Ich bin ratlos. Kind (11) lügt, ist vergesslich, unkonzentriert usw. Falsch erzogen? Pubertät? ADS?

Hallo,

ich muss hier nochmal nach Meinungen fragen, weil ich aus dem Verhalten meiner Tochter nicht schlau werde und familiär wie auch in der Schule momentan überhaupt nichts klappt. Mit der Lehrerin und Rektorin hatte ich ein Gespräch, wo mir gesagt wurde, ich müsste viel konsequenter und strenger mit meinem Kind umgehen und mehr strafen, weil sie bereits 3x die Schule geschwänzt hat, ohne dass wir als Eltern Bescheid wussten. Meine Tochter hat uns Eltern gegenüber behauptet, sie sei in der Schule gewesen. Da mein Mann und ich an manchen Tagen morgens berufsbedingt eher aus dem Haus gehen als unsere Tochter und sie an 1 Tag mittags auch eher daheim ist als ich, ist uns das nicht aufgefallen. Der 1. Fehltag war die Halbjahreszeugnisausgabe, der 2. Fehltag der erste Schultag nach den Ferien und der 3. Fehltag ein Tag, wo sie hätte nachsitzen müssen. Also insgesamt alles Tage, an denen irgendwas "Blödes" anstand.

Ich muss dazu sagen, dass sich meine Tochter momentan überhaupt nicht wohl fühlt in der Schule. Sie klagt über Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Unwohlsein. Wir sind noch nicht ganz dahinter gekommen an was es tatsächlich liegt. Ob sie vielleicht Schwierigkeiten hat bei den Klassenkameraden "anzukommen"? Sie ist generell zurückhaltend und nicht sehr kontaktfreudig. Sie tut sich schwer neue Kontakte zu knüpfen. Ihre Freundinnen von der Grundschule (wo sie nie geschwänzt hat und auch keine Beschwerden hatte) sind alle aufs Gymnasium gewechselt. Da meine Tochter Schwierigkeiten beim Lernen hat und Hausaufgaben auch so gut wie nie selbstständig erledigt wurden, weil sie die Aufgaben immer nicht verstand, haben wir uns für die Realschule entschieden. Der Notendurchschnitt war damals 2,5 zum Halbjahr der 4. Klasse. Also absolut im Rahmen. Die Grundschullehrerin hat das auch befürwortet, hat uns allerdings zu einer anderen Realschule geraten als die, die wir jetzt ausgesucht haben. Oder ist ihr der Unterrichtsstoff bzw. die Art und Weise des Unterrichts (ähnlich wie in einer Gemeinschaftsschule mit viel Selbstständigkeit, aber nur auf Realschulniveau) einfach zuviel? Wäre Frontalunterricht wie in der Grundschule oder vielleicht vom Niveau doch eine Stufe niedriger (Hauptschule bzw. Werkrealschule) angebracht? Meine Tochter schreibt auch nur noch schlechte Noten. Sie hat mittlerweile schon das Gefühl, dass sie nichts kann. Fächer wie Kunst oder Sport macht sie gern, da dort keine Leistung gefordert wird.

Noch ein paar Infos am Rande zu meiner Tochter: Wir haben letztes Jahr beim KJP eine ADS-Testung gemacht mit IQ-Test und Leistungsdiagnostik, weil ich wegen ihrer mangelnden Konzentration und Verhaltensweise (sie hat schon immer Dinge verweigert, die sie nicht wollte und brauchte für viele einfache Dinge Unterstützung durch mich) Bedenken hatte bezüglich dem Schulwechsel auf die weiterführende Schule. Für ADS wäre ihr Verhalten laut dem KJP anscheinend nicht typisch. Im normalen Bereich liegt es aber auch nicht. Ihr IQ liegt im unterdurchschnittlichen Bereich vergleichen mit ihrer Altersklasse. Auch die Leistungsdiagnostik deutet darauf hin, dass sie mit ihrem Wissen und Können weit hinter ihrer Altersklasse liegt. Warum sie dann auf der Grundschule in der 4. Klasse immer noch einen Durchschnitt von 2,5 hat, ist mir ein Rätsel. Jetzt in der Realschule wird sie die 5. Klasse mit großer Wahrscheinlichkeit nicht schaffen. Ihr Durchschnitt liegt jetzt zwischen 4 und 4,5. Der KJP hat uns leider zwecks Förderung nichts weiter geraten außer sie auf eine Hauptschule mit Ganztagsbetreuung zu geben, damit der Stress mit den Hausaufgaben daheim entfällt und das nicht weiter Dauerthema in ihrer Freizeit ist #augen Zwecks eventueller Förderung hat er uns nichts geraten. Da kommt man sich als Mutter vor wie "Tja, ihr Kind ist blöd und dagegen ist kein Kraut gewachsen."

Da sich meine Tochter momentan überhaupt nicht wohlfühlt, MUSS ich irgendwas an der aktuellen Situation ändern. Nach dem Gespräch mit der Lehrerin und Klassenlehrerin kam ich mir vor, als würde sich meine Tochter absolut unmöglich für ihr Alter verhalten und die Lehrer wären total überfordert. Ich soll meine Tochter härter bestrafen für solche "Schwänztage" anstatt NUR zu schimpfen und ihr zu erklären, dass ich ihr Verhalten nicht in Ordnung finde und eine Schulpflicht besteht. Ich soll ihre Hobbys streichen, wenn sie nichts für die Schule macht usw. Sie muss "spüren", dass sie Fehler macht.

Ehrlich gesagt finde ich die Reaktion der Rektorin ziemlich Druck ausübend. Was für eine Freude soll ein Kind, was sich momentan schon nicht wohl fühlt, dann überhaupt noch haben. Sie hat nur 1 Hobby und macht das liebend gern (reiten). Da gehts nicht nur um Spaß, sondern auch um das soziale Miteinander und Pferdepflege. MIR sind diese Dinge wichtig. Auch fühle ich mich in meiner Erziehung ziemlich kritisiert. Mir ist das Wohl meiner Kinder wichtig und ich lege keinen Wert auf 1000 Regeln. Es gibt Regeln, aber wenige, die dann auch eingehalten werden. Strafen gibt es bei uns selten. Bei meiner Tochter bringt das auch nicht viel. Sie sitzt Strafen locker und ohne sich darüber zu beschweren aus. Das war schon als kleines Kind so, sodass ich oft verzweifelt bin. Manchmal ist ihr auch gar nicht bewusst, dass sie Fehler gemacht hat. Da fehlt ihr irgendwie das Verständnis. Außerdem soll ich mir Hilfe vom Psychologen holen, damit ich mit meiner Tochter besser umzugehen lerne.

Ich bin absolut ratlos momentan. Meine Tochter redet nicht viel. Das ist nicht ihre Stärke. Ich muss ihr vieles "aus der Nase ziehen", wobei ich da auch nicht an alle Infos komme. In der Grundschule habe ich die Infos oft von ihrer Freundin bekommen, was in der Schule war / aufgegeben wurde / gelernt werden muss usw. Aber die ist nun halt nicht mehr bei ihr in der Klasse. Ist das Thema ADS vielleicht doch nicht so abwegig? Oder liegt alles an der mangelnden Intelligenz? Sind es vielleicht auch Pubertäts-Nebenwirkungen? Vom Körper her ist meine Tochter schon mitten in der Pubertät. Sie ist sehr weit entwickelt. Nur der Kopf hinkt irgendwie hinterher. Im Sozialen gegenüber ihren kleinen Geschwistern und mit Tieren ist meine Tochter dagegen total fit. Nur das zählt halt in der Schule nicht. Da gehts um Leistung. Ich habe auch schon überlegt sie aus der Realschule zu nehmen und auf eine Werkrealschule mit Frontalunterricht zu tun, damit ich ihr Level absenke. Mir geht es nicht um einen super Schulabschluss, sondern darum, dass sich mein Kind wohlfühlt und die Schule schafft. Egal mit welchem Abschluss. Diese Einstellung teilen nicht viele Eltern. Ist meine Einstellung daher so abwegig?

LG

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ich finde den rat mit dem psychologen sehr vernünftig.

weil: deine tochter spricht nicht mit dir. du weisst nicht, WARUM sie nicht zurechtkommt. dann eine lösung zu finden ist reine glückssache.

ja, vielleicht ist sie mit dem stoff überfordert und fühlt sich deshalb unwohl. dann wäre ein schulwechsel sicher ratsam. aber was, wenn das gar nicht das problem war?
oder wenn sie nur mehr unterstützung von euch bräuchte?

nur durch die pubertät allein wird man auch nicht zum schlechten schüler, sonst gäbe es ja keine guten.

was mir am meisten sorge machen würde wäre das schwänzen. mit 11 jahren schon 3x geschwänzt, finde ich heftig. was hat sie denn in der zeit getan?

ich wäre so erschrocken, wenn meine tochter so einen druck hat, dass sie den zeugnistag schwänzt, dass ich beim ersten mal schon alle möglichen register gezogen hätte, um etwas zu ändern.
und wieso ist nicht aufgefallen, dass sie ohne zeugnis kam? war das nicht deine erste frage, als du nach hause kamst?

und wenn sie nicht verstanden hat, dass sie einen groben fehler gemacht hat, dann ist das schon deine aufgabe als mutter, ihr das deutlich klarzumachen.

offensichtlich hat deine tochter ein ziemlich massives problem. um herauszufinden, was für eins, würde ich einen psychologen sehr ratsam finden.

es geht nicht darum, herauszufinden, ob deine tochter "verrückt" oder "blöd" wäre, sondern was sie braucht.

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Danke für deine Nachricht.

Du meinst also den Psychologen für uns Eltern? Ich meine, ich bin nicht abgeneigt dagegen, wenn ich meinem Kind irgendwie helfen kann. Ich weiß ja selber schon gar nicht mehr in welche Richtung. Bis letztes Jahr lief es ja.

Die Zeit, wo sie die Schule geschwänzt hat, hat sie allein in ihrem Zimmer verbracht und hat mit ihrem Handy gespielt oder Musik gehört. Ich dachte anfangs, dass sie ihr Zeugnis vor uns versteckt. Obwohl ich vermutlich der letzte Mensch wäre, der sie wegen schlechter Noten schimpft. Man schaut dann eher, wo man etwas mehr machen muss. Es war natürlich schon meine erste Frage, wo das Zeugnis ist, als ich heim kam. Am nächsten Tag habe ich sie dann so sehr bedrängt, dass sie mir erzählte, sie sei an dem Morgen wieder eingeschlafen, weil sie noch so müde war und ihr war es peinlich später noch zur Schule zu gehen. Obwohl ich sauer war, hab ich dann mehr oder weniger mir die Schuld in die Schuhe geschoben, weil sie an dem Tag noch nicht angezogen war als ich weg bin und sie war echt müde, weil sie seit Wochen abends nicht einschlafen kann und auch so sehr schlecht schläft.

Auf mich wirkt das Schwänzen eher wie eine Art Flucht. Es ist an Tagen, an denen etwas "Ernstes" ist: Zeugnisausgabe, nach den Schulferien (weil die Ferien so schön waren), Tag des Nachsitzens wegen nicht erledigter Schulaufgaben. Ich finde die Situation nicht schön, sondern fühle mich eher hilflos momentan.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie ich bezüglich des Schwänzens "alle möglichen Register" ziehen sollte. Rein theoretisch würde das bedeuten, ich müsste meine Tochter morgens zur Schule bringen, was mir und meinem Mann aufgrund unserer Arbeitszeiten aber nicht möglich ist.

Ihr mehr Unterstützung für die Schule zu geben, fällt mir zwischen Berufstätigkeit, Haushalt und den beiden Geschwistern sehr schwer. Mein Mann ist mir da keine Hilfe. Der kümmert sich so gut wie gar nicht um die Kinder und findet "unsere Große soll sich einfach zusammenreißen". Dabei bin ich momentan an einem Punkt, wo mir das Ganze fast zuviel wird. Verstehen tut mein Mann das nicht. Mittlerweile fühle ich mich einfach überfordert mit der ganzen Situation. Mir fehlt jeglicher Freiraum, wo ich mal ohne Kinder durchschnaufen kann. Meine Kinder suchen nur den Kontakt zu mir. Mit ihrem Papa wollen sie oft nichts zu tun haben. Weitere Unterstützung haben wir hier nicht.

Wir hatten jetzt auch schon einen Beratungstermin im SPZ in der Hoffnung, dass diese mir gezielt sagen können, wo meine Tochter Unterstützung benötigt. Auch macht sie gerade einen Kurs zum Thema Selbstvertrauen. Manchmal komme ich mir schon total blöd vor, wenn ich sie hier und da hin schleife, um irgendwelche Sachen abzuklären. Bisher war immer alles so ergebnislos.

Wenn ich sie mit ihren beiden kleineren Geschwistern vergleiche, ist sie da schon anders. Obwohl ich die Kinder gleich erziehe, tanzt sie mit Verhalten, Informationsverarbeitung, Kommunikation usw. da schon aus der Reihe.

LG

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eigentlich dachte ich beim psychologen an deine tochter, nicht an dich.

wenn du aber im moment so sehr an deinen grenzen bist, würde es dir vielleicht auch helfen, wenn du dich mal irgendwo auskotzen könntest und den einen oder anderen alltagstipp bekommst.

wenn deine tochter zu hause war, war sie ja wenigstens in sicherheit, das ist ja schon mal was.

wenn du deine tochter nicht zur schule bringen kannst, dann gibt es vielleicht andere möglichkeiten? gibt es jemanden, mit dem sie sich morgens auf dem weg treffen und gemeinsam gehen kann?

ich meinte mit "alle register" aber auch nicht unbedingt die totale überwachung, sondern mehr das nichtlockerlassen, herauszufinden, was mit ihr los ist. sie scheint ja wirklich sehr zu leiden, wenn sie bauchschmerzen hat, nciht schlafen kann, schwänzt... viel mehr hilferufe kann sie ja kaum noch aussenden.

kinder sind nun mal verschieden, und möglicherweise ist deine tochter noch spezieller als andere kinder. das heisst aber nicht unbedingt, dass du noch mehr rotieren musst, das kann unter umständen auch bedeuten, dass du noch lockerer lässt. aber wie gesagt: dazu müsste man erst mal herausfinden, was ihr gut tun würde. und dafür wär ein psychologe für sie sicher eine hilfe.

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Ich habe so etwas das Gefühl, du möchtest gerne eine Diagnose als Erklärung für ihr Verhalten.

Aber was würde dir ADS oder ähnliches helfen, nur weil das Kind dann einen Namen hätte? Handeln müsst ihr trotzdem.

Daher finde ich den Rat der Schule schon sehr eigentümlich. Gibt es keine Schulsozialarbeiter an der Schule? Das kenne ich bei uns ganz anders. Ich arbeite an einer Schule mit mehreren Sozialarbeitern, Integrationshelfern usw. usf. Die werden immer eingeschaltet bei diffusen Problemen, die nicht richtig greifbar sind und helfen auch beim weiteren Vorgehen.

An deiner Stelle würde ich tatsächlich einen Psychologen einschalten. Und zwar ganz schnell. Irgendwem muss sie sich langfristig öffnen damit ihr Hilfe zuteil werden kann. Das dauert aber leider i. d. R. ... Viel Gück

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Schulsozialarbeiter, Beratungslehrer o.ä. gibt es bei uns an der Schule nicht. Es gibt eine Psychologin, die stundenweise da ist. Da wir bisher schon beim KJP sind und nun auch noch im SPZ vorstellig waren, in der Hoffnung, dass wir da eine Info über ihr Verhalten bekommen, wollte ich für sie selber nicht noch eine Anlaufstelle haben, wo sie Gespräche hat.

LG

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Das macht aber schon einen Unterschied. Wenn ein Kind eine Störung hat muss es natürlich dennoch erzogen werden, aber es braucht auch eine entsprechende Behandlung. Ob es um Adhs, eine Teilleistungsstoerung oder wirklich um Minderbegabung geht ist nicht einfach egal.

Hier unterstellt die Schule ja schon, dass das Kind gesund, aber verzogen ist. Das muss erst einmal geklärt werden.

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Hi,

wenn dir der Schulabschluss nicht wichtig ist, warum hast du sie dann nicht, der Empfehlung des KJP folgend, zunächst auf die Hauptschule geschickt? Da ist der Druck sicherlich deutlich weniger als an der Realschule, zumal sie, wie du schreibst, eher ein schlechter Lerner ist.

Natürlich musst du ihr klar machen, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung ist und ich muss der Schulleitung schon Recht geben, sie ist ja auch schon 11 - da weiß man, was richitg und falsch ist.
Ehrlich, ich glaub, du bist so damit beschäftigt, ihr Verhalten, ihre Arbeitsweise zu diagnostizieren und alles zu hinterfragen, dass du das Kind aus den Augen verlierst. Sie wirkt überfordert und irh solltet es ihr leichter machen.

LG und alles Gute

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Hallo,

ich habe sie letztes Jahr nicht zur WRS angemeldet, weil ihre Klassenlehrerin meinte das wäre nicht nötig von den Noten her. Sie ist zwar seeeeehr langsam und braucht oft noch eine extra Erklärung, damit sie mitarbeitet. Aber ich sollte sie nicht so tief herabstufen. Der Test beim KJP wurde erst in den Sommerferien gemacht. Vorher haben wir leider keinen Termin bekommen. Da waren die Anmeldungen schon lange gelaufen und es stand fest, dass es an unserer Schule in dem Jahr auch keine WRS-Klasse mangels Interesse geben wird. Dafür könnten in der Realschulklasse beide Schulabschlüsse gemacht werden (HS + RS). Also dachte ich, das wäre ja ideal. Jetzt ist es aber so (und das habe ich jetzt erst erfahren), dass der Unterrichtsstoff die ganze Zeit über im Realschulniveau liegt und nur die Tests und Arbeiten in 2 unterschiedlichen Niveaustufen angeboten werden. Und das auch erst ab der 7. Klasse.

Mein Gefühl sagt mir, dass sie dort überfordert ist und ich lieber heute als morgen in eine niedrigere Schulform wechseln möchte. Dann ist ihr Druck etwas weniger, sie hat mittags Feierabend, wir können wieder zusammen essen und Hausaufgaben machen usw. Dieses Rhythmus fehlt uns jetzt gerade, weil sie 3x die Woche bis 15.30 Uhr in der Schule ist und die anderen Tage bis mittags, wo ich dann aber arbeiten muss bis abends bzw. am Freitag dann für das Kind auch mal Wochenende.

LG

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Hallo.

Ich rate auch zur psychologischen Betreuung. Sie wird überfordert sein und kann damit nicht umgehen. Strafen oder Druck ausüben würde ich lassen. Eher würde ich mein Kind zur Seite nehmen und fragen, was da los ist. Dass du dir Sorgen machst und wüsstest gerne, wie du ihr helfen kannst. Ohne Vorwürfe oder wenn und aber. Einfach nur zuhören und sie auch reden lassen. Vielleicht klappt es nicht gleich, aber sie wird zu dir kommen, wenn sie dann das Vertrauen zu dir hat.

Alles Gute.

LG

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Ich schließe mich an. Ich würde eher schauen, die Ursache für Ihr Unwohlsein heraus zu finden. Sie leidet darunter doch am meisten. Es ist nicht schön, jeden Tag mit Bauchschmerzen und Unwohlsein in die Schule zu müssen.

Druck und Strafen erhöhen das Unwohlsein auch. Gleichzeitig muss aber auch deutlich sein: es herrscht Schulpflicht und durch ein Wegbleiben wird das Unwohlsein nur größer.

Schade, dass ihr keine Sozialarbeiter an der Schule habt. Die wären in so einem Fall die richtigen Ansprechpartner.

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Ich denke auch, dass eine Therapie deiner Tochter und Euch helfen könnte dahinterzukommen, was mit ihr los ist. Konsequenzen sind natürlich wichtig, aber wenn Du selbst schreibst, dass Deine Tochter die einfach aussitzt, kann ich mir auch gut vorstellen, dass etwa Einschränkungen bei den Hobbies ursächlich ja nichts an ihrer Schulangst ändern.

Wir haben im Moment große Probleme mit unserem Sohn, nicht in erster Linie wegen der nachlassenden Schulleistungen, sondern weil er uns einfach nichts erzählt und Regeln nicht einhält, die einfach fundamental sind.

Nachdem der Besuch bei einer Psychotherapeutin nicht sonderlich erfolgreich war (die Chemie stimmte aber auch nicht), bekommt er jetzt einen Erziehungsbeistand (läuft über das Jugendamt), dem er sich hoffentlich mit der Zeit anvertrauen kann, daneben nehmen auch wir eine Erziehungsberatung wahr.

Vielleicht ist es wirklich so, dass eine andere Schulform Deiner Tochter besser läge, aber erst einmal müsst ihr herausfinden, was zu ihrem Verhalten beiträgt.

GLG
Anja

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Naja auf welche Schule wollte eure Tochter den gehen?
Ich denke es hat alles damit zu tun, dass ihr gegen ihren Wunsch gehandelt habt, so reflektiert das ganze nun.

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Unsere Tochter wollte auf die Schule hier am Ort. Sie trauert dennoch ihren beiden Freundinnen nach, die auf das Gymnasium gegangen sind. Nur dazu hatte meine Tochter die Noten und den Ansporn einfach nicht. In ihrer jetzigen Klasse findet sie schwer Anschluss. Das hat mittlerweile auch die Mama ihrer Freundin erzählt, die aus dem Grund aufs Gymnasium gewechselt hat, obwohl es von den Noten her grenzwertig war. Deren Tochter war früher in der Grundschule mit den Mädels in einer Klasse und ist dort auch nicht warm geworden mit den Mitschülerinnen. Meine Tochter und ihre sind sich von der Art her sehr ähnlich. Sie haben sich damals im Kindergarten auf Anhieb super verstanden.

LG

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Das klingt als bräuchtet ihr dringend professionell Hilfe.

Wir könnten nur raten - es mag sein, dass sie auf einer für sie nicht geeigneten Schule ist, es kann aber auch sein, dass sie eine Störung hat oder - auch das gibt es leider und wir kennen dich ja nicht - vernachlässigt ist.

Das findet z.B. ein Kinderpsychiater heraus. Psychologen sind in der Regel in den Praxen angestellt. Außerdem muss erst einmal festgestellt werden welche Art von Psychotherapie sie oder auch ihr als Familie braucht. Du kannst natürlich auch zu einem niedergelassenen Psychologen gehen, aber Psychologen können keine Medikamente verschreiben und somit auch nicht alle Störungen ausreichend allein behandeln und sie haben sehr verschiedene Schwerpunkte. Der Kinderpsychiater kann dir sagen welche Art von Psychotherapie sie braucht.

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Hallo,
ich teile deine Einstellung, dass der Abschluss nicht im Vordergrund stehen sollte. Für mich klingt es stark danach, dass sie mit der Gesamtsituation überfordert ist und nicht zwingend mit dem Schulstoff. Ja sie ist schon 11, aber andererseits auch wieder erst 11. Ich finde es traurig, wenn Kinder.....und das sind sie in dem Alter noch......da schon nur an der Leistung gemessen werden. Ich denke einfach, sie fühlt sich absolut nicht wohl an der neuen Schule. Dafür sprechen die Bauchschmerzen ect. Auch das sie einfach schwänzt.

Meine Tochter, 16 Jahre alt hat letztes Jahr nach der mittleren Reife auf die Fachoberschule gewechselt. Es war ihr Wunsch und sie hatte auch die besten Voraussetzungen. Doch nach ein paar Wochen hat sie sich verändert. Sie wurde stiller und hatte ständig Kopfschmerzen. Darauf angesprochen meinte sie, sie würde sich an der Schule nicht wohlfühlen. Schon alleine der Gedanke daran, bereitet ihr Kopfschmerzen. Sie könne es nicht genau erklären, aber sie fühle sich dort einfach nicht zugehörig. Sie sagt, wenn sie schon durch die Eingangstür geht, dann krampft ihr Magen. Obwohl es keine vernünftige Erklärung gibt, warum das so ist. Somit sind ihre vorher so guten Leistungen auch gesunken. Wir haben uns jetzt eine neue Schule gesucht, leider nicht so nah wie die andere, aber dort geht sie gerne hin und fühlt sich absolut wohl.
Damit wollte ich sagen, es muss nicht immer eine Störung ect vorliegen. Manchmal sind es die einfachen Dinge. Wenn du allerdings keinerlei Unterstützung von deinem Mann bekommst und dich überfordert fühlst, dann solltest du wirklich über eine Gesprächstherapie nachdenken. Oft hilft es den Kindern mehr, wenn man den Eltern hilft ;-)

LG

P.S. Ach und noch zu den geforderten Strafen, ich halte davon überhaupt nichts. Viel reden mit dem Kind, Verständnis zeigen und auch das man jederzeit ein offenes Ohr hat. Wenn es dem Kind sowieso schon schlecht geht, dann sollten wenigstens die Eltern ein Ort der Zuflucht sein.

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Liebe Schmusimaus,

ich habe Deinen Beitrag ein paar Tage auf mich wirken lassen und mich lässt das Gefühl nicht los, dass Deine Tochter einfach Zeit und Verständnis braucht.

Sie ist kein Überflieger und der Druck auf der Schule ist zu groß für sie. Wechselt die Schule, damit sie wieder mitkommt und sich wohlfühlen kann. Dann wird sie auch neue Freunde finden. Ständig ein "Versager" zu sein, muss ja frustrieren und wenn sie schon nicht mehr in die Schule geht, muss der Leidensdruck riesig sein.

Ich würde mein Kind nicht zum Psychologen schleppen (auch wenn ich jetzt gesteinigt werde) aber das gibt ihr ja noch mehr das Gefühl "nicht normal" zu sein.

Nimm Dir Zeit für sie, vielleicht auch mal ohne die Geschwister. Redet Ihr viel? Ich meine ohne den Rest der Familie, in Ruhe? Bei uns gibt es abends immer noch ein bisschen Kuschelzeit mit Mama oder Papa je nach Wunsch. Wir habe beide festgestellt, dass unsere Tochter grade in dieser Zeit ihren Tag nochmal aufarbeitet und wir dann plötzlich auch den Grund für die schlechte Laune am Nachmittag erfahren.

Ganz davon abgesehen, geht Deine Maus im Moment durch eine richtig schwere Zeit. Unsere Tochter ist auch grade alleine (weil es ihre Wunschschule war) in die 5. Klasse gewechselt. Bei ihr läuft alles super, sie schließt neue Freundschaften und die Noten sind unverändert außerdem hat sie eine tolle Klassenlehrerin. Also den perfekten Start. Trotzdem merken wir täglich, wie anstrengend das Leben im Moment für sie ist. Sie muss einen neuen Platz in der Klasse finden, muss sich auf neue Lehrer und Fächer einstellen und einlassen. Die Ansprüche an ihre Leistung haben sich verändert und die Hormone verwirren auch noch dazu. Bei uns gibt es regelmäßig Geschrei und Tränen (von ihr nicht von uns), weil sie sich nicht verstanden und manchmal überfordert fühlt.

Wie mag es dann wohl Deiner Maus gehen, die diese Rahmenbedingungen nicht hat?! Sie muss doch das Gefühl haben, ihr Leben ist ein grade eine Riesenkatastrophe, aber sie kann nichts daran ändern. Das müsst Ihr für Euer Kind tun. Ihr müsst die Rahmenbedingungen ändern und das Verständnis für sie aufbringen.

Ich habe nur ein Kind und keine Vorstellung davon, wie Ihr (Du musst Deinen Mann ins Boot holen) das mit 3 Kindern handeln könnt, aber sie braucht Euch und Euer Verständnis. Vielleicht finden Ihr ja gemeinsam eine Lösung.

Ich wünsche Euch ganz viel Erfolg, dass Ihr einen Weg findet.

Liebe Grüße
Grizzy

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Danke für deine Antwort. Ich habe zwischenzeitlich einen Platz in einer WRS gefunden. Jetzt am Wochenende werden wir die ganze Sache nochmal in Ruhe besprechen und entscheiden. Meine Tochter hat Angst vor einem Schulwechsel. Sie hat nun die negative Erfahrung auf der Realschule gesammelt, wie anstrengend eine 5. Klasse sein kann. Aber du hast natürlich recht. Sie hatte gar keine andere Wahl als mir durch das Schwänzen zu zeigen, dass sie mit der Schule nicht zurecht kommt. Wenn ich sie mit Bauchschmerzen in die Schule geschickt habe, weil ich der Ansicht war, dass sie lernen soll auch anstrengendere Zeiten zu überstehen und zu sehen, dass an der Schule nichts schlimm ist. So etwas kann man sicher mal eine Zeitlang machen. Aber eben nicht auf Dauer. Dann muss eine andere Lösung her. Wenn ich überlege, ich würde wochenlang mit Bauchschmerzen zur Arbeit gehen und keine Besserung verspüren, dann würde ich sicher auch irgendwann "schwänzen" (also krank machen). Von daher betrachtet kann ich das Verhalten meiner Tochter verstehen. Ich würde mich dann nach einer anderen Arbeit umsehen, wenn es mir nicht besser geht. Aber dieses Verständnis hat meine Tochter halt noch nicht in dem Alter. Sie geht den Weg, den wir ihr vorgeben. Also müssen wir die Entscheidung für sie treffen.

Das mit dem Psychologen überlege ich mir dennoch. Für uns (jedenfalls für mich) hat der Begriff Psychologe immer einen negativen Beigeschmack, weil wir das mit gesellschaftlich nicht generell akzeptierten Problemen, Ängsten usw. verbinden. Das tun Kinder ja noch nicht. Zu unserem bisherigen KJP geht sie gern hin. Sie fragt zwar immer nach dem Warum, aber ich erkläre ihr dann, dass der Arzt wissen möchte, ob es ihr in der Schule gefällt und wie es ihr sonst so geht. Für mich ist es die Hoffnung, dass er durch die Gespräche mit ihr an Infos kommt, wo sie Probleme hat. Er hinterfragt ja doch anders als ich. Aber bisher konnte er mir keine Dinge sagen, die ich nicht auch schon wusste. Mittlerweile hegen wir sogar schon den Verdacht, dass meine Tochter entweder die Situation durchschaut und ihm bewusst die Dinge erzählt, die sie mir auch erzählt hat oder dass sie Dinge, die eigentlich gar nicht so schön sind, uns aber als sowas verkauft, weil sie "angepasst" sein will. Das macht es natürlich umso schwerer hinter das tatsächliche Problem zu kommen.

LG