkrkrankung das Wohl der Kinder beeinträchtigt, dann ist mir das mit dem "unwahrscheinlich" verständlich. Aber gerade diese Bedingung war keine Voraussetzung deines "unwahrscheinlich".

                  Warum sollte es unwahrscheinlich sein? Bisher kümmert er sich ja auch um die Kinder....Psychisch kann ja auch Burn Out sein, hat auch mal eine Mutter gerne und der werden die Kinder ja auch nicht weggenommen.....

                  Kommt noch eine Begründung für dein unwahrscheinlich?

                  Auch wenn nicht, wäre eine kurze Rückinfo nett.

                  • sorry, momentan kein Internet weil sie wohl bei Arbeiten für Glasfaser die Leitung gekappt haben

                    Der Vater manipuliert die Kinder, das bedeutet (wenn der Vorwurf stichhaltig ist) dass sich seine psychische Krankheit negativ auf die Kinder auswirkt.

                    • Wer manipuliert bekommt die Kinder nicht?

                      Wenn ein Kind also sagt, die Mutter hat es manipuliert bekommt das Kind den Vater zur Betreuung?

                      Oder muss dass bewiesen werden und automatisch sind die Kinder weg?

                      Regelmäßig sind es ja eher Mütter als Väter die manipulieren. Deswegen wäre es ja hilfreich zu wissen wie schnell die Kinder weg sind, wenn man manipuliert.

                      Gibt es eine Grenze der Manipulation? Bei welchen (nachgewiesenen) Manipulationen wären die Kinder sofort beim anderen Elternteil? Kannst du Beispiele nennen?

      Hallo,

      der Halbtagsjob Deiner Cousine ist kein Argument, dass die Kinder dem Vater zugesprochen werden.
      Die Kinder meines Mannes sind zu ihm gekommen, weil bei der Mutter Gefährdung des Kindeswohls vorgelegen hat. Er bekam deswegen inzwischen das alleinige Sorgerecht zugesprochen und sie hat nur noch eingeschränktes Umgangsrecht.
      Die Kinder wurden befragt und wollten dann selber nicht mehr zurück zu ihr und dem Stiefvater.

      Sie soll sich beraten lassen.

      Grüße
      hunkatz.maus

      (13) 09.11.16 - 09:04

      Hallo Juva,

      ich hatte ein ähnlichen Fall im Bekanntenkreis, der Mann hatte eine Bipolare Störung, wirkte auf den ersten Blick normal bis charmant, machte seiner Frau aber das Leben zur Hölle, während sie mit Vollzeitjob versuchte seine Schulden (eine häufige Begleiterscheinung bei Bipolaren) in den Griff zu kriegen.

      Er war überzeugt, dass er die Kinder bekäme, weil sie ja arbeitet und er Vollzeit-Daddy sein könne, während sie weiter die Kohle ranschafft (Unterhalt etc). Letztlich hat meine Freundin jetzt, ein paar Jahre später, beide Kinder, nach wie vor ihren Vollzeitjob, ein neues Haus, einen neuen Mann und endlich das glückliche Leben, das sie verdient hat. Aber der Weg war steinig.

      Wichtig war vor allem eines: Sie ist sehr offensiv und direkt an das Thema herangegangen, allerdings ohne zu beleidigen. Sie hatte Glück und geriet an die richtigen Sachbearbeiter, die sich selbst schon ein bisschen mit dieser Erkrankung beschäftigt hatten (der eine hatte selbst einen Fall im Verwandtenkreis). Und ihr Mann war bereits mehrfach in stationärer Behandlung (Nachweisbar!), hatte schlechte Beurteilungen von seinen behandelnden Ärzten bekommen, weil er die Behandlung mehrfach zornig abgebrochen hatte, zudem ein unterschwelliges Alkoholproblem und als er dann mehrfach vor ihrer TÜr stand, um sie zu bedrohen und zu beleidigen, war sie geistesgegenwärtig genug, sich direkt NUmmern und Namen von Zeugen zu notieren, sowie die Polizei einzuschalten (das machte die Bedrohung nachweisbar). Sie hat den Umgang nie direkt verweigert, aber gemeinsam mit ihrem recht engagierten Anwalt feste Regeln dafür aufgestellt, z.B.: Kein Pöbeln an der Haustür (Holsituation), sonst kommen die Kinder nicht mit, kein Alkohol während die Kinder bei ihm sind (das hat er nicht durchgehalten, zum Glück wurde er von Bekannten mit den Kindern im Biergarten gesehn...er ist danach sogar noch Auto gefahren...). Der Vater hat es nicht aufgegeben und beharrlich weitergetobt, bis irgendwann der RIchter (NICHT die Mutter!) beschlossen hat, ihm den Umgang zu untersagen, weil sein Verhalten als Kindsgefährdend zu werten war. Er hat noch die Option durchs Jugendamt begleiteten Umgang wahrzunehmen, das möchte er aber nicht.

      Also: Wichtig, offen über die Gründe für ihre Bedenken reden, dem Vater dennoch eine Chance geben, seine Kinder zu sehen, aber zugleich klare Regeln aufstelle und mit HIlfe von Fachleuten auch durchsetzen. Auf Good-Will geht hier vermutilch gar nichts, wenn die Situation so liegt, wie du sie beschreibst. Ich drück die DAumen, dass die beiden eine gute Lösung für sich und ihre Kinder finden.

      • (14) 09.11.16 - 11:05

        Danke Dir, das baut schonmal auf. Bislang agiert meine Cousine sehr gut in der Situation. Kommt überlegt und nicht hysterisch rüber ( obwohl ich finde es genug Gründe zum hysterisch werden gäbe!)
        Ich mache mir nur Sorgen, ob die befassten Personen hinter seine Fassade schauen können...
        Müssen die Arztberichte denn offen gelegt werden, ordnet das Gericht das an?

        • (15) 09.11.16 - 12:06

          Das kann ich dir leider nicht sagen, aber der Anwalt deiner Cousine weiß hier sicher mehr. In dem Fall meiner Freundin war es so, dass sie die KLinikaufenthalte als damalige Ehepartnerin problemlos nachweisen konnte und ihr (Ex-)Mann so verquert im Kopf war, dass er dachte, er würde sich einen Gefallen tun, wenn er die Unterlagen vorlegt, weil er nicht bedacht hat, dass darin zwar steht, dass er entlassen wurde (er dachte, das würde beweisen, dass er gesund wäre), aber dass darin eben auch steht, dass er nur auf eigenen Wunsch und entgegen der dringenden Empfehlung des behandelnden Arztes, sowie trotz einer ungünstigen Prognose entlassen wurde... Wie das ist, wenn jemand die Offenlegung seiner Patientenunterlagen verweigert weiß ich leider nicht.

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