Inwiefern beeinflusst heutige Erziehung wohl unsere späteren Erwachsenen?

    • (1) 24.07.17 - 12:15

      Hey!

      Stellt ihr euch diese Frage manchmal?
      Wenn man sich heute über Erziehung und Kinder unterhält, bekommt man schnell den Eindruck, dass so gut wie alle Kinder doch rundum glücklich und zufrieden aufwachsen und somit zu ebensolchen Erwachsenen werden müssten, oder?
      Heute werden die Bedürfnisse der Kinder so groß geschrieben wie noch nie zuvor in der Geschichte. Sie werden inzwischen sogar in vielen Familien als wichtiger angesehen, als die der Erwachsenen. Noch dazu wachsen sie im vollkommenen Überfluss auf: bezüglich Nahrung, Kleidung, Spielzeug usw. Sie sind rundum verwöhnt, könnte man meinen. Was macht das wohl aus unseren Kindern? Die glücklichsten Menschen der Welt?
      Ich muss sagen, ich bin sehr gespannt auf die kommende Generation. Geht es euch auch so?
      Habt ihr Prognosen oder Vorstellungen, wie die heutigen Kinder in 15 oder 20 Jahren wohl sein mögen? Wie glücklich oder unglücklich, selbstständig oder unselbstständig, erfolgreich oder nicht erfolgreich?
      Und wie werden wohl unsere Kinder ihren eigenen Nachwuchs erziehen?

      Bin gespannt auf Antworten.

      • (2) 24.07.17 - 13:32

        Hallo

        ohje das ist eine wahnsinnig schwierige Frage.

        An mir selbst sehe ich ja, das die Erziehung nur einen Teil meines jetzigen Wesens beeinflusst hat. Veränderungen die meine Eltern durch die Erziehung nicht beeinflussen konnten (selbst wenn sie es gewollt hätten) gab es in der Pupertät, in der man sich mit mehr mit anderen Freunden etc. auseinandersetzt und auch danach im Berufsleben. Weil ich sehr erfolgreich und beliebt in meinem Job war wurde aus einem schüchternen zurückhaltendem Mädchen eine selbstbewusste aufgeschlossene Frau.

        Ob meine Eltern mich zu soviel Offenheit und Fairness zu fremden Menschen (auch jetzt gerade bei Flüchtlingen) erzogen haben glaube ich gar nicht. Meine Eltern sind nicht Ausländerfeindlich, aber doch sehr kritisch mit der momentanen Situation. Und manchmal auch sehr mit Vorurteilen belastet.

        Ich glaube das es in der kommenden Generation noch viel mehr Auseinanderklaffungen gibt als jetzt schon. Du sagst, das es "den" Kindern gut geht - aber das sind bei weitem nicht alle. Manchen geht es zu gut, die erleben gar keine kleinen Niederschläge und wenn sie als Erwachsene dann mal einen Rückschlag erhalten ist es ungewiss, wie sie das verkraften. Anderen geht es finanziell schlecht. Ich kenne auch einige, die nicht so erzogen werden, wie ich denke, das es ok ist. Bei denen habe ich Angst, das sie in Zukunft am meissten mit ihrer Aggressivität zu tun haben.

        Aber ich bin ein durch und durch optimistischer Mensch und hoffe inständig, das die Generation noch schlauer werden, als wir es sind. Das immer mehr Menschen auf der Welt erkennen, das es mit Krieg nur Verlust und nie Gewinn geben kann. Das die Umwelt auf jeden Fall zu schützen ist. Und ich habe die Hoffnung, das diese und die nächsten Generationen Erfindungen machen werden, die dem Leben und der Welt mehr nützen als schaden!

        LG
        Melanie

        Naja, einige Auswirkungen sind ja heute schon zu sehen:

        Laut Arbeitgeber und Universitäten waren die Lehrlinge bzw. die Studenten noch nie so unselbsständig wie heute.

        Sie haben eine erheblich geringere Frustrationsgrenze, kommen ohne eine Strukturhilfe von außen kaum zurecht, sind selten in der Lage einfach "Dinge" des sozialen Miteinanders zu beachten (z.B. grüßen oder verabschieden, seinen "Dreck" entsorgen etc.)

        Fahrlehrer sagen durchgängig, dass die Jugendliche heute mehr Fahrstunden brauchen, weil sie im Straßenverkehr zum ersten Mal gezwungen werden Entscheidungen zu treffen und zwar SOFORT.

        Im Großen und Ganzen zeigen sich die jungen Erwachsenen noch nicht ihr Können.
        Wer weiß wie dann die Kindererziehung läuft....

        • Den Trend, den Du da beschreibst, erlebe ich auch oft in der Arbeitswelt. Auch die Nachbarskinder sind heutzutage nicht mehr in der Lage sich ein "HALLO" aus dem Mund zu quetschen, wenn sie mich sehen. Dabei pflegen wir wirklich einen guten Kontakt und grillen oft gemeinsam.

          Aber was genau können wir tun, um dem entgegenzuwirken? Ich habe extreme Angst, dass mein Sohn ebenso unselbständig wird. Was haben unsere Eltern damals anders gemacht?

          • (5) 24.07.17 - 16:22

            Du magst allgemein recht haben, ich kenne wahrscheinlich nicht genug Jugendliche, um mir ein Urteil erlauben zu können.
            Aber speziell bei uns in der Familie erlebe ich es umgekehrt. Unser 17jähriger ist wesentlich selbständiger als wie Eltern es in dem Alter waren. Deshalb stelle ich mir auch gerade die Frage "was haben unsere Eltern damals anders gemacht?".

            (6) 25.07.17 - 04:50

            Das mit dem Hallo sagen liegt meiner Meinung nach daran, dass es von den Kindern auch gar nicht mehr geübt und abverlangt wird. Früher hätte meine Oma wahrscheinlich Ärger bekommen, wenn sie nicht freundlich gegrüßt hätte (auch nicht ok) aber heutzutage zählt jedes Verlangen von Höflichkeitsfloskeln an Kinder (auch Bitte und Danke sagen) schon als böse böse ,Konditionierung'. Aber die Eltern die vermeintlich ,bedürfnisorientiert' erziehen merken hoffentlich irgendwann, dass es ihren Kindern nicht gut tut. Wenn sie nicht in der Lage sind grundlegende gesellschaftliche Umgansformen einzuhalten, sind sie letztendlich die Benachteiligten. Spätestens im Berufsleben bekommen sie es direkt zu spüren und privat findet man leider solche Kinder nicht besonders sympathisch.

            • Kann ich voll unterstreichen. Und ich stehe dazu, dass auch ich meine Kinder nachdrücklich dazu angehalten habe, zu grüßen und bitte und danke zu sagen. Es hat ihnen nicht geschadet, im Gegenteil.

              Erst gestern habe ich ca. Vierzehnjährige als Gäste bei einer Schulfeier gesehen, die sich benahmen wie der Rotz am Ärmel. Legten sich gegenseitig die Beine auf die Oberschenkel, hampelten am Stuhl, kicherten laut und machten blödsinnige Selfies mit den Smartphones - und das während des Programms. :-[ Bis eine neben ihnen sitzende junge Mama sie aufforderte, das sein zu lassen oder bitte zu gehen. Deren eigene Eltern waren offensichtlich nicht dabei.
              Es schadet Kindern weder in der Schule noch in der Ausbildung, wenn sie ein einigermaßen anständiges Benehmen haben. Deswegen brauchen sie noch lange keine Duckmäuser zu sein. Auch meine Enkelin grüßt und bedankt sich freundlich - auch ihr wurde es so beigebracht - und was ist das Ergebnis? Jeder mag sie, egal, ob Nachbarn, Lehrer oder Vereinstrainer. Hat sie schon mal nen Bonus, wenn sie wirklich was anstellt #cool (so war es bei meinen Kindern auch;-))

              Ja, Ausbilder aller Sparten klagen immer mehr, dass sie mit Jugendlichen nichts mehr anfangen können, da sie in keinster Weise mehr leistungsbereit sind - und dann wird herumgejammert, wenn sie wieder rausfliegen. Besonders von den Eltern, die natürlich dem bösen Ausbilder die Schuld geben.#klatsch Habe ich erst kürzlich einen längeren Artikel darüber gelesen.
              LG Moni

              (8) 30.07.17 - 09:00

              Da sehe ich einen machbaren Spagat. Ich versuche natürlich bedürfnisorientiert zu agieren, allerdings im Familien-Zusammenspiel. Was braucht die Familie? ich bestehe aber auch auf Höflichkeiten (hallo, tschüss, bitte und danke). Dabei respektiere ich aber natürlich wie sie Hallo und Tschüss sagen möchte. Mama und Papa bekommen gern mal ein Küsschen, die Grosseltern werden gekuschelt und bekannten wird gewunken.

              Die fehlende selbstständigkeit einiger Jugendlichen sehe ich auch als Problem und versuche nicht die gleichen Fehler zu machen. Die gab es aber auch früher schon.

              Ich denke, dass jede Generation durchwachsen sein wird, da es nie alle gleich machen können und wollen.

              Grüße Morqua mit Prinzessin 17 Monate

          (9) 25.07.17 - 09:21

          Hallo,

          "Aber was genau können wir tun, um dem entgegenzuwirken? Ich habe extreme Angst, dass mein Sohn ebenso unselbständig wird. Was haben unsere Eltern damals anders gemacht? "

          Damals hatten die Kinder mehr Eigenverantwortung. Ihnen wurde eben nicht alles abgenommen, wie es heute häufig gemacht wird.
          Die mussten selbst mit der Lehrerin klären, wie sie ihren Flummi wieder bekamen, mit dem sie in der Klasse gekaspert hatten. Die mussten alleine zur Schule kommen. Die mussten (je nachdem, erstmal) selbst sehen, wie sie mit Lehrern klar kamen, die sich ungerecht oder sonstwie blöd verhielten. Die mussten selbst ihre Schul- oder Sporttasche packen. Die mussten selbst bei Firmen anrufen, um sich einen Praktikumsplatz zu organisieren usw.

          Das Geheimnis ist, den Kindern eben nicht alles abzunehmen. Kleine Kinder können sich z.B. selbst ihr Eis oder Essen im Restaurant bestellen, oder selbst eine Verkäuferin etwas fragen.

          LG

          Heike

      Solche Jugendliche oder jungen Erwachsene wie du beschreibst kenne ich nicht. Meine beiden Kinder und unsere zwei Nichten (16, 20.21, 23) sind durchweg Menschen die mit Frust umgehen könne, auch die freunde meienr Kidner.

      sie sind sehr sozial (Nichten haben FSJ gemacht, Tochter und Sohn helfen beim Sportverein). Auch können sie sich und ihre Angelegenheiten gut organisieren. Bitte, Danke, grüßen, Tür aufhalten, u.s.w. das haben sie im Elternhaus mitbekommen und zeigen es auch im Berufs- und Schulalltag. Fahrschule hat mein Sohn recht wenig gebraucht. Und Entscheidungen für sich treffen haben sie schon früh lernen/üben dürfen.

(11) 24.07.17 - 16:17

Hallo
Es wachsen tatsächlich alle Kinder die die begegnen so glücklich und im Überfluss auf?
Es gibt ja Zahlen wieviele Kinder bzw. Kinder plus Familie nach Definition "in Armut" leben. Aber es gibt ja noch viele andere Gründe unglücklich oder in schlechten Verhältnissen aufzuwachsen. Statisch ist das nur schwer zu erfassen. Prinzipiell sollte man hier in Deutschland natürlich davon ausgehen dass zumindest die Grundbedürfnisse gesichert sind und alle ein Dach über dem Kopf haben.

Ich persönlich kenne niemand der in Armut aufwächst, dafür aber genug anderes. Bei den einen ist ein Elternteil an Krankheit gestorben, ein anderes jetzt Erwachsenes Kind ist wunderbar Wohlstandsverwahrlost aufgewachsen (hat als Kind schon Kleinkind in den Müll geworfen weil unnötig,...) und hat keine wirklich Beziehung zu den Eltern. Deren Werte kann ich wenig nachempfinden, als ich die Mutter mal getroffen haben war Ihre wichtigste Mitteilung "Kind ist jetzt mit x Jahre altem Mann zusammen der tolles Geld mit dem eigenen Unternehmen macht", bei einer anderen Familie sieht es finanziell nach wie vor toll aus aber der Vater der Alkoholiker war hat sich in den Tod getrunken,.. Aber das gab es auch in meiner Kindheit schon.
Im groben stellen sich diese Fragen doch jede Generation. Teilweise gibt es Dinge/Praktiken die es tatsächlich nicht mehr gibt, auf der anderen Seite immer irgendwelche Trends oder oder oder.
Ich erziehe so wie ich aufgewachsen bin. Vielleicht war ja meine Familie einfach super modern aber vieles hat schon meine Oma (und auch deren Mutter mit ihr) so gesehen wie wir.

LG

Hallo,

sind unsere Kinder so toll erzogen, wenn es normal ist, dass ein Nachbarskiind nicht grüßt ?
Wenn ich darauf nicht so penibel achten würde, wäre es bei meinen Kindern auch so...

Ich hatte letzte Woche ein Gespräch mit einer Hortleeiterrin. Gut betuchte Gegend. Sie sagte mir, dass die Kinder wie im goldenen Käfig gehalten werden. Sie erzählte mir, wie die Kids in die Schule gefahren werden, obwohl der Bus direkt vor der Tür hält.

Sie erzählte und ich hatte Tränen in den Augen. Sie erwischte mich.

Sind die Kinder heute nur bessere Egoisten oder wertvolle Mitglieder der Gesellschaft ?

#winke

(16) 24.07.17 - 23:26

Ich denke Erziehung wird überschätzt. Wie verschieden werden Kinder bei den gleichen Eltern, in der gleichen Familie, mit den gleichen Chancen und Möglichkeiten...

Wichtig finde ich ein Kind mit Respekt zu behandeln und nicht verbiegen zu wollen. Eltern, die staunen,welche Persönlichkeit sich in dem Wesen verbirgt, das sie begleiten und großziehen dürfen. Und Eltern, die loslassen, damit dieser Mensch dann sein eigenes Leben führen kann. Ob ein Kind später glücklich wird ist schon in ihm angelegt. Traut es sich was zu? Kommt es gut mit anderen Menschen in Kontakt? Hat es Ausdauer?

Wie man erzieht, liegt zum guten Teil am Charakter des Erziehenden und etwas vielleicht noch an den eigenen Kindheitserfahrungen. Beides unterliegt nur begrenzt unserem Einfluss.

Die Generation nach uns wird nicht so anders sein als wir. Sie kommuniziert anders und ist weniger ortsgebunden, wirtschaftlich wird sie es vermutlich etwas schwerer haben als sie von ihrer Kindheit gewöhnt ist. Aber die meisten werden sich einen passenen Beruf, eine sinnstiftende Aufgabe suchen, sich verlieben, versuchen ihre kleine oder große Welt positiv zu beeinflussen und glücklich zu sein. Und ihre Kinder ebenfalls erziehen nach ihren Wertvorstellungen und individuellen Möglichkeiten, so wie wir das auch getan haben.

Das Sinnieren über die Jugend kannte schon Sokrates, und erstaunlicherweise klingt uns sein Gejammere doch recht vertraut. Meine Kinder werden ihren Weg gehen, da glaube ich fest daran. Nicht weil ich sie so perfekt erzogen habe. Aber weil ich keine allzu großen Fehler gemacht habe. Ich freue mich darauf, sie dabei zu beobachten und bin zuversichtlich, dass ich mich an ihnen werde freuen können - wie ich es im übrigen auch heute schon tue.

LG, d.

(17) 25.07.17 - 05:58

Der Unterschied zu früher ist, dass die Mehrheit der Kinder geplant und gewollt auf die Welt kommen. Und die Anzahl der Kinder hat sich verringert (also im Verhältnis zu Omas Zeiten). Die im Durchschnitt 1,5 Kinder der deutschen Frau sind also ,die gewünschtesten Wunschkinder'. Dazu kommt, dass aus der Großfamilie, die früher mit mehreren Generationen unter einem Dach wohnte, eine Kleinfamilie wurde, die die Nachbarschaft kaum kennt. Sprich die Verantwortung für die ,gewünschtesten Wunschkinder' ruht nun auf maximal 2 erwachsenen Schultern.

Damit ergeben sich einige Chancen (mehr Zeit, mehr finanzielle Ressourcen) aber eben auch einige Risiken. Nämlich die, dass den ,gewünschtesten Wunschkindern' nichts mehr abverlangt wird. Eltern leiden heutzutage viel zu stark mit ihrem Nachwuchs mit (Schlagwort: Konsequenzen sind Strafen), begeben sich ungern in Opposition zu ihren Kindern (Schlagwort: Autonomiephase statt Trotzphase) und erfüllen ihnen jeden Wunsch (Schlagwort: bedürfnisorientierte Erziehung).

Täglich bekommt man hier auf Urbia mit, wie Mütter verzweifelt versuchen alles ,perfekt' machen zu wollen und dadurch total verunsichert und überfordert sind. Da reicht das Lesen der Überschriften schon. (Darf ich mit meinem 3 Wochen alten Baby rausgehen? Was ziehe ich meinem Kind an? Mein Baby hat Pickel, Flecken, Gneis, eine Zunge, zwei Augen etc. Hilfe mein Baby schreit! Welche Creme, Flasche, Windel, Spielzeug, Decke etc., Warum kann mein Kind mit 1 noch nicht sprechen? Und so weiter). Es fehlt an manchen Stellen eindeutig an Gelassenheit und Vertrauen in den Nachwuchs aber auch in sich als gute Mama.

Da ich beruflich mit der heranwachsenden Generation zu tun habe, beobachte ich eine zunehmende Verunsicherung auch bei den Kindern. Einige können sich nicht gut an Regeln halten, haben Schwierigkeiten sich in einer Gruppe zurechtzufinden, brauchen viel Aufmerksamkeit, sehr klare Grenzen und Konsequenzen. Das sind oft die ,gewünschtestesten Wunschkinder' von den oben genannten Eltern. Die Eltern meinen es natürlich nur gut mit ihrem Nachwuchs. Aber hier wurde versäumt den Kindern Möglichkeiten des Wachsens mitzugeben. Das Einfügen in die Familie mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen; das Auflehnen gegen die Eltern, die sich dann nicht den Konflikten entziehen; das Recht auf gelassene Eltern die in sich ruhen und ihnen somit Sicherheit bieten.

Sprich: Kinder sollten wieder Kinder sein dürfen.

  • (18) 25.07.17 - 12:48

    Gewünschtes Wunschkind - ich glaube das trifft es.

    Wenn man - so wie früher - 3-4 Kinder hat, kann man sich gar nicht so sehr auf das einzelne Kind konzentrieren. Das Kind lernt früh, dass es seine Bedürfnisse zu Gunsten der Allgemeinheit zurückstellen muss und sich unterordnen muss.

    Heutzutage gibt es viele Wunschkinder, denen alles recht gemacht wird.

    Ich selbst habe auch eins dieser Wunschkinder und habe mich schon oft gefragt, ob wir unserem Sohn nicht zu viel Aufmerksamkeit geschenkt haben. Er steht meist im Mittelpunkt und vieles dreht sich um ihn und sein Wohlergehen. Wir Eltern planen unser Wochenende möglichst so, dass unser Sohn Spaß hat.

    Aber immerhin bin ich in der Lage das zu reflektieren und werde mich zukünftig nun wohl mehr an das Erinnern, was unsere Eltern uns beigebracht haben und wie sie uns erzogen haben.

    • (19) 25.07.17 - 23:36

      Es ist absolut kein Fehler, das Wochenendprogramm auf Kinder abzustimmen, das hab ich vor 35 Jahren auch schon gemacht, wenn es irgendwie ging ;-)
      Aber Dein letzter Satz ist sehr gut! Schaden kann es sicher nicht - denn nicht alle "Eltern von früher" machten alles falsch. (Wie man hier manchmal den Eindruck bekommt:-p)
      Meine Tochter übernahm von mir ganz sicher auch nicht alles - aber einiges schon....wie ich schon feststellte#freu Ihre Kleine ist auch ein ersehntes Einzelkind, aber eine verwöhnte Prinzessin ist sie nicht.
      LG Moni

Ja das denk ich mir manchmal auch. Das Problem ist allerdings, dass dieser Prozess schon seit den 2000ern begonnen hat, nicht erst seit 2 Jahren so ist. Somit die erste Generation langsam aber sicher in die Erwachsenenschuhe hinein kommt.

Gewisse Entwicklungen, vor allem die der Selbständigkeit werden durch die heutige Erziehung lange rausgezögert und manchmal regelrecht unterdrückt. Dennoch findet sie zumindest bei den meisten dennoch statt auch wenn wesentlich später als noch vor 20 oder gar 50 Jahren.

Ich versuche meine und die Kindheit meines Mannes zu reflektieren. Dinge die wir gut fanden übernehmen wir, Dinge die wir kritsich sehen versuchen wir insofern wir einen Einfluss darauf haben zu unterbinden oder einzuschränken.

Wir wurden beide früh selbständig - das ist nicht gänzlich schlecht, auf gar keinen Fall. Im Bereich von im Haushalt mithelfen, Besorgungen erledigen, selbständig in die Schule gehen und wieder heim kommen etc. das sind alles Punkte die werden wir übernehmen. Aber wir werden auch nicht mehr als nötig auf die Schultern unseres(später unererer) Kind(er) abwälzen als in unseren Augen für eine Kindheit noch von Vorteil ist. Ein 6 Jährigen z.B. zum Bäcker schicken ist durchaus zumutbar - aber ich würde ein 6 jährigen nicht (wie ich einst) abends alleine unbeaufsichtig lassen und es alleine ins Bett schicken während man selbst erst spätnachts heim kommt (meine Eltern waren Selbständig bzw. meine Mutter einen Tag alle 2 Wochen auf Geschäftsreise/Lehrgängen). Ich hab es überlebt aber ich fand es alles andere als toll als Kind - nachts allein zu sein wenn man nicht schlafen kann und von Alpträumen heim gesucht wird ist einfach der Horror.

Allerdings wollen wir ihn nicht zum Materealisten erziehen. Was allerdings sehr schwer ist... wenn die Oma ihm alles schenkt was er glaubt haben zu wollen. So wie gestern... eigentlich wollte sie nur nen Rucksack für die Krippe kaufen... naja es gab auch Spielsachen unter anderem ein großes Feuerwehrauto (und er steht ja so auf alles was Tata macht) ... er hat auf die Tränendrüse gedrückt also hat sie es gekauft... und er ist gerade mal 16 Monate... also schon voll im Griff.#hicks

(21) 26.07.17 - 08:46

"Heute werden die Bedürfnisse der Kinder so groß geschrieben wie noch nie zuvor in der Geschichte."

Das glaub ich gar nicht. Wenn ich überlege wieviel Zeit meine Mutter in uns Kinder investiert hat... Heutzutage müssen Kinder vorallem funktionieren. Eltern haben sehr viel weniger Zeit, weil sie arbeiten wollen oder müssen und eben auch ihr eigenen Hobbys haben. Viele Kinder müssen von kleinauf lernen sich anzupassen und in einer Gruppe zu funktionieren.

Genauso glaube ich nicht, dass von unsere Kinder keine Misserfolge kennen. Allein schulisch lastet doch heutzutage in enormer Druck auf den Kindern. Früher waren zB nur die KInder auf dem Gymnasium, die sich wirklich hervorgetan haben, heute müssen dort sehr viel mehr Kinder hin. Schlechte Noten sind weit häufiger als zu meiner Zeit, teilweise müssen sie sich schon ganz schön durchbeißen.

Also unterm Strich finde ich nicht, dass wir uns eine Generation unselbständige Weicheier heranziehen. Mein Sohn wird 17 , ein bisschen sehen ich also schon, was rauskommt. So viel anders als wir waren, sind sie gar nicht;-).

Hallo,
mir ist klar, welche Gruppe von Kindern du im Kopf hast, wenn du von der "Überfluss Generation" sprichst.
Das allerdings all diese Kinder, den "Luxus" nicht zu würdigen wissen, sehe ich nicht so.

Auch wenn ich meinen Kindern jetzt viel ermögliche, bedeutet das ja nicht, dass sie kein Demut, Respekt oder Dankbarkeit empfinden.
Ich ermögliche ja auch vieles, um ihnen Wissen zu vermitteln und zu fördern (z.B. Reisen).

Das ist doch der erzieherische Auftrag.

Und meiner Meinung nach, wird von unsere Generation von den Kindern doch weiterhin auch einiges abgefordert.

So wie Userin njeri genau beschrieben hat!

Auch diese Gruppe von Eltern/ Kindern gibt es doch. Höher, schneller, weiter.

Und, nur weil wir heutzutage nich mehr den Hintern der Kinder versohlen, erziehen wir doch trotzdem mit strenge und fordern den Kindern Höflichkeit und Disziplin ab.

Auch gibt es wie vor 40 Jahren noch die ganz Alternativen Erziehungsrichtungen, wo es keine Regeln im Haushalt gibt.

Auch ist die Gruppe der Kinder, die in Armut und mit mangelnden Möglichkeiten auf Bildung und Förderung aufwachen, sind leider zahlenmäßig hoch.

Ich denke, unsere Gesellschaft besteht weiterhin aus ganz verschiedensten Schichten und geprägten Persönlichkeiten.
Und, dass ist gut so.

Also, ja selbstverständlich hat meine Erziehung, Vorbildfunktion Auswirkungen auf das Erwachsenenalter meiner Kinder.
Und ich gebe mir, wie vermutlich die meisten Eltern viel Mühe um es meinen Kindern zu ermöglichen, ein glückliches und auch erfolgreiches, ausgefülltes Leben zu führen.
Gruß

(24) 27.07.17 - 12:58

Hallo,

ich finde die Entwicklung der Erziehung fragwürdig.
Oft wird nicht mehr erzogen, sondern laufen gelassen. Das beginnt beim Trocken werden und zieht sich über Kiga, Schule, Ausbildung hinweg. Die Azubis kennen heut zu Tage alle Ihre Rechte, aber kaum noch Ihre Pflichten. Die Vorstellungsgespräche sagen schon ne Menge aus und ich bin von Jahr zu Jahr mehr schockiert, wohin das läuft.
Die Muttersöhnchen, die Püppchen.

Da ruft die Mutti an, weil ihr 18 jähriger Sohn krank ist. Einer Praktikantin ist während der Inventur im Lager ein künstl. Nagel abgebrochen, die kam nie wieder. Die Mutter rief an und meinte, das wäre nichts für sie. Hätte sie das nicht sagen selbst mitteilen können? Nein, sie fehlte erst einen Tag und am Tag darauf kam der Anruf.
Die Kinder sind zunehmend respektloser, kein Wunder, wenn ich in der Bravo lesen kann, welche Antworten man auf Kommentare von Lehrern geben soll #schwitz
Also auf die kommende Generation muss man gar nicht so gespannt sein, die gibt es schon als Vorgeschmack.
Ich will auch nicht Alle in einen Topf werfen, wir haben gerade einen sehr guten Lehrling, ein wirklicher Glücksgriff. Aber ein großer Teil der Erfahrungen, die ich gemacht habe, machen mir Angst.

LG

  • (25) 30.07.17 - 15:11

    Im Punkt Trockenwerden finde ich "laufengelassen" ein besonders gelungenes Wortspiel:-).
    Den Zusammenhang zwischen Erziehung zur Selbständigkeit und Töpfchentraining sehe ich allerdings nicht.
    Ich sehe mehr selbständiges Verhalten, wenn ein Kind entscheidet, dass es die Windel nicht mehr braucht und von da an selbständig auf Topf oder Toilette geht als wenn Mama es irgendwann mal draufsetzt und später ständig mit dem Topf hinterherrennen und fragen muss, ob es denn mal muss..

    (Insgesamt mache ich mit "Laufenlassen" gar keine schlechten Erfahrungen. Unseren 17jährigen (und soweit ich es mitbekomme, auch seine Schulkameraden) erlebe ich als durchaus selbständig und pflichtbewusst. Muss er ja auch, ich könnte noch so sehr helikoptern, könnte ich ihm kein Abi hinterhertragen.)

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