ADHS - Fernsehkonsum - Verhalten - Tipps

    • (1) 18.07.17 - 19:53

      Hallo,
      wir haben 2 Schulkinder (Große ist 9 Jahre, der Kleine fast 8 Jahre) .....bei dem Kleinen läuft momentan die Diagnostik, Verdacht auf einfache Aktivitäts- und Verhaltensstörung ...stand im letzten Arztbericht. Er ist schwierig, hat Leseschwäche, deswegen wird er nun auch die 2. Klasse wiederholen. Er ist einer der jüngsten, tut sich schwer. Die Große ist viel einfacher, lernte dieses Schujahr komplett selbständig (lies sich höchstensmal Lernwörter diktieren) in der 3. Klasse, schreibt nur gute Noten. Jedes Kind ist anders, und das ist auch gut so.

      Das allergrößte Problem zu Hause ist im Moment: Fernsehkonsum vom 8 jährigen. Der ist klar eingeschränkt, er darf sich am Tag 2 Sendungen raus suchen - max. 1 Stunde (dann darf er aber nicht mehr an PC etc.). Jeden Tag jetzt die Diskussion: er möchte etwas schauen, sagen wir mal geht bis 19:45 Uhr - dann sage ich: anschließend wird ausgeschaltet. Steht man nicht da hinter .....er schaut weiter. Gestern gab es deshalb auch gar kein Fernsehen .............aber er hat nichts daraus gelernt. Heute die gleiche Diskussion ....................ich mag nicht mehr. Wie kriegen wir das in den Griff?

      Hat jemand Tipps für mich?

      Vg Judith mit Johanna (9,5 J.) u. Jonathan (fast 8 J.) und Bauchzwerg (eET 20.12.)

      • (2) 18.07.17 - 21:26

        Hallo,

        das Kontrollieren wird Euch wahrscheinlich noch eine Weile begleiten.

        Unser Großer ist fast 14 Jahre alt und es wird nur seeehr langsam besser. Etwa 80 % der Dinge, mit denen ich ihn beauftrage oder um die ich ihn bitte, würden ohne Kontrolle letztlich nicht erledigt werden. Wir sind konsequent; setzen durch, was wir vorher ankündigen, aber dennoch klappt es nur mit großem Nachdruck. Er weiß, dass bei Nichterledigung einer Aufgabe / Anweisung / Bitte, negative Konsequenzen auf ihn warten, reizt aber bis zum Schluss aus.

        Das ist meine Erfahrung mit einem solchen Kind. Ich bin genervt, oft erschöpft und habe manchmal Gedanken in der Richtung, daß ich froh bin, wenn Junior einmal ausgezogen ist.

        Versucht immer (auch wenn es oft unmöglich erscheint), ihn zu mehr Eigenverantwortung zu erziehen. Gebt ihm Pflichten, mit denen er sich Ferseh gucken verdienen kann. Wenn am nächsten Tag Fernsehverbot nicht hilft, dann halt noch einen Tag länger und zusätzlich Compi-Verbot.

        Wünsche Dir genug Kraft.

        Gruß
        mare88

        Hallo, ich habe auch ein Kind mit ADHS. Fernsehen macht ihm gar nichts aus, schlimm sind Handy und Tablet, danach ist er gar nicht mehr ansprechbar. Ich habe jahrelang kontrolliert und ihn am Schluss selber den Küchenwecker stellen lassen, mittlerweile schaltet er selber aus. LG

        (4) 19.07.17 - 08:07

        Was ist denn so schlimm daran, wenn Du mit ihm zusammen den Fernseher abschaltest? Er ist in der Schule einer der Jüngsten und tut sich schwer, schreibst Du. Dafür hast Du Verständnis. Bevor Du jeden Tag mit ihm zoffst und er anscheinend nicht abschalten kann geh einfach zu ihm hin, mach mit ihm zusammen den TV aus oder erinnere ihn einfach, dass er ausmachen soll.

        Übrigens wäre für Deinen Sohn wohl gerade das Computern wichtiger, als das Fernsehen. Es gibt viel Software, die z.B. für Kinder mit Leseschwäche, Aufmerksamkeitsdefiziten, Konzentrationsstörungen etc. gemacht werden. Vielleicht könnt ihr ihm so spielerisch helfen?

      (8) 19.07.17 - 14:07

      Ich bin normal entwickelt, aber den Fernseher habe ich nie freiwillig ausgemacht ;-)

      (9) 20.07.17 - 09:39

      Hallo

      das war bei meinem Sohn genauso.Die Küchenuhr wurde manipuliert u.s.w.
      Da hilft nur konsequente Überwachung und feste Termine zum Sport o.ä.
      Ich denke mal das wird noch einige Jährchen dauern.

      L.G.

      (10) 20.07.17 - 10:37

      Hallo,

      ich würde ihm sagen, dass ich gucken komme, ob er nach der Sendung den Fernseher abgeschaltet hat, und wenn nicht, gibt es am nächsten Tag kein Fernsehen oder Computer.
      Wenn er das nicht verstehen will, geht es eben immer so weiter. Man kann auch ohne Fernsehen und PC leben...

      Manchmal dauert es länger bis die Konsequenz wirklich in den Köpfen der Kinder angekommen ist.

      Unsere Kinder sind auch nicht gerade einfach. Da muss man hart bleiben.
      Ich würde mich an Deiner Stelle übrigens nicht auf lange Diskussionen mit Deinem Sohn bezüglich Fernsehen einlassen. Wenn Du ihm gesagt hast, was er gucken darf, weiss er Bescheid.

      Unseren Kindern würde ich sagen, dass ich nichts mehr über das Thema Fernsehen hören möchte, wenn sie mich damit nerven würden, sonst wird die nächste Sendung gestrichen. Ich sage, was sie dürfen, und sie leben damit. Punkt.
      (Jedenfalls so lange das Thema zu so viel Theater führt. Wenn die Kinder gelernt haben, sich an die Regeln zu halten, kann man auch mal Ausnahmen machen, die vorher ganz klar als Ausnahmen gekennzeichnet werden.)

      LG

      Heike

      Hallo Judith, Ei einem Kind mit einer Vwrhaltensstörung wäre das Fernsehen zumindest in der Schulwoche komplett tabu. Mich wundert es immer wieder, wenn Eltern mit Kinder , die Verhaltensstörungen haben, sich wundern, wenn ich Ihnen in der Berstung sage:
      Bilder, die sich so schnell bewegen , bedeuten zusätzlich Anstrengung und Reizüberflutung. Dies kann durchaus zur Zunahme der Symptomatik führen.

      Eine Frage am Rande. Wenn dein Kind bis zu 1Stunde am Tag Fernsehen kann, wird es mit Aicherheit jeden Tag mindestens 1Stunde intensiv Sport treiben ?

      LG

      • Hallo,
        ehrlich: ich bräuchte keinen Fernseher. 1 Stunde maximal am Tag Fernsehen + Computer (Smartphone hat weder er, noch die 9,5jährige ....gibt's erst nach der Grundschulzeit) .......es gibt auch Tage ohne Fernseher, da ist er nur draußen (Großer Garten, Trampolin, Sandkasten, Fahrrad, Ballspiele, ...oder er schnitzt). Gestern war er fast nur draußen, abends wollte er dann Fernsehen - ok sagte ich 30 Min. Bugs Bunny, danach noch 30 Min. spielen/Vorlesen u. Schlafen gehen .........er stimmt zu, aber dann schaltet er nicht aus u. wenn ich ausschalte Terror. Dass ich dann sagte: ok morgen keinen Fernsehen. Bin da auch konsequent. Nur ich merke: es macht mich fertig, ständig (d.h. 2-3 x die Woche) die gleiche Leier .....aber scheint anders wirklich nicht zu gehen. Ist ja nicht täglich so, denn wenn er Fernsehverbot hat, dann ist es ja nicht so.
        Lg

    Zeitschaltuhr für den Fernseher, nimm eine, die sich leicht programmieren läßt - oder vielleicht schon übers Smartphone steuern läßt?!

    Wenn der Fernseher ausgeht, ist Schluß.

    Ganz ehrlich wird die Diskussion zu diesem Thema noch Jahre lang dasein. Aber handeln ist da mehr als Reden, Kiste aus, Fernsehen vorbei.

    (14) 23.07.17 - 12:54

    Wenn Dir der TV Konsum wirklich so viele Sorgen bereitet, dann schafft den Fernseher einfach ab, ganz einfache Lösung. Oder stellt eine kleinen in Euer Elternschlafzimmer, da dürfen die Kinder dann nicht dran (wenn ihr nicht auf den Fernseher verzichten könnt).

    Wir haben seit über 10 Jahren keinen Fernseher und ich vermisse ihn nie, schaue ab und zu was online in der mediathek und das reicht vollkommen.

    Übrigens kenne ich kein Kind, das freiwillig gerne sofort den Fernseher ausschaltet... ist doch viel zu spannend (wir haben früher mit Vorliebe Werbung gezappt, wenn uns mal niemand beobacht hat... Wäre mir heute ein Graus)

    • (15) 24.07.17 - 09:44

      Hallo,
      ehrlich: im Herbst hatten wir 3 Wochen keinen Fernseher - ging nicht. Die ersten 2 Wochen waren schwierig, die 3. Woche super .........ich bräuchte keinen!

      Die Tochter hält sich an die Regel, schaltete selbst aus ............nur der Junior macht täglich Terror. Gestern Abend wieder -> heute kein Fernsehen.

(16) 23.07.17 - 14:04

Hallo Judith

nein - Tipps habe ich leider nicht!
Bei uns gehts genau so. Mein großer (wird jetzt zehn) darf etwa eine Stunde abends Fernsehen. Und zusätzlich eine halbe Stunde Tablet spielen. Die halbe Stunde muss ich immer mit der Eieruhr einstellen, denn er glaubt mir doch tatsächlich nicht, wann die Zeit rum ist.

Die Eieruhr piepst etwa drei Minuten und danach muss ich kontrollieren ob das Tablet aus ist. Spielt er immer noch, darf er am nächsten Tag nicht.

Kontrolle und Diskussionen haben wir auch immer. Das nervt. Aber ne andere Lösung habe ich leider auch nicht.

LG
Melanie

(17) 31.07.17 - 10:11

...bei fixen Fernsehzeiten wird das ein Kontrollieren und ein Machtkampf bleiben, bis er auszieht... oder du aufgibst.

Da gibt es zwei Lösungen: Entweder du machst, was du jetzt tust - das machen die meisten. Es ist halt anstrengend, aber was will man? Netflix z.B. bringt gleich nach der ersten gewählten Folge die nächste... da bleibt man sogar als Erwachsener hängen...

Was du auch machen kannst (wir tun das): Es gibt kein RECHT auf Fernsehen. Es wird im Prinzip NICHT ferngesehen. Wenns dann aber mal öde ist (nicht als Ausrede, sondern weils halt regenet, alle Freunde weg sind und die Eltern mal Ruhe brauchen) wird nicht auf die Zeit geguckt. In der Praxis heisst das, dass wir tagelang nicht fernsehen, dafür wenns Katzen hagelt durchaus auch mal vier Stunden am Stück...

(18) 02.08.17 - 11:22

Hallo!

Ich habe 2 ADHS-Kinder, mittlerweile 11 und 14.
Auch wenn sich diese Diagnose bei Deinem Kind nicht bestätigen sollte, aber etwas in der Richtung eher "schwächer" musst Du deutlich mehr Erziehungsarbeit leisten und Dich informieren welche Art der Unterstützung solche Kinder benötigen. Dazu gibt es sehr viel, sehr gute Literatur, ggf. ist ein Elterncoaching (ist "Pflicht"-Therapie bei ADHS und wird von der KK bezahlt) hilfreich.

Mit: "Jeden Tag jetzt die Diskussion: er möchte etwas schauen, sagen wir mal geht bis 19:45 Uhr - dann sage ich: anschließend wird ausgeschaltet. Steht man nicht da hinter .....er schaut weiter. " kommst Du nicht weit!

DU musst ausnahmslos täglich dahinter stehen und die Abmachung (und alle anderen Abmachungen und Regeln) durchsetzen. Ein normales Kind verinnerlicht diesen Ablauf (und die Regeln) vielleicht in 6 Monaten. Ein ADHS-Kind braucht dafür JAHRE! Die Lernkurve ist extrem flach, aber sie ist da. Sprich Dein Mantra: "Er tut das nicht um mich zu ärgern, er kann es nicht besser!" Versuch möglichst wenige simpel gehaltene Regeln aufzustellen, denn du MUSST die langfristig, kleinteiligst durchsetzen - so viel Energie kannst Du gar nicht aufbauen.
Versuch die Konfliktsituationen nicht eskalieren zu lassen (Du bist erwachsen!!!!), ein ADHS-Kind hat nicht die Fähigkeit zuerst zu denken und dann zu handeln, es ist impulsgesteuert und deswegen wird es langfristig keine Deesakaltionsmöglichkeiten, Einlenkung vom Kinde geben. - Solche Verhaltensweisen muss es in der Verhaltenstherapie über Jahre LERNEN. - Anderen Kindern ist das in die Wiege gelegt.
Konsequenzen bei Regelmissachtung, Abmachungen unterlaufen, müssen unmittelbar (zeitlich und inhaltlich) und angemessen sein, und selbstverständlich vorher angekündigt sein.

Zudem würde ich bei einem ADHS-Kind einen rhythmisierten, strukturierten Alltag einführen, d.h. es wird immer zur selben Zeit TV geguckt und davor und danach gibt es immer bereits geplante Aktivitäten. Das hilft dem Kind den Alltag einzuhalten - Struktur und Ordnung ist unheimlich wichtig. Ihr könnt Sendungen aufnehmen, Filme leihen / kaufen. Ich persönlich finde aus Sicht eines ADHSlers die Werbepausen unheimlich störend, der Konzentrationsfaden geht verloren und ist schwer für den ADHSler wieder zu finden.
Und unterbrich nicht den Konzentrationsfaden, nur weil die Medienzeit vorbei ist, dann doch lieber etwas länger am Stück gucken .....

Es ist nicht einfach, es ist eine jahrelange Daueraufgabe, aber es ist auch erfolgsversprechend.

LG, I.

(19) 03.08.17 - 15:15

Das Kontrollieren begleitet euch sehr lange das kann ich aus Erfahrung sagen. Ich habe damals das Stromkabel einfach raus gezogen, und den Computer mit einem Passwort gesichert. Das Problem hat sich von alleine gelöst. Ich rate dir dasselbe zu tun: Er fängt von alleine an sich zu beschäftigen, bspw. Er liest ein Buch oder beschäftigt sich mit seinem Bruder.

Top Diskussionen anzeigen