Schlechtes Gewissen

    • (1) 06.07.18 - 10:22

      Hey, wem geht es auch wie mir?
      Der Vater meiner Tochter möchte keinen Kontakt zu ihr. Er zahlt Unterhalt, aber nicht mehr und nicht weniger.
      Das Leben mit meinem Kind ist schön und eigentlich auch sorgenfrei, aber ich habe schon ein schlechtes Gewissen. Ich habe alles probiert um die beiden zusammen zu bringen, aber er will mit mir nicht mehr konfrontiert sein, da er ein Doppelleben führte in unserer Beziehung und jetzt total feige lieber den kompletten Kontakt abbrach um damit nicht mehr in Berührung zu kommen. Zudem arbeitet er im Ausland und ich denke es gibt wenig Chancen auf Kontakt.
      Ich bin auch nicht mehr scharf auf Kontakt mit ihm, aber für meine Tochter würde ich mich natürlich zusammen reißen.
      Ich sehe wie andere Kinder aus unserer Umgebung einen Vater haben und wie sehr sie an ihm hängen. Meine Tochter hat das nicht und ich finde das traurig. Ich selbst habe ein schlechtes Gewissen, dabei ist es ihrem Erzeuger wahrscheinlich egal. Ich mache mir Gedanken darüber, was ich ihr erzählen soll, wenn sie mich irgendwann nach ihm fragt. Ich kann ja schlecht sagen, dass er sich einen scheiß für sie interessiert -.-
      Wie erklärt ihr das euren Kindern? Ich wäre total überfordert, würde sie mich darauf ansprechen.

      • Mein Sohn war bei der Trennung knapp 2 Jahre... er hat schonmal festgestellt, dass offensichtlich andere Eltern zusammen wohnen, er weiß auch, dass sein Vater und ich mal zusammen gewohnt haben, hat mich, mit seinen 4,5 Jahren, aber noch nicht gefragt warum das bei uns nicht so ist.

        Für ihn ist das also völlig normal.

        So, nun hat er aber seinen Vater. Das ist nochmal was anderes bei uns. Ein schlechtes Gewissen hab ich trotzdem ab und an.

        Ich habe mir vor allem eines gemerkt aus einem Buch: Keine Fragen aufwerfen, nur beantworten und das kurz und knapp.

        Also in jedem Fall warten, bis sie was fragt.
        Und dann eben: der Papa wohnt woanders, er kann nicht kommen. Ist zu weit weg.

        Es wird natürlich härter je älter die Kinder werden und irgendwann muss man wohl auch ehrlich sein, das aber vorsichtig formulieren. Das wird sicher schwer. Da habe ich leider auch keine rechte Idee.

        Erstmal das beachten, was Nele schon gesagt hat. Antworten ehrlich, altersgerecht und kurz gefasst geben.

        Also erst einmal sagen, der Vater wohnt im Ausland und das ist weit weg. Später dann sagen, dass er dort sicher sehr beschäftigt ist und wenig Zeit hat. Und wenn doch Zweifel kommen und das Kind fragt, ob der Vater es nicht liebt, dann auch ehrlich bleiben und ihr sagen, dass es Menschen gibt, die ihre Liebe nicht so gut zeigen können. Und dass Du sicher bist, dass er auch an sie denkt.

        Eines darfst Du nicht vergessen, mit hoher Wahrscheinlichkeit wirst Du einen neuen Partner finden. Wenn Du Dir Zeit lässt und ihn Dir gut anschaust, bevor Du ihm Dein Kind vorstellst, gibt es eine ebenso hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie ihn als Vaterersatz betrachtet, wenn er nicht auch so ein Vollhorst ist und das zulässt. Dann wird ihr vielleicht der leibliche Vater nicht mehr so wichtig sein.

        Hallo, mir wurde bei der Erziehungsberatung gerade wieder erklärt, dass Kinder mit der Trennung umgehen können aber nicht mit dem Streit. Ich wollte das nur zu deinem schlechten Gewissen sagen. Kein Kontakt kann vielleicht auch besser sein als unzuverlässiger Kontakt oder Manipulationsversuche auf Seiten des Vaters.

        • Danke für eure Antworten.

          Was ist denn eine Erziehungsberatung? Vielleicht sollte ich so ein Angebot auch einmal wahr nehmen. Würde mir schon gerne mal Rat bezüglich dieses Problems holen. Ich bin total unsicher und will meiner Tochter nicht das Leben schwer machen mit schwammigen Aussagen. Sie zerbricht sich sonst bestimmt irgendwann den Kopf darüber.

          • Die Erziehungsberatung berät wenn man Schwierigkeiten in der Erziehung hat oder eben auch bei Trennungsproblemen. Bei uns gehören diese zum Jugendamt. Entweder googeln oder im Jugendamt, das für deinen Bezirk zuständig ist anrufen. Es gibt auch sonst gute Beratungen wie z.Bsp. ein Verein für Alleinerziehend, kirchliche Stelle, Frauenverbände.

          • Hallo.
            Ich bin elternberaterin und erziehungsberaterin.

            Wir unterstützen die eltern dabei im familienleben andere blickwinkel zu geben und im gespräch zu bleiben.
            Manchmal hören wir nur zu wenn sich die eltern mal "auskotzen" müssen.
            Wir hören zu und je nachdem wo das problem liegt, leiten wir an entsprechende hilfestellen weiter.

            Also wir setzen da an wo die eltern ein problem bzw handlungs- oder gespächsbedarf sehen.

            Gibt es ein familienzentrum bei dir in der nähe? Google einfach mal. Die können dir bestimmt ne auskunft geben.

      Ich kenne das mit den Großeltern..

      Meine 4 jährige Tochter nimmt sehr intensiv auf das oftmals Oma und Opas ihre Kindergarten Freunde abholen. Und sie dann stolz erzählen das sie mit Oma/Opa in den Zoo fahren oder Eis essen oder Schwimmen gehen.

      Meine kleine ist dann sehr traurig. Die Großeltern wohnen 20 km entfernt und interessieren sich nicht für ihre Enkel, aber ihre großen Enkel werden umsorgt und beachtet und sind voll integriert.

      Lange habe ich versucht kontakt zu suchen. Briefe geschrieben, Fotos geschickt und hingefahren... Aber nur wenn die Enkel da waren wurden sie mal künstlich beachtet.

      Um meine Kinder zu "schützen" lehne ich den Kontakt ab und erkläre meiner Tochter auch das sie keine Zeit haben, aber ICH bin IMMER für sie da!!

      Wir machen dann viele verrückte Dinge, ich lenke sie ab, wir haben spaß.
      Ich finde das der Vater feige ist, ist noch ein ticken härter.

      Es wird immer wieder zeiten geben wo deine Tochter nach dem "Vater" fragt, darauf musst Du Dich einstellen, leider.
      Wichtig finde ich es immer, nicht traurig zu sein wenn Du ihr erklären mußt das Papa keine Zeit hat.

      tut mir leid das deine Kleine so leidet!

      • Bis jetzt kriegt sie es wahrscheinlich noch nicht mit, da sie erst 1 1/2 Jahre alt ist, aber irgendwann kommt die Zeit in der sie fragen wird. Sie hat zum Glück Oma und Opa die sich ganz doll kümmern und besonders der Opa ist ihr sehr wichtig. Bin auch froh, dass wenigstens eine männliche Bezugsperson da ist. Ich will halt nicht das sie traurig ist und finde das es sich auch brutal anhört zu sagen „Der Papa ist weit weg und das ist jetzt halt so.“ ...wenn sie den Papa vermissen und dann sowas hören, ist das glaube ich eine schlimme Antwort. Ich denke, wenn sie mich nach ihm fragt, werde ich vielleicht nochmal den Versuch starten und ihn kontaktieren. Auch wenn ich ihn überhaupt nicht ab kann und auch wenn er weit weg ist, vielleicht ist wenigstens ein regelmäßiges Telefonat drin. Das Thema ist echt zum kotzen -,- ich habe so ein schlechtes Gewissen. Besonders abends im Bett muss ich mich in die Lage meiner Tochter versetzen. Dann könnte ich nur heulen.
        Mir ist früher leider Herr Gott das gleiche passiert. Mein Vater brach den Kontakt aber erst ab, als ich 10 Jahre alt war und wahrscheinlich werde ich an diese Erfahrung jetzt immer wieder erinnert. Ich war sehr traurig damals. Hoffe das es für meine Tochter leichter sein wird, weil sie es nicht anders kennt.

        • ..wenn sie den Papa vermissen und dann sowas hören, ist das glaube ich eine schlimme Antwort.

          Wie soll sie etwas vermissen, was sie nicht kennt? Ich würde allerdings nun auch nicht aktiv ständig von ihm erzählen.

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