Kann der Vater die Kinder bekommen?

    • (1) 09.11.16 - 06:12

      Hallo Zusammen,

      ich möchte Euch heute hier fragen, da meine Cousine gerade meine Hilfe braucht und ich leider keinerlei Erfahrung mit dem Thema habe:

      Folgendes: Paar, verheiratet, 2 Kinder in der Grundschule.
      Vater ist aufgrund psychischer Probleme schon ein paar Jahre zu Hause, Frau geht halbtags arbeiten. Vater will sich trennen.
      Nun möchte er die Kinder haben, da er sich ja angeblich mehr um die Kinder gekümmert hat.
      Meine Cousine ist am Ende.

      Der Mann ist vordergründig sehr charmant und kann sehr überzeugend auftreten. Hintenrum sieht es natürlich anders aus, er setzt meine Cousine unter Druck, droht ihr sogar. Das aber natürlich nur hinter verschlossenen Türen.

      Kann er da tatsächlich die Kinder bekommen? Werden die Kinder befragt? ( Er manipuliert auch die Kinder, sie sind noch zu jung das zu begreifen..).

      Was kann meine Cousine tun?

      Ich stehe einfach nur hilflos daneben...

      LG
      Juva

      • (2) 09.11.16 - 06:46

        Ist seine psychische Erkrankung "aktenkundig", ist er in Behandlung?

        • (3) 09.11.16 - 06:55

          Da er lange krankgeschrieben war, ja ich denke schon....

          • (4) 09.11.16 - 07:05

            Ich kenne mich selber nicht wirklich aus, aber das ist schon mal gut, als wenn es eine Behauptung des anderen Elternteils is, dass er psychisch krank ist. Ich denke auch, dass ein alleiniges Sorgerecht in so einem Fall ungewöhnlich wäre. Die Arguentation, dass sich der Elternteil, der für den Familienunterhalt sorgt weniger Zeit it den Kindern verbringt ist ja auch nicht so wirklich stichhaltig.

            • (5) 09.11.16 - 07:08

              Das er die Kinder bekommt ist gerade ihre größte Angst und die würde ich ihr so gerne nehmen...ich kann mir das auch nicht vorstellen, aber was weiß ich schon...:-(

              • (6) 09.11.16 - 07:15

                Bis es endgültig geregelt ist wird sich diese Angst nicht nehmen lassen, aber es ist unwahrsheinlich. Am Besten guten Rechtsbeistand suchen und versuchen das für die Kinder so konfliktfrei wie möglich zu regeln. Wenn sich die Krankheit des Vaters auch auf die Kinder auswirkt, das dokumentieren lassen.

                • (7) 09.11.16 - 13:01

                  Wie begründest du dein "ist unwahrscheinlich"?

                  Nur wegen der psychischen Erkrankung ohne Kenntnis der Auswirkungen?

                  ISt das nicht sehr weit aus dem Fenster gelehnt?

                  Wenn die Erkrkrankung das Wohl der Kinder beeinträchtigt, dann ist mir das mit dem "unwahrscheinlich" verständlich. Aber gerade diese Bedingung war keine Voraussetzung deines "unwahrscheinlich".

                  (8) 10.11.16 - 09:10

                  Warum sollte es unwahrscheinlich sein? Bisher kümmert er sich ja auch um die Kinder....Psychisch kann ja auch Burn Out sein, hat auch mal eine Mutter gerne und der werden die Kinder ja auch nicht weggenommen.....

                  (9) 13.11.16 - 06:28

                  Kommt noch eine Begründung für dein unwahrscheinlich?

                  Auch wenn nicht, wäre eine kurze Rückinfo nett.

                  • (10) 13.11.16 - 07:59

                    sorry, momentan kein Internet weil sie wohl bei Arbeiten für Glasfaser die Leitung gekappt haben

                    Der Vater manipuliert die Kinder, das bedeutet (wenn der Vorwurf stichhaltig ist) dass sich seine psychische Krankheit negativ auf die Kinder auswirkt.

                    • (11) 14.11.16 - 07:13

                      Wer manipuliert bekommt die Kinder nicht?

                      Wenn ein Kind also sagt, die Mutter hat es manipuliert bekommt das Kind den Vater zur Betreuung?

                      Oder muss dass bewiesen werden und automatisch sind die Kinder weg?

                      Regelmäßig sind es ja eher Mütter als Väter die manipulieren. Deswegen wäre es ja hilfreich zu wissen wie schnell die Kinder weg sind, wenn man manipuliert.

                      Gibt es eine Grenze der Manipulation? Bei welchen (nachgewiesenen) Manipulationen wären die Kinder sofort beim anderen Elternteil? Kannst du Beispiele nennen?

      Hallo,

      der Halbtagsjob Deiner Cousine ist kein Argument, dass die Kinder dem Vater zugesprochen werden.
      Die Kinder meines Mannes sind zu ihm gekommen, weil bei der Mutter Gefährdung des Kindeswohls vorgelegen hat. Er bekam deswegen inzwischen das alleinige Sorgerecht zugesprochen und sie hat nur noch eingeschränktes Umgangsrecht.
      Die Kinder wurden befragt und wollten dann selber nicht mehr zurück zu ihr und dem Stiefvater.

      Sie soll sich beraten lassen.

      Grüße
      hunkatz.maus

      (13) 09.11.16 - 09:04

      Hallo Juva,

      ich hatte ein ähnlichen Fall im Bekanntenkreis, der Mann hatte eine Bipolare Störung, wirkte auf den ersten Blick normal bis charmant, machte seiner Frau aber das Leben zur Hölle, während sie mit Vollzeitjob versuchte seine Schulden (eine häufige Begleiterscheinung bei Bipolaren) in den Griff zu kriegen.

      Er war überzeugt, dass er die Kinder bekäme, weil sie ja arbeitet und er Vollzeit-Daddy sein könne, während sie weiter die Kohle ranschafft (Unterhalt etc). Letztlich hat meine Freundin jetzt, ein paar Jahre später, beide Kinder, nach wie vor ihren Vollzeitjob, ein neues Haus, einen neuen Mann und endlich das glückliche Leben, das sie verdient hat. Aber der Weg war steinig.

      Wichtig war vor allem eines: Sie ist sehr offensiv und direkt an das Thema herangegangen, allerdings ohne zu beleidigen. Sie hatte Glück und geriet an die richtigen Sachbearbeiter, die sich selbst schon ein bisschen mit dieser Erkrankung beschäftigt hatten (der eine hatte selbst einen Fall im Verwandtenkreis). Und ihr Mann war bereits mehrfach in stationärer Behandlung (Nachweisbar!), hatte schlechte Beurteilungen von seinen behandelnden Ärzten bekommen, weil er die Behandlung mehrfach zornig abgebrochen hatte, zudem ein unterschwelliges Alkoholproblem und als er dann mehrfach vor ihrer TÜr stand, um sie zu bedrohen und zu beleidigen, war sie geistesgegenwärtig genug, sich direkt NUmmern und Namen von Zeugen zu notieren, sowie die Polizei einzuschalten (das machte die Bedrohung nachweisbar). Sie hat den Umgang nie direkt verweigert, aber gemeinsam mit ihrem recht engagierten Anwalt feste Regeln dafür aufgestellt, z.B.: Kein Pöbeln an der Haustür (Holsituation), sonst kommen die Kinder nicht mit, kein Alkohol während die Kinder bei ihm sind (das hat er nicht durchgehalten, zum Glück wurde er von Bekannten mit den Kindern im Biergarten gesehn...er ist danach sogar noch Auto gefahren...). Der Vater hat es nicht aufgegeben und beharrlich weitergetobt, bis irgendwann der RIchter (NICHT die Mutter!) beschlossen hat, ihm den Umgang zu untersagen, weil sein Verhalten als Kindsgefährdend zu werten war. Er hat noch die Option durchs Jugendamt begleiteten Umgang wahrzunehmen, das möchte er aber nicht.

      Also: Wichtig, offen über die Gründe für ihre Bedenken reden, dem Vater dennoch eine Chance geben, seine Kinder zu sehen, aber zugleich klare Regeln aufstelle und mit HIlfe von Fachleuten auch durchsetzen. Auf Good-Will geht hier vermutilch gar nichts, wenn die Situation so liegt, wie du sie beschreibst. Ich drück die DAumen, dass die beiden eine gute Lösung für sich und ihre Kinder finden.

      • (14) 09.11.16 - 11:05

        Danke Dir, das baut schonmal auf. Bislang agiert meine Cousine sehr gut in der Situation. Kommt überlegt und nicht hysterisch rüber ( obwohl ich finde es genug Gründe zum hysterisch werden gäbe!)
        Ich mache mir nur Sorgen, ob die befassten Personen hinter seine Fassade schauen können...
        Müssen die Arztberichte denn offen gelegt werden, ordnet das Gericht das an?

        • (15) 09.11.16 - 12:06

          Das kann ich dir leider nicht sagen, aber der Anwalt deiner Cousine weiß hier sicher mehr. In dem Fall meiner Freundin war es so, dass sie die KLinikaufenthalte als damalige Ehepartnerin problemlos nachweisen konnte und ihr (Ex-)Mann so verquert im Kopf war, dass er dachte, er würde sich einen Gefallen tun, wenn er die Unterlagen vorlegt, weil er nicht bedacht hat, dass darin zwar steht, dass er entlassen wurde (er dachte, das würde beweisen, dass er gesund wäre), aber dass darin eben auch steht, dass er nur auf eigenen Wunsch und entgegen der dringenden Empfehlung des behandelnden Arztes, sowie trotz einer ungünstigen Prognose entlassen wurde... Wie das ist, wenn jemand die Offenlegung seiner Patientenunterlagen verweigert weiß ich leider nicht.

    (16) 09.11.16 - 13:06

    Ich denke das es sehr darauf ankommen wird, ob die Erkrankung das Wohl der Kinder beeinträchtigt, wenn sie bei ihm bleiben.

    Wenn nicht, was würde der Mutter den Vorzug geben, dass dagegen spricht, dass er die Kinder bekommen kann?

    • (17) 09.11.16 - 13:37

      Wie gesagt ich habe bisher keine Ahnung:

      Wie wird denn entschieden, wo die Kinder zukünftig wohnen, wenn beide Eltern die Kinder haben wollen und sich nicht einigen können?
      Welches Elternteil bekommt dann warum den Vorzug?
      Man kann den Eltern ja auch nur vor den Kopf schauen, ob das alles stimmt was beide erzählen, weiß ja keiner.

      Werden die Kinder befragt?
      Was ist wenn einer die Kinder hauptsächlich verwöhnt, der andere Elternteil versucht zumindest Erziehungsarbeit zu leisten, ist der dann benachteiligt?
      #gruebel

      • (18) 09.11.16 - 17:44

        In Ergänzung zu Parzifal: da geht es eher um Grundsätze. Wer betreut, wo ist die engere Bindung, wer hat die bessere Bindungstoleranz, , wer erhält Umfeld und Alltag?

        Würde man einer Mutter, die psychisch krank ist, deshalb die Befähigung absprechen, sich um Kinder zu kümmern? Wie viele Kinder leben bei Borderlinerinnen?

        Aber was spricht denn dagegen, sich NICHT zu zerstreiten und die Kinder im Wechselmodell zu betreuen? Z. B. eine Woche Mama eine Woche Papa. Oder Wechsel jeden Mittwochnachmittag und Samstagabend.

        Bitte denkt daran, die Kinder lieben euch beide. Nur ihr beide findet euch gegenseitig scheiße. Übertragt das bitte nicht auf die Kinder.

        Grüße Küstenkönigin

        • (19) 09.11.16 - 18:03

          Das wäre schön, da stimme ich Dir zu.

          Allerdings ist er ja derjenige der Druck macht und die Kinder haben will. Sie macht die Erziehungsarbeit und geht arbeiten und hat daher Angst, dass die Kinder wenn befragt momentan vielleicht erstmal zum Papa wollen. Der Papa spielt halt den Spaßmacher und Verwöhner. Die Kinder sind halt noch klein und beeinflussbar. Sie kann da auch rein vom Geld her nicht mithalten.

          Ich finde das ganz schön bitter und bin da auch überfragt, wie sie sich verhalten soll.

          • (20) 09.11.16 - 20:11

            Vielleicht indem sie einen gemeinsamen Beratungstermin beim Jugendamt oder einer Familienberatung vorschlägt und diese Einigungsversuche dokumentiert.

            Gibt es Personen im Umfeld, die beiden wohlgesonnen sind und vermitteln können? Also ihm bspw auch klarmachen, dass die Kinder beide brauchen?

            LG Küstenkönigin

        (21) 10.11.16 - 10:30

        "Aber was spricht denn dagegen, sich NICHT zu zerstreiten und die Kinder im Wechselmodell zu betreuen? Z. B. eine Woche Mama eine Woche Papa. Oder Wechsel jeden Mittwochnachmittag und Samstagabend."

        Es ist schade das die meisten hier nie darüber nachdenken. Es kommt mir immer so vor als sollen " Besitzansprüche" geregelt werden.

        Kann der Vater die Kinder bekommen
        Kann er mir die Kinder wegnehmen
        etc
        Es geht um die Kinder.

(22) 09.11.16 - 18:36

Also wie das Ganze vor Gericht ausgeht, kann niemand vorausahnen.
Allerdings hat bei mir ein Bekannter das gleiche Problem. Er lebt jetzt in Scheidung von seiner psychisch kranken Frau. Sie verbringt jeden Tag in der Tagesklinik, aber nach der Schule bekommt sie alle 2 Wochen die Kinder (Wechselmodell).
Eine psychische Erkrankung ist kein Ausschlussgrund für Umgang oder ABR. Voraussetzung ist allerdings, dass der behandelnde Therapeut das auch so sieht. Bei der Frau meines Bekannten ist eben das geregelte Leben in der Tagesklinik bis zum Nachmittag die absolute Voraussetzung für das Wechselmodell.
Das klappt auch ganz gut so.

  • (23) 10.11.16 - 12:16

    Ich kann diese Propagierung des Wechselmodells nicht mehr nachvollziehen.

    Ja klar, auf den ersten Blick ist dies die gerechteste Lösung, aber auf den zweiten Blick muss man sich fragen, ob dieses Modell in der Aufteilung zwischen zwei Haushalten dem Kindeswohl entspricht.

    Netter Artikel dazu: https://www.vamv-berlin.de/wechselmodell/das-wechselmodell-aus-sicht-des-kindes/

    Stellt Euch einfach mal vor ihr müsstest alle 4 Tage oder alle 7 Tage von einer Wohnung in die nächste Wohnung.

    Selbst als Erwachsener ist eine solche Mittelpunktlosigkeit nur schwer zu ertragen, aber für die Kinder soll es okay sein???

    Die einzige sinnvolle Form Wechselmodell wäre es wenn die Eltern ihren Lebensort wechseln und das Kind dauerhaft in einer Wohnung verbleibt oder die Eltern direkt nebeneinander wohnen und das Kind frei wechseln kann.

    Zum Fall hier: In den Fällen wo es um das Aufenthaltsbestimmungsrecht geht und die Eltern sich drum streiten, gibt es ohnehin eine Verfahrensbeistandschaft für die Kinder, das Jugendamt wird gehört und im Zweifel wird ein Gutachten eingeholt.

    In der Praxis hat sich herausgebildet, dass Kinder ab dem dritten Lebensjahr bzw. wenn sie sprechen können, angehört werden. Ohne dem Beisein der Eltern.

    Hier zu sagen es ist wahrscheinlich oder unwahrscheinlich ist reines Kaffeesatzlesen. Glücklicherweise geht die Tendenz der Gerichte mittlerweile dazu nicht immer automatisch der Mutter das ABR zu übertragen. Es erfolgt eine Abwägung im Einzelfall. In Pattsituationen wie, nach der Schilderung aus meiner Sicht hier gegeben, ist eine Prognose nicht möglich.

    • (24) 10.11.16 - 14:09

      "Ich kann diese Propagierung des Wechselmodells nicht mehr nachvollziehen."

      Ich schon. Ich denke das es grundsätzlich für das Kind am Besten ist.

      Wir praktizieren dieses Wechselmodell nun seit knapp drei Jahren und unseren Kindern geht es damit hervorragend.
      Für uns war wichtig das wir dafür auch die besten Vorraussetzungen schaffen. Wir wohnen keine 500 Meter auseinander.

      Ich finde dieses Modell viel besser als meinen Kinder jahrelang irgendwelchen Streitigkeiten über Geld und Umgang auszusetzen. Siehe Forum Allein Erzeihend.
      Wieviele Probleme gibt es da von Eltern die ihre Kinder im Wechselmodell betreuen?

      Diese ganze verschwendetete Energie lasst sich viel besser in die Kinder investieren.

      (25) 10.11.16 - 14:13

      Das werde ich weiter tun, weil ich in meinem Umfeld einige glückliche WM-Kinder habe. Und kein Kind, das unglücklich damit ist.

      Grüße Küstenkönigin

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