Verwandte vom uninteressierten Kindsvater

    • (1) 25.09.18 - 13:50

      Hallo Community,

      ich muss mal wieder schreiben, weil ich gerne Denkanstöße hätte.

      Der Vater meines 2 jährigen Kindes hatte nie Interesse an seinem Kind, erst hat er es verleugnet und dann ist er obligatorisch alle paar Monate mal kurz vorbeigekommen, um Fotos mit dem Kind zu machen und der Außenwelt zu bestätigen: Ja, ich kümmere mich um mein Kind.

      Nun ist der Kontakt zu ihm ganz abgebrochen und mein Kleiner kommt in ein Alter, wo er natürlich schon sehr viel mitbekommt und Fragen stellt, gerade weil er auch in der KiTa solche Sachen mitkriegt.

      Jetzt ist es so, dass die weiblichen Verwandten des Erzeugers mich nach der Geburt angeschrieben haben, und gefragt haben, ob sie das Baby sehen dürfen. Ich kannte die Leute vorher nicht, aber sagte natürlich ja. Für mich hörte sich das auch so an, als ob sie ihn MAL sehen wollen, so wie es viele Bekannte nach der Geburt fragen.
      Seitdem fragen sie aber alle 2, 3 Wochen, ob sie kommen können. Bislang habe ich das auch so durchgezogen, auch wenn ich diese Leute wirklich nicht mag. Das war schon immer komisch und ich sag mal - untypisch - weil ich denke, dass es "normaler" ist, dass die Familie des Kindsvaters sich zurückhält, wenn der Kindsvater selbst total gegen ein Verhältnis zum Kind agiert. Aber irgendwo hatte ich immer Hoffnung (eher Furcht), dass der Kindsvater doch auf einmal eine 180Grad-Wendung macht.

      Klar, ich denke viel über das Thema nach, lese darüber, und vor allem versuche ich mich in mein Kind reinzuversetzen. Denke an meine eigene Kindheit. Was bedeuten Verwandte für mich? Wie wäre es, hätte ich sie nie gekannt, oder nur als flüchtige Bekannte?

      Nun da der Kontakt zum Kindsvater "vollständig" gestoppt ist, weiß ich nicht, wie ich das mit seiner Familie handhaben soll.

      Ich denke, es ist schon eine Bereicherung, wenn man weiß, wo man her kommt, aber die Konfrontation wird für mein Kind immer da sein: Wieso kommen diese Leute, wer sind die, ach die sind von meinem Vater - was ist mit dem? Wieso kommt der nie mit?

      Alle, mit denen ich bisher gesprochen habe, waren klar der Meinung, dass man den Kontakt zu dieser Seite komplett abbrechen sollte. jetzt wo er so klein ist, bevor er Fragen stellt, sodass wenn er dann Fragen stellt, ich sie klar beantworten kann und diese Leute einfach nicht in seinem Leben existieren.

      Nicht, dass ich meine Wohlfühlzone vorschiebe, aber dennoch denke ich, ist es auch ein Unterschied, ob ich mich mit diesen Leuten super verstehe oder ich große Probleme mit deren Verhalten und Charakter, sowie in der Kommunikation mit ihnen habe.

      Was ich mir nun gedacht habe: Dass man den Kontakt dorthin nicht völlig abbricht, sondern es eben einfach Verwandte bleiben, die man hat, aber zu denen man keinen großen Bezug hat.

      Wenn ich an meine Kindheit denke. Ich habe viele Cousins and Cousinen, die teilweise weit weg wohnen, und bei Familienfesten ist man dann zusammen. Ich weiß, wo ich her komm, dass die alle zu meiner Familie gehören, aber ich habe jetzt keine starke emotionale Bindung zu denen. Die Gespräche bleiben meist bei Small Talk, wenn man sich sieht.
      Und wenn ich mal welche davon nur alle 3 Jahre seh, ist das auch nicht so, dass ich sie vermisse. Aber man weiß trotzdem irgendwie wo man herkommt und kennt seine Familie.

      Dass ich es vielleicht so kommunizieren kann.... Was haltet ihr davon? Oder Linie ziehen und sagen: Hey, eure Familie ist nicht meine Verantwortung, sondern die des Kindsvaters, ich kann nichts dafür, dass er sich um kein Verhältnis bemüht hat.
      Oder wirklich eine Bindung aufbauen lassen, durch regelmäßigen Kontakt?

      • (2) 25.09.18 - 14:27

        Wie reagiert denn dein Kind auf diese Verwandten? Scheinen sie ihm wichtig? Mag er sie?

        Großeltern und andere Verwandte können unter gewissen Umständen ein eigenes Umgangsrecht geltend machen. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Umgang dem Kindeswohl dient und eine gewachsene Bindung da ist.

        Brichst du diese Kontakte mit 2 Jahren ab, wird das eventuell andere Konsequenzen haben als nach fünf oder sieben Jahren.

        LG

        • (3) 25.09.18 - 14:38

          Er erkennt sie noch gar nicht. Dazu waren sie zu selten da und er ist noch nicht lange 2 und nun ist es auch ein Stück her, dass sie da waren.

          Es ist aber ja keine gewachsene Bindung da und eben weil mein Kind an der Schwelle steht, ein Alter zu erreichen, in dem er sich seine Besuche merken kann und "vermissen" und nachfragen kann, mache ich mir nun Gedanken darüber. Auch, weil das natürlich für ihn zur Verwirrung im Bezug auf seinen Vater führt, wenn er dann fragt, wer diese Leute sind und wieso die dauernd von seinem Papa reden. Nun, da er keine Erinnerung an sie hat, nehme ich ihm in dem Sinne nichts weg, würde ich die Tür zu dieser Seite verschließen.

          • (4) 25.09.18 - 15:03

            Also was ich nicht glaube ist, dass dein Kind davon Schaden nimmt. Er wird verstehen lernen, dass die Personen mit ihm verwandt sind. Er sollte sowieso wissen, dass es einen väterlichen Zweig gibt und wenn er fragt, warum zB der Papa nicht da ist, kann man ihm solange er klein ist sagen, dass Papa eben weit weg ist oder keine Zeit hat oder auch dass du nicht weißt wo der Papa ist oder du auch nicht weißt, warum er nicht zu Besuch kommen will.

            Ich hatte selbst auch das Problem mit einem nach der Trennung nicht präsenten KV und mir damals Beratung gesucht. Die Kinderpsychologin damals riet mir, authentisch zu sein, nicht zu lügen und kindgerecht immer nah an der Wahrheit zu bleiben. Das ist wichtig, damit das Kind die Lage richtig einschätzen kann. Und ganz wichtig, es ist nicht unsere Aufgabe das Leid von den Kindern (kein Papa) fern zu halten, sondern den Kindern zu helfen, Leid auszuhalten, zu verstehen und zu verarbeiten. Dazu kann vielleicht auch gehören, dass das Kind mal nach Kontakt sucht und einen Korb bekommt.
            Wichtig ist dann, dass es lernt, dass Mama ihm hilft und zur Seite steht, dass es seine Fragen nicht mit sich selbst ausmachen muss und dass sie eben die Schulter zum Ausheulen ist, wenn man sich vom Papa ungewollt und ungeliebt fühlt.

            Unter diesem Blickwinkel kann der Kontakt zu väterlichen Verwandten ein Zeichen an das Kind sein, dass bei Mama die Tür (auch für Papa) offen steht, aber ER da nicht durch will.

            Mein Sohn war fünf Jahre alt, als er zu seinem Vater bei wiederholter Absage am Telefon sagte: "Mama sagt, du kannst immer kommen, warum kommst du nicht?" Papas Gestammel hat dann dazu geführt, dass er zu mir sagte "Der Papa erzählt mir doch Geschichten!" Natürlich war er sauer, traurig. Und das haben wir beide ausgehalten und er wusste aber genau einzuordnen, wo das Umgangsproblem zu Orten war.

            Heute hat er akzeptiert, dass sein Vater aus diversen Gründen nicht in der Lage ist Vater zu sein und hat auch seinen Frieden damit gemacht. Er stilisiert ihn auch nicht sehnsuchtsvoll zum Helden, weil er aus der Summe eigener Erfahrungen weiß, dass er nun mal keiner ist.

            Die Herkunftsfamilie väterlicherseits könnte also für deinen Sohn ein Zeichen dafür werden, dass du ihm nichts vorenthalten willst. Dass auch Papa kommen könnte. Und dass es nicht in deiner und seiner Verantwortung liegt, dass der seine Möglichkeiten nicht wahr nimmt.

            Ich bin heute froh, diesen Weg gegangen zu sein.

            LG

            • (5) 25.09.18 - 17:50

              Danke für deine ausführliche Antwort.

              Bei diesem Punkt "wenn er fragt, warum zB der Papa nicht da ist, kann man ihm solange er klein ist sagen, dass Papa eben weit weg ist oder keine Zeit hat oder auch dass du nicht weißt wo der Papa ist oder du auch nicht weißt, warum er nicht zu Besuch kommen will." bin ich aber ganz anderer Meinung. ich werde meinem Kind solange er klein ist sagen, dass es verschiedene Familienmodelle gibt: Nur Mama, zwei Mamas, nur Papa, zwei Papas, oder Mama und Papa und auch noch Anderes und ihm vermitteln, dass alle Modelle gleichwertig sind.
              1. ist das meine eigene Auffassung und auch ein Wert, den ich meinem Kind mitgeben will
              2. ist es keine Lüge/kein Hinhalten
              3. gut verständlich und zu verkraften für ihn
              Auch wenn ich mir damit hier im Forum keine Freunde mach, aber ein Papa ist für mich nicht der, der das Kind gezeugt hat.


              "Das ist wichtig, damit das Kind die Lage richtig einschätzen kann."

              das halte ich auch für wichtig, das hast du gut geschrieben. Denn ich glaube, genau das ist der Knackpunkt. Durch den engen Kontakt zur Verwandtschaft väterlicherseits, ist die Lage nicht einzuschätzen. Weder für mich, noch fürs Kind und rein psychologisch gesehen ist Sicherheit das, was uns Menschen am "einfachsten" glücklich macht --> im Umkehrschluss ist so eine "hm ja vielleicht, ich weiß auch nicht, vielleicht meldet sich dein Papa mal, aber keine Ahnung wann, jetzt kommt aber wieder seine Familie um dich zu besuchen"-Art richtig beschissen.
              Und so wäre es, da diese Familie auch immer vom tollen Papa erzählt.

              "Heute hat er akzeptiert, dass sein Vater aus diversen Gründen nicht in der Lage ist Vater zu sein und hat auch seinen Frieden damit gemacht. Er stilisiert ihn auch nicht sehnsuchtsvoll zum Helden, weil er aus der Summe eigener Erfahrungen weiß, dass er nun mal keiner ist. "

              Das freut mich für euch. Nun frage ich mich nur, ob ich es so weit überhaupt bringen lassen soll, da er ja jetzt noch keine Erinnerung und Bindung zu denen allen hat.

              Ich weiß, ich kling jetzt sehr überzeugt von meiner Meinung, aber dein Beitrag macht mich schon auch nachdenklich und werde ihn mir noch öfter durchlesen.

              • (6) 25.09.18 - 19:38

                Es gibt auch sicher nicht eine allgemein gültige Lösung für alle. Man muss eben den individuellen Weg finden.

                Was ich auch immer gemacht habe ist zu hinterfragen, ob die jeweilige Entscheidung für mich oder das Kind problematisch/gut/schlecht ist. Manchmal kann es passieren, dass man das vermischt.

                Mit deinen Familienmodellen wiederspreche ich dir nicht und da ist auch meine Aussage kein Widerspruch. Dass man grundsätzlich als Mutter-Kind-Konstellation lebt, verhindert ja nicht die Frage, warum der Papa nicht kommt oder keinen Kontakt sucht.

                LG

              • (7) 27.09.18 - 09:28

                Ich finde die Situation genau wie Du wirklich schwierig, denke aber, dass Du mit dem oben beschriebenen Ansatz sicher gut fahren könntest.

                Arbeite doch einfach mit dem, was da ist: Der Vater ist nicht da, dürfte aber jederzeit da sein, wenn er wollte - warum er das nicht tut, das wisst ihr nicht, vielleicht ändert es sich irgendwann. Die Verwandtschaft gehört auch zum Vater und ist eben da, weil sie es so möchten.
                Die nötige Sicherheit gibst Du ihm - Du bist die Konstante in seinem Leben, und mit Deiner reflektierten Art machst Du das super. Die Unsicherheit auf der Vater-Seite kann er so sicher aushalten.

                Ich kann verstehen, dass die Verwandten vielleicht nicht so Dein Fall sind und Du deshalb froh wärst, sie aus Deinem Leben zu haben - geht mir mit meinen Ex-Verwandten genauso. Aber es sind eben auch die Verwandten von Deinem Kind, und deswegen würde ich den Kontakt nicht abbrechen. Vielleicht mag Dein Kind sie ja...! Außerdem finde ich es aller Ehren wert, dass sie den Kontakt halten wollen, auch wenn der Vater so ein kompletter fail ist. Das würde ich nicht komplett unterbinden.

                • (8) 27.09.18 - 10:24

                  Danke für deine Meinung.

                  "Außerdem finde ich es aller Ehren wert, dass sie den Kontakt halten wollen, auch wenn der Vater so ein kompletter fail ist"

                  Naja der Vater lügt denen was vor - die wissen/glauben nicht, dass er keinen Kontakt hat/will und ich erzähle ihnen zwar immer die Wahrheit, aber man will ja vor seinem Kind, jetzt da es versteht, sowas nicht ausdiskutieren. Und wirklich relevant ist die Wahrheit für die auch nicht - er ist für sie trotzdem der liebe tolle Papa.
                  Der Vater ist einfach extrem geübt drin, Lügengestelle zu konstruieren und obwohl die Familie von ihm weiß, dass er ein notorischer Lügner ist, deswegen bin ich in dieser ganzen Angelegenheit auch sehr vorsichtig geworden und dokumentiere alles und es ist auch schwierig, damit umzugehen, deshalb mache ich mir wohl besonders viel Gedanken um alles.

            (9) 27.09.18 - 09:15

            Toll geschrieben, Respekt für diesen reflektierten Umgang mit so einem schwierigen Thema!

    (11) 25.09.18 - 14:34

    Für meine Tochter war ich immer an einem guten Verhältnis zur väterlichen Familie interessiert, als sie klein war. Sie fragte auch, warum er nicht zur Oma kommen kann und ich habe dann seine Ausreden auch so weiter gegeben. Keine Zeit, Auto kaputt und was weiss ich noch. Seine Mutter hat ihm das ja auch immer geglaubt, also was sollte ich machen?

    Der Kontakt ist dann eingeschlafen, aber ich muss mir wenigstens nie vorwerfen, dass ich es nicht versucht hätte. Und falls sie den Kontakt wieder aufnehmen wollen würde hätte sie zumindest einen Bezug zu den Personen von früher.

    Vielleicht ist Dir auch nur alle 2-3 Wochen zu viel und Du dehnst erst einmal den Rahmen auf ein für Dich erträgliches Maß.

    • (12) 25.09.18 - 14:43

      Danke für deine Erfahrung.

      Nun, ich war auch von Anfang an an einem guten Verhältnis zu der ganzen väterlichen Seite interessiert, aber das kam nie zustande, weil der Kindsvater einfach nicht daran interessiert war.

      Mein Kleiner weiß noch nicht, was eine Oma ist und würde die Familie vom Kindsvater auch nicht erkennen. Er hat da noch keinen Bezug dazu.

      Vorwerfen müsste ich mir auch nichts, aber gerade weil mein Kleiner jetzt eben noch keine Bindung zu all denen aufgebaut hat, frag ich mich, ob ich nicht jetzt vielleicht mal einen Schlussstrich ziehen sollte. Denn diese "Quatsch"-Verhältnisse sorgen nur für Verwirrung und auch vermeidbarn psychische Schäden, denke ich.
      Besuche bei und von der Oma werden ja nur vermisst, wenn man die Oma kennt. Wenns sowas nie gab, dann ist das halt so.

      Das ist eben die Frage. Riegel vorschieben oder die Besuche auf 3-4x im Jahr vielleicht beschränken.

      • (13) 25.09.18 - 14:48

        Da fehlt vielleicht noch die Info, dass ich mich vom Kindsvater meiner Tochter im fünften Monat Schwangerschaft getrennt habe. Das Verhältnis zu seiner Mutter bzw. der Oma sowie zu seinen Schwestern habe ich also aus eigenem Antrieb heraus aufgebaut. Er wollte ja dann keinen Kontakt mehr. Die Besuche waren ein paarmal im Jahr, immer wenn ich dachte, es würde mal wieder passen. Einen psychischen Schaden hat meine Tochter dadurch nicht bekommen.

Ich glaub du machst dir zu viele gedanken. Warum willst du den kontakt abbrechen weil du sie nicht magst oder weil sie deinem kind nicht gut tun? Als der vater meiner kinder verstorben ist hat sich seine familie komplett zurück gezogen. Dazu gesagt das verhältnis von seinen verwandten war nie innig zu den kindern man hat sie ab und zu gesehen und das wars. Nach seinen tod war komplett funkstille. Keiner von ihnen kam mal auf die idee zu fragen wie es den kindern geht und das fand ich extrem traurig. Und meine kinder fragen auch nicht nach ihnen. Mein kleinster war bei seinen tod 13 monate alt und für ihn ist das eben so der papa ist im himmel und er hat nur eine oma und einen opa er kam noch nie auf die idee das sein papa ja auch eltern hatte. Was ich sagen will Dein kind wird lernen damit umzugehen. Ich würde den kontakt nicht abbrechen wenn sie von sich aus den kontakt zum kind suchen.

  • Na ich muss mir doch Gedanken machen.

    "Mein kleinster war bei seinen tod 13 monate alt und für ihn ist das eben so der papa ist im himmel und er hat nur eine oma und einen opa er kam noch nie auf die idee das sein papa ja auch eltern hatte"

    Und genau das, denke ich, ist auch gut. Hätte sich die Verwandtschaft jetzt nicht wieder gemeldet, und mein Kleiner würde fragen, ob er einen Papa hat, dann würde ich ihm erklären (solange er so jung ist): Nein Schatz, du hast nur eine Mama. Es gibt Familien mit zwei Mamas, oder mit einer Mama, Familien mit zwei Papas, oder mit einem Papa, oder Familien mit Mama und Papa. Alles ist möglich und nichts davon ist besser oder schlechter.
    Thema gegessen für die nächsten Jahre, bis er genauer nachfragen kann.

    Der andere Fall wäre, dass ich meinem Kind sage: Dein Vater mag dich nicht sehen, nur ganz selten mal, wenn er dazu Lust hat, aber es kann auch sein, dass er sich nie wieder meldet, ich weiß es leider nicht.
    Und dann kommen ständig seine Schwestern und Mutter her und zeigen dem Kind Fotos von seinem "tollen Papa".
    Ich finde das unmöglich und auch unverantwortlich, wenn ich das mitmache.

    Ich bin echt im Zwiespalt. Danke für deine Meinung.

    • (16) 25.09.18 - 18:05

      Ich habe schon verstanden, dass für dich Erzeuger und Papa unterschiedliche Personen sind, aber hälst du es für gut, ihm zu sagen, dass er keinen Papa hat?
      Mein Sohn ist vier und weiß, dass für ein Baby Papa und Mama zuständig sind. Ihm allerdings einen Unterschied zwischen Erzeuger und Vater zu erklären fänd ich schwierig.
      Er hat zwar zu seinem Vater regen Kontakt, aber er hinterfragt gar nicht, warum wir nicht eine Familie sind. Ist für ihn halt so.

      Ich finde durchaus, dass die Besuche der väterlichen Familie sporadisch sein dürfen. Somit kennt dein Kind sie, entwickelt aber keine starke Bindung. Völlig ausreichend mMn

      • (17) 25.09.18 - 20:35

        Ja ich halte das schon für gut. Ich finde es immer degradierend für das Familienmodell Alleinerziehender und Homosexueller, wenn man einen existierenden Papa oder eine Mama (wobei es bei Mamas sogar ein Unterschied ist,. da sie das Kind ja zumindest ausgetragen haben) voraussetzt. Das ist immer so: "Ja, aber eigentlich..."

        Nein, ich hatte Sex, wie Milliarden anderer Menschen, wurde schwanger und der Mann, der auch einfach nur Sex hatte, hat kein Interesse am entstandenen Kind. Gut, ist seine Entscheidung - genauso wie es meine Entscheidung war, nicht abzutreiben und alleine für das Kind zu sorgen.
        Das ist weder für mich schlimm, noch denke ich, ist die Situation an sich für das Kind schlimm. Was es schlimm macht, ist das Stigma, das diese Konstellation in der Gesellschaft hat. Wenn immer nach dem Papa gefragt wird und immer noch dieses Familienmodell von Mann und Frau als das Normale gesehen wird. Das suggeriert doch jedem von klein auf, dass bei jedem Modell, was dem nicht entspricht, etwas fehlt.

        Das ist auch, was mich abschreckt vom ständigen Besuch der Verwandten: Das ist jedes Mal eine Konfrontation für meinen Sohn, dass der Papa keinen Bock auf ihn hat. Ich weiß halt nicht, ob der Nutzen den Schmerz wert ist.

        "Ich finde durchaus, dass die Besuche der väterlichen Familie sporadisch sein dürfen. Somit kennt dein Kind sie, entwickelt aber keine starke Bindung. Völlig ausreichend mMn"

        Ja, ich tendiere stark dazu, dass ich versuch, dass es so wird.

        Danke für deinen Beitrag.

        • (18) 25.09.18 - 21:31

          Du wandelst in Summe leider auf einem schmalen Grad.
          Unsere Kinder werden größer und die Gefahr, dass sie uns eine unserer Entscheidungen irgendwann vorwerfen besteht leider.
          Ich habe in einem Buch zur Trennung gelesen: „Beantworten Sie nur Fragen! Werfen sie keine auf“
          Ich bin (noch) sehr erstaunt wie wenig mein Kind fragt. Er war bei der dann räumlichen Trennung knapp zwei. Er nimmt es hin, dass Mama und Papa mal gemeinsam im Urlaub waren, er nimmt es hin, dass Mama und Papa mal zusammen gewohnt haben. Er fragt (bisher) nicht warum es nicht mehr so ist und wünscht sich auch nicht, dass es so ist.
          Die Zeit wird es zeigen.

          Alles Gute für dich!

          • (19) 26.09.18 - 08:46

            Hi Nele,

            ich muss auch sagen, wenn ich an meine eigene Kindheit denke: Man hinterfragt seinen eigenen Zustand nicht wirklich. Es ist halt so, wies is.

            Aber gerade deshalb glaube ich, ist es leichter halt einfach hinzunehmen, dass man keinen Papa hat, als wenn man weiß, der Papa wohnt 10 Minuten weg aber will mich nie sehen und mag nie mitkommen, wenn seine Verwandten (die ja alle zusammen wohnen) kommen.

            Also. ich hab einen Text vorbereitet (schon seit Längerem), was ich den Verwandten sage, damit sie sich nicht mehr melden.... für den Fall, dass ich mich so entscheide.
            Den schicke ich nun aber nicht, sondern schaue, dass ich die Besuche einfach recht weit auseinanderziehe.
            Man hat ja auch Bekannte, die man nur 2x im Jahr sieht, oder Verwandte, die man noch weniger sieht. Trotzdem hat man sie. Ich hoffe, es läuft auf sowas raus...
            Es kommt eh anders, als man denkt.

        (20) 26.09.18 - 08:32

        Ich bin (zum Glück) nicht in der Situation, meinen Kindern erklären zu müssen, warum ihr Vater nicht präsent ist. Ich muss ihnen dafür irgendwann mal erklären, dass sie aus einer Embryonenspende entstanden sind. Ich mache mir deshalb darüber Gedanken, was ich auf die Frage "wer sind meine biologischen Eltern?" antworten kann. Denn Fakt ist: Wir haben von der Klinik wenig Infos über die Spender erfahren, die kann ich weitergeben, aber mehr eben auch nicht. Das tut mir leid für meine Kinder, denn ich finde die Frage "von wem stamme ich ab?" ziemlich wichtig. Und ich weiß, dass sie kommen wird!

        Ich hab das Gefühl, Du beziehst die Frage nach dem Kindsvater zu sehr auf Deine Situation, Du fühlst Dich stigmatisiert, weil Euer Familienmodell eben nicht in die gesellschaftliche Norm zu passen scheint und möchtest das umgehen, indem Du Deinem Kind beibringen willst, dass alle Familienformen gleichwertig sind. Das ist ja auch gut und richtig. Vermutlich geht es bei den ersten Fragen nach dem Papa auch tatsächlich um das "Defizit". Wenn Dein Sohn sieht, dass die Kindergartenfreunde Papas haben, dann wird er deshalb fragen. Aber spätestens wenn im Biologieunterricht die Vererbung durchgenommen wird, wird sich das wohl wandeln. Dann wird er wissen wollen, wer die andere Hälfte zu seinem Chromosomensatz beigesteuert hat. Er wird seine Wurzeln kennen wollen. Und wenn Du ihm bis dahin erzählt hast, er habe keine Papa, dann wird Dir das dann vielleicht mächtig auf die Füße fallen.

        Ich weiß, dass das ein kompliziertes Thema ist. Du musst Dich da ja noch mit negativen Gefühlen beschäftigen, das bleibt uns ja zum Glück erspart.

        Vielleicht hilft es, wenn Du Deine Gedanken und Gefühle mal mit jemandem besprichst, der sich sehr intensiv mit dem Thema "wie erkläre ich meinem Kind, woher es kommt?" befasst.

        https://www.pthorn.de/

        • (21) 26.09.18 - 09:20

          Danke für deinen ausführlichen Beitrag.

          "Aber spätestens wenn im Biologieunterricht die Vererbung durchgenommen wird, wird sich das wohl wandeln. Dann wird er wissen wollen, wer die andere Hälfte zu seinem Chromosomensatz beigesteuert hat."

          Also ich sage ihm nicht bis zur 5. Klasse, dass er keinen Vater hat.
          Die Umschreibung: Manche Familien haben zwei Papas, eine Mama, Mama und Papa, etc. ist nur für die erste Zeit. Keine Ahnung, wie lang ihm das taugt, vielleicht bist er 5, 6 ist. Das kann man ja nicht planen, der Übergang in seiner Entwicklung ist ja schleichend. Das kriege ich ja mit, wenn er mehr versteht, dass ich ihm das Ganze auch genauer erklären kann.
          ich habe ja nicht vor, ewig zu bestreiten, dass es einen Mann gab, mit dem ich ihn gezeugt habe. Aber zunächst halte ich das wirklich für eine schöne, einfache und auch wertvolle Erklärung, die nicht gleich suggeriert: Dir fehlt etwas.

          Das mit dem "wie erkläre ich ihm das mit dem Vater" spielt hier aber nur eine nebengeordnete Rolle, da meine Frage eigentlich nur ist: Sollen sich die Verwandten hinten anstellen, wenn der Vater kein Interesse hat, oder soll man den Kontakt trotzdem pflegen, auch wenn er nie stattgefunden hat - wenn ja, wie stark. Verwirrt und belastet das das Kind mehr, oder bereichert es es eher....

          • (22) 26.09.18 - 09:25

            In meinen Augen ist der Kontakt schon wichtig Denn die Verwandten sind ja Teil seiner Herkunft, die gehören zu seinen Wurzeln dazu.

            (23) 01.10.18 - 14:33

            Das Problem ist einfach nur:
            Du bist die Hauptbezugsperson deines Kindes!
            Und ausgerechnet in einer extrem sensiblen Phase der Entwicklung, nämlich der Pubertät, findet dein Kind heraus, dass du es über etwas existenzielles angelogen hast. Die Frage: „Wer bin ich.“ kann das Kind nicht mehr für sich beantworten.

            Die Reaktion meiner Cousins damals war ein sofortiger Abbruch der jeglicher Beziehung zu Mutter und dem neu gefundenen Vater. Das ältere Kind hat es geschafft irgendwann und eine eigene Familie gegründet. Das jüngere Kind gehört zu den Menschen, die man möglichst nicht auf der Straße begegnen möchte.

            Der Umgang mit der Familie...nun, mach es doch so, wie du willst. Regelmäßig würde ich es nicht machen für Tanten und Onkel, aber ich fände es wichtig, dass das Kind seine Großeltern kennenlernt. Letztendlich kann auch dadurch ein regelmäßiger Umgang wieder erzielt werden...in ferner Zukunft.

            Ein Kind unterscheidet übrigens nicht zwischen Erzeuger und Papa.

      (24) 26.09.18 - 11:27

      Vielleicht noch ein Denkanstoss von mir als "Homosexuelle" - ich habe meine Tochter mit einem mir bekannten Mann bekommen und wir ziehen sie gemeinsam auf, weil ich einen Papa für sie wollte, der auch präsent sein kann.
      ABER: es war durchaus auch zunächst im Gespräch, eine künstliche Befruchtung mit Spendersamen zu machen. Wenn ich das gemacht hätte, hätte ich trotzdem nie meiner Tochter erzählt, dass sie nur eine Mama hat, das stimmt ja einfach nicht. Der Papa ist halt eine Person, die ihr Sperma zur Verfügung gestellt hat, daher eben nicht präsent, aber zu erzählen, dass es gar keinen Papa gibt, halte ich für falsch.
      Wie Du nun konkret mit der Verwandtschaft umgehst hängt für mich eher davon ab, was für DICH ertrâglich ist. Schaden tut es Deinem Kind denke ich nicht. Zu wissen, dass es einen Vater gibt, der sich nicht kümmert, ist zwar für Dein Kind nicht besonders schön, aber immer noch besser, als ihm irgendwelchen Unsinn zu erzählen von wegen es gibt keinen Papa...

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