Heuchlerische Übermuttis und Vorurteile gegenüber Alleinerziehenden

Hallo!

Ich habe gerade so eine Wut im Bauch - die Gesellschaft ist einfach so heuchlerisch und ungerecht!

Ich bin Mutter von 2 Kindern (fast 3 Jahre und das andere 4 Wochen) und seit der SS mit der großen Tochter alleinerziehend. Meine kleine Tochter stammt aus einer kurzzeitigen Affäre (das Wort Beziehung wäre hier nicht angebracht). Der Vater der Großen ist bereits verstorben, der Vater der Kleinen will keinen Kontakt und hat selbst auf die Geburtsnachricht nicht reagiert. Obwohl ich alleine bin denke ich, das ich es ganz gut hinbekomme - auch Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen (bin nicht auf Sozialleistungen angewiesen o.ä.). Soweit die Fakten zu meinen privaten Verhältnissen.

Ich lebe mit meinen Kindern in einer Kleinstadt und manchmal habe ich echt den Eindruck ich wohne in irgendeinem altmodischen Dorf im tiefsten Bayern wo es schon eine "Sünde" ist, mit Mitte 30 noch nicht verheiratet und Hausfrau zu sein! Meine Große geht seit sie 2 ist von 8 bis 14:30 Uhr in die Kita. Ich arbeite viel von zu Hause und arbeite praktisch ab 5 Uhr morgens bis sie aufsteht, dann während sie in der Kita ist und abends wenn sie im Bett ist mache ich meine restlichen Stunden (meistens bis 21 Uhr). Den Haushalt mache ich danach noch ein bisschen oder tagsüber zwischendurch. Ich habe somit wirklich wenig bis gar keine Freizeit, aber das ist okay. Ich liebe meine Kinder und genieße die Zeit wo sie noch so klein sind und gerne bei mir sind, was mit mir unternehmen möchten usw.

Was mich aber unheimlich nervt und immer wieder aufs Neue auf die Palme bringt sind diese heuchlerischen Übermuttis! Mütter, die ganz stolz verkünden, dass sie auf jeden Fall immer die 3 Jahre Elternzeit machen und ihr Kinder AUF KEINEN FALL mit 1 oder 2 Jahren in eine Kita geben möchten. Und ab 3 oder 4 Jahren Kindergarten dann auch maximal nur bis 12 Uhr. Der Standardspruch: "Ich habe doch keine Kinder bekommen um sie dann abzuschieben!"

Heuchlerisch finde ich diese "Übermuttis" aber, weil ich gleich mehrere kenne, die ihre Kinder permanent zu den Großeltern geben - bei 3en wohne ich in unmittelbarer Sichtweite zu den Großeltern und kriege es fast zwangsläufig mit wenn die Kinder gebracht werden, dort sind und wieder abgeholt werden. Besonders im Sommer wenn die Kinder dann mit Oma und Opa draußen sind. Eine Übermutti ist besonders krass (ihre Eltern wohnen praktisch nebenan und sie hat ein extrem lautes Auto - deshalb kriege ich das so oft mit *g*): von meiner Wohnung aus habe ich "beobachtet", dass sie ihr Kind (ihr einziges!) 3x die Woche gegen 7:00 morgens bringt und erst nachmittags um 17:30 Uhr oder auch mal noch später wieder abholt! Der Sohn übernachtet auch mindestens 1 Wochenende im Monat komplett - ohne Eltern - bei den Großeltern. Und: die Übermutti ist in Elternzeit und geht nicht arbeiten (nach eigener Aussage um "für den Kleinen da zu sein").

Mir werden Vorwürfe gemacht, weil ich angeblich mein Kind "abschiebe" und selber machen sie eigentlich genau das Gleiche aber unter dem Deckmantel "das Kind soll eine gute Beziehung zu den Großeltern haben". In meinen Augen werden die Großeltern von diesen besagten Übermuttis total ausgenutzt und gerade die schieben ihre Kinder doch ab, da sie ja eigentlich in der Elternzeit Zeit für ihr einziges Kind haben müssten! Aber kalr, bei Alleinerziehenden ist es ja ein gängigs Vorurteil, dass sie sich nicht intensiv um den NAchwuch kümmern (können), bei verheirateten Paaren wo eine Person auch noch zu Hause bleibt wird automatisch davon ausgegangen, dass diese sich rund um die Uhr selber um die Kinder kümmern...

Kennt ihr solche Vorurteile auch? Mich regt das einfach dermaßen auf - vorhin musste ich mir über den Zaun auch schon wieder so einen dummen Spruch reinziehen. Ätzend.

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Hallo,

Ich bin Übermutti und alleinerziehend. Ich kann Deinen Post nicht ganz einordnen, bist Du nur sauer weil sie Dir sagen das Du Dein Kind abschiebst ( ich kann mir das Gespräch grad nicht so vorstellen, sowas würde ich mir nicht sagen lassen) oder bist Du neidisch weil Du nicht so leben kannst wie die?
Ich war die ersten 3 Jahre in Elternzeit, war aber mit meiner Tochter fast täglich unterwegs. Ein Tag die Woche Wellness/Schwimmen, ein Tag Krabbelgruppe, 3 Tage Fitness Studio, Einkaufen, Spielplatz usw. Ich muss sagen es war eine tolle Zeit und wir haben sie sehr genossen, ich möchte es nicht missen. Deswegen bin ich doch aber keine Übermutti. Ich genieße es genauso jetzt zu arbeiten und nach Feierabend für mein Kind da zu sein, aber ich genieße auch die kindfreien Wochenenden und Ferien. Ich bin ja nicht nur Mutter. Es würde mir auch nicht im Traum einfallen andere zu verurteilen die anders leben.

LG
Sunny

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Ich meine ja nicht die Mütter, die 2, 3 oder mehr Jahre zu Hause bleiben und sich tatsächlich um ihr Kind zu kümmern, sondern diejenigen die zwar in Elternzeit sind und nach außen hin es so darstellen dass sie doch ach-so-tolle-Muttis sind, ihr Kind NIEMALS "abschieben" könnten und gleichzeitig aber mehrmals die Woche und zusätzlich noch manchmal über das komplette Wochenende ihr Kind ganztags zu den Großeltern geben. Es spricht ja auch nichts dagegen das ab und zu mal zu machen, aber wenn sowas halt Routine ist, dann frage ich mich schon wo genau der Unterschied dann zu mir ist. Bei mir kritisieren sie, dass mein Kind Montag bis Freitag bis 14:30/15 Uhr in die Kita geht, aber wenn sie ihr Kind trotz Elternzeit mehrmals die Woche und am Wochenende ganztags bis zum Abend zur Oma geben ist das okay?

Ich bin nicht neidisch, weil diese Mütter mehr Freizeit haben wie ich, ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass mir in der Hinsicht etwas fehlt. Ich liebe mein Kind und verbringe gerne Zeit mit ihr - früh genug wird die Zeit kommen wo es "uncool" ist mit Mama Zeit zu verbringen und die Freunde wichtiger werden ;-) Mich regt halt nur dieses Getratsche und dieses überhebliche und heuchlerische Getue von einigen Müttern auf. Viele Paare geben ihr Kind in die Krippe oder auf Ganztagsschulen - da sagt niemand was. Aber wenn ich als Alleinerziehende das mache, dann wird das sofort kritisiert und als "abschieben bezeichnet". So ist zumindest bei manchem mein Eindruck.

Aber vielleicht bin ich auch einfach zu empfindlich?!

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Du hast einfach ein merkwürdiges Umfeld. Ich wurde noch nie blöd angesprochen, in meinem Umfeld sind alle klug genug um zu wissen das Geld nicht vom Himmel gefallen kommt und man dafür arbeiten muss. Und denen ist auch klar das man nur arbeiten kann wenn das Kind betreut wird.

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Aktuell bin ich natürlich auch in Mutterschutz und danach in Elternzeit. wenn die Kleine 1 ist, werde ich aber wieder arbeiten (zuerst Teilzeit und dann 1 Jahr später Vollzeit) und die Kleine geht in die Kita

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Die Freiheiten, die Du haben willst, um Deinen Lebensentwurf zu leben, solltest Du anderen auch für Ihren Lebensentwurf lassen.

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Das tue ich auch.
Aber auf der einen Seite mir vorwerfen ich würde mein Kind in die Kita abschieben und wäre somit eine schlechte Mutter, selber das Kind mehrmals die Woche und immer wieder auch übers komplette Wochenende alleine bei den Großeltern lassen passt für mich nicht zusammen.

Ich würde niemals auf die Idee kommen von oben herab über jemanden zu urteilen oder demjenigen vorschreiben zu wollen wie er/sie leben und die Kinder erziehen soll - vielleicht regt es mich deshalb so auf, weil ich von diesen Übermuttis praktisch mit ihren Sprüchen gesagt bekomme dass ich eine schlechte Mama bin. Selbst wenn mein Kind in dem Moment neben mir steht.

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Hallo,

also ich gehöre auch zu den wie du sie nennst Übermuttis die solange zuhause bleiben bis die kinder in den Kindergarten gehen und eventuell nach 2 jahren vielleicht teilzeit arbeiten gehen und finde es persönlich nicht sehr nett wenn du alle in eine Schublade steckst.

"Schiebe" unsere Tochter auch zu den Großeltern ab. Zwar nicht jeden Tag, aber s sicher 2-3 mal die Woche für jeweils 4 Stunden.
Warum?
Ganz einfach. Damit ich meinen Haushalt erledigen kann und auch mal ohne Kind was machen kann.

Dein Leben lässt es anscheinend nicht zu das du 1 Jahr nicht arbeitest um für dein neugeborenes da zu sein.

Das ist deine Entscheidung und ich persönlich finde schon wenn man alleinerziehend ist das man 1 Jahr elternzeit nehmen kann.

Finde es jedoch sehr unfair die gegenüber wenn die jemand deswegen Vorwürfe macht.
Es ist dein Leben und für das musst du dich nicht rechtfertigen.

Alles Gute und pfeiff auf die Aussagen von anderen.
Solange deine Kinder damit glücklich sind passt doch alles.

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"Aktuell bin ich natürlich auch in Mutterschutz und danach in Elternzeit. wenn die Kleine 1 ist, werde ich aber wieder arbeiten."

Die TE arbeitet gerade nicht.

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Doch, sie arbeitet von Zuhause aus.

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Du brauchst ein dickeres Fell... Ich bin AE mit 3 Töchtern und habe - oh Gott! - schon den 2. Freund (seit 3 Jahren, aber der hatte mal eine andere Frisur, laut Getratsche ist es eher schon wieder ein neuer). Und tätowiert bin ich auch noch ziemlich großflächig.

Mir ist das mittlerweile furzegal. Ich arbeite viel, kriege uns gut über die Runden und bin stolz auf meine Kinder! Ob das irgendeiner Vorzeige-für immer in Elternzeit -Mama recht ist, juckt mich wenig.

Hier ist übrigens tiefstes Bayern ;-)

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Ehrlich gesagt, frag ich mich, wer sagt so etwas über alleinerziehende Eltern?
Man kann es sich als Alleinerziehende gar nicht aussuchen, außer du hast nen Geldkoffer da liegen!!
Also nimm dir den blödsinn nicht zu Herzen und zieh dein Ding durch! ♥️🍀

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Platt gesagt, ernst gemeint: dickes Fell zu legen.

Zwei Ohren: zum einen rein, zum anderen raus. Dazwischen Musik dudeln lassen und grinsen/nicken´und dann weiter gehen.

Heuchlerische Menschen / Doppelmoral kann ich gar nicht leiden. Egal ob ggü. Alleinerziehenden oder anderen. Diese waren Mütterbekanntschaften in der Anfangszeit. Echte Freundschaften haben sich mit der Zeit ergeben.
Jetzt in der Pubertät kräht kein Hahn mehr danach. Bei manchen hat sich das Blatt gewendet (sowohl als auch), bei anderen geht der Gesprächsstoff aus - oder ergibt sich neuer.

Ich habe darauf geachtet, wer mir gut tut und wer nicht.
Diskutieren mache ich mit Freundinnen, die akzeptieren wie ich es mache und ich akzeptiere, dass sie es anders machen. Andere Situation.

Irgendwann merkte ich, dass es meistens die gleichen (wenigen sind). Diese fallen am meisten auf, weil sie am Lautesten sind oder wie Marktschreier umgeben von Zuhörern sind.
Nicht alle, ein paar.
Ich habe mir dann bewusst gemacht, wer mir gut tut, was mir gut tut und mich denen zugewandt, mit denen ich besser konnte. Da sind einige Mütter dabei, die zwar anders leben als ich, mich voll und ganz respektieren. Umgekehrt natürlich auch. Wir nutzen unsere unterschiedlichen Stärken und tauschen uns aus.

Die anderen zogen ihres Weges, bzw. ich meines Weges. Manche erkenne ich gar nicht mehr/sie mich nicht mehr (Stunden später fällt mir dann wieder ein, wo ich das Gesicht mal gesehen hatte). Andere grüße ich noch. Hallo. Ja. Bis zum nächsten Mal. Dazwischen Leere. Das ist auch ok. Wir müssen nicht befreundet sein. Mit grüßen brech ich mir nix ab. Vorteile haben sie noch oder auch nicht. Da frag ich nicht nach. Das zeigt sich eher, wenn das wenige Gespräch um früher geht. "Wir kennen uns noch vom Kindergarten...."

Die meisten ziehen von dannen, wenn ich nicht darauf einsteige. Weder diskutiere, noch mich rechtfertige.
Ich ziehe von dannen, wenn mich Heuchelei und Doppelmoral langweilt.

Kleine Erfahrung am Rande. Es gibt dann auch so eine Zeit, in der Kinder reden. Ungefragt reden. Eltern brauchen kein Wahrheitsserum. Kinder dabei zu haben, reicht manchmal aus ;-)
An der Reaktion der Eltern zeigt sich dann, ob sie sich dessen bewusst sind, nicht bewusst sind und/oder selbst belügen. Dann ist es deren Blase in der sie Leben. Es ist dann nicht mein Problem, wenn sie platzt.

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Ich würde weniger auf die anderen gucken, sondern eher bei mir selbst gucken. Warum triggert dich das so? Letztendlich kannst du doch stolz auf dich sein.
😊

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Stolz bin ich nicht - mehr froh, dass ich es mit meinen beiden Kids so gut hinbekomme. Ist ja als Alleinerziehende nicht unbedingt selbstverständlich ;-)

Warum mich das so triggert? Vielleicht weil ich Angst habe, dass meine beiden Kinder irgendwann unter diesem Getratsche leiden. Dass sie für ihre Mutter "bemitleidet" werden oder dass ich ihnen "peinlich" werde weil andere so über mich reden, dass man anderen Kindern nicht erlaubt mit ihnen zu spielen, dass meine Kids ausgegrenzt werden, dass meinen Kindern gegenüber von so Müttern dann komische Sprüche kommen (wie jetzt bei mir) usw.

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Also ich bin nicht alleinerziehend, Vollzeit berufstätig und eine Mutter, die sich trotzdem sehr um ihr Kind kümmert und stell dir vor, über mich redet man auch. Und warum redet man über mich? Tja... Mein Sohn wurde auch plötzlich nicht zu einzelnen Geburtstagen eingeladen. Ich werde von weitem gegrüßt. Oberflächlich. Ich kann mich natürlich grämen oder meinem Sohn erklären, dass es Menschen gibt, die sich sonderbar verhalten. Warum auch immer, dass muss man nicht immer verstehen. Ich bin eher stolz auf mich, dass ich einen Mega-Job habe, der mich glücklich macht und wo ich gut verdiene und mir sogar meine Zeit frei einteilen kann und dazu bin ich noch glücklich verheiratet. Stolz, weil ich mich dafür sehr engagiere. Konzentrier dich auf dich und stärke deine Kinder und lass die Leute reden. 😊

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Hey!

Ich finde diese Feststellungen sehr unverschämt. Wenn jemand dir direkt ins Gesicht sagt, dass du irgendwas falsch machst, die Person es selbst aber nicht besser macht, frag sie doch, ob ihr der Widerspruch nicht selbst auffalle. Das wäre dann legitim.

Wenn die Situation allerdings so läuft, dass du die Frau fragst, wie lange sie in Elternzeit gehe und sie die Frage in etwa so beantwortet: "ich nehme 3 Jahre. Habe meine Kinder ja nicht bekommen, um sie abzuschieben." Dann ist ihre Aussage legitim.
Nur du beziehst die Aussage dann auf dich.
Sie antwortet auch aus ihrer Perspektive, auf sich selbst bezogen: Sie ist abgesichert, mag ihren Job vielleicht nicht so sehr und sieht somit keinen Anlass, um zu arbeiten. Wenn sie ihre Kinder in die Betreuung gäbe, wäre es für sie ohne wichtigen Anlass ein Abschieben- was aber nichts mit dir zu tun hat.
Du hast ja allen Grund arbeiten zu gehen- also ist es sinnvoll, dass jemand die Kinder betreut, damit du Geld verdienen kannst.

Ich finde, beide Perspektive sind legitim.

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Nein, die Diskussion kann man sich eher so vorstellen:

Ich: "wie lange gehst du denn in Elternzeit?"
Sie: " 3 Jahre und du?"
Ich: "1 Jahr, danach gehe ich wieder Teilzeit arbeiten und die Kleine geht dann bis 2 oder 3 in die Krippe"
Sie: "Oje, also ich könnte das nicht! Warum kriegt man überhaupt Kinder, wenn man sie dann so früh abgeben will. Kinder brauchen doch ihre Mutter - schon alleine wegen dem Bindungsaufbau"

Und das ist noch etwas höflich formuliert, manche sind da schon etwas "direkter" gewesen.

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Und da würde ich dann antworten:
Ja, aber Kinder brauchen halt auch ein Dach über dem Kopf, was zu essen, Kleidung und Spielzeug. Und da ich das Kind in die Welt gesetzt habe übernehme ich dafür die Verantwortung und verlange nicht das unser Staat und somit die Steuerzahler mein Kind finanzieren.

Dann ist bestimmt Ruhe.