Erziehung 1 Jahr alt

    • (1) 31.05.17 - 14:51

      Hallo Zusammen
      Brauch mal eure Erfahrungen bzw. Tipps.

      Ich bin immer auf die Bedürfnisse meiner Tochter eingegangen. Sie hat als klein sehr viel geschrien und ich habe sie immer schnell zu mir genommen und getragen, gekuschelt usw... Hab sie also nie schreien lassen.

      Jetzt ist sie 1 Jahr alt und hat ein schönes Temperament. Wenn sie etwas will dann wird gequengelt und gebrüllt bis sie es bekommt. Oder z.B. kann sie nie kurz warten, wenn ich z.B. "probiere" mich anzuziehen hängt sie mir ständig am Hosenbein und will, dass ich sie hochnehme oder mit ihr spiele. Ja, ist alles normal wahrscheinlich.

      Aber... ab wann sollte man nicht mehr nachgeben und sich auch durchsetzen? Oder ist es eventuell schon zu spät dafür? Klar muss sie mal warten, wenn ich was erledige, aber ich beeile mich dann immer, damit ich zu ihr kann. Also sie "gewinnt" eigentlich immer.

      Verstehen die Kinder in dem Alter schon, dass Mama es nicht böse meint, sondern es halt einfach jetzt nicht geht so wie sie möchten?

      Wie macht ihr das?
      Danke und LG

      • Es kommt drauf an - warum sie weint/schreit. Anfangs schreien Babys nur wegen ihren Urbedürfnissen. Sind sie zufrieden gibt es kein Grund zu schreien. Sobald sie aber "wacher" sind... also so ab 4-6 Monaten, fangen sie auch an zu heulen weil sie ungeduldig sind. Sie sehen aber das man anwesend ist. Ab ca. einem Jahr kommt dann noch dazu, dass sie lernen einen eigenen Willen zu haben dann fangen sie auch das Toben an, weil sie gegen ihren Willen angefasst werden, was tuen sollen worauf sie gerade keine Lust haben oder was nicht so funktioniert wie sie es gerne hätten.

        Zu spät ist es nicht... der Lernprozess nicht auf alles sofort oder überhaupt zu reagieren, der dauert so oder so!

        Beispiele:

        1. Kind schreit, weil es nicht alleine sein will (vor allem beim schlafen): Darauf sollte immernoch umgehend reagiert werden, weil Selbstsicherheit lernt man nicht durch "friss oder stirb", die einen Kinder sind da halt sicher wenn sie zur Welt kommen und andere brauchen bis sie ca. 3 Jahre alt sind.

        2. Kind schreit weil es hoch genommen werden will, man selbst ist aber in Sicht- ja sogar in Griffweite: Nicht drauf reagieren, indem man das Kind sofort hoch nimmt. Sie müssen Geduld lernen. Man spricht mit dem Kind "Schatzi ich bin doch da, warte einen Moment, schau ich muss mich noch anziehen!" und sobald man das erledigt hat was man eben angefangen hat - DANN kann man das Kind selbstverständlich hoch nehmen. Sie müssen lernen das sie wahrgenommen werden aber man eben nicht immer sofort reagieren KANN!

        3. Irgendwas funktioniert nicht (Kind will was zusammenbauen bekommt es aber nicht hin etc.) weitestgehend ignorieren. Eher mit "versuch es halt nochmal - nicht gleich aufgeben, Übung macht den Meister"... meiner plärrt dann immer und fuchtelt wütend mit den Händen rum, wirft den Kopf nach hinten und total das Drama (wir müssen uns da eher zurück halten nicht zu lachen weils echt lustig aussieht). Wenn man ihn aber ermuntert es nochmal zu versuchen und das man sich selbst aber weigert - die Aufgabe zu übernehmen (das wollen sie manchmal wenn was nicht klappt, dann soll man es als Eltern machen - NÖÖÖÖ), dann braucht er n paar Sekunden... regt sich auf... dann schnauft er kurz durch, nimmt die Sache und versucht es nochmal. Manchmal wiederholt sich das zich mal, mal gibt er auf und sucht sich was anderes und mal klappt es. Bei letzteren gratulieren wir überschwänglich.

        4. Kind tut sich weh, stößt sich oder erschrickt sich weil es umgefallen ist: Umgehend reagieren, weil das mit Schmerzen und Angst zu tun hat.

        5. Kind wird stinksauer - haut sogar um sich, weil es nicht gewickelt, angezogen, zähne geputzt etc. bekommen will oder nicht vom Arzt untersucht werden will. Da muss es schlicht und einfach durch. Es gibt Dinge da gibt es kein "dann eben nicht" sondern "zähne zammbeißen und durch". Das führt zwar manchmal dazu, dass ich gerade wickeln unterbrechen muss - weil Junior es toll findet mich zu beißen oder zu kratzen. Und mach erst weiter wenn er damit aufhört. Aber letztlich muss er da durch. Man sollte es aber nicht länger als unbedingt nötig hinziehen. Denn letzlich ist es extrem anstrengend für die Kinder nicht nur für uns.

        LG Küken mit Kuba

      sie ist jetzt in dem Alter, in dem du nicht mehr sofort springen musst. Also du kannst dich ruhig in Ruhe anziehen auch wenn sie quengelt.

      Ich hab das so gemacht, dass ich, wenn ich mich umziehen wollte, den Zwerg auf den Arm genommen habe, dann hab ich ihm gesagt. So Mama muss sich jetzt umziehen und hab ihn aufs Bett gesetzt. Wenn er dann gequengelt hat, hab ich ihm gesagt: Ich bin gleich wieder für dich da. Und hab mich umgezogen. Dauert ja nicht lange. So lange durfte er dann schon quengeln.

      Das ist ja kein Schreien oder Brüllen, sondern einfach quengeln, weil er was will, was er nicht bekommt..
      Und glaub mir, das was du jetzt meinst, sie will ihren Willen durchsetzen, freu dich auf das Alter so von 2 - 3. Bei uns ging das so mit 23 Monaten los. Da ist jetzt Gebrüll, das vorher war da aber sehr freundlich ;-)
      Der Vorteil ist, man kann es ihnen schon etwas besser erklären. Das ändert zwar nichts am Gebrülle, aber meistens ist es schneller vorbei.

      Wichtig ist nur konsequent zu bleiben.

      Wenn ich sage es gibt keinen Nachtisch vor dem Essen, dann gibt es den auch nicht, wenn er 15 Minuten am Stück durchquengelt und heult. Und Nein heißt eben wirklich Nein.

      Ich überlege mir inzwischen ganz genau, was ich will und ob es mir das Wert ist im Notfall das Gebrülle zu ertragen.
      Wir fahren ganz gut damit und es ist inzwischen 27 Monate und es läuft im Moment mal ganz gut und ich weiß auch wie ich ihn umlenken kann bzw. ablenken. :-)

    • Hallo,

      ich finde, man sollte Erziehung nie als Machtkampf sehen. Meine Kinder bekommen ihren Willen, wann immer es eben geht. Ich würde gar nicht auf die Idee kommen, mein Kind warten zu lassen, nur damit es etwas lernt.

      Selbstverständlich muss auch mein 13 Monate alter Sohn mal warten. Ich versuche, so gut es eben geht, ihn abzulenken, das klappt aber leider nicht immer und dann jammert er auch mal.

      Ich weiß nicht ob er dann versteht, dass ich es nicht böse meine, ich denke aber nicht, dass er bereits so weitsichtig denken kann und deshalb macht es meiner Meinung nach auch keinen Sinn, ihm Geduld beibringen zu wollen.

      Geduld ist ja irgendwo auch ein Entgegenkommen und umso umsichtiger ich meine Tochter (4) behandle, desto lieber kommt sie mir auch entgegen. Wenn ich einen schlechten Tag habe und viel motze, stellt sie auch gerne auf stur.

      Bei meinem 13 Monate alten Sohn kann ich dieses Verhalten nicht beobachten. Er kommt mir nie entgegen, einfach weil er viel zu klein für solche komplexen Dinge ist ;-)

      LG

      • (6) 03.06.17 - 11:43

        <<ich finde, man sollte Erziehung nie als Machtkampf sehen. Meine Kinder bekommen ihren Willen, wann immer es eben geht. Ich würde gar nicht auf die Idee kommen, mein Kind warten zu lassen, nur damit es etwas lernt.>>

        Ui, ui, ui...

        Viel Spaß in der Pubertät! #rofl

        • (7) 03.06.17 - 12:44

          Meine Kinder sind aber noch nicht in der Pubertät. Das Kind der TE auch nicht.

          Bisher habe ich mich als Mutter mit meinen Kindern zusammen entwickelt und meinen Umgang mit ihnen ihrem Alter angepasst.

          Dein Kommentar ist dämlich.

          Mein Ältester hat mit knapp 17 die Pubertät zum größten Teil hinter sich.
          Und ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich auf eine Machtkampf-Erziehung keine Lust hatte, dass ich, sofern es möglich war, ihm seinen Willen gelassen habe, ihn nicht länger als nötig habe warten lassen und ihn viel habe mitentscheiden lassen, ihn immer ernstgenommen habe, aber ich hatte definitiv viel Spaß in der Pubertät:-). Er ist rücksichtsvoll, einsichtig, diskutiert gern, aber durchaus höflich und bedacht...

          Ich sehe überhaupt keinen Anlass, bei seinen Brüdern irgendwas anders zu machen:-D.

          (9) 03.06.17 - 16:24

          Dir ebenfalls mit deinem sicher perfekt konditionierten Exemplar! Da kann ja nix schief gehen ... :D

    Hallo,

    es ist ganz normal, dass man die "Bedürfnisse" der Kinder erfüllt. Aber man ist als Mutter (und Vater natürlich auch) immer noch ein eigenständiger Mensch und man hat das Recht, auch eigene Bedürfnisse zu erfüllen. Du bist kein Sklave!
    Dieses Dauergequengle ist meiner Meinung nach nicht normal. Und das hat auch nix mit Temperament zu tun.

    Du willst dich anziehen, aufs Klo gehen...das steht dir zu!

    Rede mit dem Kind, erklär kurz was und warum du jetzt für 5 Sekunden nicht zur Verfügung stehst und zieh das durch. Red nicht in Babysprache und auch nicht in einem "lustigen" Tonfall. Ganz normal. Meine Nachbarin redet mit ihren Kinder nur in so einem affigen Tonfall und die Kinder finden das total lustig, sie wundert sich, warum sie die Kinder nicht ernst nehmen.
    Kind anschauen, kurze Sätze, freundlicher Tonfall und durchziehen.
    Nimm das Kind ernst, dann nimmt es dich auch ernst.

    LG
    Gul Damar

    • Danke an alle für die Antworten.

      Was meinst du mit: dieses dauergequengel ist nicht normal? Macht mich echt nachdenklich.

      Ich rede natürlich immer in normaler Sprache mit ihr und erkläre, warum sie jetzt warten muss oder wie auch immer. Es bringt kaum was. Sie will einfach 100% Aufmerksamkeit, bekommt sie die nicht wird gemotzt.

      Jeden tag versuche ich nicht sofort zu springen.. aber wer hält schon ein ständiges meckern aus.

      • Das dauergequengel haben wir hier auch phasenweise. Meisten im Schub, bei feber oder beim zahnen.

        Du kennst dein Kind am besten. Schau es einfach mal intensiv an und Versuch die Situation zu reflektieren. Daraus ergibt sich dann meist auch die passende Lösung ;-)

        Hier hat m.M.n. Kücken den treffendsten Leitfaden geliefert.

        Eine pauschale Antwort hat leider ihre Grenzen.

        Viel Erfolg

        Morqua mit Prinzessin 1,5 Jahre

Die Grenze zwischen wollen und brauchen ist manchmal fließend. Meist höre ich auf meinen Bauch und schaue auf die Situation.

Bsp.

mein Kind wollte unbedingt was haben

- Reaktion 1: ich bleibe dabei. DAS Objekt des Begehren gibt es NICHT.
Konsequent sein, heißt - einfach dabei bleiben. NICHT bestrafen.

- Reaktion 2: trösten. Ja, ich habe mein Kind getrötest oder dabei geholfen den FRUST auszuhalten, das begehrte etwas nicht zu bekommen.

Beides gleichzeitig. Konsequent sein und dennoch trösten.

Bestrafen wäre das Kind emotional sich selbst überlassen oder gar beschimpfen oder ständig vorhalten, dass es das nicht haben darf. Außerdem muss bestrafen nicht extra sein. Der FRUST das gewollte nicht zu bekommen ist schon explosionsartig groß.

Damit umgehen zu lernen eine Herausforderung. ;-)

Beispiel 2:
wenn ich merke mein Kind ist völlig übermüdet oder gar nicht mehr sie selbst. Dann bleibe ich zwar dabei, was ich angekündigt habe. Aber Einschlafhilfe oder was auch immer mein Kind in der Situation BRAUCHT (weil sie NOCH nicht in der Lage war, das alleine zu schaffen), dann hat mein Kind das bekommen.

Verlässlichkeit ist wichtig.

mit dem Bauch und unter Betrachtung der Situation entscheide ich auch
- ob mein Kind das jetzt unbedingt will (und lernen muss, dass das jetzt nicht geht) z.B. Nähe um etwas anderes nicht tun zu müssen.
- oder ob mein KInd das jetzt dringend braucht (Nähe, Kuscheln weil übermüdet, überfordert etc).

Hat sich über die Jahre bewährt ;-)

Hey!

Also da du dich ja nun mal anziehen musst, gehört das klar zu den Dingen, bei denen sie eben Warten lernen sollte. Ich würde mich nicht extra beeilen aber auch nicht extra trödeln sondern eben wie immer machen.

Meistens wollen sie ja einfach nur dabei sein irgendwie, zuschauen was Mama macht.

Im Allgemeinen würde ich da auch nach Bauchgefühl gehen. Erziehung geht nun so ganz langsam los, da sie merken, dass ihre Wünsche nicht unbedingt mit Mamas übereinstimmen und da muss man immer sehen, wann man die Wünsche erfüllen kann und wann ein Kompromiss nötig ist. Du kannst aber ruhigen Gewissens "verlangen", dass sie Warten lernt wenn dieses eben nötig ist! In Gewisser Weise lernen sie so nach und nach Geduld und dass sie ihre Wünsche ganz kurz aufschieben können. Sicher dauert das eine Weile aber in dem Alter sollte man langsam damit beginnen.

Liebe Grüße

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