Bin traurig - es geht um Opa-Enkel-Beziehung

Hallo :-)

ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll.

Es ist so, dass mein Vater mich oft traurig macht, wie er sich unserem Sohn gegenüber verhält

Anfangs kam er super mit unserem Sohn klar, seitdem er aber seine eigene Meinung bekam und natürlich auch seine Trotzphase fingen die Schwierigkeiten an.

Er meint unser Sohn sei "ich-bezogen" und alles müsse sich um ihn drehen. Natürlich sind Kinder in dem Alter auch noch kleine Egoisten, aber das ist doch normal...

Es ist auch teilweise so, dass er ihn völlig ignoriert - zum Beispiel wenn er unsere kleine Maus trägt und Felix mit ihm spricht, dann hört er nicht zu - bzw. ignoriert ihn extra, damit er merkt, dass er nicht im Mittelpunkt steht...

Er hatte mal eine Phase, wo er nicht "hallo" sagen wollte (natürlich fand ich es auch nicht gut und habe ihm immer wieder gesagt, dass Begrüssungen und Verabschiedungen dazu gehören!) - da sagte mein Vater zu ihm: "Wenn du nicht Hallo sagst, dann darfst du nie wieder zu uns kommen" :-(

Oder um noch ein Beispiel zu nennen: Meinem Vater ist es sehr wichtig, dass Kinder einen hohen Respekt vor ihm haben und er betont es immer wieder, wenn er Felix mal 1 Woche haben würde, dann würde er so viel Achtung vor ihm haben, dass er immer nur gehorchen würde #schwitz

Dann müsste ihm eigentlich klar sein, dass wir Felix bestimmt nicht dorthin in den Urlaub schicken

Mensch, das macht mich alles so traurig, dabei ist er ein ruhiges und fröhliches Kind - hat normale Trotzphasen, aber nichts außergewöhnliches... Warum hat er kein Verständnis für Kinder?

Mein Vater war sowieso immer der Meinung, dass Jungen meist wie kleine Könige erzogen werden...

Es gab auch eine Zeit, da hatte Felix eher Angst vor ihm, weil er immer so streng war und ich denke so fing es auch an, dass er nicht mehr "Hallo" sagen wollte, weil das Problem nur bei meinen Eltern bestand...

Ich musste es mir einfach mal von der Seele schreiben, denn es belastet mich.

Bei meiner Kleinen ist alles gut - aber noch ist sie ja nicht im "schwierigen Alter" und ein Mädchen und kein "kleiner König"

Natürlich ist er auch lieb und fürsorglich zu Felix - aber nur solange er lieb und fröhlich ist und nichts entgegensetzt...

Unsere Kindheit war auch nie einfach mit ihm - wir mussten uns grundsätzlich unterordnen und immer unseren Mund halten, wenn Erwachsene gesprochen haben...

Vielleicht muss ich noch dazu sagen, dass mein Vater seit 30 Jahren Alkoholiker ist

Liebe Grüsse von Melanie



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Hallo Melanie,

schade, dass dein Vater so auf deinen Sohn reagiert. Man sollte meinen, wenn Väter Opa werden, werden sie "zahmer". Bei meinem Vater hat es zum Glück funktioniert. Obwohl er bei uns auch immer einer von der strengen Sorte war und wir uns auch "unterordnen" mussten. Meine Tochter (2,5 Jahre) hat aber auch einen besseren Bezug zu meiner Mutter als zu meinem Vater, gerade weil er immer mal wieder strenger ist.
An deiner Stelle würde ich mich mit deinem Vater über die Situation unterhalten und ihm auch sagen, dass du Angst hast, deinen Sohn bei ihnen zu lassen (auch wegen der Alkoholsucht#gruebel).
Mich hat es Anfangs auch sehr Überwindung gekostet, mit meinem Vater zu reden. Aber es wird von mal zu mal einfacher...

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Liebe Melanie,

du schreibst, dass dein Vater ein sehr schwieriger MEnsch schon immer war, zudem sei er Alkoholiker.
Was hast du von ihm erwartet? Ja, vielleicht hast du gehofft, dass er sich seinem Enkel zuliebe ändert und einsieht, dass es falsch war, von seinen eigenen Kindern blinden Gehorsam erwartet zu haben. Ja, dass er vielleicht sogar einsieht, dass es für ein Kind geradezu fatal ist, ihn in blindem Gehorsam zu erziehen. Er soll sich mal überlegen, was aus diesen Menschen geworden ist, die um 1900 so erzogen wurden...

Wie gesagt, vielleicht hast du es gehofft, schließlich ist es dein Vater und es wäre auch so eine Art Wiedergutmachung für deine eigene Kindheit gewesen.
Aber du siehst, dass er keinerlei neue Einsichten gewonnen hat. Er hat keine Ahnung von den Bedürfnissen eines Kindes. Es ist eines der schlimmsten Strafen für ein Kind, ja auch für einen Erwachsenen ignoriert zu werden. Furchtbar, dass er das als "Erziehungsmethode" anwendet. Zumal er gar nicht erziehen muss. Das übernimmst schon du und Gott sei Dank NICHT in der Art und Weise, wie du es selber erlebt hast.
An deiner Stelle, würde ich die Hoffnung, dass sich da eine liebevolle Opa-Enkel Geschichte anbahnt gleich begraben. Meinem Sohn würde ich AUF JEDEN FALL den Rücken stärken. D.h. wenn er z.B. von deinem Vater ignoriert wird, dann würde ich sagen: Du, Papa, der Felix redet mit dir. Du möchtest auch nicht, dass man dich ignoriert. Und wenn er mal so einen schlauen Spruch macht, von wegen, man müsse Felix mal für eine Woche bei ihm lassen...
...dann fass dir ein Herz und sag ihm mal, dass du das nie tun wirst. Du hast als Kind selber unter seinen Erziehungsmethoden gelitten und wirst es deinem Kind sicher nicht antun!
Es ist traurig. Ich verstehe dich, es ist dein Vater. Aber jetzt bist du erwachsen. Das Wohl DEINES Kindes muss nun im Vordergrund stehen.

Liebe Grüße
Luka