Fass mein Kind nicht an! Er mag das nicht!

Wenn jemand Fremdes mein Kind anfässt...

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    • (1) 19.02.17 - 13:16

      Gestern war es mal wieder soweit. Wir liefen durch einen Laden auf der Suche nach Bastelmöglichkeiten für das Wochenende als plötzlich die Hand eines älteren Mannes den Kopf meines Sohnes streichelt bzw. die Harre eigentlich eher kurz „durchwuschelt“. Er grinste mich an nach dem Motto „Ein süßer Junge!“. Ich war ihm im ersten Moment dankbar und verspürte aber gleichzeitig ein sehr mulmiges Gefühl als ich direkt danach meinen Sohn ansah. Auch der Blick seiner Mutter zeigte mir, dass sie alles andere als dankbar dafür war, dass dieser Fremde Mann freundlich sein wollte.

      „Warum regen Sie sich auf?“

      Ich beschloss zuerst die Situation zu ignorieren, während meiner Frau deutlich anzusehen war, dass sie ihn im Geiste sagte: „Fassen Sie mein Kind nicht an!“ Ich finde sie hat damit durchaus recht. Sie fühlt sich dabei nur missverstanden und hat weder die Geduld, noch die Muse, einem Fremden jetzt zu erklären, dass unser Sohn es nicht ausstehen kann am Kopf gestreichelt zu werden. Auch nicht von uns. Das kann der gute Mann natürlich nicht wissen, der, ganz bestimmt, nichts Böses wollte. Ich für meinen Teil gehe sowas eher subtil an. Ich ging um das Regal, schlich mich hinter den Mann und wuschelte ihm überraschend durch die Haare. Er ging sofort zum „Angriff“ über: „Wieso haben Sie das gemacht? Sind sie aufgeregt? Ich wollte doch nichts böses? Wenn ich etwas falsch gemacht habe muss ich mich entschuldigen.“ Ich versuchte ihn zu beruhigen, was nicht möglich war. Er war so verbissen darauf mir zu erklären, dass er nur „Liebe“ schenken wollte, Kinder einfach toll fände und ich verstehe das. Als er ein kleiner Junge war wurde er wahrscheinlich täglich von fremden gestreichelt (und auch erzogen), denn so funktionierte das Leben auf dem Dorf und in der Kleinstadt eben.

      „Wie haben Sie sich denn gefühlt?“

      Es dauerte gute 30 Sekunden bis ich zu Wort kam um ihm zu erklären, weshalb ich ihm durch die Haare gestreichelt habe, bis er mir einen Türöffner präsentierte: „Hat der Junge sich schlecht gefühlt?“, fragte er. Ich fragte ihn: „Ich weiß es nicht, wie haben Sie sich denn gefühlt?“ Ich sah ihm den kurzen Moment der Erkenntnis in den Augen an und er antwortete: „komisch aber…“ Schade, dass er nicht einen Moment lang über dieses „komisch“ nachgedacht hat, weil genau darum ging es mir eigentlich und darum geht es mir auch, wenn ich dieses Erlebnis „zu Papier“ bringe. Niemand kann es mögen von einem Fremden Menschen plötzlich gestreichelt oder angefasst zu werden und das ist doch auch nur logisch. Wir haben unsere ganz persönliche Comfort-Zone und diese zu öffnen und vor allem wem gegenüber wir sie öffnen, liegt in unserer Entscheidung. Wieso gestehen wir diese Entscheidung also nicht auch den Kindern zu?

      Lieber, alter Mann aus dem Laden…

      Es tut mir leid, dass wir auseinander gingen als hätten wir einen Streit gehabt. Es tut mir leid, dass du dich von mir angeprangert gefühlt hast. Es tut mir leid, dass du nicht verstanden hast, was ich dir eigentlich sagen wollte und ich weiß nicht ob du es bis jetzt noch nicht verstehst. Das nächste Mal wenn wir uns sehen, dann erkenne ich dich. Du hättest uns auch einfach sagen können, dass du unseren Sohn süß findest, ich hätte es richtig verstanden – und es hätte auch gereicht. Bitte versteh mich nicht falsch, es geht nämlich nicht um mich. Es geht um mein Kind und es ist meine Pflicht ihn zu beschützen und in Situationen für ihn einzustehen, für die er selbst noch zu jung ist. Mit sechs Jahren hätte er sich vielleicht gewehrt mit „ey…“ und mit 13 vielleicht mit „Fass mich nicht an!“ aber mit drei Jahren kennt er nur eins: Flucht. Zu seinen Eltern!

      Als ich mich auf dem Weg zur Rolltreppe machte musste ich unweigerlich grinsen, weil eigentlich fand ich es lustig dir als Reaktion durch die Haare zu wuscheln. Eine Mutter mit einem Kinderwagen und einem weiteren Kind an ihrer Seite grinste mich an und nickte mir zu. Ich nickte zurück.
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      *** [vom urbia-Team editiert. Bitte keine Werbung.]

      (6) 19.02.17 - 15:14

      Ziemlicher B

      • (7) 19.02.17 - 15:19

        Ziemlicher Bohei!

        Situationen wie beschrieben haben wir auch erlebt.

        Man kann auch einfach sagen:,,Vielen Dank für das Kompliment, aber mein Kind mag es nicht von Fremden berührt zu werden. Bitte respektieren Sie das!"

        Fertig!

        Einem alten Mann aufzulauern, um ihn durch Spiegelung zu erziehen halte ich für sinnlose Selbstgefälligkeit. Sorry!

    Was für ein Text!

    Ein Kind mit drei jahren kann sich durchaus wehren und zum Ausdruck bringen, das ihm das nicht gefällt. Darin unterstütze ich meine Tochter auch und sage ihr, dass sie sich wehren darf und auch nein sagen, wenn sie das nicht möchte.
    Da merken es die Leute dann selber, dass es nicht gewollte ist, ohne das man was sagen muss.
    Zumindest eben in dem Alter.

    Davon abgesehen hat noch kein Kind einen Schaden davon getragen und ob ich der Person nun die Liviten lese oder nicht, es ist ja schon passiert. Von daher lerne ich meinem Kind damit umzugehen als andere Leute zu belehren. Und schon gar nicht in dem ich mich auf das gleiche "Niveau" herablasse.

    Auch wenn die Vorstellung recht komisch ist - auch ich finde es nicht in Ordnung zurück zu wuscheln.

    Einfach so stehen lassen kann ich das in der Regel aber auch nicht.

    Für mich ist das eine Frage des Respekts und mich ärgert es, dass es immer noch nicht in den Köpfen einiger Menschen angekommen ist, dass Kinder mit dem gleichen Respekt zu behandeln sind, wie Erwachsene
    Nicht falsch verstehen! Ich bin kein Freund von laissez-faire. Und natürlich haben Erwachsene andere Rechte und Pflichten, als Kinder. Natürlich machen die Erwachsenen die Regeln und setzen diese durch.

    Aber ich finde halt, dass Kinder in jeder Situation mit dem gleichen Respekt wie ein Erwachsener behandelt werden sollten. Sie haben ein Recht ausreden zu dürfen, nicht angefasst zu werden, dass man sich nicht über sie Lustig macht, ihre Meinung zu sagen usw.

    Ich suche darüber also in aller Regel auch das Gespräch bzw. finde je nach 'schwere' auch deutlichere Worte.

    Etwas bizzar finde ich auch, dass "der neue Erzieher" der Meinung ist, dass sich ein 3jähriger nur zu den Eltern flüchten kann. Gerade von einem Erzieher erwarte ich, dass er in solchen Situationen die Kinder stark macht.

    Ein 3jähriger kann in der Regel mehr als deutlich machen, was er möchte und was nicht. Man muss ihm da ggf. nur Mut zu machen.

    ich drücke dir die daumen, dass es leute gibt, die lust haben, so einen kram öfter zu lesen. ich zähle sicher nicht dazu und finde dein verhalten affig und deinen post langweilig.
    vg

    Als mein erstes Kind ein paar Wochen alt war und wir in der S-Bahn unterwegs waren, griff eine Frau in den Kinderwagen und tätschelte die Wange meines Babys"oh....wie süß! " oder sowas hat sie gesagt.

    Ich war so perplex.... Ohne nachzudenken tätschelte ich daraufhin das Gesicht der Frau und meinte nur sowas wie "oh wie süß! " und sah sie leicht angesäuert an.

    Sie drehte sich ab und gut war's.

    Ja.. Mag sein dass es lieb gemeint ist, auch bei der Story hier (sowas passiert ka nummal ständig ), aber ich finde das sehr unpassend.

    Mit drei Jahren kann ein Kind sind gegenüber einem erwachsenen doch noch nicht so ausdrücken... OK.. Manche Kinder sicher, aber ich finde das wichtig dass die Kinder sehen dass wir Eltern sowas nicht gut heißen.

    Immerhin predigen wir den Kindern doch dass sie nie mit fremden Menschen mit gehen sollen, keiner sie anfassen darf usw.

    Mona

    Ich finde das jetzt nicht so schlimm.

    Wobei unser Sohn auch nicht auf fremde zugeht, meist versteckt er sich bei mir und linst nur so hinter meinem Bein vor. Von daher kommt es selten vor.

    Aber er ist auch schon im Supermarkt mal einer älteren Dame hinterhergelaufen, weil er dachte, ich wäre es, die hat ihm dann auch über den Kopf gestreichelt und zu ihm gesagt: Deine Mama ist da vorne.
    Ich musste lachen und fand es wirklich nicht schlimm, mein Sohn auch nicht. Er hat sogar Tschüss gesagt und ist dann zu mir gelaufen.

    Ich glaube, Kindern über den Kopf zu streicheln ist so ein Urinstinkt, den jeder von uns in sich hat. Das ist so schnell passiert. Hab das auch schon bei Kindern in der Krabbelgruppe gemacht, die kenne ich ja auch nicht wirklich. Fand aber keine Mutti schlimm bisher.

    Und was das angeht: Die Kinder sollen selbst bestimme und sollen ja bloß nicht mit Fremden mitgehen.
    Bin ich absolut dabei, aber das gilt ab einem Alter, in dem man sie auch mal unbeaufsichtigt lässt und das ist mit 1 , 2 oder auch 3 Jahren ja eher nicht der Fall.
    Man muss ihnen beibringen auch Mal nein zu sagen.
    Sollte mein Sohn mir mal sagen, dass er das nicht möchte, werde ich ihn darin bestärken, dass er es selbst laut ausspricht, denn wenn ich das immer mache und ihn beschütze, lernt er es nie, das selbst zu machen und verlässt sich immer auf mich. Er muss aber selbst das Selbstbewusstsein entwickeln, NEIN zu sagen, sonst klappt das in Situationen in denen er später mal auf sich alleine gestellt ist nicht.
    Das gilt natürlich nur, wenn das Kind sich nicht offensichtlich unwohl fühlt oder gleich anfängt zu brüllen. Wobei dann die wenigsten noch streicheln wollen.;-)

    Ich finde gar nichts dabei, wenn jemand meine Kinder tätschelt. Meine Güte. Das ist ein alter Mann, der sich über ein süßes Kind gefreut und es am Kopf angefasst hat und nicht an einer intimen Stelle.

    Ich komme aus einem anderen Kulturkreis und bei uns ist das normal. Wenn ich in meinem Heimatland bin werden meine Kinder von wildfremden Menschen getätschelt, auf die Hände geküsst usw. Ich bin doch dabei. Ich merke immer, wie sie sich über diese Aufmerksamkeit freuen. Im Kinder unfreundlichen Deutschland kommt sowas ja seltener vor. Ich muss ehrlich sagen, dass ich niemals ein deutsches Baby tätscheln würde, weil ich durch solche Beiträge weiß, dass es unerwünscht ist. Ausländische Babys knuddeln ich total oft und gerne und die Mamas finden das nicht schlimm. Sie sind stolz, dass andere ihre Kinder süß finden.

    • (15) 20.02.17 - 21:17

      Deutschland wird immer verkrampfter....einerseits sollen die Kinder ALLES dürfen, weil es Kinder sind...." auf gut Deutsch, sie brauchen nicht zu lernen Rücksicht auf andere zu nehmen" und dann wird sich aufgeregt, weil einer nur höflich und nett sein möchte.

      lisa

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