Nach einem Jahr plötzlich wieder Umgang?

    • (1) 22.11.18 - 21:14

      Hallo ihr Lieben.
      Ich habe eine Frage, welche mir Kopfschmerzen bereitet...

      Ich bin seit anderthalb Jahren vom Kindsvater der Kleinen (grade 3 Jahre alt geworden) getrennt. Er hat sich die ersten 3 Monate nach der Trennung sporadisch um sie gekümmert, hat immer wieder Termine abgesagt und sich schlussendlich gar nicht mehr gemeldet. Dies geschah nach einem Streit beim Anwalt, während dem eigentlich die Frage nach Unterhalt geklärt werden sollte. Er hatte da schwierige Phasen, Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit etc.
      Als er sich plötzlich damals nicht mehr gemeldet hatte war die Kleine ziemlich durcheinander und durch den Wind, schlief sehr schlecht und weinte viel. In der KiTa wurde sie eine zeitlang ziemlich „aggressiv“ und wirkte bedrückt. Nun haben wir ein Jahr lang wieder alles versucht aufzubauen und es läuft gut, sie wirkt zufrieden. Sie fragt auch gar nicht mehr nach ihrem Vater.


      Letzte Woche, nach über einem Jahr ohne Kontakt, hat er zu ihrem Geburtstag ein Päckchen geschickt, und einen Tag später einen eingeschriebenen Brief. In diesem Brief schreibt er, er würde sich entschuldigen und verstehen dass ich enttäuscht und wütend bin. Weiterhin sagt er, er würde die Kleine vermissen und jetzt wieder Kontakt wollen. Wir könnten uns ja mal zum Kaffee verabreden und das weitere klären.

      Meine Frage nun an euch... wie seht ihr das? Wie soll ich damit umgehen? Was ist, wenn er sie jetzt 2-3 Mal sehen will und dann wieder verschwindet? Was macht dies mit unserem Kind? Sie ist sehr sensibel und wir haben gerade nach einem Jahr endlich wieder alles ein bisschen aufgebaut und sie wirkt glücklich. Soll ich das auf‘s Spiel setzen, nur damit er plötzlich wieder verschwinden könnte?


      Liebe Grüsse,
      ET

      • Hey,
        Rein rechtlich und als Grundgedanke allem hat euer Kind einen Anspruch auf beide Eltern.
        Sicherlich spielen viele Faktoren hinein, viele davon wirken sich nicht positiv auf die psychische Gesundheit eines Kindes aus, welches in einer Trennung aufwachsen muss.

        Vielleicht könntest du dich erst einmal ohne Kind mit ihm treffen und gucken, wie ernst es.ihm ist, vielleicht wirst du ja positiv überrascht.

        Und anders herum, wirst du dich irgendwann der Frage gegenüber stellen müssen, die deine Tochter hat, wo Papa ist und warum sie ihn nicht sehen kann.
        Ich würde einfach versuchen, ein realistisches Bild vom Vater herzustellen, mit allen Konsequenzen.
        Auch innerhalb einer funktionierenden Elternschaft läuft nicht alles tutti, die Kinder wissen irgendwann genau, wer.was kann und wer nicht.

        (3) 22.11.18 - 22:14

        Ich würde mich wohl auch erstmal ohne Kind mit ihm treffen. Ihm deutlich machen, was er bereits einmal angerichtet hat.
        Und vielleicht jemand externen suchen, der das Ganze dann objektiv begleitet.
        Im Endeffekt wird er recht bekommen, wenn er das Ganze gerichtlich festlegen lässt und das ist für das Kind sicher auch nicht das Wahre. Es wird auch nicht mehr lang dauern bis doch wieder Fragen auftauchen werden.

        Zu aller erst ist es doch schön dass er sich meldet und nun vorhat wieder sein Kind zu sehen.

        Die Regeln würde ich aber ganz klar festlegen.

        • (5) 23.11.18 - 08:41

          Welche Regeln denn zum Beispiel?

          • (6) 23.11.18 - 08:51

            Das Umgang nicht halbjährlich stattfindet sonder regelmäßig im Abstand von x Tagen oder x Wochen.

            Dass man sich rechtzeitig abmeldet, sollte man den Termin nicht wahrnehmen können bzw zu spät kommen.

            Dass die ersten Treffen mit der Mutter stattfinden werden etc

            Wenn ich merken würde, dass das nicht klappt, würde ich für begleiteten Umgang plädieren.

            Es muss ihm klar gemacht werden, dass es hier um das wohl seines Kindes geht, nicht nach seiner Lust und Laune!

            • (7) 23.11.18 - 09:09

              Die TE befürchtet aber, dass er 2-3 mal auftaucht und sein Kind sehen will und dann wieder verschwindet. Da helfen alle Deine Regeln leider gar nichts.

              • (8) 23.11.18 - 09:18

                Doch die helfen.
                Indem sie klar stellt wie es laufen wird.
                Sollte er sich an diese Regeln nicht halten und eben nur meinen sporadisch zu kommen wird der Umgang dann nur noch begleitet laufen.
                Das ist eine hohe Hemmschwelle und wird ihn zumindest zum nachdenken anregen.
                Es einfach irgendwie laufen zu lassen ist hingegen schwachsinn.

                • (9) 23.11.18 - 10:40

                  Verstehe ich nicht. Man gibt dem Vater die Regeln vor. Er nickt alles ab, bestätigt das sogar schriftlich, kommt 3 mal wie abgemacht vorbei und dann verschwindet er einfach wieder. Was genau hat das dann gebracht, außer, dass das Kind wieder verletzt wird und die Befürchtungen der TE eingetroffen sind?

                  • (10) 23.11.18 - 11:06

                    Dass der Vater nicht nach nem Jahr wieder ankommt und überrascht ist, dass die Mutter das nicht mehr mit sich machen lässt sondern es ggf übers Jugendamt läuft.

                    Musst du auch nicht verstehen ;-)

                    • (11) 23.11.18 - 11:13

                      Die TE will aber eine weitere Verletzung des Kindes verhinder... da helfen deine Regeln mal auch sogar nichts....

                      • (12) 23.11.18 - 11:20

                        Er hat aber ein Recht auf den Umgang. Daher muss sie vorbauen. Mehr sag ich doch gar nicht 😅
                        Sie wird es nicht verhindern können dass er ggf wieder den Umgang schleifen lässt.
                        Die Frage ist also: was machen, damit es keine dauerschleife wird.
                        Die Chance sich zu bewehren sollte er bekommen. Aber genau EINMAL. Dann nur noch begleiteter Umgang, wenn er darauf dann überhaupt noch Bock hat.

                        Und das waren meine letzten Worte dazu 😅

                    (13) 23.11.18 - 11:25

                    Von Jugendamt hast Du bisher aber noch gar nichts gesagt. Und, wie Du merkst, ich bin nicht die Einzige, die Deinen Rat für leichtsinnig gehalten hat. :-) Irgendwelche Regeln werden den Mann nicht abhalten, sein Kind wieder zu verletzen. Da muss man gleich ganz anders vorgehen.

                Guten Morgen,

                Ganz richtig, das ist genau das was ich befürchte. Wir hatten schon mal solche "Regeln" und er hat auch diese über Bord geworfen. Er hat eine sehr niedrige Hemmschwelle, sodass er sogar den Anwalt angebrüllt hat und mich vor ihm als Hu*re beleidigt hatte. Es gab von seiner Seite aus nur solches...

                Was das Treffen angeht, da werde ich mich nicht zu zweit mit ihm treffen, da ich ihn fürchte wie Feuer. Die Beziehung war furchtbar und ich habe das viel zu lange mitgemacht, weil ich hoffte dass es besser würde, und ich meinem Kind den Vater nicht nehmen wollte. Tja, wenn man jung ist..

                Des weiteren wurde nie etwas vom Gericht gesprochen oder festgehalten, da es mir im Endeffekt auch recht war, dass er einfach ganz weg blieb und nicht mehr meine Tochter kurz immer wieder ganz durcheinander macht und dann wieder geht. Er tauchte sogar mal in der KiTa auf, um eine Stunde da in der Gruppe zu sitzen und mit ihr zu spielen #aerger
                Danach war meine Tochter total durch den Wind und ich bekam ein Fass aufgemacht von den Erzieherinnen...

                Unterhalt hat er noch nie gezahlt, er sagt aber jetzt er würde alles rückwirkend zahlen und auch ab jetzt regelmässig Unterhalt zahlen. Ich weiss nicht inwiefern ich ihm das glauben kann. Auch an geschriebene Sachen hält er sich nicht. Er hatte bereits mehrere Verfahren wegen Schulden, sogar seinen eigenen Vater hat er bestohlen.

                Ihr merkt, er ist einfach kein guter Kerl... ob er sich nun geändert hat? Ich kann es nicht glauben, da er immer wieder in alte Muster zurück fiel, auch während der Beziehung. Er hat hohes Aggressionspotential und eigentlich nicht viel Ahnung von Kindern.

                Meine Idee war zu warten, bis er sich einen Anwalt nimmt... oder mich mal mit ihm in Gesellschaft zu treffen und dann über einen Mediator (nennt man das so?) zu verfahren... ach keine Ahnung #schwitz


                Vielen Dank für eure Antworten schon mal!

                LG
                ET

                • Also, das sind gleich mehrere verschiedene Baustellen.

                  - Beleidigungen musst Du nicht dulden, da ist es auch verständlich, wenn Du Dich nicht alleine mit ihm treffen willst. Da wäre mein Tipp mit dem Kinderschutzbund noch einmal zu unterstreichen: Dort werden solche Mediationen durchgeführt. Und wenn er da die Fassung verliert (mit einem Zeugen vom DKSB) kann er sich seinen Umgang erstmal sonst wohin schmieren, denn dann wird dieser nur begleitet stattfinden. D.h. es ist dann immer jemand dabei und ob er das dann noch will?

                  - In der KiTa hätte er gar nicht erst reingelassen werden dürfen, war das mit Dir abgesprochen? Oder mit den Erzieherinnen? Wieso greifen die Dich dann an, wenn sie ihn erst dulden und die Situation kennen? Egal, unterbinde das einfach, indem er jetzt offiziell keine Rechte mehr diesbezüglich bekommt. Falls er an der KiTa auftaucht soll man Dich sofort anrufen und ihn nicht zum Kind lassen.

                  - Unterhalt - eine ganz andere Sache. Bekommst Du UVG? Dann ist hier weiterhin das Jugendamt bzw. die Beistandschaft dort Dein Ansprechpartner. Er kann den Unterhalt dort einzahlen, die leiten Dir das Geld dann weiter. Und treten ihn auch, wenn die Zahlung ausbleibt. Schon ein Ärger weniger.

                  Mein Gedanke ist einfach, dass Du ihm ein Treffen mit einer neutralen Person vorschlägst, die das Kindeswohl im Auge hat. Wenn ihm das dann schon wieder zu viel ist, hat er wohl nicht wirklich großes Interesse, sondern ist nur mal neugierig. Und das braucht kein Kind.

                  • Hallo,

                    Erstmal danke für deine ausführliche Antwort!

                    zu den verschiedenen Punkten :

                    - Ich komme nicht aus Deutschland, deswegen muss ich erstmal rausfinden wo ich Hilfe angeboten bekomme. Werde mich da mal schlau machen. Die Idee ist sehr gut!

                    - Ich habe den Erzieherinnen mitgeteilt dass wir getrennt sind und dass der Kontakt nicht gut ist. Sie haben mir erst beim ABHOLEN des Kindes gesagt dass er da war! Unfassbar, oder? Danach rief er in die KiTa an, ob es möglich ist dass er jede Woche eine Stunde vorbei kommt um mit ihr Zeit zu verbringen. Da wurde mir nahe gelegt, das ausserhalb zu klären anstatt in ihrer KiTa. Obwohl ich ja nichts für kann... Habe ihn dann gebeten, sich mit mir zu treffen um die Kleine in Begleitung zu sehen. Wollte er nicht, hat er abgelehnt mit der Begründung er wolle nichts mehr mit mir zu tun haben.

                    - Unterhalt bekomme ich wie erwähnt keinen, da er zahlungsunfähig war, und jetzt halt sich nicht mehr gemeldet habe. Über Anwalt wurde mir das zu teuer, da bereits die 3-4 Sitzungen beim Anwalt mich 1400€ gekostet haben, ohne ein Resultat!!


                    LG
                    ET

                    • Wenn Du nicht weiter kommst mit der Beratung dann meld Dich nochmal hier im Forum, da sind ja viele selbst betroffen. Es gibt hier einige Alleinerziehende die begleiteten Umgang für ihre Kinder beantragt haben. Das Jugendamt bietet diesen ja ebenfalls an. Viel Glück erstmal!

Der Vorschlag mit dem Treffen ist doch schonmal gut. Sprich erst einmal mit ihm, lass Dir erzählen, wie sein Leben aussieht (das sollte aber kein Verhör werden) und erzähl ihm auch, was nach seinem Verschwinden passiert ist. Zeig ihm Bilder und erklär ihm, wie eure Tochter tickt und was sie durchgemacht hat. Sag ihm mehrfach deutlich, dass sie Stabilität braucht.

Wenn er sie dann weiterhin regelmäßig sehen will und Du unsicher bist, kann über den Kinderschutzbund begleiteter Umgang eingerichtet werden. Zuerst findet nochmal ein Elterngespräch statt, bei dem ihm auch nochmal klar gemacht wird, wie wichtig Kontinuität ist. Und dann wäre auch jemand vom Fach dabei, der beobachtet, wie das Kind auf ihn reagiert und wie der Umgang aufgebaut werden kann.

Du kannst ihm nach dem Gespräch auch begründet den Umgang verwehren, wenn er Dir zu unbeständig wirkt. Aber Du musst dann damit rechnen, dass er sich selbst Unterstützung sucht (Jugendamt, Anwalt) und dass ein Richter vielleicht nicht so sanft vorgeht und aufgrund eines oberflächlichen Eindruckes mehr zugunsten des Vaters entscheidet. Ich wäre also lieber so kooperativ wie möglich, weil das am Ehesten dem Kindeswohl entspricht.

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