Unsicher-Vermeindende Bindung / Aggressivität

    • (1) 22.04.17 - 13:05

      Liebe Urbia Gemeinde,

      ich schreibe hier zum ersten Mal, weil ich ein wenig Rat und Zuspruch gebrauchen könnte. Meine Tochter (23 Monate) ist ein echter Wirbelwind, was uns nicht weiter wundert, da mein Mann und ich wohl auch so waren als Kinder. Sie hat allerdings auch immer wieder aggressive Phasen, die letzten 2 Monate waren gut aber seit ein paar Tagen ist sie wieder sehr unkontrolliert und aggressiv (gestern in der Spielgruppe ein jüngeres Mädchen viel zu fest umarmt und angesetzt zum Beissen und einem anderen den Schnuller weggenommen und an den Haaren gezogen usw). Bislang habe ich das als Problem verrotet was ja viele Kinder in dem Alter haben. Also nach Themen wie "aggressives Kleinkind" etc gegoogelt.

      Jetzt bin ich allerdings durch Zufall auf das Thema "unsichere Bindung" gestossen und als ich das gelesen haben bin ich erstmal aus allen Wolken gefallen. Meine Tochter ist nicht nur sehr lebhaft und manchmal aggressiv sondern zeichnet sich auch dadurch aus das sie quasi nie weint oder protestiert wenn ich oder Papa gehen. Sie geht noch nicht in die Kita aber ich sehe das zB. in der Spielgruppe wo sie sich quasi sofort an den Spielleiter gebunden hat und ich nur noch zweitrangig bin. Einmal waren wir in einem Kindergarten zur Vorstellung und das ist sie quasi ohne wenn und aber mit der fremden Kindergaertenerin eine Etage nach oben ohne einmal nach uns zu schreien. Bei Oma und Opa sehe ich das als normal an weil sie sich schon sehr früh an sie gewöhnt hat, aber bei fremden Personen? Es ist sehr selten das sie mal jemandem nicht traut und sich dann an mich oder Papa klammert. Ich habe immer gescherzt das ich sie quasi überall lassen könnte. In meiner Naivität habe ich immer gedacht das wäre eigentlich gut und zeuge von grosser Sicherheit. Nun lese ich das, dass diese "Uninteressiertheit " an der Mutter eher von einem schlechtem Bindungsverhaeltnis zeugt. Ich denke dadurch kommen auch diese aggressiven Frustrationen zustande.

      Sitze gerade heulend vorm Computer und weiss gar nicht was ich machen soll. Ich war im ersten Jahr mit meiner Tochter meiner Meinung nach nicht besonders feinfühlig. Ich bin ein sehr emotionaler, ungeduldiger Mensch. Habe oft verärgert reagiert wenn meine Tochter zu viel geweint hat oder nicht geschlafen hat. Es fiel mir einfach schwer mich an das Mutter seine zu gewöhnen ohne depressiv zu sein. Ich mache mir unheimlich grosse Vorwürfe und ärgere mich noch mehr warum ich das nicht schon vorher mal recherchiert habe. Inzwischen habe ich viel mehr Spass am Mutter-sein aber eben erst seit einigen Monaten. Klar gibts auch mal Stress aber ich bin geduldiger als die ersten 12-15 Monate.

      Hat jemand ähnliche Erfahrungen und kann mir vielleicht davon berichten? Vielen Lieben Dank!

      • (2) 22.04.17 - 14:45

        Ich glaube, du machst dir zu viele Gedanken. Kinder und ihre Eigenschaften/ihr Temperament sind unterschiedlich. Der eine geht mit jedem fremden mit, der andere traut sich nicht mal hinter Mamas rücken hervor, wenn ein fremder ihn anlächelt. Das hat nicht das geringste mit Bindung sondern dem Wesen des Kindes zu tun. Dein kind ist eben selbstsicher und neugierig. Ist doch gut. Das Kinder in dem alter beißen, hautnah, schubsen uns kneifen ist auch normal. Das ist ihr einziges Mittel zur Kontaktaufnahme zu anderen, da sie noch nicht richtig sprechen können. Also alles völlig normal und nichts davon ein Grund besorgt zu sein.

        • (3) 22.04.17 - 14:52

          Vielen Dank ich hoffe du hast recht...überall steht bei sicherer Bindung sollte das Kind einem zumindest mal hinterherrufen oder so. Das hat unsere quasi noch nie gemacht, ganz selten mal wenn ein bestimmter Mensch sie verunsichert. Sie war auch ohne das Schlagen so von der Grundhaltung her immer recht wild und "unkontrolliert", ich mach mir halt Gedanken ob das nicht doch alles zusammenhängt.

          Danke nochmal für den Zuspruch

          • (4) 28.04.17 - 20:52

            Ach Gottchen. Oder aber deine Tochter ist neugierig und offen für die Welt - wie meine, die sich problemlos mitten ins Getrubel gestürzt hat. HInterher rufen, Mama vermissen - bitte was? Eine schlechte Bindung haben und hatten wir dennoch ganz sicher nie. Im Gegenteil. Ich würde ganz spontan das Gegenteil behaupten. Sichere Kinder können einfacher loslassen, weil sie das Vertrauen haben, nicht fallen gelassen zu werden.

            lg thyme

      (5) 22.04.17 - 15:22

      Hallo,

      Du solltest versuchen die Bindung zu deinem Kind zu stärken. Wie alt ist dein kind jetzt?

        • (7) 22.04.17 - 21:41

          Dein Text könnte wirklich genau 1 zu 1 von mir sein! Ich hab mir schon auch manchmal Gedanken/Sorgen gemacht, es aber dann wieder beiseite geschoben.. Mein Sohn ist jetzt ein Jahr geworden.

          • (8) 22.04.17 - 21:51

            Dann hoffe ich, dass die Antworten dir hier auch weiterhelfen! Mir haben sie definitiv geholfen obwohl ich mir immer noch Vorwürfe mache...ich habe ein bisschen gebraucht mich so richtig an meine Tochter zu binden, der Schlafmangel hat mir extrem zugesetzt und ich hatte auch andere Sorgen (beruflich, in der Ehe, Lebensumstände insgesamt). Wenn ich manchmal über das erste Jahr reflektiere denke ich das ich schon viel genervt, gestresst und unsicher war. Aber das kann ich natürlich nicht rückgängig machen , umso schöner die ermunternden Antworten hier zu lesen.

            Liebe Grüsse...

            • (9) 22.04.17 - 22:15

              Ich bin jetzt echt erschrocken und unsicher.

              Wenn ich bisher darüber berichtet hab, kam als Reaktion immer nur: sei doch froh, besser als anders rum!

              Ich scherze immer, er hat sich seine Vorräte an Nähe schon aufgefüllt, da bin ich jetzt uninteressant.

              Wir hatten eine natürliche Geburt, wir stillen noch, nachts schläft er bei uns, die erste Zeit war er sehr viel im Tragetuch, spazieren bis 9 Monate nur im Tragetuch. Ich genieße das auch alles!

              Manchmal war ich auch fertig mit den Nerven und hab ihn angemotzt.

              Wenn niemand anders da ist, ist er schon gern bei mir denke ich. Aber sobald jemand anders kommt, bin ich abgeschrieben.

              In Spielgruppen will er nie bei mir sein, nur auf Achse oder bei der Gruppenleiterin. Zu anderen ist er grob. Ich hatte es darauf geschoben, dass er grobmotorisch etwas weiter ist (früh gelaufen und hat früh mit Sachen geworfen).

              Andere Kinder sitzen bei ihren Müttern, ich muss ihn immer unter Protest einsammeln.

              Ich gehe jetzt wieder arbeiten und er ist bei meiner Mutter, klappt alles super. Wenn ich komme um ihn abzuholen, spielt er einfach weiter und es kommt keine große Regung.

              Eigentlich bin ich nie unsicher, in der Hinsicht jedoch schon.

              Danke für den Denkanstoss und alles Gute!

              Liebe Grüße

              • (10) 23.04.17 - 09:39

                Also ich glaube das mit dem "abgeschrieben sein" ist relativ normal. Ich erinnere mich als Kind da fand ich auch immer alle spannender als Mama und Papa. Was mich eher verunsichert, dass sie manchmal (nicht immer und bei allen, bei Männern ist sie meist vorsichtiger) bei völlig fremden Personen mitgeht auch wenn ich aus der Blickweite bin. In der Spielgruppe sehe ich auch das die anderen Kinder mehr nach der Mutter suchen...Ich muss dazu sagen unsere war schon von kleinauf stark an viele Menschen gewöhnt (Verwandtschaft in der Nähe die alle sehr involviert sind und viel mithelfen). Ich habe ihre "soziale Ader" immer so erklärt....

                Aber manchmal denke ich schon, dass es krass ist das sie mir noch NIEE (!!) nachgeholt hat wenn ich sie zb bei Oma und Opa gelassen habe.

                Trotzdem: die lieben antworten hier sollten dir auch helfen dir nich zu viele Sorgen zu machen. Ich warte einfach mal ab und beobachte das jetzt nochn bisschen...

    (11) 22.04.17 - 15:38

    Hi Du!
    Da zeigt sich mal wieder wie absurd es ist im Internet zu recherchieren.
    Ich habe 3 Kinder. Mein Großer hat nie gefremdelt, mir nie hinterhergerufen, nie beim Abgeben geweint. Aaaber, als er im Kindergarten war und ihn das überfordert hat, fing er an den ganzen Nachmittag zu weinen und negativ Aufmerksamkeit einzufordern. Ich hab das begriffen und entsprechend umgesetzt.
    Meine Mittlere hat stark gefremdelt, mir immer hinter her geweint.
    Mein Jüngster findet Abgeben großartig, er liebt die Abwechslung, ist gern im Kindergarten, bei Oma, trotzdem kam irgendwann die Phase, wo er geweint hat beim Abgeben. Aber nur dort, kurz.
    Die Jungs lieben bis jetzt irgendwo fremd zu sein, was zu entdecken, allein zu Hause zu sein, meine Tochter klebt an mir.
    Alle meine Kinder sind dabei absolut sicher gebunden. Sie sind in ihrem Wesen halt unterschiedlich.

    Lass dir nicht etwas Positives negativ reden. Deine Tochter ist offen für die Welt. Großartig!! Wenn sie irgendwann mal im Kindergarten ist, weint sie nach 3 Monaten vielleicht auch mal, weil das Neue dann verflogen ist und sie lieber zu Hause wäre oder weil die anderen Kinder weinen und sie das beobachtet.

    Ich hatte nie, nie Heimweh, hab nie im Kindergarten geweint, und hab eine tiefe Bindung zu meinen Eltern. Das ist einfach Charaktersache.

    Knuddel dein Mäuschen und mach dir keinen Stress!

    • (12) 22.04.17 - 17:24

      Vielen lieben Dank, das tut gut, vor allem von jemandem der so viel Erfahrung hat. Ja, es is wie du sagst, ich habe das immer als etwas positives betrachtet aber als ich das plötzlich las war ich echt geschockt. Geht mir schon viel besser, danke :)

Mein Großer (14) war früher auch so! Schon als Baby war er am liebsten auf der Decke und hat die Welt erkundet--schmusen war Fehlanzeige.
Kaum konnte er laufen, lief er immer weg--Spielplatzbesuche waren ein Traum, alle Muttis konnten gemütlich auf der Bank sitzen, nur ich konnte ständig mein Kind einfangen.
Auch auf Spaziergängen war ihm total wurscht, ob wir noch da sind oder nicht-er hatte offenbar ein totales Vertrauen.
Im Kindergarten bei der Eingewöhnung mit 3 lief auch noch alles glatt, aber als er dann merkte, dass ich IMMER gehe, fing er an zu weinen und ich bin teilweise noch eine Stunde mit ihm geblieben, obwohl mir die Erz. das ausreden wollten. das ging dann bestimmt einen Monat so--das erste und einzige Mal, wo ich das Gefühl hatte, dass er mich braucht #verliebt
Danach war er wieder autonom--ob Klassenfahrt, Zeltlager oder Übernachtung--mein Sohn hat mir vielleicht noch von weitem "tschüss" zugerufen, während die anderen in Mamas Pulli geweint haben.

Ich habe es so hingenommen, aber auch oft versucht zu analysieren.
Er ist ein KS Kind (Not KS unter VN) und die ersten 3 Tage lag er in einem Glaskasten neben mir--wenn er wach wurde, sagte ich der Schwester Bescheid, dass sie mir beim stillen helfen soll, aber das KH war so überfüllt, dass sie immer kam, wenn mein Sohn wieder eingeschlafen war. Nach 3 Tagen war ich fit genug, ihn selbst aus dem Kasten zu holen und anzulegen. Dann hatte ich eine heftige Wochenbettdepri für bestimmt 3 Wochen, wo ich nur geheult habe...
Aber ich würde unser Verhältnis heute als sehr gut bezeichnen--wenig Mutter-Sohn, eher freundschaftlich. Er will auch schon lange nicht mehr kuscheln...

  • Danke dir :) so ganz un-kuschelig ist unsere Kleine nicht, die kann man schonmal umarmen und küssen usw. also ist nicht so das sie uns gegenüber abweisend ist oder so aber ich hab halt das Gefühl das sie null Trennungsschmerz hat. Habe immer gelesen das, dass in bestimmten Phasen kommt und wir hatten noch nie eine dieser Phasen. Ausser nachts, da will sie natürlich dann das mama oder papa da sind bis sie schlaeft...

    Ich habe eine natürliche Geburt gehabt und auch von Anfang an gestillt (voll für 5 Monate, und dann bis 10.5 Monate), also daran dürfte es nicht liegen...

    Nochmal danke für die Antwort und den Zuspruch!

    • (15) 22.05.17 - 16:43

      Da schreibst du doch selbst, wo sie tankt. Abends ;-)

      Meine ist auch eher autonom. Spielt viel auch allein, hilft total süß wo sie kann und bleibt auch gern bei der Oma ...

      Aber trotzdem brauch sie auch die kuschelphase beim einschlafen. Manchmal auch zwischendurch. Gestern merkte man aber sehr, dass sie mich doch vermisst. Ich war 8 Stunden außer Haus mein Hobby pflegen. Ich wurde zur Begrüßung gedrückt und musste erstmal mit ihr Spielen und sie Kuscheln. Kein weinen! Der Papa hatte trotzdem einen schönen Tag mit ihr.

      Gibt sone und solche und dann gibt's auch wieder ganz andere ;-)

      Grüße Morqua mit Prinzessin 15 Monate

(16) 23.04.17 - 00:35

Hallo,

also ich denke genau das Gegenteil-dadurch das sie schon eine gute Bindung zu Dir hat,
traut sie sich schon die Welt ohne Dich zu erkunden, da sie sich sicher ist, bei der Rückkehr wieder in ihren sicheren "Hafen" (Du) zu kommen.
Außerdem bin ich der Meinung, daß das (wie vieles) ein Charakterzug ist und sie eben mutiger, neugieriger ist, als z.B. ihre anderen Altersgenossen!
Sei stolz auf sie und interpretiere nichts negatives in ihr Verhalten!

Und agressive Frustration gehört m.M. auch zum Groß werden dazu-Deine Tochter ist erst so kurz auf der Welt, sie muß eben alles noch lernen (auch das soziale Verhalten und das ist ein schwerer, langwieriger Prozess, den manch Erwachsener noch nicht abgeschlossen hat#schwitz)!

LG, agrokate!

  • (17) 23.04.17 - 09:35

    Vielen Dank, ich habe das auch immer so interpretiert. Erst diese Sachen über Bindungsunsicherheit usw zu lesen haben mich aus der Bahn geworfen....

    (18) 28.04.17 - 20:54

    "also ich denke genau das Gegenteil-dadurch das sie schon eine gute Bindung zu Dir hat,
    traut sie sich schon die Welt ohne Dich zu erkunden, da sie sich sicher ist, bei der Rückkehr wieder in ihren sicheren "Hafen" (Du) zu kommen."

    #pro

(19) 23.04.17 - 10:22

Die Bindung zu deinem Kind hast du ein Leben lang (und dein Kind zu dir) ganz egal ob du Tag und Nacht in greifbarer Nähe warst oder nicht. Erstes Kind/erstes Jahr: Ich glaube es gibt keine Mutter die da nicht auch mal überfordert war. Googlen ist wirklich der größte Fehler den man da machen kann ;-) das nimmt sehr viel Eigensicherheit.

Je größer dein Kind wird,desto mehr Phasen wird es geben wo es sich von dir lösen wird. Ist für eine Mutter natürlich kein schönes Gefühl,aber für das Kind wichtig.

(21) 23.04.17 - 13:49

Hallo,

um bei einem Kind eine unsicher-vermeidende Bindung hinzubekommen, muss man schon einiges im Bereich Vernachlässigung "anstellen".
Leute, die sich so schlecht um ihre Kinder kümmern, machen sich keine solchen Gedanken um sie, wie Du.

Dass man bei Babys und Kleinkindern öfter mit den Nerven zu Fuß ist, gerade, wenn sie viel weinen und schlecht schlafen, ist normal. Man schläft dann selbst ja auch schlecht und macht sich Gedanken, was man verkehrt macht, wenn das Kind so viel weint.

Wir haben waren bei unserer Tochter damals auch öfter ziemlich genervt, weil sie wenig schlief, aber motzig war, wenn sie müde war, und schon immer wusste, was sie wollte. Nur konnte sie das damals nicht so äußern bzw. man kann die Kinder ja nicht alles machen lassen, was ihnen einfällt. Da sie sich nicht ablenken ließ, ging dann immer die Sirene an. #schwitz
Trotzdem ist sie definitiv sicher gebunden. (Sie ist jetzt 9.)

Wie genau sich ein Kind verhält, hängt viel mit dem Charakter zusammen. Es ist nunmal nicht jedes Kind so kuschelig und hängt ständig an Mama. Manche sind eben eher Forscher und Entdecker.

Unsere Tochter hat(te) beides phasenweise. Teilweise hing sie an uns, teilweise ist sie, ohne mit der Wimper zu zucken, einfach ohne uns irgendwo hin marschiert. Sie im Kindergarten abzugeben war nie ein Problem, aber als sie auf Klassenfahrt wollte/sollte, hing sie weinend an mir, obwohl sie sich monatelang auf die Fahrt gefreut hatte.

LG

Heike

  • (22) 23.04.17 - 19:35

    Danke für deine Antwort! Ich lese hier auch immer wieder, dass das nochmal ganz anders kommen kann mit der Anhänglichkeit wenn die Kleinen so 3-4 sind (?). Ich bin gespannt.

    Ich glaube die Beschreibungen im Internet zu dem Thema sind tatsächlich ein bisschen simpel (so nach dem Motto: wenn dein Kind dir nicht nacheult stimmt was nicht...). Ich habe auch versucht mehr zu finden aber so richtig schlau bin ich nicht daraus geworden.

(23) 23.04.17 - 17:08

Haha,das kenne ich auch!
Meine Tochter,7 Jahre,hat sich schon immer sehr leicht von mir getrennt. Bei Papa, Oma oder Tante,aber auch bei ihr fremden Menschen,z.B. Freundinnen im Cafe,wenn ich aufs Klo musste, zu bleiben, war für sie kein Thema. In den Krabbelgruppen ist sie, sobald sie mobil war, immer von mir weg und hat sich zu anderen Müttern auf den Schoß gesetzt, deren eigene Kinder platzen vor Eifersucht, während ich dann "kindlos" da saß. Da musste ich schon schlucken.
Als sie 23Monate alt war,meldete ich die in einem Mini-Kindergarten an, 2x3h pro Woche. Beim ersten mal ging ich nach 20min raus,das hat sie nicht gejuckt. Die Eingewöhnung im KiGa ging genauso problemlos, wir konnten das Eingewöhnungsprogramm abkürzen,weil sie heulte, wenn sie heim musste. Sie hat auch nie gefremdelt.
Seit sie vier Jahre alt ist, übernachtet sie an Weihnachten bei ihren Großeltern,die sie nur 4-5 mal im Jahr sieht, auch dort kommt es nur gaaaaanz selten mal zu einem Anflug von Heimweh, was aber am Telefon schnell weggeht.
Am Anfang habe ich mir ganz viele Gedanken gemacht,da ihr Start ins Leben sehr schlimm war.Nach einem dramatischen NotKS,bei dem sie wiederbelebt werden musste, kam sie sofort in die Kinderintensiv. Nur mein Mann durfte sie kurz sehen. Ich hielt die erst 16h später das erste Mal im Arm. Wir waren 10Tage getrennt im Krankenhaus.Aufgrund der schweren OP und Kindbettfieber (40 Grad, Antibiotika schlug nicht an) konnte ich mich kaum kümmern. Ich dachte lange, dass ihr Verhalten auf dieses Trauma zurückzuführen ist und sie keine Bindung hat.
Heute weiß ich aber, dass das ihr Charakter ist. Sie ist neugierig und sie zieht es hinaus in die Welt. Eine Freundin machte mich auch mal darauf aufmerksam ( da war sie ca. Ein Jahr alt) dass meine Tochter mich ganz stark beobachtet,wie ich auf ihr Fremde reagiere, quasi "Mamas Freunde sind auch meine Freunde" Auch das machte ihr wohl die Entscheidung leichter, sich anderen zuzuwenden.

Aber sie sucht immer wieder meine Nähe und will viel kuscheln. Da "tankt" sie Sicherheit für die nächsten Schritte auf. Und sie sagt mir täglich, wie sehr sie mich liebt.
Ich weiß inzwischen,dass sie und ich eine ganz enge Bindung haben, die sich allerdings nicht (immer) auf der körperlichen Ebene zeigt. Manchmal hätte ich auch mal gerne ein anhänglicheres Kind, aber letztendlich bin ich froh, dass sie sich "raus traut" und ich ihr (und mein Mann natürlich) anscheinend die Sicherheit geben kann, dass sie geliebt und unterstützt wird Die Anhänglichkeit des Kindes sagt nichts über die Qualität des Kindes aus.
Liebe Grüße
Tschitty

  • (24) 23.04.17 - 19:31

    Liebe Tschitty,

    ich kann mir vorstellen, dass es extrem viel Arbeit ist so ein Trauma zu überwinden. Das hat sicher viel Kraft gekostet. Hut ab erstmal dafür! Ich bin selber ein sehr offener Mensch, der locker andere anquatscht. Vielleicht vermittele ich meiner Tochter damit, dass man Menschen an sich vertrauen kann (?). Das tue ich ja auch tatsächlich selbst (also Menschen grundsätzlich erstmal vertrauen). Da bin ich jetzt drauf gekommen, weil du geschrieben hast, dass deine Tochter dein Verhalten gegenüber anderen beobachtet. Das mach für mich Sinn! Danke dir :)

(25) 23.04.17 - 19:42

Die Bindungsqualität kann man doch nicht an einer solchen Sache festmachen. Zum einen ist der "Fremde-Situationen-Test", aus dem die Beschreibungen stammen, für jüngere Kinder (12-18 Monate) ausgelegt. Zum anderen ist das Verhalten bei der Wiederbegegnung entscheidender. Dort reagieren unsicher gebundene Kinder, indem sie die Bezugsperson ignorieren und sich betont mit anderen Dingen beschäftigen. Dazu gehört auch ein Speicheltest, bei dem ein erhöhtes Stresslevel nachgewiesen wird. Sprich, die Kinder sind fühlen sich unwohl und stehen unter Stress, vertrauen aber nicht auf die Verfügbarkeit der Bezugsperson. Bis es dazu kommt, müssen sie einiges an negativen Erfahrungen mit deren Unzuverlässigkeit gesammelt haben. Eine unsichere Bindung "passiert" also nicht einfach so. Wenn sich deine Tochter also in der Situation wohlfühlt und zufrieden spielt, ist das gar nicht anwendbar.

Meine Kinder waren und sind (der Große ist 13 Jahre, die Kleine 14 Monate und wird seit ein paar Wochen von einer Tagesmutter betreut) waren da immer sehr offen und im Nullkommanichts eingewöhnt. Sie sind auch beide als Baby schon ohne sich einmal umzusehen überallhin gekrabbelt. Manche Kinder sind einfach so. Ich sehe das eher als besonders stabiles Vertrauen an.

LG

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