Antiautoritäre / gleichberechtigte Erziehung - lang!

Hallo zusammen,

ich habe eine sehr gute Freundin und unsere Kinder sind im selben Alter (2 Jahre). Wir kennen uns schon seit dem Studium und sie war schon immer von ihrer Art ein Mensch, der die eigenen Bedürfnisse hinten an stellt. Im ersten Babyjahr habe ich das natürlich bei meinem Kind auch so gemacht, aber mittlerweile stecken unsere Kleinen im 3. Lebensjahr und ihr Kind erfährt quasi immernoch die prompte Bedürfnisbefriedigung.

Fast alles was das Kind will, bekommt es auch. Will sie im Laden einen bestimmten Pulli, bekommt sie den umgehend. Sie sagt: Den da! Haben! Die anderen Vorschläge von Mama: Nein! Zurück! Zahlen! Vor dem Laden: Anziehen! Alles wird sofort erledigt.
Sie will einen anderen Weg nach Hause gehen, weil da noch ein Bäcker ist - natürlich wird der Weg gegangen und sie bekommt noch die Brezel.

Sie sagt untererwegs: Trinken! Mama fragt: Was? Kind antwortet: Mmmh - Milch! Also zieht Mama die Trage an und Kind darf unterwegs stillen. Egal wo. Versteht mich hier nicht falsch, ich stille auch noch, aber zu meinen Regeln.

Auch Entscheidungen werden großzügig ihr überlassen: Sie hat einige Lieder-CDs. Sie möchte, dass Mama eine CD in den Player legt, das erste Lied wird angespielt, nach ein paar Sekunden möchte die Kleine doch lieber eine andere CD anhören. Mama legt die andere CD ein, das gleiche Spiel wieder nach ein paar Sekunden. Mama macht das fast eine Stunde mit, bis das Mädchen "zufrieden" ist.
Auch Entscheidungen werden ihr häufig überlassen: Wir treffen uns mit anderen Müttern und sprechen untereinander ab, wir machen jetzt Frühstückspause. Sie fragt ihr Kind, möchtest du jetzt was essen? Kind: Mmmh, nein! Also gehen alle Essen ohne sie. Ich würde natürlich mein Kind auch nicht zwingen zu essen. Aber der Rahmen, wir Erwachsenen setzen uns jetzt hin, ihr Kinder könnt mitkommen, könnt mitessen oder aber ihr spielt in Sichtweit ist doch nicht zu eng, oder?

Ich finde es einerseits wirklich bewundernswert, wie man soviel Geduld haben kann. ABER so selbstbewusst wie sie ihren Willen gegenüber ihren Eltern äußert und meistens auch durchsetzt, so EXTREM anhänglich und unsicher ist sie nach außen hin.

Z. B. geht sie nicht mal in ihrem zuhause ohne Mama in ein anderes Zimmer um etwas zu holen.

Obwohl sie fast täglich irgendwas macht wie Spielgruppe etc. - wenn Kinder, auch jüngere, auf sie zulaufen / krabbeln rennt sie schnell zu Mama, bzw. schreit und Mama muss sie dann hochnehmen. Häufig auch bei meinem Kind - obwohl die beiden sich sehr gut kennen und mögen.
Auf Spielgeräte (Rutsche) geht sie freiwillig nur, wenn sie augenscheinlich von keinem anderen Kind benutzt werden.

Auch zu mir kommt sie nie. Obwohl sie mich eigentlich mag. Ich darf sie nehmen wenn Mama (kurz) außer Sichtweite ist, aber dann geht das auch nicht auf zurufen, ich muss sie ganz direkt ansprechen und aktiv ihre Hand nehmen / sie hoch nehmen. Wenn jemand sich längere Zeit ausschließlich auf sie konzentriert, wird sie schneller zutraulich, aber logischerweise tu ich das nur bedingt - ich hab ja auch noch ein Kind nach dem ich schau.

Und diese letzten Punkte sind eben Thema. Wenn meine Freundin diesbezüglich von ihrer Familie "angegriffen" wird, ist sie der Meinung, man muss ein Kind so akzeptieren wie es ist und ihr Kind sei halt schüchtern und noch sehr stark mit ihr verbunden. Im Übrigen wird die Kleine nicht nur von der Mutter betreut, jedoch finde ich ihren Vater oder die Großeltern auch nicht soviel anders. Sehr liebevoll und geduldig, ja, aber eben auch grenzenlos.

Ich glaube aber langsam, dass das Mädchen wesentlich freier und innerlich sicherer wäre, wenn meine Freundin Grenzen vorgeben würde. Ich hab ihr schonmal gesagt, sie soll sich endlich sichtbar machen, also ihrer Tochter sagen: Nein, wir gehen auf direktem Weg nach Hause, weil ich dringend aufs Klo muss. Oder nein, ich wechsel die CD einmal, dann hab ich keine Lust mehr auf dieses Spiel. Aber das fällt ihr sehr schwer. Je mehr ich mir das Ganze anschau, desto mehr mach ich mir ehrlich Sorgen. Ich habe Angst, das aus der Kleinen mal ein Kind wird, mit sehr wenig Empathie für andere und erstmal nur ihre Wünsche und Bedürfnisse sieht. Im schlimmsten Fall, dass sie sich später Grenzen suchen wird. Gesellschaftliche oder körperliche Grenzen.

Findet ihr meine Befürchtungen falsch? Welche Erfahrung habt ihr mit kaum Grenzen setzen und quasi das Kleinkind bereits gleichberechtig behandeln.

Ach ja, meine Freundin will natürlich wie alle Eltern das Beste für ihr Kind und will glaube ich die Individualität ihrer Tochter nicht beschneiden. Und vorallem, denkt sie ja, der Charakter ihrer Tochter ist einfach eher schüchtern / unsicher und mit Verhaltensweisen wie dem uneingeschränkten Stillen, Tragen und der prompten Bedürfnisbefriedigung gibt sie ihr langfristig Sicherheit.

Also eure Meinungen interessieren mich!

1

hallo,

ich persönlich würde es auch anders handhaben und eher in deine Richtung tendieren. ABER: Die Grenzen, die ich setze, weil es MEINE Grenzen sind, müssen nicht die deiner Freundin sein. Wenn sie also stundenlang die CDs wechselt oder sich bezüglich eines Tshirts rumkommandieren lässt, dann muss das nicht unbedingt "falsch" sein, bloß weil ich das nicht machen würde.

Viel wichtiger finde, dass man seinen Kindern beibringt, die Grenzen fremder Menschen zu akzeptieren. Dass man versucht, ihnen eine Gefühl dafür zu geben, welche Verhaltensweisen im Zusammenleben mit anderen akzeptiert werden und wie man eher aneckt.

vg, m.

3

Vielen Dank! Ja, das habe ich bisher auch überwiegend so gesehen - vonwegen meine Freundin ist eben ein anderer Typ wie ich etc. und falsch ist es ja auch nicht so wirklich.

Aber ich befürchte mittlerweile, dass diese Grundhaltung bei ihrer Tochter zu der starken Verunsicherung führt. Kann das sein? Ich glaube einfach nicht dass das extreme Kletten an Mama oder die Ängstlichkeit in dem Maße ihr Grundcharakter sind, sondern die Kleine sich überfordert fühlt durch fehlende Orientierung.

Wie bringt man denn Kinder bei, die Grenzen fremder Menschen zu akzeptieren? Oder ein Gefühl für angebrachtes soziales Verhalten? Ich glaube, ein wichtiger Grundstein wird doch in der Familie gelegt, oder? Kleine Kinder müssen doch eine Begrenzung zwischen Mama und sich selbst erstmal erfahren, indem Mama eben auch mal einen anderen Willen hat, so in der Art. Dadurch kommt doch die Empathie. Oder das die Familie von den Erwachsenen geführt wird, nicht von den Kindern. (Nicht im völlig diktatorischen Stil, klar!) Oder reicht es, wenn sie im Kindergarten Rücksichtsnahme und eine gewisse Anpassung lernen muss?

4

Früher oder später wird sie mit anderen Menschen in Kontakt kommen und dann wird sie auch erfahren, dass Menschen unterschiedliche Grenzen haben. Und wenn sie mit anderen Kindern spielt und hierbei kleinere Reibereien entstehen, dann haben ihre Eltern genügend Gelegenheiten, ihr zu vermitteln, wie man durch soziales Verhalten dieses lösen oder sogar gänzlich vermeiden kann.

Ich glaube nicht, dass die Schüchternheit des Kindes auf das Verhalten der Mutter zurückführen lässt. Zumindest kann ich aus deinen Beschreibungen hierfür keine Anhaltspunkte erkennen. auch kinder haben unterschiedliche Charaktere. Die einen gehen offen auf Fremde zu, die anderen sind zurückhalten und hängen lieber an Mamas Rockzipfel. Wäre das Verhalten der Mutter ausschlaggebend, dann wären ja Geschwister charakterlich immer gleich. Und das kommt in kaum einer Familie vor.
Und die Mutter gibt ihr Orientierung. Eventuell nicht die, die du deinem Kind gibst.

2

So etwas habe ich mich auch oft gefragt, als ich die Erziehung meiner Neffen erlebte, vor allem dem der in Kolumbien lebt. Da war das normal , dass der Kleine dann einschlief , wenn er eben irgendwo im Haus einpennte, der Kleine wurde mit Spielzeug und Aufmerksamkeit überschüttet usw usw, was der Kleine wollte bekam er ...
ABER er ist ein absolut liebenswürdiges Kind dass auch auf uns ( die er ja nur einmal im Jahr sieht) aufgeschlossen zu. Er ist klug, pfiffig , ein Lausbub und er besuchte einen Kindergarten und jetzt eine Art Vorschule und alles läuft gut.
Seine Mutter denke ich mal ähnlich auf, und aus ihr ist auch ein liebenswerter , sozialer, verantwortungsbewußter Mensch geworden.

Ich denke bei der Erziehung ist es wie bei so vielen anderen Dingen im Leben:
"Viele Wege führen nach Rom" :-)

Bei manchen Dingen würde ich nicht so viel Tanz um das Kind veranstalten, bei anderen Dingen würde ich mich mehr kümmern. Ich denke Eltern haben eine andere Verbindung zu ihren Kindern , als Außenstehende. Sie spüren mehr als wir außen sehen. Deshalb denke ich da auch nicht viel drüber nach, wenn ich so was erlebe.
Die Eltern "tanzen" aus freier Entscheidung um ihr Kind. Mir steht es frei zu entscheiden, was ich tun will!

LG
Karna

5

Das ist ein sehr schönes Beispiel. Bestimmt hat meine Freundin auch genau sowas im Kopf, wenn sie über ihre Art des Zusammenlebens mit ihrem Kind denkt. Aber leider ist ihr Kind sozusagen das Gegenteil von aufgeschlossen. Wenn die Kleine auch eine gewisse, altersentsprechende innere Sicherheit hätte, würde die Mama ja die direkte Rückmeldung von ihrem Kind erhalten - es läuft alles richtig, egal wer was sagt. Diese Rückmeldung bekommt sie in diesem Bereich aber nicht.Pfiffig, listig und intelligent ist sie zweifellos.

Wenn es deine Freundin wäre, also jemand der dich gezielt um deine Meinung fragt, würdest du dann auch an meine Ansatzpunkte denken, also dass ihr die Eltern mehr Sicherheit durch mehr Rahmenvorgaben geben sollten? Oder würdest du sie einfach weiter bestärken, sozusagen "das verwächst sich"?

6

Ich denke nicht das es da einen zusammenhang gibt. Jedes Kind ist anders. Meine Tochter ist zwar erst 10 Monate alt aber selbst da merkt man schon unterschiede.
Sie ist auch sehr anhänglich an Mama und lässt sich nur von mir und meinem Freund auf den arm nehmen bei allen anderen brüllt sie obwohl sie zb oma und opa offt besucht 1-2x die woche für mehrere stunden. Auch in der Krabbelgruppe bleibt sie immer in Mamas nähe.
Von meiner Freundin der Sohn ist da ganz anders der macht nicht mal nen mucks wenn ein Fremder ihn auf den Arm nimm.
Und in der Krabbelgruppe genauso alle unterschiedlich.

Ich finde auch nicht schlimm das dass Kind entscheidungen trifft es gibt sogar Kitas mit offenem Konzept wo die Kinder schlafen, Essen spielen dürfen wann immer sie wollen. Und das spiel wird dennen auch nicht vorgegeben selbst das dürfen sie dann selbst entscheiden.

Auch beim einkaufen finde ich sollte das Kind selbst entscheiden was es möchte. Klar ich würde Ihr nicht alles kaufen aber nen Pulli Ihrer wahl ist doch vollkommen ok.
Das mit der Cd würde ich nun auch nicht ganze zeit mitmachen aber da sollte auch jeder selbst entscheiden.

Ist nun auch nicht böse gemeint an dich aber ich habe schon öffters von älteren Frauen gehört das unsere Generation sehr schlimm sein soll. Man braucht ja schon ein Babystudium um ein Kind richtig zu erziehen, den egal was man macht oder wie man es macht es ist nie komplett richtig, dabei werden alle Kinder erwachsen und Gesund egal was für eine Erziehung sie gehabt haben.

weitere Kommentare laden
7

Ich teile deine Befürchtungen, jedoch bringt das ja nicht viel, wenn deine Freundin uneinsichtig bleibt, oder?

9

Hallo,

so eine Familie kennen/kannten wir auch.
Die Kinder sind jetzt im Teenageralter.

Die Große war dann mit 3 oder 4 Jahren für niemanden mehr zu ertragen. So ein unverschämtes, zickiges, egoistisches Kind ist mir weder vorher noch nachher jemals untergekommen. Sie hat ihre Mutter und fremde Leute auf der Straße beschimpft und bespuckt, wenn ihr danach war. Sie hat alles beschmiert oder zerstört, wenn ihr danach war, egal, wem es gehörte. Wenn sie etwas wollte, hatte gefälligst jeder sofort zu springen.

Kurzum, ich habe mir diese Familie zum Vorbild genommen, wie ich meine Kinder garantiert nicht erziehen werde. :-p

Naja, als die Große 6 oder 7 war, hat die Mutter die Notbremse gezogen, weil es mit den Kindern gar nicht mehr ging, und eine Erziehungsberatung aufgesucht.
Danach wurde es etwas besser. Heute haben die Kinder immer noch so einige Macken, aber im großen und ganzen sind sie erträglich.

Es bringt aber, nach meiner Erfahrung, überhaupt nichts, diesen Leuten etwas zu ihrer Erziehung zu sagen. Die sind dann höchstens beleidigt, dass man ihr tolles Konzept kritisiert. Diese Mutter, die wir kennen, hatte auch ein sehr durchdachtes Konzept - nur war das schon im Ansatz falsch. Die müssen erst selbst damit so richtig auf die Nase fallen.

Diese Form der "Erziehung" vermittelt den Kindern übrigens gar keine Sicherheit. Auch wenn die sich benehmen, wie eine offene Hose und als gehöre ihnen die Welt, sind sie im tiefsten Innern unsicher, weil sie keinen Halt bei ihren Eltern finden, sondern lediglich grenzenlose Freiheit.

Meine Mutter hatte übrigens auch eine Tendenz in diese Richtung, und ich war ebenfalls ein unsicheres Kind. Unsere Kinder haben wir von Anfang an strenger erzogen und stets angehalten, sich, so weit möglich, selbst um Dinge zu kümmern. Die Große (8) ist sehr selbstbewußt, und der Kleine (fast 6) ist immerhin deutlich selbstbewußter als ich früher.

LG

Heike

10

hallo,
ich sehe es genau wie du! hier (3 kinder) gibt es deutliche grenzen, die wir eltern setzen - je nach alter, reife, fähigkeiten. natürlich verändert sich der rahmen immer mal und in diesem rahmen können die kinder frei entscheiden.
die freiheit einer person hört da auf, wo sie die freiheit anderer einschränkt. muss ich also dringend aufs klo, gehen wir selbstverständlich den direkten weg. gibt es gleich essen, kaufe ich keine brezel. CD gibt es 1 oder 2, danach wird diese gehört oder ausgeschaltet. zur auswahl als brotbekag stehen frischkäse und wurst, wenn marmelade gewünscht wird und ich diese nicht im haus habe, fshre ich deswegen aber nicht extra los. das wären jetzt so beispiele von deiner freundin.
ich denke jedoch, du solltest aufhören, dich in ihre "erziehung" einzumischen, sonst ist es bald aus mit eurer freundschaft.. gehe mit gutem beispiel voran und lass deine freundin ihre eigenen erfahrungen machen.
lg

12

Moin

Der ganze Tanz hat dann seine Grenzen, wenn man sich um mehrere Kinder kümmern muss und diese unterschiedliche Wünsche/Bedürfnisse haben.

Wenn ein Kind zum Bäcker will und das andere muss aufs Klo daheim, ist der Plan dahin und das wird auch dieses Kind lernen, sobald es einen Mitstreiter hat.

Diese Konflikte muss ich dann als Mutter aushalten. Und das ist nicht immer schön#heul

Kennt Nr 1 diese Art der Einschränkung nicht, wird es spätestens dann Zeit in die "harte und grausame Realität" einzutauchen, dann setzt die Umwelt/Geschwister oä die Grenzen.

LG Nov

13

Hallo,

meine Meinung:

Es ist die Sache Deiner Freundin.

GLG

14

Hallo,

erstmal vorweg: für mich ist das keine gleichberechtigte Beziehung. Dann würden nämlich alle Bedürfnisse gesehen werde (auch die der Mutter) und Kompromisse gefunden werden. Ich nehme die Bedürfnisse meiner Kinder ernst und stelle meine nicht über ihre, aber mir sind meine Bedürfnisse auch wichtig.

Ich denke auch nicht, dass diese Art der Erziehung spuckende und unmögliche Kinder hervor bringt, aber mein Weg wäre es sicher nicht.

Einen Zusammenhang zwischen ihrem Temperament und der Erziehung sehe ich nicht. Kinder sind unterschiedlich.

Ich habe auch eine Freundin, deren Sohn auch immer alles bestimmen wollte. Aber bei ihm war es dann auch so, dass er haute (Kinder, Mutter). Und zwar sehr grob, mit Spielsachen, er gab meinem Sohn mal eine schallende Ohrfeige. Teilweise rannte er einfach auf ein Kind zu, das zum Beispiel ein Puzzle auf der Couch machte und haute es einfach. Er ärgerte unseren Hund, tat ihm weh. Von der Mutter kam nicht viel, da musste ich (oder mein Sohn mit drei Jahren!) einschreiten. Wenn wir verabredet waren und schon warteten, kamen sie dann auch mal zu spät, weil der Sohn erst noch woanders hin wollte (damals 2 Jahre alt). Oder sie ließen die Oma, die 5 Stunden mit dem Bus anreiste im Hochsommer vor verschlossener Tür warten, weil der Junge noch länger im Freibad bleiben wollte ... sowas ginge für mich überhaupt nicht! Ich stelle mich nicht über meine Kinder, aber Rücksichtnahme und Grenzen anderer Kennen zu lernen halte ich für sehr wichtig.

Wir haben viel gesprochen, weil für mich spätestens bei der Ohrfeige die Grenze erreicht war. Wir haben uns gemeinsam Ideen überlegt, ganz konstruktiv und ehrlich. Denn sie litt auch darunter, es wollten ja kaum noch Kinder / Mütter mit ihnen spielen bzw. sich treffen.

Nach dieser Ohrfeige wurde es tatsächlich besser.

Sie ist ein sehr liebevoller und herzlicher Mensch und ich dachte mir immer, dass er sich sicher auch ihr Wesen abschauen wird. Kinder lernen am meisten durch Nachahmung, aber sie brauchen auch sichere und authentische Eltern, die ihre eigenen Grenzen kennen. Jetzt ist er 3,5 Jahre alt, sie hat auch in ihrem Verhalten etwas verändert und viel Geduld mit ihm gehabt und es immer wieder auf liebevolle Art versucht und der Junge ist mittlerweile wirklich toll. Ich konnte ihn noch vor einem Dreivierteljahr nicht ausstehen. Es klingt hart, aber so war es... er war nervig, kommandierte die Mutter herum, haute ...

Er ist zur Zeit sehr höflich, wenn er etwa möchte sagt er freundliche und ganze Sätze, sagt Bitte, er spricht auch oft davon, dass er für immer der Freund meines Sohnes sein will etc. Er ist mit unserem Baby auch liebevoll, da mussten wir anfangs auch aufpassen. Also Freundschaften sind ihm wichtig und unsere Kinder spielen so schön zusammen. Mein Sohn sagt auch oft, dass er sich mit dem Jungen treffen will. Für mich hat sich die Geduld und der Austausch mit meiner Freundin wirklich gelohnt! Man konnte aber auch offen und konstruktiv mit ihr sprechen.

Das wäre auch mein Tipp an Dich, wobei es bisher nicht so klingt, als würde das Kind bei Dritten anecken. Gut möglich, dass es auch im Kontakt mit anderen Kindern lernt, dass Menschen unterschiedliche Grenzen haben.

Liebe Grüße

15

Hallo, ob es einen Zusammenhang zwischen Ängstlichkeit und Erziehungsstil gibt - keine Ahnung.

Ich kann nur sagen, ich habe charakterlich zwei total unterschiedliche Jungs, obwohl ich beide mit den gleichen Grenzen erziehe ... Der Große offen, nie gefremdelt oder stark getrotzt, immer offen zu jedem ihn ansprechenden Menschen, keine Ängste vor nix, lustiger sonniger Grundtypus. Sohn 2 fremdelt stark, hängt bei Mama am Rockzipfel, sobald ihn eine ihm unpassende Person anspricht, trotzt schon mal gerne, sagt deutlich, wenn er keine Lust hat, ist mehr der Beobachter (mag es auch nicht, wenn auf der Rutsche hinter ihm jemand drängelt, da geht er lieber wieder runter und wartet bis die Luft rein ist :-)), hat Angst vor Hunden und vor Spinnen ....

Beide sind aber absolute Mamakinder. Für den Rest - keine Ahnung, was da gelaufen ist - da haben wohl die Gene Kegeln gespielt :-)

Ich finde die Mischung macht es zwischen konsequent Grenzen setzen und die Kinder Grenzen neu diskutieren / ausloten lassen (im übertragenen Sinne). Denn nur so können Kinder auch wachsen.

Übrigens finde ich die angeführten Beispiele jetzt nicht wirklich so tragisch. Warum ihr einen Pullover kaufen, den sie nicht mag - den wird sie dann ja auch nicht tragen, da hat sie ja ihren Willen gezeigt. Meine Kinder haben in dem Alter auch schon ihre Vorstellungen gehabt.
Und den Weg wegen des Bäckers gehen, wenn Mama Zeit hat macht sie das. Wenn sie keine Zeit hätte, dann würde sie es auch nicht tun.
Und nein, ich zwinge meine Kinder weder ruhig am Tisch zu sitzen noch zum essen.

Dass das Mädchen ängstlich ist, auch bei anderen Kindern, das ist eben so. Ich kenne ängstliche und nichtängstliche Kinder ohne Zusammenhang zur Erziehung. Sie wird das lernen, wenn sie mal in den Kindergarten geht und sich dort ohne Mama in die Gruppe einfügen muss. Dort lernt sie auch Empathie und insbesondere Sozialverhalten. Und ja, es gibt Kinder, die haben einen Überschuss an Empathiefähigkeit und andere eben nicht so.
Bei meinem kleinen Schißhasen ist es übrigens so, dass er mit Mama zusammen seine Ängstlichkeit viel mehr zeigt, als wenn er allein mit Papa unterwegs ist oder im Kindergarten .... Vermutlich, weil er bei Mama einfach so sein kann wie er sich fühlt - geborgen :-)

VG
B

16

Was bei dem einen Kind super funktioniert, kann bei dem anderen Kind der totale Reinfall sein.

Meine zwei reagieren auf ganz unterschiedliche Dinge :-) Es gibt nicht DIE richtige Erziehung ....

25

Hallo, ich finde die Erziehung nicht gleichberechtigt und Antiautoritär

Der Begriff der antiautoritären Erziehung heißt nicht, Kinder ganz ohne Grenzen zu erziehen. Fehlen jegliche Grenzen, besteht die Gefahr, dass diese Kinder sehr egoistisch werden und Grenzen, auch Grenzen von anderen nicht akzeptieren wollen. Diese Kinder lernen nicht, mit negativen Emotionen umzugehen, auf andere Menschen einzugehen, sich in diese einzufühlen oder Rücksicht zu nehmen.

Merkmale der Erzieher zwingt die Kinder zu nichts der Erzieher macht Angebote und Vorschläge der Erzieher verhält sich gegenüber den Kindern freundlich und wertschätzend der Erzieher arbeitet mit klaren Regeln und Grenzen, die bekannt sind, aber die Selbstentwicklung nicht einschränken die Kinder dürfen selbst Verantwortung übernehmen und tragen Verantwortung für ihre Entscheidungen

Der Bergriff stammt aus den 20er , da hatten Kinder zutun was ihnen gesagt worde.

Heute erzeihen die meißten Elten eigendlich Antiautoritär.

Ansonsten kochen alle Eltern mit Wasser. Das Ergebnis kann auf verschiedene Arten erreicht werden.
Meine Kinder hatten immer freien Zugang zu Süßigkeiten, war niemals ein Problem.
Sie dürfen ihre Hausaufgeben machen wenn sie wollen. War bei uns kein Problem. Als Jugendlich machen sie ihre Hausaufgaben ohne Problme und sind in der Schule

sehr gut. Andere Eltern zanken sich seit der Ersten Klasse .
Dafür mußten sie Sachen die sie Angefangen hatten auch durchziehen. Also nicht nach zwei Wochen Flöten keine Lust- Neues Hobby usw..

Außerdem finde ich ängstliche Kinder nicht schlimm. Es gibt auch schüchterne Erwachsene . Jeder Mensch hat ein Recht so zu sein wie er ist.