Trennung oder nicht? Vor-/Nachteile des Alleinerziehendseins

    • (1) 19.07.18 - 11:23

      Hallo liebe Alleinerziehende,

      ich befinde mich gerade in einer Situation in der ich mir über das Thema Trennung Gedanken mache und benötige Eure Erfahrungen und Sichtweisen.

      Kurz zur Ausgangssituation: Mein Sohn ist 6 und kommt im August in die Schule. Ich arbeite ca. 36 Wochenstunden und verdiene recht gut, so dass ich mir über finanzielle Dinge nicht wirklich einen großen Kopf machen muss.

      Aus unterschiedlichen Gründen mache ich mir schon seit längerer Zeit Gedanken darüber, ob mein Leben nach einer freundschaftlichen Trennung mit regelmäßigem Besuchskontakt (1 Tag in der Woche inkl. Übernachtung und alle 14 Tage am Wochenende) nicht das Beste für uns alle wäre.
      Für mich hat der Aspekt „alleinerziehend“ momentan nur positive Beigeschmäcker:

      - Müsste mich nicht ständig über herumliegende Dinge und Unordnung ärgern
      - Hätte Abends, nach dem Ins-Bett-Bringen meines Sohnes, Zeit für mich alleine und
      müsste keine Rücksicht auf Befindlichkeiten nehmen
      - Könnte an meinem freien Tag in der Woche länger arbeiten und auch mal ausgehen oder Sport treiben (und am nächsten Morgen stressfrei in den Tag starten, da ich ja kein kleines Morgenmuffelchen Anziehen und zur Schule bringen muss)
      - Kann mein Geld alleine verplanen/sparen
      - Es gibt viel weniger Streit im Haus
      - Habe jedes zweite WE Zeit, meine Wohnung zu putzen so dass ich mich darin wohlfühle
      - Kann jedes zweite WE ausgehen und einfach auch mal nichts tun und entspannen und AUSSCHLAFEN

      Ich habe irgendwie das Gefühl, dass die Trennung für mich viel mehr Freizeit und Entspannung bedeutet. Aber wahrscheinlich übersehe ich einige Dinge. Deshalb interessieren mich Eure Erfahrungen: Wie war die Trennung für Euch, was hat sich geändert, fühlt Ihr Euch besser oder schlechter als vorher? Würdet Ihr es wieder tun? Wie haben die Kinder reagiert und wie haben sie die Trennung verpackt?


      Danke für Eure Antworten.

      • Hallo,

        vorab, ich bin nicht getrennt, sondern seit knapp 6 Jahren verheiratet mit 2 Kinder (7 und 4).

        All diese Punkte, die du ansprichst (mal ausschlafen, Zeit für sich zu haben etc.) wären schön, das denke ich mir auch manchmal. Aber die wichtigste Frage ist doch, liebst du ihn noch, bzw. liebt er dich noch?

        Eine freundschaftliche Trennung wird es wenn einer von euch noch liebt wohl kaum geben. Ich vermute mal, dass bei dir keine Liebe mehr für ihn da ist und du auch nicht vorhast, das zu ändern, oder?

      (4) 19.07.18 - 12:11

      Ich finde deine Herangehensweise seltsam. Die Frage ist doch vielmehr, ob du deinen Partner liebst und mit ihm ein paar sein möchtest/kannst!

      • (5) 19.07.18 - 12:33

        Ich glaube ehrlich gesagt nicht mehr, dass ich ein Paar mit ihm sein möchte. Wir haben uns auseinandergelebt.

        Aber man weiß ja nie ob sich das nicht auch wieder ändern kann....

    (6) 19.07.18 - 12:34

    Hallo,

    meine Kinder sind 5 und 7 und ich bin seit 4 Jahren getrennt.

    Die oben genannten Vorteile sind sicher so weit richtig. Zumindest theoretisch.
    Praktisch sieht es bei mir so aus, dass ich nach 14 Tagen allein mit den Kindern derart fertig bin, dass mir an meinem heiligen freien Wochenende der Sinn definitiv nicht nach Ausgehen, sondern ausschließlich nach Ruhe und Joggingbuxe steht. ;-)

    Trotzdem fühle ich mich getrennt definitiv besser als vorher. Einfach, weil diese ständigen, kraftraubenden Streitereien weg sind. Früher hab ich mich immer geärgert, weil alle Arbeit an mir hing. Nun ist niemand da, der mir helfen könnte, da mach ich es halt immer noch alleine, aber ich ärgere mich nicht mehr darüber. Finanziell war und bin ich nicht abhängig von einem Mann.

    Und dir muss klar sei, dass sich eventuell ein neues Streitfeld auftut: Umgang, Unterhalt, etc. Ich kriege jedesmal die Krise, wenn die Kinder am Umgangswochenende Stunden vorm TV sitzen und nur Mist essen. Aber das schluck ich halt runter. Der Preis der Freiheit. Und alle 14 Tage sterben die Kinder nicht dran. ;-)

    LG

    • (7) 19.07.18 - 12:41

      Hi,

      mein Vorteil ist ja schon mal, dass ich nur EINEN Räuber habe ;-).
      Genau diese kraftraubenden Streitereien nerven mich auch und auch, dass die Arbeit fast ausschließlich an mir hängen bleibt, obwohl ich genauso viele Stunden arbeite wie mein Partner. Ein Zwei-Personen-Haushalt ist aber vielleicht doch noch etwas einfacher zu erledigen, als ein Drei-Personen-Haushalt denke ich.

      Unterhaltstechnisch denke ich, dass es passen würde, denn ich bin nicht wirklich auf den Unterhalt angewiesen. Und ich glaube auch nicht, dass mein Sohn dann nur vor dem TV sitzen würde.
      In meinem Kopf ist das alles ganz klar und problemfrei geregelt ;-). Wie es dann in der Praxis aussehen würde, würde sich dann zeigen, aber ich denke, dass wir uns auf einem guten Kommunikationsniveau befinden würden.

    Das muss ich erst mal lernen. Damit umgehen, dass ich jeden Tag von meiner Tochter höre: bei Oma B gibt es viel leckerer eier (aldi gefärbt; wir kaufen beim Bauern ein paar Häuser weiter wo man die Hühner sieht)/das Brot (Wir bäcker; SM toast)/die Wurst (SM abgepackt; wir Metzger 2 Dörfer weiter). Da wird 2x hintereinander der gleiche Film gezeigt, hier nur sandmännchen.... und die ganze Woche über wird von der anderen Oma geschwärmt und dabei kommt sie immer verhungert und stinkend zurück....

    Das kann ich so 1:1 für mich unternehmen und unterschreiben.

Nö, ich bin seit 4 Jahren AE mit 3 Töchtern und sehe genau die Vorteile, die Du aufzählst, durchaus. Ich hatte zwischendurch einen Freund, aber genau diese Punkte haben mich echt gestresst und finde ich so jetzt angenehmer.

(13) 19.07.18 - 13:25

Liebe Te,

alle "Vorteile", die du aufgezählt hast stimmen mehr oder minder.
Eine andere Userin schrieb, dass man an den kinderfreien Wochenenden einfach auch nur fertig sein kann und außer Grund in den Haushalt bringen nicht mehr viel macht (gut, gammeln auf der Couch mit einer guten Serie ist auch einfach mal herrlich ;-) ).

Was ich noch anmerken kann:

Wie sieht es mit Freunschaften aus?
Habt ihr hauptsächlich gemeinsame Freunde, wahrscheinlich auch Paare, oder hast du auch eigene langjährige Freunde/innen, die dir im Falle einer Trennung trotzdem zur Seite stehen?

Das ist nämlich das was mir aufgefallen ist nach der Trennung:
Gemeinsame "Freunde" (meist Paare) sind komplett weggebrochen.
Seine Freunde sowieso, aber das ist nicht schlimm.
Meine Freunde von früher haben sich teilweise auch mit meinem Ex angefreundet und halten regen Kontakt. Was ja auch ok und ihr gutes Recht ist.
Da hab ich mich dann aber zurückgezogen, weil ichs nicht ertragen habe meinen Ex ständig zu sehen.

Ergo: Mein Freundes- und Bekanntenkreis hat sich stark verkleinert.
Manchmal stört mich das überhaupt nicht, manchmal krieg ich die Krise, wenn man was unternehmen möchte, aber keiner kann, da Familienzeit anliegt, oder Paarzeit, oder, oder.
Kann schon einsam sein von Zeit zu Zeit.

Ja, es ist angenehm wenn man sich nicht mehr über den Haushalt und alles andere aufregt, weil man es eh alleine machen muss.
Aber manchmal in dem ganzen Alltag zwischen Vollzeit arbeiten, Kind erziehen, diversen Terminen, Haushalt, Kochen, wünscht man sich schon mal jemanden der sagt: Komm leg die Füße hoch, ich mach das eben.

Was du auch bedenken musst, dass du als Alleinerziehende wahrscheinlich auch alleine gucken musst zu Hause zu bleiben, wenn das Kind mal krank ist.
Du hast 20 Kind-krank-Tage im Jahr. Das kann(!) schon mal knapp werden und das Arbeitsverhätnis auch etwas belasten. Ja, theoretisch kann der Vater auch diese Tage nehmen. Aber meistens bleibt es genau das: Graue Theorie.
Ferien, auch so ein Thema. Der andere Elternteil ist nämlich nicht verpflichtet einen Teil der Ferien zu übernehmen. Das sollte man aber nicht unterschätzen und sollte am besten auch friedlich geregelt werden. Sonst gibts nur Streit und Frust.

Wo wir beim Thema Umgang mit dem Ex wären.
Er wird halt, so lange das Kind nicht erwachsen ist, eine ziemlich präsente Rolle spielen. Eventuell gibts irgendwann auch neue Partner. Patchwork.
Wenns gut läuft, klappt alles relativ reibungslos. Absprachen können friedlich getroffen und eingehalten werden, das Kind bleibt umbedarft von eventuellen Unstimmigkeiten etc. Was nicht heißt, dass es einen manchmal schon ank*** so viele Dinge immer absprechen zu müssen.
Wenns blöd läuft wird es ein ewiger Kampf, der massiv Nerven kostet.
Schau, dass ihr wirklich auf einen neutrales Level im Umgang miteinander kommt. Das heißt aber auch, manchmal Sachen zu schlucken. Um des lieben Friedens Willen.

Ich glaube das ist es was mir spontan einfällt.
Da du wie ich finanziell unabhängig bist, sind schon einige mögliche negative Konsequenzen von vornherein vom Tisch.
Ich habe den Schritt mich zu trennen nie bereut. Die Vorteile überwiegen einfach ganz klar.

Bervor du dir allerdings tolle Pläne zurechtlegst, solltest du mit deinem (noch) Partner reden...

Alles Gute!

(14) 19.07.18 - 14:20

Ich sag Dir mal was: Teile Deiner Aufzählung erledigen sich umgehend wieder, sobald Du einen neuen Partner hast. Wie z.B. freie Zeiteinteilung. Das Gute daran ist aber, dass sich dieselben Dinge durchaus verbessern können.

Ein ordentlicher Partner (oder einer, den man nur einmal auf Hinterlassenschaften aufmerksam machen muss) räumt seinen Kram selber weg, hilft beim Putzen und Aufräumen und hat keine Befindlichkeiten, die Dich einschränken, sondern ähnliche Interessen. Er kümmert sich ggf. auch mit um das Kind, wenn es da ist und unterstützt Dich sowohl bei der Erziehung als auch beim Entertainment.

Dein Problem ist nicht, dass Du einen Partner hast, sondern dass der offenbar überhaupt nicht der Richtige ist. Und dadurch ging die Liebe flöten. Eine Person kann nicht alleine eine Beziehung auf Augenhöhe führen.

(15) 19.07.18 - 20:04

Zu allererst bin ich erstaunt, dass du jetzt schon die Betreuung des Kindes kennst.
Was wenn der Vater das Wechselmodell will?
Es gibt für mich tatsächlich einen Vorteil: alle zwei Wochenenende mein Ding machen. Ausschlafen, weg gehen, gammeln...

Sonst sehe ich aber keine, denn andersrum ist die Zeit mit Kind durchaus anstrengender, denn man ist non-stop Ansprechpartner. Ich war gerade mit meinem Kind allein im Urlaub und bin fix und alle ;-)
Auch ist diese ewige Absprecherei mit dem Ex nervig. Denn eigentlich will man sich doch nicht mehr begegnen.

Also: klar, wenn die Beziehung ätzend ist, dann sollte man sich trennen, man sollte sie nie nur wegen der Kinder aufrecht erhalten, aber nur dann sollte man den Schritt gehen.

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