Kompletter Neuanfang? Was soll ich nur tun?

Hallo zusammen,

Kurz zu mir: seit April 2019 getrennt, November 2019 mit den beiden Kindern (jetzt fast 14 und 11 und kleinem Hund) aus dem Haus ausgezogen in eine recht schöne 4 Zi.-Wohnung.
Nur 3km vom Vater entfernt. Meine Eltern und mein Bruder mit Familie wohnen über 350 km weit weg in Sachsen. Wir in Bayern. Habe hier keine Familie, auch nicht vom Ex (ist kein Familienmensch).

Die Scheidung läuft, habe ich vor ein paar Wochen endlich eingereicht. Beim Versorgungsausgleich Fragebogen hat er jetzt die private Versicherung unterschlagen (Begründung: Das ist schon so lange her, da wurde ja kaum etwas eingezahlt und außerdem sieht er nicht ein, dass er was von seiner Rente abgeben soll, wo er doch immer so viel schuftet und ich hätte noch nie Stress gehabt). Dazu möchte ich anmerken, dass er eigentlich ein workaholic ist und ich die Kinder mehr oder weniger alleine großgezogen habe und er uns viel allein gelassen hat, Was letztendlich auch zu einem auseinanderleben und der Trennung führte. Bei meinen Versuchen, wieder ins Berufsleben einzusteigen, hatte ich von ihm keine Unterstützung.

Aktuell: Mein noch Mann hat eine Firma, ich bin bei ihm angestellt. Wir sind zu zweit. Die Firma haben wir Ende 2018 gemeinsam aufgebaut. Er ist viel unterwegs (Vertrieb), ich bin für alles andere zuständig – von Büro putzen über Software / Einkauf / Ware verschicken bis zum Steuerberater, alles. Also ich werde nicht nur dafür bezahlt, ein paar Rechnungen zu tippen. Jeder ist ersetzbar, aber es wäre schon erst mal ein ganz schöner Akt jemanden einzuarbeiten (er könnte es nur teilweise) weil es von den Aufgaben her einfach sehr viel ist.
Ich verdiene sehr gut, habe einen Arbeitsvertrag, arbeite von 8 bis 13:00 Uhr und manchmal auch nachmittags noch mal. Oder auch mal tageweise Vollzeit, je nach Bedarf. Arbeitsweg: 250 m zu Fuß.

Wie gesagt, die Scheidung läuft, wir sind nicht direkt zerstritten, sind sehr bemüht, aber es zerrt extrem an meinen Nerven. Ich spüre seine passive Aggression. Bin da eh sehr sensibel. Auch wenn er viel unterwegs ist, haben wir täglich mehrfach miteinander zu tun per WhatsApp oder am Telefon um die Dinge zu besprechen, die im Büro anfallen.
An seinen Kindern zeigt er leider so gut wie kein Interesse. Er nimmt sie zwar jedes zweite Wochenende, wenn er nicht arbeiten „muss“ aber er hat zum Beispiel im gesamten vorigen Jahr nicht einmal einen richtigen Ausflug mit ihnen gemacht. Es ist also nicht wirklich viel Bezug da, mal unter der Woche telefonieren oder WhatsApp schreiben kommt auch nicht vor. Das macht mich sehr traurig, tut mir sehr leid für die Kinder. Ich kann nicht einschätzen, inwieweit sie darunter leiden. Sie kennen es ja eigentlich nicht anders.

Irgendwie hält mich in dieser Gegend hier nichts mehr. Der Vater kümmert sich kaum, ich habe keine Familie hier, die Gegend gefällt mir auch nicht so besonders, ich bin nur wegen ihm hier. Davor habe ich im Allgäu gelebt bevor wir uns kennenlernten.

Ich weiß nicht, wo ich hin gehöre, wo ich hin will. Ich fühle mich wie ein fallendes Blatt im Wind. Irgendwie gelähmt. Ich weiß, ich sollte mein Glück in die Hand nehmen und mutig sein und einen Schritt weitergehen. Aber ich kann nicht. Ein neuer Job wäre ein Anfang.

Aber was?

Vollzeit im Büro wäre irgendwie nichts für mich. Mir fehlen Menschen um mich rum. Ich bin den ganzen Tag alleine im Büro, kein Team, außer ab und an mal ein Telefonat keinen Kontakt. PC Arbeit halt. Ich war vor der Firmengründung ein Jahr lang in einem Büro, in einer größeren Firma mit sehr hoher Fluktuation und enormen Druck. So etwas möchte ich nicht noch einmal haben.

Eigentlich bin ich Diplom Sozialpädagogin. Früher war ich im Heimbereich tätig und habe nur Schicht gearbeitet und Wochenenden. Das geht mit den Kindern nicht. Und ich möchte es auch nicht mehr unbedingt. Die meisten anderen Jobs in diesem Bereich verlangen eine Konfessionszugehörigkeit, die ich nicht habe und ich bin nicht bereit, in die Kirche einzutreten aus beruflichen Gründen, wenn ich eigentlich gar nichts damit anfangen kann. Selbst die Schulsozialarbeit ist in kirchlicher Hand.
Bei einem Bildungsträger zu arbeiten spricht mich nicht wirklich an.

Manchmal überlege ich, ob es gut wäre, wieder in die Nähe meiner Eltern zu ziehen. Da hätte ich auch etwas Unterstützung, wäre von den Arbeitszeiten her flexibler und in Sachsen ist das mit der Konfession auch nicht so gravierend.

Jedoch ist meine Beziehung zu meinen Eltern nicht besonders gut. Ich würde sie als neutral bezeichnen. In meinem Elternhaus hat auch immer nur Arbeit und Leistung gezählt.

Ich weiß, so wirklich helfen könnt ihr mir wahrscheinlich auch nicht. Aber vielleicht habt ihr ein paar Denkanstöße oder wart irgendwann mal in der gleichen Situation.

Was würdet ihr tun?


Ich würde mich über ein paar Meinungen sehr freuen.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende. Ich liebe meine Kinder sehr, bin aber dennoch froh endlich mal wieder ein Wochenende für mich ganz alleine zu haben nach vier Wochen.

Liebe Grüße
Ks

Was würdet ihr tun?

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Erst einmal brauchst du eh das Einverständnis des Vaters wenn du weit weg ziehen willst. Vorher brauchst du dir die Mühe mit dem Planen wohl gar nicht machen.

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Mh. Hier gelandet bin ich nur wegen ihm.
Ich denke, es ist ein Unterschied, ob ich weiter weg ziehe wegen einem anderen Mann oder einfach nur so oder ob ich zu meiner Familie ziehe um Unterstützung zu haben und auch meine Eltern zu unterstützen. Zumal er sich eh kaum kümmert....
Ganz ehrlich, wenn ich so entscheiden würde, würde ich ihn nicht fragen.
Was passiert dann?
Er klagt und die Polizei holt die Kinder ab?
Ich verlasse ja nicht Deutschland.

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Nun, genau das kann dir passieren. Du nimmst die Kinder ohne sein Einverständnis aus ihrer Meldeadresse und ziehst an einen beliebigen Ort. Egal, ob drei Straßen weiter oder hunderte Kilometer weg.. Wenn er damit nicht einverstanden ist, kann er eine einstweilige Verfügung auf Rückführung der Kinder erwirken. Das kann dann im Verfahren dazu führen, dass dir das Sorgerecht entzogen werden kann und die Kinder ihm dann zugesprochen werden können. Immerhin Musst du dich dann wegen Kindesentziehung verantworten.

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Also wenn er definitiv einverstanden ist und die Kinder das auch wollen, kannst du dich ja unter beruflichen Aspekten mal umsehen, was dir und euch gefallen würde. Z. B. Sozialarbeiter/Rehabegleiter in einer Mutter-Kind-Klinik (geregelte Arbeitszeit, Arbeit im Team).
Aber: die Kinder werden aus dem gewohnten Umfeld gerissen und der Kontakt zum Vater wird noch viel weniger. Das kann die Kinder enorm belasten.

Ich habe das so gemacht (bin allerdings "nur" in Trennung, offiziell noch verheiratet) und für uns persönlich war es gut so, da die Kinder und ich nicht mehr so hin und her gerissen sind und zur Ruhe kommen.

Die Kinder gehen langsam aus dem Haus und ziehen zum Teil wieder zurück. Nicht wegen dem Vater, sondern wegen alter Freunde und der gewohnten Mentalität der Leute.

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Wäre Berufsbetreuerin was für dich?

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Mal davon ab, dass wie schon erwähnt, der Vater mit dem Umzug der Kinder einverstanden sein muss, solltest du dir die Frage stellen, ob du deinen Kindern, dass alles zumuten kannst. Es geht nun mal nicht nur um einen selbst.

Ich würde mir einen neuen Job suchen, auch wenn dieser dir vielleicht mehr abverlangen wird, als dein Job jetzt.