Unterschied Kinderpsychologe (Heilpädagogik) und Erziehungsberatung?

    • (1) 23.11.16 - 20:14

      Kann mir jemand bitte den Unterschied zwischen einer Erziehungsberatungsstelle und einer heilpädagogischen Hilfe bei einem Kinderpsychologen sagen?
      Unser Sohn (wird 7 Jahre) hat Probleme sich in andere hineinzuversetzen, Gefühle für andere zu zeigen usw. Wir müssen ihn immer noch ständig erinnern "Danke", "Bitte", "hallo", "tschüss", "Entschuldigung" zu sagen. Von sich aus kommt da nur ganz selten was, obwohl wir es ständig versuchen deutlich zu machen, dass das zu den Grundzügen des Lebens gehört.

      Auch wenn er anderen Kindern (meist versehentlich) weh tut, merkt er nicht selbst, dass er sich entschuldigen sollte. Er geht dann einfach darüber hinweg wie wenn nichts wäre (ich vermute es ist ihm unangenehm).

      Die Erzieher im Kiga hatten im Frühling gesagt, dass er seine Gefühle nicht so gut ausdrücken kann, wie Wut usw. Das wurde aber eher so am Rande erwähnt. Ich habe ihm daraufhin Bücher über Wut usw. vorgelesen und ihm gesagt, dass er gerne seine Wut rauslassen darf, aber diese nicht an anderen auslassen soll sondern z.B. in ein Kissen schlagen soll usw. Das wollte er aber nicht, auch die Bücher fand er "total doof"....
      In der Schule (er ist in der 1. Klasse) meinte die Lehrerin jetzt, dass er am Sozialverhalten arbeiten müsse weil er z.B. andere Kinder ausgelacht hat.

      Sonst ist alles okay, er ist ein schlaues Köpfchen und diskutiert uns oft in Grund und Boden, oft auch ein Besserwisser (was mich extrem nervt und insofern erkläre ich ihm das auch immer wieder, dass das nicht schön ist und ich versuche ihm zu verstehen zu geben, wie andere sich damit fühlen). Aber es interessiert ihn scheinbar überhaupt nicht. Insofern weiss ich nicht ob wir irgendeine Art von Hilfe ausprobieren sollten oder ob ich übertreibe und er einfach ein Spätzünder ist, in Sachen Empathie usw. und er das einfach nur etwas später als andere Kinder lernt?
      Ich habe jetzt die Kinderärztin befragt und sie meinte, dass ich als Mutter auf mein Gefühl hören sollte und wenn ich meine, dass man hier was machen sollte, dann sollen wir es mal ausprobieren. Sie hat mir einen Kinderpsychologen empfohlen, dort sollten wir evtl. heilpädagogisch daran arbeiten. Denn die Kinderärztin meinte, dass an unserem Sohn zwar nichts "krankhaft" wäre, aber dass er früher oder später überalll aneckt wenn er die einfachsten Dinge nicht anwendet, wie Entschuldigung sagen und dass er sonst ja irgendwann keine Freunde mehr hat. Sie hat insofern zu dieser Heilpädagogik geraten, das wäre keine Psychotherapie, sondern eine Stufe abgemilderter.
      Meine Freundin, die sich im pädagogischen Bereich auch auskennt, meinte allerdings, sie würde nicht zu einem Kinderpsychologen gehen sonst würde unser Sohn denken, dass er irgendwie "anders" bzw. "nicht normal" wäre.
      Mein Gedankengang war eher, dass wir sowas ja mal ausprobieren könnten, was die Kinderärztin vorgeschlagen hat und wenn es was bringt ist es gut und wenn nicht, dann war es einen Versuch wert und wir lassen es bleiben...
      Was meint Ihr dazu? Es gibt ja auch Erziehungsberatungsstellen? Wäre das auch eine Option, die noch eine Stufe unter dem Kinderpsychologen (Heilpädagogik) wäre?
      Und falls Ihr zu einer Beratung raten würdet: wie verkauft man das den Kindern, dass sie dort hingehen und nicht denken, sie wären "verrückt"? (überspitzt formuliert)?
      Viele Grüße

      • (2) 23.11.16 - 21:41

        Hallo,

        Ihr und der Kindergarten versucht seit Jahren, Eurem Kind beizubringen, sich empathisch zu verhalten, aber das funktioniert offenbar nicht.

        Normalerweise erlernen Kinder aber im Kindergartenalter derartiges Verhalten, wenn im Elternhaus und anderswo darauf geachtet wird bzw., wenn sie merken, dass sie damit bei Gleichaltrigen schlecht ankommen.
        Euer Sohn ist schon fast 7. Damit wäre er sehr spät dran.

        Ich vermute eher, dass er irgendeine Störung hat, die ihn daran hindert, empathisches Verhalten zu entwickelt, vielleicht eine leichte Form von Autismus oder was auch immer.

        Ich würde eher in dieser Richtung nachforschen, bevor ich anfangen würde, irgendwelche professionellen Erziehungsmaßnahmen auszuprobieren.

        Ich würde der Aussage Eurer Kinderärztin, dass bei Eurem Sohn keine Störung vorliegen könne, nicht unbedingt so großes Vertrauen schenken. Kinderärzte sind nur Allgemeinmediziner für Kinder, und keine Fachärzte für Entwicklungsstörungen bei Kindern.
        Und Autismus übersehen teilweise selbst Fachleute, die es besser wissen sollten. (Damit hat eine Freundin von uns leidvolle Erfahrungen machen müssen.)

        Empathie und Intelligenz haben übrigens nichts miteinander zu tun. Autisten können sehr intelligent sein, sind aber trotzdem nicht oder kaum in der Lage, sich in andere Menschen hinein zu versetzen. Genauso gibt es Menschen, die einen sehr niedrigen IQ haben, aber durchaus sehr mitfühlend sind.

        LG

        Heike

        • (3) 23.11.16 - 22:10

          Danke für Deine Antwort.
          Ich glaube nicht, dass er eine richtige "Störung" hat. Er kann auch sehr dickköpfig sein und lieber 30 min. oder länger schmollen anstatt sich zu entschuldigen. Manchmal denke ich, er wil extrem Grenzen austesten....
          Es ist irgendwie sehr schwer das ganze in einem Post zu schreiben.... Jeder der das liest wird das vermutlich anders interpretieren.
          Insofern wollte ich gerne den Unterschied zwischen Erziehungsberatung und Kinderpsychologe erfahren. Ich kann mir darunter gar nichts vorstellen was da gemacht wird.
          Viele Grüße

      (4) 24.11.16 - 09:09

      Hallo!

      Die Erziehungsberatung ist eine Beratung, wie der Name schon sagt. Man geht unverbindlich hin, die hören zu, machen sich ein Bild und geben dir Ratschläge und/oder eine andere Sicht aufs Kind. Was du dann daraus machst, ist deine Sache. Bei einer Erziehungsberatung wird ganz sicher keine Diagnose erstellt, evtl. äußern sie einen Verdacht, aber auch nur, wenn ein Symptom offensichtlich ist.

      Ein Psychologe o.ä. therapiert, d.h. entweder ist eine Störung bekannt und benannt oder er versucht, aus den vorliegenden Symptomen eine Diagnose zu erstellen und behandelt sie dann mit seiner Methode. Oder er schickt dich weiter, weil er den falschen Therapieansatz hat. Anders als bei der Beratung sind das dann sehr konkrete Vorschläge.

      Das "Problem" ist in der tat, dass man bei letzterem natürlich schnell den Stempel von irgendwas hat. Das kann hilfreich sein, aber es kann auch lähmen. Außerdem ist es dann schwierig, aus dieser Schublade wieder heraus zu kommen. Besonders doof dann, wenn die Diagnose eher nicht so richtig war.

      An eurer Stelle würde ich wohl erst zur Beratung gehen und genau hinhören. Finden die mein Kind auffällig? Was ist der Tipp? Kennen die vielleicht jemanden, bei dem dein Kind zur Therapie, wenn nötig, gut aufgehoben wäre?

      LG

      • (5) 24.11.16 - 14:43

        Hallo,
        vielen Dank für die Erklärung.

        Ich habe jetzt mal bei der Erziehungsberatungsstelle angerufen. Ich denke es kommt jetzt nicht auf ein paar Wochen mehr oder weniger an. Ich werde es erst mal dort schildern und vielleicht können die Berater dort mir empfehlen ob wir zu einem Kinderpsychologen bzw. Heilpädagogen gehen sollten oder ob das nicht möglich ist.

        Ich habe auch schon überlegt mal im Kindergarten anzufragen was deren Meinung ist. Es ist ja noch nicht lange her, dass unser Sohn in die Schule kam. Und die Erzieher im Kiga haben ja durch langjährige Erfahrung auch ein Gefühl ob unser Sohn einfach nur keine Lust hat "danke, bitte, entschuldigung usw." zu sagen oder ob es eher behandlungsbedürftig sein könnte.
        Eine Freundin, die sich im psychologischen Bereich auch gut auskennt, hat mir jetzt auch empfohlen, eher die Erziehungsberatung aufzusuchen weil sie der Meinung ist, dass unser Sohn ein ganz normaler Junge ist.
        Vielen Dank für Eure Infos.
        Petra

    (6) 24.11.16 - 09:38

    Erziehungsberatung = Beratung für Erziehungsfragen. Wenn du vermutest, dass das Verhalten deines Sohnes auf der Erziehung basiert, die er bei euch erhalten hat und Wege suchst, anders/besser darauf einzuwirken, ist die Erziehungsberatung die richtige Anlaufstelle.

    Kinderpsychologe klingt für mich hier aber sinniger, auch weil ich ebenfalls denke, dass eine Sozialstörung oder eine Authismusform dahinter stecken könnten (nicht muss!). Hier brauchst du nicht nur eine genaue Diagnose, sondern falls diagnostiziert auch eine professionell ausgelegte Behandlung, die nur eine Fachperson wie ein Kinderpsychologe leisten kann. Keine Bange: Weder wird hier jemand direkt "abgestempelt" noch bekommt das Kind suggeriert, dass mit ihm was nicht okay wäre (aus Erfahrung, ich bekomm vor Wut immer nen roten Kopf, wenn ich solche Behauptungen höre, v.a. wenn Eltern dann aufgrund dieser haltlosen Befürchtungen ihrem Kind die eigentlich hilfreiche Behandlung verwehren). Abgesehen davon muss dein Sohn nicht direkt in eine Therapie einsteigen: Sinnvoller ist es ohnehin zunächst eine Anamnese und Diagnostik durchzuführen - bei der sich vielleicht auch rausstellt, dass das Thema gar nicht behandlungsbedürftig ist. Das geht meines Wissens entweder direkt über KiPsych. oder über Ki.psych. Ambulanzen - vielleicht meldet sich hier noch jemand anderes, der dir das genaue Prozedere besser beschreiben kann. Wenn bei der DIagnose rauskommt, dass es sinnvoll ist aktiv zu werden, dann wird dir zugleich auch geraten an welche Stelle du dichzur Behandlung wenden kannst. Wird dir gesagt, dass kein behandlungsbedürftiges Problem vorliegt - umso besser.

    Insofern: Du bist die Mutter, du hast Bedenken - also lass es abklären. Bei unerklärlichen Krankheitssymptomen würdest du es doch auch so machen und dir einen Fachmann suchen, der sich das mal anschaut, oder? Eben. Und der ist hier eben ein Kinderpsychologe. Also: Los.

  • Hallo du!

    Ich habe das Gefühl, dein Bauch sagt dir im Prinzip schon, du solltest da mal Nachforschungen anstellen im Interesse deines Sohnes. Es kommt dir komisch vor, also solltest du auf dein Gefühl hören.
    Da es, wie du selbst es schon sagst, nicht unbedingt erziehungsbedingtes "schlechtes" Verhalten ist, kommt eine Erziehungsberatung nicht in Frage.
    Ein Kinderpsychologe kann sich sehr schnell ein Bild machen und einschätzen, ob dein Junge eine spezielle Hilfe oder Therapie braucht. Ich würde einen Termin machen und meinem Kind sagen, dass es sich um einen Spezialdoktor handelt. Das wird schon.

    Aber: ich bin der Meinung, dass du als Mama auch etwas probieren kannst, um herauszufinden, wie er sich fühlt. Undzwar würde ich mich mit ihm zu einem Gespräch bei Tee und Keksen hinsetzen und ihn einfach mal Fragen:"Du weißt ja, dass die Lehrer denken, du kannst die Gefühle von anderen Kindern nicht gut verstehen. Findest du das auch? Wie siehst du das?..." usw. Versuche irgendwie, seine Sicht der Dinge herauszufinden ohne Vorwürfe zu formulieren. Es kann sein, dass er beim ersten Mal nicht viel sagt aber die Frage wird ihn beschäftigen und oft kommen Kinder etwas später wieder und erzählen dann. Es wäre zumindest einen Versuch wert...

    Ich wünsche euch von Herzen alles Gute!

    (8) 24.11.16 - 18:23

    Hallo, ich würde zu einem Kinder- & Jugendpsychiater gehen. Dort können Testungen gemacht werden. Es könnte sein das dein Sohn eine Autimusspektrumstörung hat. Umso früher es bemerkt wird, umso besser kann deinen Sohn geholfen werden. Danach kannst du dann zu der richtigen Stelle gehen. Die Kinder wissen und merken das sie etwas Besonderes sind. Mein Sohn ist auch ein schlauer Asperger Autist.

    (9) 24.11.16 - 19:01

    Im Großen und Ganzen liegt der Unterschied darin, worin die Empathielosigkeit ihre Ursache hat.
    Die Erziehungsberatung geht von einem Erziehungsfehler aus. Sie wird dir also sagen wie du dich ändern musst, damit dein Kind sich ändern kann.
    Der Psychologe sieht das etwas umfassender. Er schließt Erziehungsfehler keineswegs aus, er weiß aber auch, dass es Kinder gibt, die einfach so sind (z.B. aufgrund einer Behinderung, eines bestimmten Erlebnisses,...).

    Ich würde mit meinem Kind niemals zu einer Erziehungsberatung gehen. Uns wurde das damals auch (als eine Alternative) vorgeschlagen. Man ist einfach gebrandmarkt, wenn man einmal dort war. Später wurde bei meinen Söhnen Frühkindlicher Autismus diagnostiziert. Entgegen der Meinung von Familie, angeblichen Freunden, sonstigen Bekannten,... waren die Jungs nicht unerzogen, sondern einfach behindert.

    Dein Sohn verhält sich in der 1. Klasse offenbar so extrem auffällig, dass die Lehrerin euch direkt darauf angesprochen hat (so lange läuft die 1. Klasse ja noch nicht) - ihr kennt das Problem schon aus dem Kindergarten. Ich befürchte, du redest dir hier etwas massiv schön. Dein Sohn IST anders. Das ist nicht schlimm, er ist perfekt, wie er ist. Nur muss er eben lernen, wie er sozialer wird. Notfalls eben in einer Art Autismustherapie (genau das lernen kleine Autisten dort). Selbst euer nächstes Umfeld befürchtet, dass er bald keine Freunde mehr hat - sicher gibt es dafür schon erste Anzeichen, sonst würde das niemand laut aussprechen.
    Meinen Kindern habe ich eine Therapie immer mit Spielen verkauft, ein Arztbesuch ist ein Arztbesuch. Allzu lange würde ich damit nicht mehr warten. Irgendwann kennen Kinder auch den Unterschied zwischen einem Kinderarzt und einem Psychologen/Psychiater.

    Ich habe eine Frage an dich:
    Hast du mal deinen Sohn genau beobachtet? Wenn er jemanden (unabsichtlich) weh getan hat und er einfach weitermacht, als sei nichts geschehen... Zeigt er denn irgendeine Reaktion, dass ihm bewusst ist, dass er da gerade jemanden gestoßen/... hat, oder kommt nicht mal ein kurzes Innehalten? Merkt er es denn wirklich? Es gibt echt Kinder mit taktilen Wahrnehmungsstörungen.

    (10) 25.11.16 - 09:33

    Huhu,

    für mich klingt dein Sohn jetzt nicht außergewöhnlich anders als die durchschnittlichen Kinder, die ich so erlebe. Ich glaube, wir Erwachsenen haben da teilweise etwas "überzogene" Ansprüche. Kinder haben noch nicht unsere Lebenserfahrung (mit allen Höhen und Tiefen), und bei uns hier in Deutschland fehlen den meisten Kindern zum Glück auch die negativen Erfahrungen, die Empathie besonders wichtig und erfahrbar machen. Das klingt jetzt negativ, ist aber gar nicht so gemeint, aber ich glaube manchmal, dass unsere Kinder "zu verwöhnt" sind (im Sinne: es geht ihnen im Leben einfach sehr gut), als dass sie soetwas wie Wertschätzung, Anteilnahme, Rücksicht,... schon als essentielle Eigenschaften wahrnehmen.

    Bitte und Danke zu sagen hat für mich nichts mit Empathie zu tun. Das sind Floskeln, mit denen man zwar seine Wertschätzung zeigt, aber nur, weil man Bitte und Danke sagt, heißt es noch lange nicht, dass man den anderen wirklich wertschätzt, es kann auch einfach nur ein stumpfes erlerntes Verhalten sein. Entschuldigung zu sagen ist auch etwas, das meines Erachtens ein erlerntes Verhalten ist, aber nichts mit echter Empathie zu tun hat bzw. haben muss.

    Lies mal das hier, ich finde, da ist durchaus etwas dran:
    http://www.huffingtonpost.de/sarah-ockwellsmith/kinder--erziehung-entschuldigen_b_9571978.html
    "Solange dein Kind noch im Kleinkind- oder Vorschulalter ist, werden dir die Auswirkungen davon noch nicht bewusst werden, doch sobald du einen Schulhof betrittst, hörst du überall nur noch Entschuldigungen.

    Die meisten davon sind höchstwahrscheinlich leer und falsch. Es tut den Kindern nicht aufrichtig leid, sie haben nur gelernt, dass sie aus Schwierigkeiten herauskommen, wenn sie sich entschuldigen.

    In diesem Fall klingen die meisten Entschuldigungen unglaublich heuchlerisch, und zwar weil sie es sind. Ein Kind streitet sich auf dem Schulhof mit einem anderen Kind. Die Pausenaufsicht geht dazwischen und verlangt von dem Kind, das angefangen hat, dass es sich entschuldigt. Das Kind sagt wie ein Papagei „Entschuldigung" und es kommt damit davon.

    Dem Kind tut es höchstwahrscheinlich nicht wirklich leid, es hat nur gelernt, dass es keine Schwierigkeiten bekommt, wenn es lügt. Ist es dir lieber, dass dein Kind sich so verhält (dass es lügt, um Probleme zu umgehen) oder dass es nur dann „Entschuldigung" sagt, wenn es das auch wirklich so meint?"

    Oder auch hier:
    http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2016/04/entschuldigungen-warum-man-kinder-nicht-zwingen-sollte-sich-zu-entschuldigen-und-wie-sie-es-lernen.html

    "Erst mit etwa 4 Jahren ist ein Kind in der Lage, sich ausreichend in andere einzufühlen. An dieser Stelle wird vielleicht klar, warum es nicht zielführend ist, von einem Kind, das jünger ist, zu verlangen, dass es sich entschuldigt. Solange es die Perspektive des anderen noch nicht einnehmen kann und daher nicht versteht, dass es ihm Schaden zugefügt hat, bleibt eine erzwungene Entschuldigung immer nur eine hohle Phrase ohne echte Reue und damit ohne jeden Wert für den Geschädigten. Denn erst, wenn Kinder vestehen, dass das, was sie (möglicherweise auch unabsichtlich) getan haben, einem anderen unangenehme Gefühle bereitet, sind sie in der Lage, echtes Bedauern zu empfinden.

    Doch selbst wenn sie dazu schon fähig sind, tun sie sich manchmal noch schwer damit. Wer ältere Kinder hat, der hat sicher schon erlebt, wie ein Kind erst längere Zeit nach einem Vorfall zerknirscht - aber dann offenkundig ernst gemeint - um Entschuldigung bat. Da Kinder noch sehr impulsiv sind und über wenig Selbstbeherrschung verfügen, benötigt es einige Zeit, bis sie die Situation verarbeitet haben. Der Vorgang ist ja auch außerordentlich komplex! Kinder müssen zunächst die Gefühle des anderen erkennen, sie einordnen, verstehen, dass sie dafür verantwortlich sind, möglicherweise herausfinden, welches Verhalten genau den Kummer des anderen verursachte, sich überlegen, wie sie zukünftig anders handeln könnten, die eigenen Emotionen bändigen, sich fragen, ob eine Entschuldigung angebracht wäre, wenn ja in welcher Form...

    Wenn wir als Erwachsene jedoch immer prompt eine umgehende Entschuldigung einfordern, behindern wir diesen Erkenntnis. Wird das Ergebnis der Überlegungen schon von uns vorweggenommen, sieht das Kind möglicherweise irgendwann keine Notwendigkeit mehr, sich all diese Gedanken zu machen und die Gefühle des anderen wahrzunehmen und zu bewerten. Es speichert für sich ab, dass Konfliktsituationen einfach nach Schema F wieder gutgemacht werden können, indem man einfach mechanisch "Entschuldigung sagt" - frei nach dem Motto "Schwamm drüber" ist der Vorfall dann vergessen.Das wirkt sich natürlich negativ auf ihre Einfühlsamkeit aus, da so der Eindruck entstehen kann, dass es sogar vollkommen in Ordnung ist, anderen weh zu tun oder sie zu ärgern - so lange man am Ende das erwartete Ritual abspult, sei das schon in Ordnung und am Ende alles wieder gut. "

    Wenn mein Sohn (und er ist jetzt 10!) in eine Situation gerät, in der er versehentlich jemandem wehgetan hat, dann passiert es tatsächlich oft, dass er total konsterniert ist und vor lauter Panik gar nicht weiß, was er machen soll. Er macht dann auch oft nichts, aber nicht, weil er keine Empathie hat, sondern weil er (so sagte er) sich dann ganz komisch fühlt und ein schlechtes Gewissen hat.

    Damit möchte ich nicht sagen, dass es nicht sehr empathische Kinder gibt, die sich kümmern, trösten und schon früh einen Blick dafür haben, wenn es anderen nicht gut geht.

    Bei manchen dauert es aber etwas länger. Ich war kürzlich krank und da habe ich da einmal so richtig bewusst richtig bemerkt, wie mitfühlend mein Sohn sein kann. Er war auch richtig besorgt und hat mir geholfen, wollte viel kuscheln etc.

    Mit 7 Jahren war er da auch noch anders unterwegs...
    Ich glaube, wenn man in der Familie liebevoll, rücksichtsvoll und hilfbereit miteinander umgeht, dann kommt das alles mit der Zeit.

    LG

    Hanna

    • (11) 25.11.16 - 09:59

      Auch so, noch zum Thema "Auslachen". Ich finde Auslachen fies und das ist auf jeden Fall ein Thema, was in der Klasse und auch zuhause angesprochen werden sollte. Dem Kind muss gespiegelt werden, was das bei dem "Ausgelachten" auslöst.

      Aber ich kenne KEIN Kind, was noch nie ein anderes Kind ausgelacht hat. Es gibt nämlich diverse Gründe dafür, warum Menschen das tun (Selbstaufwertung etc.) und Schadenfreude ist nach meinem Kenntnisstand tatsächlich evolutionstechnisch begründet in uns allen als Gefühl vorhanden.

      Ich will damit keinesfalls sagen, dass es OK ist, andere auszulachen. Ich will nur sagen, dass wenn ein Kind EINMAL ein anderes Kind ausgelacht hat, dies nicht als ein "behandlungsbedürftiges" Verhalten einzustufen ist. Es sollte eigentlich reichen, dem Kind die Konsequenzen zu erläutern und eben zu spiegeln, was dabei in dem anderen vorgeht.

      (12) 30.11.16 - 21:58

      Hallo Hanna,

      vielen Dank für Deine Ausführungen.

      Ich denke auch, dass unser Sohn nicht zum Psychologen muss. Und Dein Post baut mich auch auf denn vielleicht verlangen wir heutzuage wirklich zu früh zu viel von unseren Kindern?!
      Habe gerade vor kurzem ein anderes Kind erlebt, dass so ähnlich reagiert hat wie unser Kind. Insofern bin ich jetzt deshalb auch beruhigt.

      LG

(13) 25.11.16 - 09:34

Die nicht vorhandene Empathie Deines Sohnen wird sehr wahrscheinlich nicht an Deiner Erziehung liegen, also was soll die Erziehungsberatung bringen?

Ich würde einen Facharzt für Kinder-und Jugendpsychatrie und einen Psychologen aufsuchen, um die Ursache für sein Verhalten herauszufinden.
Der Sohn eines Bekannten kann sich auch nicht in andere hineinversetzen (Asperger Autismus), aber in der Therapie hat er gelernt, wie er sich verhalten soll, wenn z.B. jemand weint oder das es andere verletzt, wenn man böse Sachen sagt.

(14) 25.11.16 - 10:16

Hallo!

Eine nicht altersgerechte Empathiefähigkeit sollte bei einer U-Untersuchung auch feststellbar sein.

Das kann an nicht-Erziehung liegen (nun wäre nur dann der Fall, wenn der Sohn, das nie gesagt bekäme, oder es auch nirgends abgucken könnte - fehlendes Vorbild, es nie eingefordert bekommt) - scheint mir nicht der Fall zu sein!

Es kann an einem (aus Sicht des Kindes!!!) traumatischen Ereignis liegen, was ihn davon abhält Empathie zu zeigen oder es ist unreif und reift sehr langsam in dem Bereich, gemessen an den Altersgenossen. - Eher ein psychologisches Problem, kann beim Psychologen, oder auch Kia (falls er es kann!) oder Heilpädagogen, oder .... geklärt werden.

Es kann daran liegen, dass es das nicht empfindet! und den Sinn nicht erkennt und nicht versteht. - Psychiatrisches Problem!

Mein erster Gang wäre zum KiA, der wäre in der Lage es eher untraumatisch fürs Kind vorzuchecken, welche der richtige Weg wäre. Vielleicht sagt er such nur "Abwarten!"

LG, I.

(15) 06.12.16 - 12:43

Hallo !

Ich erkenne da etwas meinen jüngeren Sohn (7 Jahre, auch 1.Klasse) wieder. Auch er hat manchmal Probleme zu erkennen, wenn er jemandem weh getan hat. Genau wie Deiner ignoriert er das dann. Er kann auch schlecht zugeben, wenn er was falsch gemacht hat und hatte früher auch extreme Probleme zu verlieren. Er hat da z.B: schon vorher gesagt, dass er nicht mitmacht, nur um der möglichen Niederlage zu entgehen.

Wir waren unter Anderem deshalb mal bei einer Psychologin, die einen Entwicklungstest gemacht hat. Dabei kam auch raus, dass er auf sozial-emotionaler Ebene so seine Probleme hat. Er kann Gefühle schlecht erkennen / benennen. Außerdem hat er einen sehr hohen Anspruch an sich selbst, ist perfektionistisch. Er gibt auch sehr schnell auf wenn etwas nicht klappt und wird dann wütend. Etwas besser ist es inzwischen aber schon geworden.

Das mit dem Auslachen in der Schule kommt auf die Situation an - meiner macht so etwas auch, wenn er sehr unsicher ist. Ansonsten versuche ich immer zu erklären, dass er sich mal vorstellen soll, wie er sich fühlen würde, wenn er so oder so behandelt werden würde. Das mache ich meistens abends in Ruhe. Da dringt man am ehesten zu ihm durch.

Ach ja - das mit dem doof finden der Bücher - ist vielleicht auch eine Art Selbstschutz, er möchte sich damit einfach nicht auseinandersetzen, weil es ihm unangenehm ist.

Ich vermute mal, Du schreibst ja, er sei sehr pfiffig und diskutiert viel, dass er schon sehr gut über alles nachdenkt, vielleicht eben auch zu viel. Viele kluge Kinder sind z.B. von Natur aus ängstlich, weil sie sich einfach vorher Gedanken machen, was passieren könnte.

Bei meinem Sohn wurde beim Test z.B. auch gesagt, dass er sehr schlau ist und die Kombination schlau / sozial-emotional hinterher ist gar nicht so selten.

Das mit dem Dankesagen ist übrigens bei allen meinen 3 Kindern ein großes Problem, obwohl ich da schon immer genau darauf achte und wir es auch so vorleben. Ebenso wie ordentlich Guten Tag sagen oder zu grüßen, wenn man in ein Geschäft geht. Das klappt so gar nicht.

Hm, aber was ich Dir raten soll, keine Ahnung. Auf jeden Fall weiter versuchen, sein Verhalten zu reflektieren. Uns wurde geraten, es nicht unbedingt auf ihn zu beziehen, sondern versuchen, dass er es als Außenstehender sieht. Also beispielsweise erzählen:"Mir ist heute das und das passiert. Was meinst Du, wie ich mich gefühlt habe oder was ich machen könnte?"

Falls die Probleme stärker werden, würde ich dann wahrscheinlich auch eher zu einem Psychologen gehen, denn nach Erziehungsproblemen hört es sich für mich nicht an.

  • (16) 07.12.16 - 20:15

    Hallo,

    vielen Dank für Deinen Beitrag.
    Darf ich fragen was der Kinderpsychologe im Fall Eures Sohnes gemacht hat bzw. wie er Euch weiterhelfen konnte?
    Ich werde jetzt mal zu einer Erzienungsberatungsstelle gehen denn lustigerweise hat es nachdem ich diesen Beitrag gepostet hatte, auf einmal super geklappt mit dem "hallo" und "Tschüss" sagen sowie "Bitte" und "Danke", sodass ich dann dachte: "Brauche ich überhaupt etwas zu unternehmen?"

    Ich möchte ja auch nicht, dass unser Sohn denkt er wäre irgendwie "anders" oder nicht normal.
    Mein Mann meinte, vielleicht macht unser Sohn das auch manchmal weil er einfach ein extremer Sturkopf ist, dass er so tut wie wenn er nicht weiss, dass sich z.B. ein anderes Kind schlecht fühlt weil unser Sohn ihm aus versehen weh getan hat....

    Viele Grüße

    • (17) 09.12.16 - 08:24

      Bei uns gab es dazu ja keine Therapie. Das Ganze diente erstmal dazu festzustellen, wo seine Stärken / Schwächen liegen und warum er manchmal etwas sonderbar ist. Daher haben wir erstmal nur die Tips, die ich auch schon kurz angerissen habe, bekommen. Außerdem sollten wir üben, Gefühle anhand von Bildern zu analysieren.

      Manchmal macht es auch Sinn, einfach etwas abzuwarten. So ist mein Großer immerhin seinen Geschwistern gegenüber viel sozialer, hilft und tröstet, nimmt mehr Rücksicht und steckt auch mal zurück.

      Das Einzige, was mir manchmal noch Sorgen macht ist das Verhalten beispielsweise beim Sport. Die Kleinen gehen zum Handball und sind da teilweise etwas "anstrengend". Er wird z.B. schnell wütend und weint, wenn ihm etwas nicht gleich gelingt oder er der Meinung ist, ungerecht behandelt worden zu sein. Das ist aber auch bei seiner Schwester ähnlich, wobei sie mehr Ausdauer hat, etwas zu üben und nicht gleich aufgibt.

      Ansonsten finde ich, dass er seit der Schule ausgeglichener geworden ist. Vielleicht tut ihm das Lernen gut und er findet da etwas Bestätigung, weil es ihm recht leicht fällt. Und das tut seinem Selbstbewusstsein gut, denn dass ist wohl nicht so gut ausgeprägt lt. der Testerin.

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