Erziehung

Müssen Eltern wieder mehr erziehen? Oder doch die Schulen und Kindergärten? Welche Grundlagen sind heute noch wichtig?
Ein Tipp vom urbia Team

26.01.17 - 12:26

Nehmen Eltern ihren Erziehungsauftrag nicht mehr Ernst?

Hallo!
Dieser Artikel erschien vor Kurzem:

http://stern.de/familie/kinder/erziehungsgrundsaetze--die-wichtige-nachricht-einer-schule-an-die-eltern-7298452.html

21 direkte Antwort(en) auf den ausgewählten Beitrag:

26.01.17 - 12:27

Zu früh abgeschickt!

Was sagt ihr dazu?
Ich finde es irgendwie nervig dass immer behauptet wird, die Eltern würden ihren Job alle schlecht machen.
Andererseits gubt es wirklich viele vermeindlich "schlecht erzogene" Kinder, oder??

26.01.17 - 14:26

Hallo

ich denke es liegt nicht nur an den Eltern sondern auch an den Lehrern.

klar sind erstmal die Eltern für die Erziehung zuständig, aber die schule ist es auch.

Denn die meisten Kinder verbringen doch mehr Zeit in der Schule wie zuhause.

26.01.17 - 16:45

Dazu muss ein Kind nicht in der schule sein um das zu beobachten . Im Kindergarten geht läuft es nicht viel besser (also vorschulkinder, nicht die ganze kleinen )

... die Kinder benehmen sich als wenn niemand ihnen was könnte. Sollte die böse Erzieherin dann doch mal eine Ansage machen, zum wohle der gesamten Gruppe wird natürlich bei mama gepetzt sobald die dann da ist und da ja viele Eltern den Standpunkt vertreten : "sowas macht mein kind nicht" bleibt es dabei das Sohnemann oder Prinzessin, keine Konsequenz bekommt und signalisiert bekommt das es soft weiter gehen kann. Schade aber wahr.

27.01.17 - 09:02

Hallo,

das scheint ein gesellschaftliches Problem zu sein, dass mit dem Trend eingezogen ist, dass beide Elternteile schnell nach der Geburt der Kinder wieder in den Beruf zurückkehren und der Familienalltag sich dadurch so drastisch geändert hat.

Am konkreten Beispiel: Tischkultur. Das Wochenende nehme ich jetzt mal raus, denn dort gelten ja in den meisten Familien lockerere Essenzeiten etc.
Viele Kinder nehmen ihre Mahlzeiten kaum noch zu Hause mit der Familie ein. Sie essen Frühstück und Mittagessen in der Kita, das Abendessen ist - wenn überhaupt - die einzige Familienmahlzeit am Tag. Meist sind alle Familienmitglieder erschöpft, vielleicht essen die Kinder sogar vorab alleine und die Eltern später, wenn die Kinder im Bett sind. Da ist wenig Platz für das Erlernen von Manieren oder Benimmregeln.

Oder der Respekt vor Lehrern und Älteren. Die Kindheit verschwindet immer mehr. Mittlerweile haben kleine Kinder schon fast mehr um die Ohren als ihre Eltern: Längere "Arbeitstage" in der Kita, mehr Termine (Musikgarten, Seepferdchenkurs, Logopädie), weniger Zeit, um einfach mal Kind zu sein und sich der Langeweile oder der freien Entfaltung hinzugeben. Kleinkinder werden wie kleine Erwachsene gekleidet und auch manchmal so behandelt. Wieso sollte man da wie ein Kinder benehmen, wenn man auf die gleiche Stufe gestellt wird wie ein Erwachsener.
Hinzu kommt, dass die Eltern viel zu wenig präsent sind und zu beschäftigt mit der Arbeit und sich selbst, sodass sie einfach keine Kapazitäten und auch keine Nerven dafür haben, ihre Kinder durch die kindliche Entwicklung zu begleiten, Wut- und Trotzphasen zu überstehen und einfach auch negative Gefühle zu erleben und zu verarbeiten. Das Kind wird allein gelassen und muss sich selbst behaupten. Die Vorbilder fehlen, zu denen man aufschaut und Respekt hat.

Erziehen und miteinander leben funktioniert nicht nebenbei. Das muss man leben, Vorbild sein, sich auch Situationen stellen, die unangenehm sind. Dennoch werden die Prioritäten heute anders gesetzt. Eltern "müssen" sich beruflich entfalten, sonst werden sie komisch angeschaut. Frauen "müssen" schnell wieder in den Beruf einsteigen, sonst ist die Karriere futsch. Hausfrauen und -männer werden belächelt. Ein Kind ohne Randstunden- oder OGS-Betreuung ist ein Exot. Da man keine unbegrenzten Kapazitäten an Zeit und Kraft hat, bleibt etwas auf der Strecke.
Ich denke, dass viele Eltern da eigentlich gerne ausbrechen würden und ihr Leben entschleunigen möchten. Aber der gesellschaftliche Druck ist groß.

Viele Grüße,
lilavogel

27.01.17 - 13:02

Ich habe das in einem Bekanntenkreis auch schon erlebt.
Die Kleine ist jetzt 4 und hat immer noch Windeln an, weil sie noch nicht von sich aus gesagt hat, dass sie auf Toilette möchte. Also grundsätzlich könnte sie wohl im Kindergarten machen die es auch mit ihr, aber zu Hause wird sie nie auf Toilette gesetzt, weil man ja nichts machen soll, was das Kind nicht von sich aus möchte.

Aus diesem Grund gibt es natürlich auch den Reboarder, weil für das Kind ja nur das sicherste, aber wenn das Kind nicht angeschnallt werden möchte, ist das auch ok. Man darf auf keinen Fall den Willen des Kindes brechen.

In unserer Krabbelgruppe sind aber zum Glück alle Eltern vernünftig, da schaut jeder nach seinem Kind, dass kein Spielzeug geklaut wird und nicht gehaun wird. Auch im Kinderturnen wird darauf geachtet, dass sich kein Kind vordrängelt. Hier konnte ich das also noch nicht beobachten.

Nur in der Schule kommen natürlich sehr viele Kinder zusammen, so dass sich hier die Auffälligkeiten natürlich mehr häufen, als in einer Krabbelgruppe, zu der man ja mit seinem Kind freiwillig geht und sich eine passende aussuchen kann.

Aber da die meisten Erwachsenen oder junge Erwachsenen ja schon nicht mehr in der Lage sind Danke und Bitte zu sagen oder auch nur zu grüßen, wie sollen die das dann ihren Kindern beibringen?

27.01.17 - 13:24

...tja, es stimmt aber sehr oft.

Heute können Kinder z.B. kaum noch respektieren, wenn andere eine Leistung zeigen.

Sei es an einer Ballettaufführung, an einem Konzert... immer plaudern sie, winken und hampeln herum. Und die Eltern winken und hampeln zurück.

Das ist nicht niedlich. Es ist grauenvoll. Aber wie sollen sie lernen, ruhig zu bleiben und auch mal etwas "durchzustehen" wenn sich die Welt mal 5 Minuten nicht um sie alleine dreht? Sondern um eine Gruppenleistung oder eine Fremdleistung? Sie müssen ja immer um Aufmerksamkeit brüllen.

Wie wird das mal? Wenn sie nicht lernen, bei einem Schul-Flöten-Konzert die Klappe zu halten bis jeder seine öde Tonleiter als solo gespielt hat..., wenn sie während des "Solos" des Kollegen rumhampeln und der Mami in die Kamera rülpsen müssen... - denkst du, das werden Menschen, die sich mal zurücknehmen können? Nö.
Das ist Respektlos. Und keiner sagts ihnen. Weil die Lehrer nicht mitten in einem Auftritt Kinder blosstellen können - und weil die Eltern das ja alles noch so niedlich finden.

Und wenn es dann defintiv nicht mehr niedlich ist... dann ist der schlechte Einfluss der anderen Schuld.

27.01.17 - 21:27

Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer. (Sokrates, 470-399 v.Chr.)

... wobei ich auch glaub, dass die Kinder immer weniger Manieren an den Tag legen. Aber - geh mal in ein Geschäft - wie viele der Verkäuferinnen grüßen dich? Woher sollen es die Kinder denn lernen, wenn es ihnen nicht vorgelebt wird?

LG

27.01.17 - 22:41

Hi,

ja - ich finde die Überschrift, daß die Kinder von ihren Eltern, nicht von ihren Lehrern erzogen werden sollen, absolut richtig!
Meine Kinder haben die Schullaufbahn hinter sich - ich muß sagen: Da habe ich manches erlebt, wo ich mich "fremdschämte" dafür, auf der Elternseite zu sitzen. Wenn ich allein daran denke, was sich mancher Lehrer bei manchem Elternabend in der Grundschulzeit anhören musste/durfte/sollte.... da gab es wirklich Eltern, die absolut keinen Hehl draus machten, daß IHR Prinz/Prinzessin doch auch in der Schule standesgemäß zu behandeln wäre. Besonders schlimm war es, als es auf den Übertritt in weiterführende Schulen zuging: Da wurde den Lehrern bzw. auch Rektor glatt unterstellt, Noten oder Arbeiten zu manipulieren, damit Hauptschulen nicht auszusterben drohen...
Ich finde, die Lehrer haben es nicht leicht heutzutage. Natürlich gibt es auch unter den Lehrern (immer noch) welche, die ihren Beruf absolut verfehlt haben, leider.

Die ganzen Vorschriften, gesetzlichen Vorgaben tragen ihren Teil dazu bei. So war es bsp.weise an der weiterführenden Schule meines Sohnes verboten, im Winter Schneebälle zu werfen - er hat dafür sogar einen Verweis kassiert. Erst kürzlich las ich in unserer Tageszeitung einen Artikel "Immer mehr Marihuana-Konsum auf Schulhöfen" ... tja - wen wunderts, wenn sich die Kinder nicht mehr auspowern dürfen?#kratz
LG

28.01.17 - 08:19

Ja ich bin der Meinung es liegt am Elternhaus, aber auch am auftritt Der Erzieher und Lehrer.
Wenn Lehrer selber nicht das auftreten einer Autoritätsperson haben und nicht von Anfang klare Regeln und Ansagen machen, wie sollen Kinder diese dann Respektvoll behandeln.

Höflichkeit und Anständigkeit ja dass kommt von Haus aus, aber hier müssen die Eltern Vorbilder sein und auch selber hinter einer Sache stehen, zum Beispiel gibt es viele Eltern die ihre Kinder unregelmäßig zu Freizeitaktivitäten bringen, wegen Kleinigkeiten absagen, wie soll das Kind dann lernen etwas durchzuziehen.

Ein anderer Punkt ist Kinder müssen auch die Möglichkeit haben ihre Schattenseite auszuleben, dazu gehört vertrauen zu den Eltern, denn wenn sie es zu Hause nicht raus lassen können, dann tun sie dieses Verhalten in der öffentlich ausleben.
Hierbei sollten Eltern auch schlicht und einfach sie selber sein und sich nicht vorm Kind verstellen, dazu gehört auch mal Streit der lauter wird, und auch traurig sein, oder besorgt.
Auch Zeit ist hier ein wichtiger Punkt, denn wenn man kaum zu Hause ist, kann man auch sich selber kaum entfalten.

30.01.17 - 10:53

Hallo,

leider fällt mir das auch immer wieder mal auf.
Viele Eltern erwarten, dass der Kindergarten oder die Schule auch die Grundregeln der Erziehung mit übernimmt.

Meine Kinder sind noch vergleichsweise klein, aber ich hatte auch schon Situationen, wo ich nur ans Fremdschämen dachte.

Theateraufführung in der Kirche, die Kinder spielen St. Martin.
Vor mir turnt ein gelangweilter 6-jähriger auf den Kirchenbänken herum und macht Faxen.
Steigt auf den Schal einer älteren Dame neben ihm.
Die Eltern picken derweil auf ihren Handys rum - dem Theaterstück wird null Beachtung geschenkt und der Sohn wird auch nicht angewiesen, seine Turnerei sein zu lassen.
Sorry - wir hätten reagiert.

Und in den 80ern hätte ich von meinen Eltern eine hinter die Löffel bekommen dafür.

Ein anderes Mal war im Kindergarten ein Elternnachmittag.
Jeder soll Kuchen mitbringen, ich hatte auch eine große Platte mit Muffins dabei.
Als ich ankam, wurde gerade das Kuchenbuffet aufgebaut, war aber noch nicht "eröffnet".
Ich hatte kaum meine Platte abgestellt, als ein etwa 8-jähriger ankam, der mit einer Mutter mitgekommen ist.
Zieht einfach wortlos die Folie von der Platte, nimmt sich einen Muffin und läuft krümelnd und bröselnd durch den Raum.

Die Mutter nur lachend "Hach-hach-hach, ja der J hat schon Hunger! Hach-hach-hach!"

Mir selber geht es nicht um den Muffin, es waren genug da.
Ich fand es nur grenzwertig, dass der Bengel sich da einfach am Buffet zu schaffen macht und drauflos frisst (sorry), während die jüngeren Kindergartenkids alle artig warten.
Ohne mal zu fragen, sich hier einfach und wie selbstverständlich an einer für ihn fremden Platte zu schaffen macht und es dann noch nicht mal hinkriegt, sich zumindest mit einer Serviette an einen der Tische zu setzen, um dort zu essen. Sondern muss alles vollkrümeln.Wutz!

Und die Mutter tut es auch noch als lustig ab.
Sorry, aber meine Kids wissen, dass man fragt und würden sich nie einfach so irgendwo dran zu schaffen machen. Und als Mutter hätte ich garantiert mit "Sag mal, wartest Du gefälligst, bis alle soweit sind!" reagiert und nicht mit hach-hach-hach....

Nichts gegen Hunger, aber das kann ein 8-jähriger auch kommunizieren und da findet sich eine Lösung.

Und der Oberknaller ist eine Bekannte, deren Sohn irgendwie überall aneckt.
In der Schule gibts Probleme, mit Kindern in der Nachbarschaft gibt es Probleme, auch bei uns wurde er schon herauskomplimentiert, nachdem er das Zimmer meiner Tochter halb verwüstet hat.
Seine Mutter mischt sich in tausend Dinge von anderen Leuten ein - über die Schulprobleme anderer Kinder, weiß immer alles besser, gibt immer ungefragte Ratschläge, würde sogar die Hunde und Katzen vom Nachbarn erziehen, aber sieht nicht, dass der größte Problemhaufen bei ihr zuhause schwelt.
Ihre Kernausrede, wenn man sie auf L's Verhalten anspricht: "Du, der L hat halt diese schwere Laktoseintoleranz. Das ist für den auch nicht alles so einfach, dass er nicht alles essen kann, was sein Herzchen begehrt!"#augen
(Sprach der Drache! Aber als wir mal mit einer Gruppe beim Schwimmen und hinterher bei Burger Kind waren, hat der Bengel sich extra nochmal Käse auf seinen Long Chicken geben lassen....soviel zum Thema Laktoseintoleranz! Ihre Aussage dazu: "Ja, ab und zuuuuuu mal geht das halt dann schon!"

Ich finde, es ist die Pflicht der Eltern, den Kids Basics beizubringen.
Dazu gehört Danke und Bitte, das Mithelfen zuhause bei kleineren Sachen.
Auch Rücksichtnahme und Miteinander.

Wenn meine Kids z.B. an der Metzgertheke ein Radl Wurst kriegen, dann kommt da schon ein Danke, sogar vom Kleinen.
Das ist nicht gedrillt, sondern von klein auf anerzogen.

Auf bockiges und forderndes Prinzessinengehabe gehe ich nicht ein, das ist mir selbst einfach zu anstrengend.

Und diese Ausreden, die manche an den Tag legen, weil das Kind Laktose hat oder hochbegabt ist oder sonst was, ist in meinen Augen Mist.

Ich kenne einige Erzieherinnen und Lehrerinnen und was ich von denen so höre, damit möchte ich nicht tauschen.

LG

30.01.17 - 11:38

Am Wochenende hatte ich die Gelegenheit, sowohl erzogene wie auch unerzogene Kinder zu erleben.
Das positive Beispiel war ein Klassenkamerad meines Sohnes, der anrief, um die Hausaufgaben zu erfragen. Er war bereits sehr höflich und zuvorkommend, als er sich am Telefon meldete. Leider war mein Sohn gerade nicht zuhause und ich konnte ihm nicht weiterhelfen. Ich bot ihm an, er könne am Abend noch einmal anrufen. Er verabschiedete sich dann mit „Vielen Dank für die Information und entschuldigen Sie bitte die Störung. Ich rufe dann gerne später noch einmal an.“ Auch am Abend, als er dann mit meinem Sohn sprach, bedankte er sich am Ende des Telefonats mehrfach dafür, dass mein Sohn ihm weitergeholfen hatte.

Auch mein Sohn hat mich am Wochenende positiv beeindruckt. Bei einem Kartenspiel hatte er versehentlich eine Trumpfkarte in seinem Kartensatz übersehen und dadurch quasi „geschummelt“. Als er es bemerkte, sagte er es („Oh, ich hatte ja doch noch eine blaue Karte“) und mein Mann und ich machten ihn darauf aufmerksam, dass das ja schon blöd wäre, da die Strategie anderer Spieler davon abhinge, welche Karten sie bei den anderen vermuteten. Wir baten ihn, in Zukunft bei seinen Karten genauer hinzusehen. Damit war das Thema für uns eigentlich gegessen und wir haben einfach weitergespielt. Als wir dann die Punkte der Runde zusammenrechneten, hätten mein Mann und ich 20 Punkte gehabt und er 80 Punkte. Er schrieb sich dann aber von ganz alleine 0 Punkte auf und meinte, er hätte die Runde ja eigentlich gar nicht richtig gewonnen.

Er ist jetzt 10 Jahre alt. Mit 4 hätte er sich tierisch aufgeregt, mit 6 wäre er beleidigt gewesen, und mit 7 oder 8 Jahren hätte er ewig diskutiert, dass es ja keine Absicht gewesen wäre etc. Damals war das reine Gewinnen wichtiger und es war egal, wie es dazu gekommen war. Mittlerweile hat er verstanden, dass ein Sieg, der nicht aufgrund der eigenen Leistung errungen wurde, keiner ist. Sicherlich gibt es Eltern, die schon von Erstklässlern dieses Verhalten erwarten, und sicher gibt es auch Erstklässler, die das schon „können“, aber ich wollte damit nur sagen, dass manche „erwachsenen“ Verhaltensweisen sich erst mit der Zeit vollständig entwickeln. Nur, weil ein Sechsjähriger noch keine vollständige Frustrationstoleranz hat, heißt es nicht, dass die Erziehung hier schon versagt hat und dass es nicht noch kommt. Wichtig ist hier immer das Vorleben und das gute Vorbild der Eltern, das wurde hier ja schon mehrfach geschrieben.

Negativbeispiele hatte ich dann am Samstag in einem Experimentiermuseum für Kinder. Ja, das Museum ist zum Mitmachen und Ausprobieren. Aber es gab da einige Eltern, die sahen seelenruhig dabei zu, wie sich ihre Kinder „selbstverwirklichten“. Ein Junge im Kindergartenalter hatte großen Spaß daran, die tibetanische Klangschale zu bearbeiten. Neben der Schale hing ein großes Schild „Klangschale bitte sanft anschlagen“, der Junge dengelte aber mit all seiner Kraft auf sie ein, und das auch nicht mit der Gummiseite des Schlegels sondern mit der metallischen. Der Lärm war ohrenbetäubend. Die Eltern saßen daneben und machten… nichts. Gerade als ich mich dazu entschlossen hatte, ihm zu zeigen, wie die Schale eigentlich angeschlagen werden soll, wurde es ihm wohl zu langweilig (oder zu laut?) und er ging dann in die Kapla Ecke, um die von anderen Kindern gebauten Türme umzuwerfen. Die Eltern machten… nichts. Das fand ich doof. Ich hätte meinem Sohn bei einem solchen Verhalten in beiden Fällen sofort Einhalt geboten.

Trotzdem muss ich sagen, dass auch dort die gut erzogenen Kinder und auch die rücksichtsvollen Eltern in der Überzahl waren. Eltern, die notfalls dafür sorgten, dass sich Kinder nicht vordrängelten und Kinder, die bereitwillig in der Schlange warteten oder sogar freiwillig andere Kinder vorließen.

Ich glaube, positive („normale“) Beispiele nimmt man einfach hin und negative Beispiele bleiben einem eher im Gedächtnis und deshalb hat man den Eindruck, es gäbe immer mehr „schlecht erzogene“ Kinder.

31.01.17 - 21:43

Ich finde es ganz, ganz schlimm wenn (gerade wir Mütter) immer andere Mütter verurteilen ... "Ja, das Kind von der und der .. .total verzogen .. möchte nicht wissen wie das bei denen zu Hause abläuft" ... ständig dieses Verurteilen der Eltern (der Mutter, wenn man das verhalten des Kindes "auf gut deutsch" scheisse findet) ... Niemand hat das Recht, keine einzige Mutter hat das Recht eine andere Mutter ob des Verhalten ihres Kindes schlecht zu reden. Ich spreche nicht von gewaltätigkeiten und irgendwelchen Übergriffen, welche ich natürlich verurteile .. da läuft echt was schief .. aber oft wird sich aufgeregt .. "oh, das Kind kann nicht bitte und danke sagen", oh, das Kind schlägt mein Kind und andere ... Eigentlich sind es immer nur Kleinigkeiten die einem bei einem fremden Kind aufstoßen und direkt heißt es "Meine Güte .. was ein Elternhaus!" ... Ich bin ehrenamtlich im Kiga, ich betreue die Kollegen meines Sohnes nach der Schule ... Und mein Großer bekommt oft Besuch von seinen "Zockerfreunden" .. Mein Gott ... Klar werden Kinder anders erzogen .. und manche Eltern legen mehr auf dies und das wert, ihr als Eltern legt auf das und jenes wert ... Wahrscheinlich kann sich jede Mutter über jede andere fremde Mutter aufregen .. (es sei denn es ist ne Freundin ... dann versteht man es) ... Total quatsch hier über unzulängliche Mütter zu reden .. oder Familien ... im Endeffekt wird es immer kritik geben ... Mütter, werdet locker!

01.02.17 - 11:10

Moin,

naja.....wenn Mamas und Papas mehr am Handy neben den Kindern laufen und nicht mit ihnen zusammen oder Fahrrad fahren und gar nicht schauen, wo das Kind sich gerade befindet, wenn Kinder fallen und die Mütter gehen lieber weiter und wenn Eltern in Spielparks sogar schon die Kleinsten alleine laufen lassen und lieber Kaffee trinken, wenn Kinder von anderen im Dunkeln nach dem Sport nach Hause gefahren werden da ansonsten das Kind durch eine dunkle Gegend laufen muss oder aber 45 Min. auf den Bus wartet, ja, dann komme auch ich ins Grübeln über Eltern.

Mir fällt auf, dass Schule für viele Eltern wichtiger ist, als die Gesamtheit der Erziehung. Wie gesagt mir und das ist meine persönliche Meinung. Es wird weniger gekocht und lieber dem Kind ein Schein in die Hand gedrückt und ja, das ist sehr negativ aber so etwas kann man beobachten und zum Teil ist es auch nachvollziehbar (lange Arbeitszeiten etc)! Wenn Kinder bei uns am Tisch sitzen und schmatzen......nicht bitte und danke sagen......bin ich auch erstaunt. Wie oft sieht der Tisch nach Besuch aus, als hätten wir 1 Woche lang nicht geputzt. Es gibt natürlich auch andere Beispiele - positive - aber vieles hat sich verändert.

Ich erwarte aufgrund der obigen Zeilen - negative Kommentare. Der Spiegel ist oft unerträglich....wer mit wachen Augen läuft, sieht genau obige Beispiele!

03.02.17 - 09:53

Meine Tochter ist 3 Jahre alt und ich stelle bereits jetzt in meinem Umfeld fest, dass viele Eltern dazu neigen, das liderliche Verhalten ihres Kindes mit allem möglichen zu entschuldigen. Da wird die elterliche Energie nicht in die Erziehung gesteckt, sondern darin investiert, Ausreden für das Verhalten des Kindes zu finden.

Auch in meinem Umfeld gibt es Kinder, die für mich selbstverständliche Grundregeln nicht beherrschen. Sie lassen sich nicht anziehen, nicht baden, keine Zähne putzen, nicht ins Auto setzen, können nicht vernünftig essen und lassen sich nur mit Gummibärchen zur Korrespondenz überreden. Das Freizeitprogramm der Familien richtet sich häufig ausschließlich danach, was die Kinder möchten oder nicht.

Ich habe einmal das Buch gelesen "Warum unsere Kinder zu Tyrannen werden" und fand vieles darin sehr passend.

Leider graut es mir bereits vor der Schulzeit, wenn die ganzen kleinen Tyrannen aus meinem Umfeld noch älter und noch "selbstbestimmter" werden. Viele Kinder werden nie lernen, ihr Verhalten zu reflektieren und vor allem zu verantworten.

04.02.17 - 11:20

Erziehungsauftrag? Was soll das sein? Wie schreibt man das?

Nein, Kinder erziehen sich selbst, es werden höchstens die Eltern durch die Kinder erzogen, nicht umgekehrt. Kinder wissen automatisch, was sich gehört und was nicht.

Und wehe, es käme da jemand daher, der Eltern über Fehlverhalten ihrer Kinder informiert! Sowas darf es nicht geben. Immerhin sind die eigenen Kinder perfekt!

So, nun aber ein wenig ernsthafter, denn das Thema ist schwer genug.

Ich hab mir einige "Feinde" gemacht unter anderen Müttern im Ort.

Eine hat aufgehört, mit mir zu reden, nachdem ich gesagt hatte, dass meiner Meinung nach die Eltern "schuld" sind, wenn ein Kind sich nicht benehmen kann und verhaltensauffällig ist (mit der Ausnahme, es läge ein medizinisches Problem vor natürlich, aber das ist eine ganz andere Sachlage).

Die zweite Mutter grüßt weder meine Kinder noch mich, nachdem ihr Sohn meine Tochter an der Bushaltestelle auf die Straße geschubst hat und ich es gewagt habe, sie darüber zu informieren und zu bitten, etwas dagegen zu unternehmen.

Seitdem sich der Vorfall wiederholt hat und ich den Sohn direkt angesprochen habe, dass das nicht in Ordnung ist, dürfen die Kinder uns auch nicht mehr grüßen.

Allerdings hab ich meine Kinder aufgefordert, die Kinder wie die Eltern dennoch zu grüßen, da wir höflich sind und es zum guten Ton gehört, zu grüßen, auch wenn jemand nicht antwortet.

Ich finde es sehr frustrierend, dass die eigenen Kinder "leiden" müssen, nur weil andere Eltern ihre Kinder nicht erziehen können.

Klar, meine Kinder machen auch Fehler und sind nicht immer "brav". Aber ich würde es begrüßen, wenn ich darüber informiert würde, was sie anstellen. Denn nur dann kann ich dagegen vorgehen!

Kürzlich hat mir eine andere Mutter "gebeichtet", dass sie meine Tochter zurecht gewiesen hat, weil sie ohne zu schauen auf die Straße gelaufen ist.

Ich begrüße so eine Initiative, denn manche Dinge sehe ich einfach nicht. Gut, wenn es jemand anderer tut.

Früher sagte man, "es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen".

Heute darf man es nicht mehr wagen, fremde Kinder überhaupt anzusprechen, geschweige denn sie zurecht zu weisen.

Schade, unsere Gesellschaft wäre eine Bessere, würden sich alle umeinander kümmern (dürfen).

04.02.17 - 11:47

Leider bereits in den Kleinkindeinrichtungen zu beobachten, wie in unserer. Da werden bei Minusgraden eben keine Winterklamotten für draußen dem Sprössling mitgegeben, weil die Mutter keine Zeit hat welche kaufen?! Und die restlichen Kinder können eben nicht mit raus, weil das besagte Kind keine angemessene Kleidung hat! Kleinkind hat mega Schmalz in den Ohren, dass er einem ins Gesicht leuchtet. Gleiches Kind hat so lange Fingernägel, dass es sich selbst und andere aus der Gruppe kratzt. Eltern des Kindes holen es oft mit ner halben Std Verspätung ohne vorher Bescheid zu geben. Andere Kinder (alle um die 2 Jahre) treten, kneifen und beißen, Muddi steht daneben und schaut zu. Da gibt es noch einige Fälle... Und so ist meiner Meinung nach der Beginn des Werteverfalls vorprogrammiert. Diese Kinder lernen es nicht anders! Ihre Vorbilder sind die Eltern. Sicher macht jedes Elternteil Fehler in der Erziehung und ist keineswegs perfekt. Ist auch gut so, weil authentisch. Aber so grundlegende Dinge wie respektvollen Umgang, Hygiene, Pünktlichkeit, Achtung und Ehrlichkeit kann wohl erwartet werden und sollten auch Basis einer Erziehung sein.

06.02.17 - 14:00

Ich habe jetzt nicht alle Antworten gelesen, aber die die ich gelesen habe berichten von lauter unerzogenen Kindern, die die Mütter kennen. Mit Sicherheit sind die eigenen Kinder dieser Mütter Vorbildhaft ;-)

Ich weiß ehrlich gesagt nicht wo all diese Mütter wohnen, die soviele unerzogene Kinder kennen, ich kann diese Berichte nicht bestätigen. Mir ist bis jetzt in keinem Restaurant ein Kind aufgefallen, was sich besonders daneben benommen hätte. Sicher gibt es das ein oder andere Kleinkind, das mal weint und sicher kann es passieren, dass mal etwas runterfällt, aber ehrlich gesagt, habe ich mehr umgeworfene Gläser in meinem Leben gesehen, die von Erwachsenen verursacht wurden, als von Kindern und mir sind auch mehr Erwachsene in Restaurants unangenehm laut aufgefallen als Kinder.

Im Kindergarten meines Sohnes, habe ich nicht ein Kind erlebt, dass mir besonders unangenehm aufgefallen wäre wegen extrem schlechten Benehmens und jetzt in der Klasse meines Sohnes auch noch nicht! Sicher gibt es das ein oder andere Kind, welches insgesamt frecher ist, als die anderen, denoch kann ich auch bei diesen Kindern nicht behaupten, dass sie gar keine Manieren hätten!

Allerdings muss ich sagen, dass ich es als sehr normal halte, dass Kinder generell etwas lauter sind als Erwachsene, dass sie nicht die gleiche feinmotorischen Fähigkeiten haben wie Erwachsene und dass Kinder Situationen anders erfassen, als Erwachsene.

Ich lasse mich von einem weinenden Kind im Restaurant nicht aus der Fassung bringen und erwarte auch nicht von den Eltern, dass sie es sofort zum schweigen bringen. Ein umgeworfenes Glas, kann jedem passieren und perfekt still und leise zu essen um die Tischnachbern nicht zu stören, halte ich auch nicht für eine Grundvoraussetzung um ein Restaurantbesuch mit den Kindern machen zu dürfen!

Zur mir war noch nie ein KInd, dass ich kenne rotzfrech und ich habe weitaus öfter das Wort Danke aus Kindermündern gehört, als ich es auch nur ansatzweise erwarten würde. Ich kenne Kinder, die sind wilder und Kinder, die sind stiller, aber allesamt, haben ein durchaus gutes Benehmen, das eine Kinder sicher einen Tick mehr als das Andere, aber es gibt kein einziges Kind aus dem Umfeld meines Sohnes, was bei uns zu Hause nicht willkommen wäre.

Vielleicht wohnen wir in einem sehr außergewöhnlichen Stadtteil, mit ganz außergewöhnlichen Kinder, ich weiß es nicht... Allerdings ist unser Stadtteil sehr bunt gemischt was die Herrkunft der Familien angeht und auch was das Einkommen der Familien angeht. Von den Eltern die ein riesen Haus haben, zwei dicke Autos fahren, bis zu den alleinerziehden Mutter, die entweder Sozialleistungen bezieht, oder sehr viel arbeiten müssen um es finanziell auf die Reihe zu bekommen.

Ich möchte mit Sicherheit nicht bestreiten, dass es auch Kinder gibt, die überhaupt kein Benehmen haben, aber diese Kinder gab es früher auch, das ist kein neues Phänomen, vielleicht hat sich einfach nur unsere Sicht verändert und wir Erwachsenen erwarten einfach viel mehr von Kindern, als sie oft in der Lage sind zu leisten!

In unserer Klasse sind aufjeden Fall von 26 Kindern keine 13, die sich daneben benehmen. Immer mal wieder 1-2 gleiche Kandidten, die dann aber auch von den anderen Schülern gemeinsam dazu angehalten werden, sich an die Regeln zu halten! Ich kann wirklich nicht die Erfahrungen teilen, die so viele Mütter hier berichten! ;-)

13.02.17 - 10:49

hallo,

das ist doch kein "neues" problem.
ich habe vor etwa 20 jahren die ausbildung zur erzieherin gemacht und damals wie heute gab es entsprechende familien bei denen man das gefühl hatte dass sie ihre kinder nicht wirklich erziehen sondern eher zufälligerweise zusammenwohnen.
jede zeit hat natürlich ihre eigenen begleitsymptome. letztlich wird es immer irgendeinen aufreger geben.

Ich denke dass nie zuvor die beziehung zwischen eltern und kindern besser war als heute - und das find ich gut so.

15.02.17 - 21:35

Was sollten manche Eltern ihren Kinder lehren, was sie selbst nicht beherrschen.

12.03.17 - 11:16

Ich finde es gibt fast nur noch die eine Sorte Eltern ("Helikoptereltern", die wirklich dem Nachwuchs ALLES abnehmen) und die zweite Sorte ("Ich-gebe-meine-Verantwortung-an-Schule/Kindergarten/Krippe-ab" Eltern).

Den normalen Mittelweg scheint es kaum noch zu geben. #schmoll

19.06.17 - 11:22

Ein Freund meiner Tochter (beide 11) hat nach dem Wechsel ans Gymnasium Probleme sich soweit zu organisieren und motivieren dass er seine Hausaufgaben nicht macht und für Arbeiten nicht lernt. Jeden Tag fehlt was, seine Zensuren sind teilweise richtig schlecht, er weiss auch oft nicht was sie aufhaben, Zettel fehlen usw. Teilweise lügt er um solche Dinge zu vertuschen.

Ich bin mit der Mutter befreundet und die klagt oft wie schwierig sie es mit ihm findet. Meinen Ratschlag zum einen Konsequent die Hausaufgaben zu kontrollieren und bei verbaseln von Hausaufgabenzettel, auch mal eine Strafe folgen zu lassen ist ihr dann allerdings zu anstrengend.

Neulich sagte sie mir Sie könne da nicht ständig zu Hause Druck aufbauen weil das Familienklima darunter leidet. Dazu muss gesagt werden dass sie von 14:30 bis oft 20:00 Uhr abends als Musiklehrerein arbeitet, und anscheinend ihrem Sohn wenn sie ihn mal sieht alles durchgehen lässt. Als ich mal wagte zu sagen, dass Kinder auch mal Konsequenz und Grenzen brauchen, und auch mal mehr Hilfe und Zeit der Eltern um zu lernen sich selbst zu organisieren ging sie dann auf mich los ( und 2 umstehende Jungsmütter dazu) dass ich ja keine Ahnung habe wie das mit Jungs so ist. Ich hätte ja nur Mädchen, die wären viel einfacher). Ja und meine sind einfacher, weil ich sie schon seid 10 Jahren konsequenter erziehe als sie ihren Jungen. Das hat aber nichts mit dem Geschlecht zu tun. Erziehung zählt sich halt irgendwann aus. Aber viele sind einfach zu faul sich mit den Kindern auseinanderzusetzen.
Mir tut der Sohn irgendwie leid, da er schon schlau genug ist um gute Noten zu kriegen, und er sein Potential vergeudet. Aber was kann ich da tun?

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