Er hört einfach nicht!

    • (1) 01.10.16 - 21:39
      Inaktiv

      Hi zusammen,

      Mein Sohn ist kürzlich 4 geworden und hat leider von Benehmen her eine 180°-Kehre gemacht:
      Er hört nicht mehr, wenn wir ihn auffordern, etwas zu tun. Dabei geht es um die banalsten Dinge , wie sich zu uns an den Tisch zu einer Mahlzeit zu setzen. Wir fordern ihn bestimmt 6 oder 7 Mal auf, sich bitte zu setzen, aber er muss dann "unbedingt vorher noch ein Buch angucken, ein Bild malen, den Socken anziehen" oder was auch immer. Es endet fast immer darin, dass wir ihn eine Konsequenz androhen müssen, damit er folgt ("ich lese keine Geschichte zum Einschlafen", "ich räume Dein Playmobil weg", etc etc). Wir haben diese Konsequenzen auch schon mehrfach durchgezogen, wenn es trotzdem nicht funktioniert hat, damit er merkt, dass das nicht nur leeres Gequatsche ist.

      Es gibt so viele Situationen, in denen er früher selbstverständlich mitgemacht hat und jetzt auf einmal nicht mehr, nur nach vielfachem Auffordern und im schlimmsten Fall unter Androhung von Konsequenzen. #aerger

      Es gab keine Veränderung bei uns. Keinen Familienzuwachs, keinen Umzug. Er geht seit über einem Jahr in den gleichen KiGa und fühlt sich da sehr wohl. Ich möchte nur verstehen, was da gerade in seinem Köpfchen vor sich geht und wie wir dem Verhalten einfach mal sinnvoll und vor allem effizient Einhalt Gebieten können.

      Hat jemand brauchbare Ideen?

      • Was hat denn die Geschichte mit dem Essen zu tun? Rechtzeitig rufen, angemesse Zeit geben, etwas vorher noch fertig zu machen und dann würde ich eben ohne ihn anfangen, dann muss er eben kalt essen, nicht nicht.

        Das sind keine Konsequenzen, die ihr androht, sondern Strafen, denn es ist willkürlich und soll ihm schaden. Konsequenz ist eine kalte Suppe, oder das Mama dann nicht mehr am Tisch sitzen kann, sondern den Topf spülen muss.

        lg

        Ihr müsst aufpassen, dass ihr ihn durch übertriebene Strafen oder anderweitige Stigmatisierung nicht in eine Rolle drängt, aus der er alleine nicht mehr herauskommt. ("Du bist der, der nie hört")

        Wenn meine Tochter nicht tut, worum ich sie bitte, dann hole ich sie, wenn das jetzt sein muss (heute ist sie z.B. in einen fremden Vorgarten abgehauen). Wenn es nicht notwendig ist, dann lasse ich sie. Wenn ich einen Lerneffekt erreichen möchte, dann schaue ich, dass das, was sie hätte machen sollen etwas attraktiver wirkt, als das, was sie stattdessen tut. Kinder möchten teilhaben und Teil der Gemeinschaft sein. Wenn ich also das von mir Erbetene ohne großes Aufheben selbst mache, wirkt dieses Ausgeschlossensein aus der Gemeinschaft schon als "Strafe". Wenn es sich um eine Mahlzeit handelt, kommt sie dann meist auch bald angelaufen. Ich mache es dann manchmal so, dass ich sie noch für einen kurzen Moment "übersehe", bevor ich mich ihr zuwende und sie dann natürlich mitessen darf. Wichtig ist, das nicht großartig zu thematisieren (also KEIN "Na siehst du, wärst du doch gleich gekommen"), weil das nur wieder die Rolle des Kindes als "der Ungehorsame" zementiert. Einfach freundlich teilhaben lassen oder liebevoll trösten, falls das Teilhaben jetzt leider nicht mehr möglich ist und das Kind seine eigenen Schlüsse für künftige Handlungsstrategien ziehen lassen.

        • (4) 02.10.16 - 09:55

          Hi, danke für Deine Antwort!

          Es trifft ja viele Bereiche, das Essen war jetzt nur ein Beispiel. Aber wenn wir ihn lassen, kommt er nicht. Er hat kein Problem damit, Mahlzeiten ausfallen zu lassen, weil er eher ein spärlicher Esser ist. Es geht aber darum, dass wir als Familie gemeinsam am Tisch sitzen (gerade abends die einzige gemeinsame Mahlzeit, wo alle da sind). Wie gesagt, war das alles vorher kein Thema. Er kam auch an den Tisch und trank nur etwas, aber hat am Gespräch teilgenommen und vom Tag berichtet. Das war ganz urplötzlich nicht mehr so (also das von sich aus an den Tisch kommen. Er erzählt nach wie vor von seinem Tag und was er erlebt hat).
          Ich habe auch schon im KiGa nachgefragt, ob da was vorgefallen ist. Das hat man verneint. Die Erzieherin meinte nur, er sei tödeliger geworden und ließe sich sehr schnell ablenken.
          Ich verstehe nicht , warum es auf einmal so ist?

          • <<<Ich verstehe nicht , warum es auf einmal so ist? >>>

            Vielleicht, weil er sich entwickelt? Vor allem seine Persönlichkeit. Er wird sich neu entdecken und dazu gehört eben mal, dass es nicht mehr so läuft wie immer. Zum Essen z. B. würde ich ihm anbieten, sich vom Tag zu erzählen. Du erzählst dein Tag und er seinen. Dabei kann man Essen. Sag ihm, dass du es gerne beim Essen machen möchtest, da du danach mit Aufräumen etc. beschäftigt bist und dann keine Zeit zum Zuhören ist. Er kann ja danach wieder weiter spielen.

            Mein Sohn zum Beispiel (3. Klasse) hat sich immer schwer mit "Nacharbeiten", wenn er was nicht schafft, weil er sich eben ablenkt. Aber es muss ja sein. Ich nehme mir dann seine Sachen vor und schaue schon mal rein. Dann versuche ich mit Fragen ihn ran zu locken. Er soll mir erklären, weil ich was nicht verstehe. Und schwupps, ist er bei der Sache und schneller erledigt als er dachte. Noch klappt es, aber ich war es auch satt das ewige Rumgemecker. Also musste ich ihn "locken". Aber man sollte auch versuchen, selbst keinen Stress zu produzieren bzw. Hektik. Das bringt nichts.

            Alles Gute.

      ich finde es gibt situationen da MUSS dad kibd hören. straße, einkaufen ect.

      nehme ich jetzt das Beispiel beim zu bettgehen. warum muss er sofort los ins Bett? habt ihr keine zeit für einen kompromiss?
      wenn meine tochter meint sie müsse jetzt unbedingt noch dieses eine buch anschaun bringen mich diese 5min auch nicht um. dann gibts nur danach die klare ansage dass und das war abgesprochen und nu is gut. obwohl sie dann nich nehr diskutiert weil sie hatte ja mitspracherecht. und für mich ist es doch wesentlich entspannter und ich habe nur ein paar minuten zeit geopfert.

      verstehst du wie ich es meine?

      ich bin die mama ja und ich habe das letzte wort ja ABER mein kind hat nun mal auch ein anderrs bedürfniss in manchen situationen. und da kann man ja ne einfache Lösung finden ohne inkonsequent zu sein.

      • auf diesem dusseligen smartphone zu tippen is fürchterlich. sorry für die falschen buchstaben zwischendurch

        (8) 02.10.16 - 10:50

        Äh, wieso sofort ins Bett? Davon habe ich gar nichts geschrieben #gruebel

        Ich weiß einfach nicht, wie ich einen Kompromiss herbeiführen soll. Klar darf er sich noch das eine Buch zu Ende ansehen, aber dann kommt er nicht, sondern dann kommt das nächste, was er unbedingt noch erledigen will. Wo soll ich da ansetzen? Wie schon oben geschrieben: einfach lassen hat keinen Effekt, dann isst er halt gar nicht.

        • Weniger reden, mehr handeln, indem du ihm hier das 2. Buch aus der Hand nimmst und es ins Regal zurücklegst; Gute- Nacht- Kuss geben und Licht ausmachen.

          Und falls er meint, er muß nochmal rauskommen und auf die Toilette oder noch was trinken, dann nicht groß reagieren, sondern zurückschicken ins Zimmer, evtl. an der Hand dahin führen. mit nem letzten Gute Nacht.

      (10) 02.10.16 - 15:31

      Da stimme ich dir zu. ich habe hier inzwischen 2 Teenager (15+19) zuhause und habe schon sehr oft meine Erziehung dem Alter der Kinder angepasst, von klein an.
      Bet uns gibt und gab es wenige Regeln, die befolgt werden sollen, aber wir haben immer Kompromisse gefunden und die Regeln auch mal kurz gelockert oder eben der Selbstständigkeit der Beiden angepasst.

(11) 02.10.16 - 07:26

Kommt nicht zum Essen -> Keine Gutenachtgeschichte ist keine Konsequenz, sondern eine Strafe. Konsequenzen stehen in ursächlichem Zusammenhang mit der 'Tat'. Kommt nicht zum Essen -> kriegt kein Essen, ist eine logische Konsequenz (naja, vielleicht noch 'ne Stulle, aber wenn der Tisch abgeräumt ist, kann er keine Spaghetti erwarten).

Für 4jährige ist die Gutenachtgeschichte zur Essenszeit meilenweit weg. Die interessiert sie schlicht nicht, wenn sie gerade ein Buch angucken. Und wenn es Zeit für die Gutenachtgeschichte ist, ist das Essen schon so weit weg, das ein 4jähriger das Fehlen der Gutenachtgeschichte vor allem als willkürlich empfinden wird.

Und wenn ihr 6 - 7 mal auffordert: Woher soll Söhnchen wissen, das ihr die Aufforderung nicht noch 10 oder 20mal wiederholt? Einmal reicht doch. Vergewissert Euch, das er es mitkriegt hat (Hingehen, Anfassen 'Du hast gehört, das wir jetzt essen? Wenn Du zu spät kommst, wirst Du nichts mehr bekommen.') und fertig.

Grüsse
BiDi

  • (12) 02.10.16 - 10:54

    Leider stört ihn das herzlich wenig. Das war natürlich das erste, was wir ausprobiert haben! Dann isst er halt nicht mit. Er ist ein spärlicher Esser und das stört ihn wenig.

    Den Bezug über den Zeitraum kann er aber doch ganz gut herstellen: meistens nützt die Androhung mit dem Streichen der Geschichte. Als wir die Strafe aber mal durchgesetzt haben, weil es nicht genutzt hat, sagte er dann abends im Bett, dass er weiss, dass es keine Geschichte gibt, weil er nicht gehört hat. Die Brücke schlägt er schon.

    • (13) 02.10.16 - 15:45

      Aber das scheint ihn ja nicht doll zu stören, oder?

      • (14) 04.10.16 - 09:14

        Jaaaa... aber es stört eben die Eltern, weil sie sich wünschen, dass er beim Essen dabei ist, weil es nicht ums Essen an sich geht, sondern ums gemeinsame zusammen sitzen.

        Ihr ruft ihn zum essen, er hat aber keinen Hunger, deswegen sieht er nicht ein, wieso er "essen kommen soll" Sagt ihm doch ehrlich, warum ihr euch wünscht, dass er an den Tishc kommt.

        Was passiert z.B. wenn ihr sagt:

        "XY, wir würden dich bitten, dass du während wir essen hier bei uns sitzt, weil es für uns wichtig ist gemeinsam Zeit zu verbringen. Kannst du das verstehen?"

        Und dann vielleicht kann man noch sagen " Wenn du keinen Hunger hast mußt du nicht essen, aber es wäre schön, wenn wir uns mit dir hier am Tisch über unseren Tag unterhalten würden. Du kannst auch ein Buch an den Tisch mitbringen"

(15) 05.10.16 - 22:10

Ja, da stimme ich Dir voll und ganz zu: Wer nicht kommt, der verpasst eben das Essen.

Bei uns in der Familie gab es da immer den Spruch: "Wer nicht da saß, der nicht mit aß."

Hat funktioniert. Und wenn Sohnemann wirklich mal eine Mahlzeit ausfallen lassen wollte, dann war das in Ordnung. Nur Extra-Würste nach dem Abräumen des Tisches - die gab es nicht.

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