Vierjähriger haut, tritt, spuckt - Hilfe

Liebe Urbiagemeinde,

ich lese hier schon lange mit, habe mich aber eben angemeldet, weil wir mit unserem Vierjährigen derzeit nicht weiterwissen.

Er ist ein Kind, das man als eigenwillig, charakterstark, vielleicht sogar im Ansatz "autonom" (nach Jesper Juul) bezeichnen kann. Er ist recht intelligent, oft sehr verkopft, macht sich um vieles Gedanken und ist allgemein sehr sensibel. Hat z.B. auch schnell vor Dingen Angst, die er nicht verstehen oder kontrollieren kann, zuletzt war's der Osterhase ;-)

Er ist einerseits sehr lieb und empfindsam und kann der weltbeste große Bruder für seine 2 Jahre jüngere Schwester sein. Auf der anderen Seite hat er ganz oft noch null Selbstbeherrschung und lässt seiner Wut über irgendetwas freien Lauf. Es begann mit extremen Schreien, dann Hauen in die Luft in unsere Richtung, darauf folgte ein "Treffen aus Versehen", dann kam Spucken - erst auf den Boden, dann auf Personen - dazu und mittlerweile haut oder tritt er gezielt, um einen zu treffen und einem wehzutun. Es sind also nicht nur symbolische Bewegungen, sondern er haut auch schon mal fest zu, zuletzt sogar mitten ins Gesicht. Das alles lässt er hauptsächlich zuhause an uns Eltern. Im Kindergarten, bei Freunden, wenn Besuch da ist usw., benimmt er sich meistens vorbildlich.

Wir haben ihn weitestgehend bedürfnisorientiert erzogen, wie man so schön sagt. Davon bin ich auch überzeugt. Trotzdem kommen Zweifel auf, ob das alles so richtig sein kann. Ich kenne den Artikel vom "gewünschtesten Wunschkind" über Aggressionen und darüber, dass bei vielen Eltern von Kindern in diesem Alter Zweifel aufkommen, ob sie nicht doch alles falsch gemacht haben. Ich zweifele aber dennoch #gruebel Es kann doch nicht sein, dass mich mein Vierjähriger ins Gesicht haut :-(

Dazu vielleicht kurz die konkrete Situation: Noch vor dem Frühstück ging er, ohne dass ich es sah, an den Schnuckzeugschrank und holte sich Schokolade. Mit der versteckte er sich hinterm Sofa. Eigentlich kein Drama, aber es einfach so erlauben wollte ich auch nicht. Also ging ich hin und sagte ihm, dass er vor dem Frühstück keine Schokolade essen solle, sondern erst später. Er solle mir die noch verpackte Schokolade geben. Natürlich wollte er nicht, drehte sich weg, versuchte nebenher, die Schoki auszupacken und schnell zu essen. Deshalb musste ich eingreifen, nahm im das halb ausgepackte Osterei also weg und wiederholte noch mal, dass er die jetzt nicht bekäme. Ich stand dabei direkt vor ihm. Er wurde über das Wegnehmen so wütend, dass er mir direkt mit der flachen Hand ins Gesicht schlug. Eine richtige Ohrfeige also, die noch eine halbe Stunde später wehtat. Dieser Vorfall ist der Gipfel einer ganzen Serie der letzten Wochen.

Ich weiß, dass ich seine Integrität durch das Wegnehmen verletzt habe. Aber er wusste auch, dass er sich nicht einfach Schokolade nehmen durfte, hatte sich ja auch extra versteckt. Dass er über das Wegnehmen (was er bei anderen ja immer nicht darf) wütend wurde, verstehe ich absolut. Ich weiß auch, dass es fehlende Selbstkontrolle ist, dass sich diese Wut nicht gepflegt, sondern durch Rumtoben oder Hauen ausdrücken kann. Trotzdem kann ich es nicht einfach als "in dem Alter völlig normal" abtun, wenn mich mein Vierjähriger richtig schlägt.

Ich habe ihm danach noch mehrmals gesagt, dass ich sehr wütend und dass es mir noch immer wehtut. Es war ihm alles auch sichtlich unangenehm. Ich habe ihn dann gefragt, ob er das denn in Ordnung fand, mich einfach zu hauen, weil ich die Schokolade weggenommen hatte, die er gar nicht hätte holen dürfen. Er meinte, nein, das sei nicht in Ordnung gewesen (also, er sagte das nicht, sondern heulte es). Daraufhin meinte ich, dass er sich dann ja auch entschuldigen könne. Das hat er dann gemacht, hat es gesagt, hat mich in den Arm genommen und schien mir schon sehr betroffen über die ganze Geschichte. Wir haben noch mal darüber geredet, dass er nie hauen darf, auch wenn er so wütend ist, weil er die Schoki nicht haben durfte. Er weiß es, er versteht es, aber in diesen Momenten wird das alles durch den akuten Frust überlagert, der ihn dann so im Griff hat, dass er doch wieder haut.

Mittlerweile bin ich einfach überfragt. Ich behaupte mal, dass ich bei so etwas deutlich reagiere. Ich zeige ihm meine Wut darüber, dass er meine persönliche Grenze massiv überschritten hat. Ich werde laut, habe ihn auch schon angeschrien, auch wenn mir das selbst nicht gefällt. Wir sind bestimmt keine "Säusel-Eltern" mit "Och, Schatzi, das war jetzt aber nicht nett, dass du der Mama wehgetan hast"-Sätzen. Je nach Situation habe ich ihn auch schon in ein anderes Zimmer gebracht, z.B. wenn er bewusst und immer wieder seine Schwester ärgert. Dann sage ich, dass er mit diesem Verhalten nicht mitspielen/mitessen etc. darf und sich erst beruhigen muss, bis er wieder kommen kann. Wenn sich alle beruhigt haben, sprechen wir eigentlich immer noch mal über die Situation. Wir haben ihn noch nie zurückgehauen, weil ich das prinzipiell schlichtweg falsch finde. Ich möchte ihm nicht zeigen, dass man letztlich doch hauen darf, wenn man nicht mehr weiter weiß. Um ehrlich zu sein, war ich heute morgen aber kurz davor, reflexartig zurückzuohrfeigen, so sehr hat mich sein Wutausbruch getroffen.

Ich finde es richtig und bin froh, dass ich meinerseits die nötige Selbstkontrolle hatte, die ihm noch fehlt, meine Mutter sieht das mittlerweile allerdings anders. Sie hat meinen Bruder und mich nicht geschlagen und findet das grundsätzlich natürlich auch absolut falsch. Trotzdem ist sie mittlerweile so weit, dass sie meint, ich müsse meinem Sohn mal eine richtige Grenze setzen, eine die er ernstnimmt, die ihm in der nächsten Situation hilft, die Beherrschung zu behalten. Sie argumentiert auch so, dass sie es für meinen Sohn und seine Psyche schlimmer findet, wenn er von mir dann heftig ausgeschimpft wird, mich so wütend erlebt, immer wieder die Rückmeldung bekommt, dass er etwas Schlimmes gemacht hat usw. Da sei es für ihn selbst vielleicht sogar besser, ein einziges Mal direkt im Affekt zurückgehauen zu werden - nicht fest, aber eben mit "gleicher Münze" - damit er einmal diese klare Grenze erfahren hat und in der nächsten Situation anders reagieren kann.

Ich habe das lange mit ihr diskutiert. Ich will ihn auf keinen Fall schlagen, allein die Vorstellung finde ich ganz schrecklich. Ich will auch nicht ihre Meinung teilen, dass diese Handlung besser zum "Grenzenzeigen" geeignet wäre als alles, was wir sonst tun. Ich muss mich aber auch der Tatsache stellen, dass sich sein Verhalten immer weiter steigert, wie oben geschildert. Unsere bisherigen Reaktionen helfen ihm offenbar nicht dabei, seine Wut in dem Moment anders auszuleben und sich soweit zu beherrschen, dass er nicht handgreiflich wird oder spuckt.

Alternativen haben wir ihm übrigens schon oft aufgezeigt. Er darf schreien, aufs Sofa/Kissen hauen, auf den Boden stampfen usw. Er darf wütend sein. Aber natürlich darf er nicht andere angehen, sei es durch Hauen, Treten oder Spucken. Trotzdem bekommt es immer wieder eine neue Dimension, so dass die Überlegung meiner Mutter ja auch nachvollziehbar ist: Eine Reaktion von uns ist nötig, die ihm nachhaltig zeigt: So nicht! Das machst du nie wieder!

Aber würde das überhaupt helfen? Meine Mutter meint Ja, es wäre vielleicht sogar richtig, spontan in einem solchen Moment einfach einmal zurückzuhauen statt immer die Fassung zu wahren. Will ich aber nicht. Zum einen, weil ich generell nicht auf dieser Ebene agieren möchte, Schlagen ist absolut Tabu, zum anderen hätte ich viel zu viel Angst, dass ich auch mit einem einmaligen Zurückhauen im Affekt etwas kaputt mache. Trotzdem bleibt das Problem bestehen: Wie stoppen wir sein sich immer weiter steigerndes Wutverhalten?

Vielen Dank an alle, die bis hierher gelesen haben. Ihr habt hoffentlich herauslesen können, dass ich mich schon seit langem intensiv mit solchen Erziehungsfragen auseinandersetze. Ich habe z.B. auch mehrere Bücher von Jesper Juul gelesen, viel auf der "Wunschkind"-Seite und viel auch hier. Mit den üblichen Ratschlägen kommen wir nur leider einfach bei unserem Sohn nicht weiter: Er bekommt viel Beachtung, wird gleichwürdig behandelt (aber nicht gleich berechtigt), seine Bedürfnisse wurden und werden respektiert und nach Möglichkeit befriedigt (nicht unbedingt seine Wünsche!), wir sind - behaupte ich mal - authentisch, zeigen auch Emotionen, machen klare Ansagen usw. Trotzdem verhält er sich so, wie ich es mir vor drei Jahren noch nie hätte vorstellen können :-(

Ich freue mich über alle Ratschläge!
pampasgras

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Hallo,

erstmal Hochachtung dafür, dass Du Dich so umfassend mit Eurer Beziehung und Verhaltensergründung Deines Sohnes auseinandersetzt und Dein Handeln reflektierst. An so einem Punkt wie Du war ich tatsächlich auch mal - mein Sohn war damals 4,5 Jahre alt (jetzt ist er 10).

Allerdings ist mir dabei wirklich mal reflexartig die Hand ausgerutscht und in der Situation habe ich mich an eine Erziehungsberatung gewendet - ich wollte das für mich einfach nicht mehr. Dort war einfach jemand, der mir wertfrei zuhörte und Situationen nochmal von anderen Perspektiven beleuchtete. Das hat mir im Umgang mit meinem Großen sehr geholfen.
Viel hat es bei uns gar nicht gebraucht, um die Beziehung und den Umgang miteinander zu verändern bzw. den STress etwas rauszunehmen.

Wir haben vereinbart - "Wir hauen uns nicht." Immer, wenn er wütend war, gab es diesen Satz...komischerweise bremste ihn das. Aggressionsableiter nutzt ihr ja bereits - ist nur wichtig, dass auch immer irgendwas dafür zur Verfügung steht.
Mittlerweile hat mein Sohn besser gelernt, sich zu artikulieren, wenn er sich ärgert - das konnte er mit 4 einfach noch schlecht benennen und drückte sich daher häufiger körperlich aus. Er ist immer noch sehr impulsiv - aber nicht mehr gegen uns. Eher knallt er die Türen oder boxt Kissen oder Bäume im Garten...

Wer spuckt (das hat meiner nie gemacht), müsste bei mir aufwischen - und auf sicherer Entfernung bleiben, ansonsten würde ich auch selbst den Raum verlassen.

Und was die Schokolade angeht - das mache ich noch heute mit meinem 7jährigen ähnlich. Die Schokolade kommt weg und wir besprechen, wann er sie stattdessen essen darf. Findet er nicht toll aber akzeptiert es.
Vielleicht wäre für Euch auch ein Wochenkontingent an Schokolade o.K...die darf er dann (ähnlich wie Taschengeld) selbst einteilen - sie aber auch essen, wann er will...(die Frage ist hier, ob Du das aushalten und mitgehen kannst...irgendwann ist die Schokolade ja dann alle...). Dann müsste aber auch sonstige Schokolade für ihn unzugänglich sein.

Was für Ideen hat er denn selbst, was ihm in Wutsituationen helfen würde? Habt ihr darüber schon mal mit ihm gesprochen?
Schaut doch mal, welche Situationen es überhaupt sind, die bei euch Stress verursachen und überprüft, ob man etwas daran anders machen kann...

LG

a79

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Lieben Dank für deine Antwort!

Ich fange mal hinten an: Die Situationen sind sehr unterschiedlich. Das Prinzip dahinter ist, dass etwas nicht nach seinem Willen geht. Er flippt nicht jedesmal aus, aber wenn, dann weil er sich fremdbestimmt, übergangen, ungerecht behandelt etc. fühlt. Das ist mal Schnucke, die er nicht bekommt, mal dass seine Schwester mit etwas spielt, das er aber haben möchte. Also ganz unterschiedlich. Wir haben auch Situationen, in denen er es völlig problemlos akzeptiert, dass ich bei Schokolade "nein, aber nach dem Essen darfst du" sage. Dann ist er bilderbuchmäßig vernünftig und sagt "Ok, ich lege sie mir nur schon mal neben Teller" oder sowas und rührt sie auch wirklich nicht an. Es gibt auch Tage, an denen Schnucke überhaupt keine Rolle spielt, deshalb lasse ich sowas wie das Kontingent erst mal weg. Es ist nicht die Schokolade an sich, die immer wieder Problemsituationen schafft.

Das Aufwischen nach dem Spucken haben wir hier auch. Das macht er dann schimpfend auch, aber er findet es nicht so schlimm, dass er danach geheilt wäre.

Was ich sehr gut als Anregung finde und unbedingt beachten möchte, ist, dass man als Erwachsene früher als das Kind versucht zu merken, wann es wieder soweit ist. Und dass ich deinen Satz "Wir hauen uns nicht" oder alternativ sowas wie "Ich weiß, dass du jetzt wütend wirst, aber schrei lieber ins Kissen statt mich zu hauen" dann rechtzeitig sage. Vielleicht kann ich die Überreaktion ausbremsen, bevor er seinen Frust so rauslässt.

Danke und lieben Gruß
pampasgras

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Hallo,

Du hast ja schon eine sehr gute Antwort bekommen.

Mein Großer ist auch 4,5 Jahre alt. Wir hatten bis 2,5 Jahre immer mal wieder Wutanfälle (aber in normalem Rahmen), bei denen er mit Gegenständen geworfen oder gehauen hat (bzw. versucht hat uns zu hauen). Das richtete sich auch nur gegen uns.

Jetzt war 1,5 Jahre lang Ruhe und ich dachte nicht, dass da nochmal was kommt. Aber wir hatten vor ein paar Wochen auch wieder etwa 1-2 Mal die Woche Situationen, in denen er so wütend wurde, dass er sich gar nicht mehr beherrschen konnte. Er hat uns dann auch gehauen. Und es waren immer Situationen, in denen wir ihm etwas weggenommen haben. Zum Beispiel als er das Ziehtier seines kleinen Bruders neben dem Fernseher in der Luft schleuderte. Bisher hat er immer verstanden, warum er das nicht darf (Fernseher kann kaputt gehen, jemand könnte sich weh tun). Aber das war ihm völlig egal. Er wollte das JETZT und SOFORT so machen.

Und genau wie bei Euch, tat es ihm im Nachhinein immer sehr leid. Es war ihm unangenehm, er hat sich von alleine entschuldigt und gesagt, dass er mich nicht hauen wollte und viel Nähe gesucht.

Für mich klingt aber alles, was Du beschreibst sehr reflektiert, vernünftig und richtig. Er hat ja auch ein Unrechtsbewusstsein und versteht nach seinen Impulsen, dass es falsch war.

Ich denke, es ist für ihn genauso anstrengend wie für Euch und er würde sich sicher wünschen, solche Situationen anders lösen zu können. Deshalb fände ich die Idee mit der Erziehungsberatung ganz gut. Ich hab' auch die Erfahrung gemacht: sobald ich mich austausche / reflektiere, bessert sich hier automatisch etwas. Weil meine Haltung / Kommunikation sich ändert.

Was bei uns geholfen hat: wir haben ihm ein Türschild gebastelt. Auf der einen Seite ein freundliches / grünes Gesicht, auf der anderen ein wütendes / rotes Gesicht. Einen Tag später hatte er einen Wutanfall und er hat es da geschafft, nicht vor mir zu wüten, sondern in sein Zimmer zu gehen, Schild auf rot zu stellen und dort Dampf abzulassen. Ich hab mich wirklich gefreut und ihn danach sehr gelobt.

Zu den Ventilen: das habe ich auch lange versucht, er hat es in der Situation nicht angenommen. Zum ersten Mal geklappt hat es dann, als er nur leicht wütend - also noch zugänglich war. Ich hatte einen Stressball genommen und einfach selbst gegen die Wand geworfen und kommentiert, was ich gerade total blöd finde. Er hat erstmal zugeschaut, sich dann getraut zu werfen ohne etwas dabei zu sagen ... und nach ner Weile fing er dann an zu sagen, was ihn stört. "Immer muss ich im Kindergarten als letzter anstehen!" ;-)

Bleibt dran, übt Ventile in zugänglichen Momenten (evtl. auch einen Boxsack anschaffen?), seid nicht nachtragend aber zeigt ganz klar (ruhig auch durch Wut und schimpfen) in dem Moment auf, dass ihr wütend seid und Euch nicht hauen lasst!

Zurückschlagen ist für mich überhaupt keine Lösung. Selbst wenn er Euch dann nicht mehr haut, tut er dies eher aus Angst, anstatt aus Impulskontrolle.

Bei uns war der Spuk jetzt nach etwa 4 Wochen (erstmal) wieder vorbei.

Wir besprechen dann solche Situationen immer auch nach.

Alles Gute!!

9

Auch dir vielen Dank! Es tut ganz gut zu hören, dass auch andere Kinder in diesem Alter noch mal so heftig reagieren. Ich hatte das oben nicht so klargemacht, aber in der Tat war es bei uns auch besser. Es gab nicht nur die Steigerung Schreien, in die Luft hauen, gezielt hauen usw., sondern dazwischen war es phasenweise wirklich viel besser. Dass er so bewusst haut, also einen auch bewusst trifft, und zwar spürbar, das ist relativ neu.

Das Türschild ist eine gute Idee. Das gäbe zumindest einen Anreiz, selbst zum Wüten auf sein Zimmer zu gehen. Wir schicken ihn in letzter Zeit ziemlich oft dorthin (wobei schicken nicht passt, es ist eher schleifen bzw. ein tobendes Bündel schleppen #augen), und das passt ihm natürlich gar nicht. Er heult dann "Ich will aber nicht alleine sein", worauf wir sagen "Und wir wollen nicht gehauen/getreten/bespuckt werden, wenn du wieder ruhig bist, kannst du wiederkommen".

Danke auch für den Tipp, die Ventile in ruhigen Situationen zu üben. Man freut sich ja immer über friedliche Zeiten und verdrängt dann gerne die Gedanken an den nächsten Ausbruch...

Lieben Gruß
pampasgras

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Vor dem Türschild ist er NIE zum Wüten in sein Zimmer gegangen. Ins Zimmer tragen bringt nichts, dann kommt er wieder raus und zwingen würde ich ihn nicht. Jetzt macht er wirklich immer, wenn er wütend ist sein Schild auf rot und ich darf auch nicht rein. Er beruhigt sich so viel schneller, als wenn ich sauer oder schimpfend neben ihm stehe und wir uns gegenseitig aufschaukeln.

Ich denke, die Ventile muss man in zugänglichen Momenten üben. Denn wenn sie so wütend sind, haben sie sich nicht unter Kontrolle.

Wenn er mich gehauen hat, dann war ich auch in meiner Reaktion stinksauer. Das habe ich ihm auch so gezeigt und gesagt. Aber ich finde es ganz wichtig, im Nachhinein NICHT nachtragend zu sein oder darüber hinaus zu bestrafen. Wenn ich in dem Moment dann keine Lust habe, was für ihn zu machen, dann sag' ich das auch so. Nach dem Versöhnen oder wenn er sich entschuldigt hat, fände ich es aber blöd, ihm dann noch Strafen (Fernsehverbot, keine Süßigkeiten) auszusprechen. Dem Kind tut das Streiten und Wüten schon genug weh, da muss ich keinen künstlichen "Schmerz" verursachen.

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du hast ja schon gute Tips bekommen, habe aber nicht alle Antworten gelesen.

Was mir noch auffiel ist folgendes: Vielleicht kam es für ihn zu überraschend, dass du die Schokolade weggenommen hast. also klar hätte er es sich denken müssen aber wie weit ein 4 jähriges Kind da denkst weiß ich nicht (meins ist erst 2 Jahre).
Vielleicht hilft es wenn du ihn nochmal ermahnst, dass wenn er die Schoki nicht freiwillig hergibt, du sie ihm dann nehmen wirst. So weiß er was als nächstes passiert und kann mit der situation vielleicht besser umgehen.

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Danke für den Hinweis. In der Regel mache ich das auch. Wahrscheinlich habe ich sowas in der Art auch heute morgen gesagt, das weiß ich nicht mehr. Meistens sage ich "Du darfst die SChokolade erst nachher haben, gib sie mir jetzt" und dann "Wenn du sie mir nicht selbst gibst, nehme ich sie dir weg" und handle dann. Wütend wird er aber trotzdem...

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Diese Heimlichkeiten kenne ich aber auch. Mein Sohn versucht grad auch hin und wieder etwas heimlich zu machen. Kekse in der Spielzeugkiste bunkern, ein Spielzeug in den Kindergarten schmuggeln ... Nur stellt er sich dabei immer so an, dass es sofort auffällt. :-D

Das ist sicher auch ein Ausprobieren, was Mama merkt.

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Hallo,

ich glaube, Du machst Dir zu viele Gedanken über die Theorie hinter der Erziehung von Kindern, anstatt aus dem Bauch zu reagieren.

Wenn mein Sohn mir in dieser Situation eine Ohrfeige verpaßt hätte, hätte ich das Ei in die Mülltonne geworfen und für die nächsten Tage hätte es keine Süßigkeiten mehr für ihn gegeben. Die hätte ich auch so untergebracht, dass er nicht mehr dran gekommen wäre. Außerdem hätte ich ihn in sein Zimmer geschleift, und er wäre ohne Frühstück in den Kindergarten gegangen.
Irgendwann ist mal Schluß mit lustig, und das müssen die Kinder auch merken.

Als Erwachsener zu schlagen ist keine Lösung, aber Du wirst das Problem nicht mit Schimpfen und später an seine Vernunft appelieren in den Griff bekommen. Er muss eine Konsequenz erfahren, die ihm, im übertragenen Sinne, weh tut.
Es geht jetzt erstmal darum, dass er kapiert, dass er seine Wut auf keinen Fall an Leuten auszulassen hat. Dass es Alternativen gibt, weiß er ja schon.

Grundsätzlich ist es nicht annormal, dass ein 4-jähriger austestet, was passiert, wenn er schlägt, aber bei Euch artet das ja ziemlich aus.

Ich würde schon bei Drohgebärden reagieren und ihm gleich streng sagen, dass er das sofort zu unterlassen hat. Wenn das nicht hilft, würde ich ihn in sein Zimmer bringen und das, was er mit seinem Verhalten erreichen wollte, gäbe es natürlich erst recht nicht.
Wenn er schon so weit ist, dass er haut oder tritt, würde ich ihn festhalten und ihn richtig böse anranzen. Dann merkt er schonmal, dass er körperlich eigentlich nicht gegen einen Erwachsenen ankommt.
Als Konsequenz gibt es dann morgen auch keine Süßigkeiten oder kein Fernsehen (wenn es darum ging) oder was auch immer der Anlaß war.
Da kann man auch mal nachfragen, ob das Kind jetzt wirklich hauen will und dafür die Lieblingsendung morgen ebenfalls ausfällt, oder ob es sich nicht doch lieber beherrschen möchte...

LG

Heike

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Warum soll das Kind dann ohne Frühstück in den Kindergarten, weil es dabei war, vorher Schokolade zu essen? Das Schokoei hättest Du doch ohnehin schon weggeworfen, was ihm sowieso dann schon "weh tut" und die nächsten Tage, empfiehlst Du, soll er ja auch dann keinen Süßkram bekommen - aber was hat das Frühstück damit zu tun?...verstehe ich nicht.

Und wie sieht bei Dir "richtig böse anranzen" aus?
Ich habe damals meinem Sohn die Hand festgehalten und "Wir hauen uns nicht" gesagt, wenn er mich schlagen wollte. Dann habe ich ihn gefragt, ob ich ihn wieder loslassen kann und er jetzt nicht mehr schlägt. Erst, wenn er das zusichern konnte, habe ich ihn losgelassen. Wäre jetzt eher nicht "anranzen" - oder verstehst Du was anderes darunter?

LG

a79

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Danke dir. Man kann ja immer nicht alle Details schildern, aber ich glaube, dass ich mehr in der von dir geschilderten Art reagiere als vielleicht in meinem Text rübergekommen ist. Ich "erlaube" mir meistens auch eine ziemlich authentische Reaktion mit der Juulschen Legitimation, dass Authentizität wichtig ist ;-) Mein Sohn darf schon merken, wie wütend er mich macht mit solchen Aktionen. Noch mehr aus dem Bauch heraus hätte heute morgen allerdings bedeutet, ihm selbst eine Ohrfeige zu verpassen. Das ist ja der Punkt, an dem meine Mutter meint, dass er eine solche Reaktion vielleicht einfach mal braucht. Ich denke aber, dass es auf jeden Fall andere Lösungen geben muss.

Konsequenzen, die ihm "weh" tun, gibt es hier auch. Die gesamte Schnucke habe ich heute morgen direkt nach dem Vorfall und vor seinen Augen aus dem Schrank geräumt und weggebracht. Ohne Frühstück in den Kindergarten war kurz eine Überlegung, aber er hatte wirklich Hunger, die essen dort erst um halb zehn und es war gerade halb acht. Allerdings musste er alles selbst machen und auch beim Anziehen gab es keine Hilfe. Kurz vor dem Losgehen, nachdem er mich heulend gefragt hatte, ob er heute im Kindergarten keinen Abschiedskuss bekommen würde, kam dann die Entschuldigung. Ich hatte geantwortet, dass ich immer noch sehr wütend sei und deshalb absolut keine Lust auf einen Kuss hätte :-(

Weitere Beispiele für Konsequenzen: Seit er vor drei Tagen zweimal mit Absicht sein Glas ausgekippt hat (weil er irgendwas nicht haben durfte), darf er nicht mehr aus Gläsern und keinen Saft mehr trinken. Becher gehen nämlich nicht kaputt und Wasser ist nicht so schlimm auf dem Holztisch wie Saft :-p Das hat er gestern dann sogar der Oma erklärt, als sie ihm eine Schorle mischen wollte...

Fernsehsendungen zum Streichen gibt es nicht, weil er quasi nie fernschaut. Taucht in unserem Tagesablauf einfach nicht auf. Aber er muss zur Zeit relativ oft auf sein Zimmer, was ihm auch wirklich zusetzt ("Ich will nicht alleine sein"). Es sind immer nur wenige Minuten und wir schließen auch nicht ab, aber schlimm ist es trotzdem.

Auch meine direkte Reaktion ist meist schon so, wie du es schreibst: Ihn festhalten (das tut bestimmt allein schon manchmal weh, denn er wehrt sich ja), wenn nötig in sein Zimmer tragen, wenn er z.B. seine Schwester nicht in Ruhe lässt ihn wegnehmen/wegsetzen usw. Ich ranze ihn dann auch richtig an. So sehr, dass ich danach schon oft genug erklären musste, warum ich geschrien habe, dass das zwar nicht schön ist, dass ich aber einfach so furchtbar wütend über sein Verhalten gewesen bin. Wie gesagt, wir palavern hier eigentlich nicht ständig rum, aber es hilft immer nur kurzfristig. Die nächste Situation kommt bestimmt...

Was sicher richtig ist und was wir noch stärker beachten müssten, ist, dass wir schon bei Ansätzen reagieren. Teilweise bin ich dann eher froh, dass er vor Wut "nur" in die Luft haut, ich versuche es also positiv zu sehen. Vielleicht wäre es aber besser, schon jede kleinste Regung in diese Richtung überdeutlich zu quittieren.

Danke und lG
pampasgras

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Hallo,
vielleicht solltest du mit dem Kinderarzt reden und bekommst ein Rezept zur Ergotherapie.
Aus persönlicher Erfahrung kenne ich dieses Verhalten nicht, finde es aber sehr erschreckend und würde mir an deiner Stelle noch externe Hilfe dazuholen.

Alles Gute

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Danke. Ich versuche gerade auszuloten, ob es noch normal (im Sinne von stark ausgeprägt, aber noch im Rahmen) ist oder behandlungsbedürftig. Da er im Kindergarten und 98% des Tages zuhause lieb und pflegeleicht ist, ist es schwer sich darüber mit anderen (Erzieherinnen, Müttern von Freunden etc.) auszutauschen.

VG
pampasgras

6

Mein Sohn wird morgen fünf und ähnliche Verhaltensweisen habe ich auch bei ihm erlebt, als er vier Jahre alt wurde.
Ich muss ganz ehrlich sagen, ich rede weniger und handle schneller.
Klare Ansagen bringer mehr, als ellenlange Monologe.
Er testet dich aus. Was richtig und wichtig ist, da er sich in der Autonomiephase befindet, aber du solltest ihm klare Grenzen setzen.

Mein Sohn darf Dinge mitentscheiden, aber derartige Verhaltensweisen unterbinde ich sofort und wenn er in sein Zimmer " fliegt!"

13

In solchen Situationen wie heute morgen habe ich auch nicht viel geredet. Ich habe ihn angeranzt, und zwar heftig, habe die Schokolade weggenommen, sämtliche Schnucke aus dem besagten Schrank entfernt und ihn den Rest alleine machen lassen (frühstücken, anziehen). Ins Zimmer "fliegt" er in letzter Zeit auch öfter. Es ist nicht so, dass ich nicht handle, sondern dass ich das Gefühl habe, dass meine Handlungen nicht ausreichen. Die nächste Stufe wäre aber Zurückhauen und das möchte ich nicht. Ich suche nach Strategien, wie ich reagieren kann, ohne diese Schwelle zu Handgreiflichkeiten (mal abgesehen von Festhalten, ins Zimmer tragen u.ä.) zu überschreiten.

Insofern: Ja, ich unterbinde dieses Verhalten auch, und ja, er fliegt auch oft genug in sein Zimmer. Er macht es trotzdem immer wieder, teils noch am selben Tag...

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Hallo!

Ich finde deinen Erziehungsstil und deine Gedanken dazu gut und richtig.

Nur in dem einen Punkt muß ich dir widersprechen.
Schlagen ist tabu. Das gilt mMn für Erwachsene und größere Kinder.
Ein Vierjähriger, erstrecht ein Autonomer, hat manchmal noch nicht soviel Selbstbeherrschung, NICHT zu schlagen. Natürlich solltest du es nicht dulden und ihm zur Not die Arme festhalten und deutlich NEIN sagen.
Aber wenn er es doch nochmal macht, dass er in Frust-Situationen schlägt, versuche darauf vorbereitet zu sein, wehr die Schläge notfalls ab, aber miß dem nicht eine zu große Bedeutung bei.
Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Ich wäre über so eine Ohrfeige auch richtig sauer und traurig gewesen.

Aber er weiß es ja jetzt, trotzdem werden ähnliche Situationen vielleicht nochmal vorkommen. Dann solltest du evtl. mit so einer Ohrfeige rechnen und ihn davon abhalten, indem du Distanz hältst oder seine Hände festhälst. Der Impuls verschwindet ja oft schnell wieder.

Ich habe hier einen Fünfjährigen, der auch tendenziell autonom ist. Und mittlerweile klappt es echt gut. Er hat übrigens immer "nur" uns Eltern oder seinen kleinen Bruder gehauen. Im Kindergarten war das nie ein Thema.

Deswegen würde ich das Hauen eines Vierjährigen nicht so sehr moralisch bewerten. Natürlich ist es schöner, wenn er bei Wut ins Kissen boxt. Aber er ist eben auch erst vier und braucht noch ein bißchen Zeit das zu lernen.

Ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft!

Vanessa

22

#pro

23

Vielen Dank für deine Antwort! Vielleicht habe ich dich nicht komplett richtig verstanden, aber du musst mir nicht widersprechen. Ich schrieb ja mehrfach, dass Schlagen für mich ebenfalls ein Tabu ist. Dieser Gedanke kam von meiner Mutter und sollte verdeutlichen, was hier schon diskutiert wurde. Ich suche ja gerade nach Alternativen, weil ich der Meinung bin, dass man komplett ohne Schlagen auskommen kann und muss, das schließt Zurückhauen im Reflex mit ein, soweit man es denn steuern kann.

Ich sehe meinen Sohn insgesamt auch nicht als “Problemkind“, weil er abgesehen von den Wutausbrüchen wirklich ein lieber, aufgeweckter und sensibler Junge ist, der sich für vieles verantwortlich fühlt und sich um alles mögliche Gedanken macht. Ich bin froh zu lesen, dass auch andere Kinder in dem Alter diese Schwierigkeiten hatten ;-)

LG
Pampasgras

24

Hallöchen,
zu der Frage mit dem Zurückhauen muss ich dir leider sagen, der Zug ist abgefahren. Du hast jetzt intensiv drüber nachgedacht, da gibt es kein spontan im Affekt aus Versehen mal Zurückhauen mehr. Da brauchst du also nicht mehr drüber nachgrübeln ;-) Und geplant erzieherisch Hauen willst du nicht, hast du schon geschrieben, find ich natürlich gut.
Übrigens find ich echt stark, dass es deinem Sohn danach leidtat und er das zugab UND sich entschuldigte.(Falls es nicht nur war, weil du so schlimm geschimpft hast, falls er das ehrlich empfunden hat) Darein würde ich interpretieren, das schonmal ziemlich viel gut gelaufen ist bei euch. Er macht es also nicht mit Absicht, sondern weil er die Kontrolle verliert. Dass das so passiert, ist natürlich schlimm, die Überlegung ist also, wie euch UND ihn davor schützen? Was meint er dazu, ihr scheint ja gut miteinander reden zu können? Wahrscheinlich empfindet er die Machtlosigkeit dir gegenüber als ganz schrecklich? Mich hat mal im Spaß ein guter Freund festgehalten, ich hatte keine Chance gg. ihn, das hat sich soo schrecklich angefühlt und ich war richtig sauer. Vielleicht fühlt sich das Kind so, wenn es die Schokolade hergeben muss nur weil ein anderer es will? Es weiß ja, es gibt kein naturgegebenes Gesetz, dass man vor dem Frühstück keine Schoki ißt. Du schreibst, er sei sensibel und ist so der autonome Typ? Vielleicht gibt es gerade mehrere Situationen, in denen er sich ausgeliefert fühlt oder vielleicht hat er das auch in letzter Zeit erst so richtig durchschaut und eckt daran immer wieder an, ich meine, dass er machen muss, was die Erw. wollen, v.a. WEIL sie körperlich und überhaupt stärker sind? Und sein Schlagen usw. sind Ausdruck seiner Verzweiflung. Dann könnte es sogar kontraproduktiv sein, ihn in solch einem Fall zu zwingen, euren Willen zu erfüllen. Viell. lieber mal Schoki vor dem Frühstück als dieses Gefühl seinerseits und den Ausraster. Ich meine, ihm sagen, dass und warum du das nicht möchtest, bitten, es dir zu geben, dabei bleiben, und wenn er es nicht macht, sagen, dass du es ihm nicht wegreissen willst. Aus. Er weiß dann, welches Verhalten du dir wünschst, merkt aber auch, das du seine Würde nicht verletzt, nur um dich durchzusetzen.
Jesper Juul sagt doch, dass man diese autonomen Kinder oft wir Ältere behandeln muss, wenn man sie nicht verletzen will. Und meinem Freund könnte ich die Schokolade auch nicht wegnehmen. Leider kann ich da auch so manches nicht erzwingen und muss es schaffen, mich damit zu arrangieren :-)
Habe bei Juul auch mal gelesen, wenn man eine Situation in die Hand nimmt, ist man dafür verantwortlich, dass sie okay abläuft, und wenn man das nicht gut hinkriegt, Finger weg (bis man ne bessere Idee hat?). Und das, was bei euch mit Streit und Schlagen endet, hat zumindest schonmal nicht gut geklappt.

Und man, hier lernt man immer wieder weiter, wenn ich so überlege, was ich zu Hause mal wieder ändern muss...Oft ist nämlich einfach durchsetzen, was ich will, ohne an die Gefühle meiner Kinder zu denken, einfacher, und oft wehren sie sich eben nicht so deutlich, wenn ihre Würde verletzt wird.

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Danke für deine Antwort!

Du hast Recht, er verliert die Kontrolle, weiß in dem Moment nicht wohin mit seiner Wut, findet es aber im Nachhinein selbst nicht gut.

Ihm die Schokolade zu lassen, fände ich in dem Moment nicht richtig. Er wusste genau, dass er sie nicht hätte nehmen dürfen, es war also nicht einfach Naivität von ihm oder so. Er testet schon viel aus, was so durchkommt und was nicht. Z.B. wenn er nicht mit einem Gegenstand auf etwas klopfen soll (Gabel auf Holztisch oder so), dann hört er nach deutlichem Ermahnen zwar auf, das stark zu machen, klopft aber immer weiter, beobachtet uns dabei und prüft, ob wir wirklich darauf bestehen, dass er aufhört oder ein bisschen Geklopfe dulden. Bei der Schokolade war es ja sogar so, dass er sie schnell reinzuschieben versuchte, als ich kam und sagte, dass er die jetzt nicht essen dürfe.

Wir behandeln ihn in vielen Dingen schon als viel älteres Kind, als er wirklich ist, weil er schlichtweg auch schon eine Menge versteht. Das ändert aber nichts daran, dass er - ganz vierjährig - austestet, wie weit er gehen kann, wegen Kleinigkeiten in die Luft gehen kann usw.

Dass man für die Situation verantwortlich ist (ist man das als Eltern nicht immer?), stimmt, aber Juul schreibt irgendwo auch, dass es nicht so laufen sollte, dass man als Eltern etwas durchgehen lässt, was man eigentlich verhindern wollte, nur weil man "Angst" vor der wütenden Reaktion des Kindes hat. Und ich kann schlecht sagen "Ok, wenn ich ihm die Schoki jetzt wegnehme, gibt es Gebrüll und Gehaue, die Situation geht also schief, deshalb sage ich jetzt nichts, weil ich auch keine bessere Idee habe..." Und das würde ja nicht nur für ein morgendliches Osterei gelten, sondern auch für viele andere Situationen (die Schwester ärgern, den Becher nach und nach auskippen, mit der Gabel Kratzer in den Tisch machen etc. Da kann ich ja schlecht auf Eingreifen/Wegnehmen verzichten, weil ich befürchte, dass er dann so wütend wird, dass er haut #gruebel

Aber es gibt von heute auch erste Erfolgserlebnisse :-) Das Schild findet er so toll, dass es mit ins Wohnzimmer und später auf die Terrasse musste, damit er es jederzeit umdrehen hätte umdrehen können ;-) Und als er der Schwester etwas wegnahm und sie brüllte, sagte ich ihm, dass er es ihr sofort zurückgeben müsse, sonst müsse ich es ihm wegnehmen und dann würde er wieder schrecklich wütend werden und mich womöglich hauen, was er doch nicht mehr machen wollte. Und dass er jetzt die Chance habe, diesen Wutausbruch zu vermeiden. Ich konnte es kaum glauben, aber er überwand sich und gab ihr das Teil zurück :-D Ich habe ihn dafür richtig deutlich gelobt und festgestellt, dass er gerade zum ersten Mal einen Wurausbruch selbst abwenden konnte. Obwohl er ja eigentlich wegen des Spielzeugs sauer war, fing er an zu strahlen und war total stolz ;-)

Nachmittags gab es noch eine stressige Situation, als vier Jungs auf der Straße spielten. Da gab es irgendwann gegenseitiges Ärgern und etwas Streit. Abends haben wir dann darüber gesprochen, was er machen kann, wenn sie nächstes Mal alle zusammen sind und ihn jemand ärgert. Sein erster Vorschlag: Dann laufe ich nach Hause und hole mein Schild, damit das Kind, das wütend ist, das dann umdrehen kann #rofl

LG
pampasgras

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Freut mich so sehr!!! Man sieht mal wieder, dass Einfühlungsvermögen und Verständnis gepaart mit Grenzen aufzeigen viel mehr hilft als Strafen und Anranzen. ;-)

Und wichtig: du hast ihn VOR der riesigen Wut gepackt und erinnert.

Und ihr habt in ruhigen Momenten an einer Lösung gearbeitet, die er umsetzen konnte. Das Erfolgserlebnis wird ihn sicher motivieren, denn es ist auch für ihn viel schöner abgelaufen als sonst.

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