Unterhalt - fiktives Einkommen festlegen

Ihr Lieben,

Es besteht geteiltes Sorgerecht, der Umgang mit dem KV ist geregelt. Ich erhalte Unterhaltsvorschuss für unsere beiden Töchter (3 und 5J.) aufgrund seines geringen netto Einkommens kann er den mindestunterhalt nicht leisten. Er kommt mit seinem Geld gut zurecht, sieht sich also nicht gedrängt, eine bessere Anstellung zu suchen. Er hat studiert, hat viel Erfahrung, spricht 3 Sprachen fließend, ist gesund...eigentlich beste Voraussetzungen für einen Job, der ihn wirklich ganz leicht ein höheres Gehalt verschaffen würde. Mein Anwalt sagt, man kann beim Gericht einen Antrag stellen, so dass ein fiktives Einkommen festgelegt werden könnte, so dass er zur Zahlung des Mindestunterhaltes verpflichtet werden könnte. Das sind nach Abzug Unterhaltsvorschuss und Hälfte Kindergeld, 96 EUR pro Kind. Habt ihr Erfahrung mit solch einem Antrag? Ich befürchte, dass der KV sich da irgendwie rauswindet und irgendwas erfindet, warum es ihm einfach nicht möglich ist, einen besseren Job anzunehmen. Ist das Gericht da streng bei seiner Entscheidung? Was muss der KV denn vorlegen? Ich befürchte, dass Gerichte zu überlaufen sind, um sich da wirklich intensiv damit zu beschäftigen und rechne eher damit, dass der KV nicht wirkliche Bemühungen vorzeigen muss.

Danke euch und ein schönes Wochenende!

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Man kann gesund und trotzdem (schwer-)behindert sein. Letzteres ist definitiv ein Grund nicht zu arbeiten. Dann gibt es z.B. noch eine Pflegetätigkeit, die an der Aufnahme einer Arbeitsstelle verhindert.
Nun kommt es darauf an, was er studiert hat und ob er überhaupt einen Abschluss hat (das Eine bedingt ja das Andere nicht unbedingt). Manche Studiengänge sind eher eine "brotlose Kunst". Hat er für die 3 Sprachen irgendein international anerkanntes Zertifikat, dass er die spricht? Sonst kann man damit eher kein Geld verdienen. Das kann man sonst nur bei normalen Jobs als kleinen Bonus anbieten.
Im Grunde ist die Liste aber relativ kurz und recht überschaubar. Wenn du dir also sicher bist, dass er arbeiten könnte und wirklich nichts dagegen spricht, dann Klage. Richter mögen säumige Väter nicht. Du hast gute Chancen.

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"Man kann gesund und trotzdem (schwer-)behindert sein. Letzteres ist definitiv ein Grund nicht zu arbeiten."

Und ich so: Hä?

Warum nur kenne ich Menschen, die trotz eines GdB von 100 arbeiten gehen? Vollzeit.

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Und ich kenne Menschen, die bei einem GdB von 50 schon nicht mehr arbeiten gehen können. Kommt wohl ganz auf die Behinderung an. Die allermeisten Behinderungen sieht man Menschen rein äußerlich nicht an.
Ich habe auch nur einen GdB von 50 und kann definitiv nie wieder arbeiten. Völlig utopisch das anzunehmen. Nach der Masse an Anfällen ist mein Gehirn wie ein Schweizer Käse. Ich vergesse unheimlich schnell und unheimlich viel. Mein Mann verzweifelt schon langsam - aber ohne dass ich mir wirklich alles aufschreibe, geht gar nichts.
Aber du darfst gern mit mir und meinen paar Hundert epileptischen Anfällen tauschen. Dann gibt es auch den GdB.

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Du könntest zum Beleg deines Antrages recherchieren, wie viel jemand mit dem Abschluss X in etwa verdienen würde, wenn er eine adäquate Anstellung sucht.
Alternativ könnte man ihn ggf. verpflichten, einen Nebenjob anzunehmen.

Wenn es offensichtlich ist, dass er mehr verdienen könnte, sind die Chancen sicher nicht von der Hand zu weisen.

Ich würde daher erst mal checken, ob die Vorstellungen von dem, was du vermutest, dass er verdienen könnte, realistisch ist. Wenn deine Annahme belegt ist, würde ich ihn (anwaltlich) noch mal damit konfrontieren und dann eventuell klagen.

LG

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Danke euch! Ja, wenn er wirklich nicht könnte aus irgendwelchen Gründen, würde ich auch nichts verlangen. So fair bin ich. Aber es ist recht offensichtlich, dass er es sich etwas zu bequem macht. Das Einkommen würde ich ganz realistisch, eher etwas geringer zur Berechnung ansetzen, ich denke, die Chancen stehen wirklich ganz gut. Nur bei den Berliner Gerichten bin ich tatsächlich etwas skeptisch, wie sehr sie hinterher sind ;-)

Vielen Dank nochmal und alles gute!

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"Das Einkommen würde ich ganz realistisch, eher etwas geringer zur Berechnung ansetzen,"

Es muss aber nicht nur das Einkommen realistisch z.B. anhand einer Gehaltstabelle sein, sondern auch die Möglichkeit eine entsprechende Stelle zu bekommen.

Beispiel:
Auch wenn der Mann promovierter Physiker ist und drei Sprachen spricht kann hier kaum das Gehalt eines Bundeskanzlers angesetzt werden. Nicht wegen der Qualifizierung des betroffenen, sondern wegen der Anzahl der verfügbaren Stellen.

Ebenso düfte es gerade in Berlin auch durchaus einen Überschuss an Piloten und Flugbegleitern geben.

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Hallo!
"Das sind nach Abzug Unterhaltsvorschuss und Hälfte Kindergeld, 96 EUR pro Kind. "

Da hast du aber was falsch verstanden. UHV gibt es nur dann zusätzlich zu den Zahlungen des KV wenn der Gesamtbetrag das UHV maximum nicht überschreitet.

Also, angenommen das Kind ist <= 5 Jahre und der KV kann 96€ zahlen, denn gibt es halt nur noch 58€ UHV.

" Ich befürchte, dass der KV sich da irgendwie rauswindet und irgendwas erfindet, warum es ihm einfach nicht möglich ist, einen besseren Job anzunehmen. Ist das Gericht da streng bei seiner Entscheidung? Was muss der KV denn vorlegen? "

Naja, zunächst mal muss der Antragsteller darlegen warum er denn der Meinung ist der KV könnte mehr verdienen. Einfach zu sagen "Weil er halt könnte" langt nicht, das Ansinnen muss auch realistisch sein, d.H. es muss auch entsprechende Stelle geben.

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Hallo,

an der Stelle bin ich anderer Meinung, der Pflichtige hat darzulegen und zu beweisen, warum er nicht den MKU leisten kann.

Wobei sich das Problem auch gegenüber der UHV-Kasse stellt - da laufen Schulden auf

LG

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"Wobei sich das Problem auch gegenüber der UHV-Kasse stellt - da laufen Schulden auf"

Wenigstens outest du direkt das du keine Ahnung hast. Warum dann überhaupt eine Antwort? Ist der Counter in der Statistik so wichtig?

Wenn ein UH-Pflichtiger nicht leistungsfähig ist, dann laufen natürlich nirgends irgendwelche Schulden auf.

Der UH-Pflichtige hat sicher darzulegen warum er keine höheren Einkünfte erzielen kann, "beweisen" muss er das bestenfalls durch eine Darlegung seiner Bewerbungsanstrengungen. Mehr ist auch kaum beweisbar.

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Liebe Alle,

Ein kleines Update zum Thema fiktives Einkommen. Der Termin vor dem Amtsgericht hat nicht wirklich lang gedauert. Der KV hat eine Liste von nur 10 unternehmen vorgelegt, bei denen er sich innerhalb der letzten 12 Monate erfolglos beworben hat. Das zeigte dem Richter, dass er sich also null bemüht hat. Seine weitere Begründung, dass er keinen Besser bezahlten Job findet, war, dass seine ausländischen Studienabschlüsse gar nicht in D anerkannt wären, was in seinem Fall nicht stimmt, da sie sehr wohl anerkannt sind. Mehr kam von Seiten des KV auch nicht. Für den Richter ganz klarer Fall. Ich bekomme jetzt den Titel für die Zahlung des mindesunterhalts. Der UHV würde dann natürlich eingestellt werden. Jetzt bin ich natürlich gespannt, ob er nun auch wirklich zahlt....

Danke Euch nochmal und viele Grüße