Auszug einer 17 Jährigen zum Freund

Guten Tag,

ich habe folgende Frage. Meine Freundin (17) Wohnt seit Mitte September 2017 dauerhaft bei mir (eigene Wohnung). Ihr Vater ist Unterhaltspflichtig, teilen sich aber das Sorgerecht, sie wohnte bis dahin bei ihrer Mutter. seit 1.03.2018
Wohnt sie nun Offiziell bei mir, also hat sich umgemeldet. Zuhause war die Wohnsituation so schlecht das sie dort nicht mehr leben wollte und auch nicht kann. Wir haben uns ein schreiben vom Jugendamt besorgt wo folgendes drin steht.
"Hiermit bestätige ich, dass Name der Person, geb., sich im Einverständnis Ihrer sorgeberechtigten Eltern bei Ihrem Freund, Name der Person, Adresse, aufhält.
Ein weiteres Wohnen bei einem Elternteil ist zurzeit aus der Sicht des Jugendamtes nicht zu befürworten."

Ihre Mutter hat gesagt ich gebe nicht die Offizielle das sie bei mir ist. Duldet es aber komischerweise seit Mitte September. Ihr Vater Zahlt den Unterhalt an ihre Mutter. Da sie einen Titel hat möchten wir das auch nicht ohne rechtliche Sicherheit ändern.
Nun hat sie ja seit September keine kosten mehr für meine Freundin. Sie hat ihr hin und wiedermal 50€ von den 290€ die sie Für sie bekommt gegeben. Weigert sich aber ihr den kompletten Betrag zu zahlen. Wie aus dem Schreiben vom Jugendamt hervorgeht ist es ihr ja nicht mehr zumutbar zuhause zu Wohnen.

Was kann man jetzt machen damit sie ihr Kindergeld und den Unterhalt auch vor Ihrem 18 Geburtstag bekommen kann?

Es sind zwar nurnoch 3 Monate aber wir möchten nicht das die Mutter dieses Geld für sich ausgibt was man schon gesehen hat, da kaum wohnt sie nicht mehr da hat die Mutter neuen Computer,2 Bildschirme, Schreibtisch und einen ziemlich teuren Pc Stuhl.

Würde mich über Ratschläge freuen.

Mit Freundlich Grüßen

Marcel Schreiner

1

Hallo,

habt ihr das mal beim Jugendamt angesprochen?
Weil Fakt ist: Der Unterhalt ist für das Kind. Wenn sie nun bei dir lebt, muss sie dieses auch überwiesen bekommen aus meiner Sicht.
Da es aber einen Titel gibt, bin ich mir nicht sicher wie das läuft.
Glaube aber das Jugendamt kann helfen. Die haben auch eine Beistandschaft.

Liebe Grüße

2

Da Dir niemand antwortet der wirklich Ahnung hat, hier meine Laienmeinung.

Ich würde glauben, die Mutter sitzt so lange am längeren Hebel, bis der Auszug offiziell ist. So lange die Tochter eigentlich noch bei ihr gemeldet ist und die Mutter dem Umzug als Erziehungsberechtigte nicht zugestimmt hat, ist das ein Agreement unter der Hand und somit hat die Mutter auch weiterhin das Recht, alle Gelder einzubehalten.

Die Tochter müsste also anwaltliche Beratung in Anspruch nehmen und nötigenfalls auf mehr Geld klagen, aber das wird sicherlich länger dauern, als drei Monate. Ich würde mich lieber in dem Zeitraum schlau machen, wie das Geld sofort nach dem 18. Geburtstag auf ihr eigenes Konto kommt. Also Vater informieren und in Kenntnis setzen, wo er den Unterhalt hin überweisen muss und Familienkasse anrufen und wegen Kindergeldzahlung nachfragen. Und die Ummeldung bei der Gemeinde nicht vergessen.

3

Ich bin damals auch mit 17 ausgezogen. Meine Mutter wollte das sogar noch verhindern, aber das Jugendamt hat sie da schnell zurechtgestutzt.

Mir wurde damals gesagt, dass ich Anspruch auf Kindergeld und Unterhalt habe. Wie ich das mit dem Kindergeld beantragt habe, weiß ich gar nicht mehr, es war aber nicht kompliziert.

Meinem Vater habe ich einfach mitgeteilt, dass er nun mir, statt meiner Mutter den Unterhalt überweise und fertig war's.

Vielleicht sollte die Mutter mal Bedenken, dass sie ebenfalls unterhaltsverpflichtet sein könnte? Also klärt es einfach selbst. Sie wird keine Handhabe haben, sich das Geld wieder zurück zu holen.

LG

4

Hallo Marcel,

da hier einige Ansprüche und gesetzliche Regelungen kollidieren, stellt sich die Frage, ob das für 3 Monate Sinn macht.

Problem 1 - nach 1612 BGB können Eltern bei unverheirateten Kindern die Art der Unterhaltsgewährung zunächst mal bestimmen, auf die Belange des Kindes ist zwar Rücksicht zu nehmen - aber .....

2. - die Mutter verweigert offenbar die schriftliche Zustimmung und somit ist sie erst mal auf der "besseren" Seite - sie bietet somit Kost und Logis an, Tochter nimmt dies nicht an, somit müsste Deine Freundin im Ernstfall klagen.

3. Kindergeld - Kindergeld steht nicht dem Kind, sondern den Eltern zu, eine Abzweigung an das Kind ist zwar grds. möglich, aber in diesem Fall würde der Elternteil das KG erhalten, der den höheren Unterhalt zahlt.

4. auch beim KU des Vaters das gleiche Problem (bis zur Volljährigkeit), Zahlung an die Mutter - andernfalls könnte diese eine Vollstreckung beantragen/durchführen - dagegen ließe sich zwar ev. etwas machen .... aber eine Pfändung ist nun mal kein Spaß

Helfen kann hier wohl zunächst mal das Jugendamt, mit diesem zusammen müsste eine Lösung gefunden werden - ggf. durch eine Klage gegen die Mutter

LG

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Hallo,

Sie soll sich bei der Kindergeldstelle schnell melden, das geht auch ohne die Nummer zu kennen. Dann sich die Unterlagen besorgen, dass das Geld auf ihr Konto überwiesen werden soll. Wie wäre es denn wenn sie mit dem Vater redet und ihn bittet ihr den Unterhalt aufs Konto zu überweisen.

Ansonsten hilft nur Jugendamt und Anwalt.

Lg

6

"Wie wäre es denn wenn sie mit dem Vater redet und ihn bittet ihr den Unterhalt aufs Konto zu überweisen."

Das könnte ein Eigentor für den KV werden wenn der Titel besagt das der KU an die KM auszuzahlen ist.
Diese könnte dann direkt vollstrecken lassen. Ob der KV seiner Tochter irgendwelches Geld direkt überwiesen hat spielt dabei keine Rolle.

8

Den Unterhalt trotz bestehenden Titels an der Mutter vorbei zu zahlen, ist keine so gute Idee - im Zweifel zahlt er dann doppelt, weil die Mutter vollstrecken kann.

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Nun,

es gibt kein pauschales Recht auf vollfinanziertes Ausziehen - auch nicht mit 18.
Gerade was hier den Anteil der KM angeht wird im Streitfall auch Gericht beurteilen müssen ob das Wohnen zuhause wirklich nicht zumutbar ist.
Ansonsten kann die KM selbstverständlich den UH auch weiterhin als Naturalunterhalt erbringen. Wenn das Kind darauf verzichtet ist das nicht das Problem der Mutter ..

9

Ein Frischling.
Zunächst einmal bezweiflich ich, dass das Jugendamt einen solchen Wisch herausgibt. Das schreit regelrecht nach Fake. Bei den wirklich zahlreichen Berichten, Gutachten und Schreiben des Jugendamtes, die ich habe, sind alle Personen einzeln (!) namentlich genannt und auch wie sie miteinander im Verhältnis stehen und welche Rechte sie haben.
Der Satz, falls er denn verwendet werden würde, müsste also lauten: "Es wird bestätigt dass X, geb. am ..., mit dem Einverständnis ihrer sorgeberechtigten Mutter Y und mit dem Einverständnis ihres sorgeberechtigten Vaters Z, sich derzeit bei Herrn A (Adresse) aufhält."
Mit dem 2. Satz lehnt sich das Jugendamt extrem weit aus dem Fenster. Das kann und darf es ohne weitere Konsequenzen nicht so schreiben.
Unser Jugendamt schreibt auch prinzipiell nur Passiv-Sätze und das "Hiermit" ist schon derart veraltet, das nutzt man schon seit sehr, sehr vielen Jahren nicht mehr.