Wenn Gesetze sich wiedersprechen (Kindererziehung und Religionsfreiheit)

    • (1) 11.11.17 - 14:16
      Lilawolkenwelt

      Hallo,

      Ich habe kein Forum "Rechtslage" gefunden. Da ich hier anonym posten kann, schreibe ich meine Frage hier her. Falls ich das passende Forum übersehen habe bitte verschieben.


      Folgendes ist passiert. Gestern Abend waren wir Martinssingen.
      Ein unmögliches Kind war mit anwesend. (Wir waren eine 25 köpfige Truppe über diverse Bekannte. Wir kannten uns privat nicht alle vorher)

      Das Kind hat sich wirklich unmöglich aufgeführt, das fand nicht nur ich so.
      Die Mutter jedoch tat das als "sie ist entwicklungsverzögert" ab.
      Hätte mein Kind sich so aufgeführt wären wir nach dem 2. Haus ungekehrt und Martinssingen hätte sich erledigt gehabt.

      Eine enorme Entwicklungsverzögerung konnte man auf Anhieb auch nicht feststellen. Sie ist sprachlich etwas zurück, aber das ist mein Kind auch und dennoch gestatte ich, deshalb nicht das sie in fremde Wohnungen spaziert und sich bedient.

      Aber gut, jeder setzt die Prioritäten woanders. Mich wundert es jedoch nicht das das Kind überall aneckt.


      So, ich bekam dann ein Gespräch von 2 anderen Bekannten mit.
      Fremdschämen für dieses Kind war Teil des Abends.
      Jedenfalls sagte eine Mutter zu einer anderen "das dürfte nicht mein Kind sein, der hätte ich schon lange ein paar übergezogen."
      Die Diskussion darüber ging noch ein Weilchen weiter und letzlich stand bei allen Beteiligten (der Diskusion) die Frage im Raum, was ist wenn man 2 Grundrechte hat und eins davon aufgrund des Anderen missachtet?

      Also um es in diesem Fall mal auf den Punkt zu bringen.

      Erziehung ohne Körperliche Gewalt ist ein Grundgesetz

      Religions und Glaubensfreiheit aber eben auch.


      In der Bibel wird dazu aufgefordert seine Kinder bei Fehlverhalten zu züchtigen.

      Das wiederum verbietet das Grundgesetz. Zugleich erlaubt es aber sich einer Religion anzuschließen die das "gut heißt" und zum praktizieren "auffordert".


      So mal angenommen ich würde mein Kind aus Überzeugung!!! Bei Fehlverhalten wie "gefordert" mit einer Rute züchtigen. Dann ist das eine Straftat. Letzlich würde aber das Anklagen dieser Tat und der Entzug meines Kindes, gegen ein weiteres Grundrecht verstoßen.
      Immerhin sagt mir die Gesetzgebung zu, das ich mich der Religion anschließen darf, die ich für mich richtig halte.

      Welches Grundrecht hat Vorang (nicht nur in diesem Beispiel) und wie ist es überhaupt möglich, dass man 2 Grundgesetze verbschiedet die sich wiedersprechen?


      Ich hätte mal gern eure Meinung dazu.


      Danke und Viele Grüße.

      • Setze dich einfach mal vernünftig mit der Bibel auseinander...
        Stichwort Gottesbild, AT, NT, 10 Gebote, Bergpredigt...
        Dann erledigt sich deine Frage komplett, was die Bibel an geht.
        Überlege, wie dick und alt das ganze Buch ist.. Und daraus ziehst du eine Aussage... Wie gesagt, Stichworte, Recherche... (Nur so viel: Auge um Auge und züchtigen sind passé...)

        Konkurrierende Grundrechte gibt es immer und ständig... Aus diesem Grund ist Jura eine Wissenschaft, die eine ellenlange Kette von Berufen nach sich zieht...

        Also, worum geht es dir hier in grau im Partnerschaftsforum? #kratz

        Um Jura, um tatsächlich was über die Bibel zu lernen, um dich zu äußern, dass du Probleme mit dem Christentum hast, um Erziehung...?
        Dein Post lässt sich in viele Richtungen interpretieren...
        Gruß
        bommelmuetze

        • P.S.
          Euer Martinssingen fand im Gedenken daran statt, dass es immer wieder Menschen gibt und gab, die sich ganz selbstlos derer erbarmen, die bedürftig sind... (nicht nur materiell...)
          Das ist Teil der christlichen Tradition. Diese fußt u.a. auf die Botschaft Jesu, der (in der Bibel nachzulesen) alle Kinder, ja sogar alle Erwachsenen liebt...
          Also ganz besonders auch dieses Kind, dessen Mutter, dein Kind und dich...

          Und um das zu vermitteln gehst du doch zum Martinssingen, oder? #nanana

          Gruß
          bommelmuetze

      Hi

      Religionsfreiheit heißt heißt meiner Meinung nach einfach nur, dass ich einer Religion angehören darf und das auch so kundtun darf. Aber nicht, dass ich alle Empfehlungen oder auch Vorschriften dieser Religion ausleben darf, sobald ich dadurch andere in ihren(!) Grundrechten verletzte!
      Und zwar egal was diverse Schriften wie die Bibel (die noch dazu in anderen Zeiten und unter anderen gesellschaftlichen Normen verfasst wurde) dazu sagen.
      Dazu gehören auch die von dir angesprochenen Schläge, oder auch das Thema Beschneidung, die Rolle von Kindern generell usw usf.

      Natürlich kann es in einigen Bereichen (auch ganz abseits von Religion) Konflikte zwischen Grundrechten geben. Da muss abgewogen werden.

      LG

    (7) 11.11.17 - 14:39

    So ein Unsinn.

    Ich kann hier keinen Widerspruch erkennen.

    Auf jeden Fall drängte sich den Müttern doch die Notwendigkeit dem Kind deutliche Grenzen zu setzen, auf. Diese Grenzen müssen ja nicht zwingend in "körperlicher Züchtigung" (Schläge) ausarten. Ich hätte meinem Kind auch ohne Schläge deutlich gemacht, dass es die Finger vom Eigentum anderer läßt. Wenn man es unterläßt/versäumt dem Kind die Grenzen zu zeigen, schadet man ihm, sich selbst und den Geschädigten eigentlich am meisten.

    Ihr hättet eigentlich auch der Mutter des Kindes Grenzen zeigen müssen. Wer war Organisator? Er hätte sie ansprechen sollen. So ging die ganze gut gemeinte Veranstaltung in die Hose.

    (9) 11.11.17 - 14:50

    Das GG steht über allem und die freie Relogionsausübung ist nur soweit möglich, wie sie im Einklang mit diesem bleibt.


    Das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit wiegt schwerer, als dein Recht auf freie Religionsausübung.

    Das ernsthaft in Frage zu stellen,
    macht
    mir
    nun
    wirklich
    Angst!

    Vermutlich eh nur ein
    -Provikationsthread-!

    Einigen wir uns daher doch einfach darauf, dass das Grundgesetz unsere gemeinsame Basis darstellt.

    Oder meinst du, dich nicht an dieses halten zu müssen?

    Diese Frage ist nicht dein ernst, oder?

    Religion darf nur so lange frei ausgeübt werden, solange keine Gesetze gebrochen werden und niemand zu Schaden kommt. Ich kenne mich zu wenig aus da Religion in unserem Leben keine Rolle spielt, aber "Ehrenmorde" werden auch im Namen der Religion begangen und die Leute, die sie begehen sehen sich vollkommen im Recht, aber sind sie deswegen weniger kriminell? Wohl kaum.

    Ich finde es Unglaublich, wie viele Verbrechen unter dem Deckmantel der Religion begangen werden. Und in meinen Augen ist Gewalt an Kindern einfach unterste Schublade. Ich hab auch ein Kind das wirklich nicht einfach ist, trotzallem sind wir bisher wunderbar ohne Klapsen und schlagen ausgekommen.

    Meine ehrliche Meinung?
    Worüber sich manche Leute das hübsche Köpfchen zerbrechen....
    Das mein ich noch nicht mal böse.
    Aber auf so eine Idee bin ich noch nie gekommen.....mein Tipp: genieß das Wochenende!

    Alle Grundrchte sind einschränkbar, mit Ausnahme der Würde des Menschen. Diese Einschränkungen ergeben sich entweder aus dem Gesetzesvorbehalt, oder aus den verfassungsimmanenten Schranken.

    Ich hab da grad keine Lust zu, aber wenn Dich das Thema "Widerstreit von Religionsfreiheit und körperlicher Unversehrtheit" interessiert, dann google doch mal, ob und was deutsche Gerichte zum Thema "Zeugen Jehovas und Bluttransfusion bei Kindern" entschieden haben.

    Mit der Argumentation üben ja auch all diejenigen, die sich auf Grund ihrer Auslegung des Korans in die Luft jagen oder Ungläubige töten, nur ihre Religionsfreiheit aus.
    Religionsfreiheit heisst, Du kannst an jeden Schwachsinn glauben, aber darfst nicht jeden Schwachsinn machen.

    Ich persönlich halte es da mehr mit Volker Pispers und bedauere, dass Religionsfreiheit nicht frei von Religion bedeutet - würde manches einfacher machen,

    Das ist doch jetzt ein Scherz oder?

    In der Bibel steht so einiges, "Auge um Auge, Zahn um Zahn", auf Ausübung der Homosexualität steht die Todesstrafe, Behinderte dürfen sich nicht dem Altar nähern und vieles mehr.

    Ich denke, wir sind uns alle einig, dass dies keine Regeln oder Gesetze sind, die die Kirche tatsächlich vorgibt, sondern jahrtausende alte Ableitungen, die damals vielleicht nochirgendeinen Sin verfüllten aber wohl eher den damaligen Traditionen entsprachen. Was soll also das Gerede von Grundgesetz?

    Wir haben so etwas wie ein christliches Grundgesetz, die 10 Gebote und da steht nichts zum Züchtigen von Kindern.


    Got sein Dank

    So ganz ernst nehmen möchte ich deine Anfrage hier nicht. Schon die Tatsache, dass sich erwachsene Menschen bei einem christlichen Traditionsfest das Maul über ein Kind zerreissen und dann sogar noch die Bibel ins Spiel bringen bringt mich wiederum zum Würgen.

    • Die jüdische Rechtsnorm „Zahn um Zahn“ begründet überhaupt keine Rache oder einen Rechtsanspruch, dem Verursacher einer Körperverletzung den gleichen Schaden zuzu­fügen. Sie hat einen anderen Sinn: Sie soll zum Rechtsfrieden beitragen. Es hat kein einziges rabbinisches Gericht gegeben, das eine körperliche Vergeltungsstrafe zugelassen hat, erst recht nicht, einem Menschen ein Auge auszuschlagen.Der Angeklagte muss die Verletzung, die er einem anderen zugefügt hat, finanziell entschädigen.“ Rechtssystematisch ist „Auge um Auge“ also keine Regel des Strafrechts, sondern des bürgerlichen Rechts, also der Haftung, der Wiedergutmachung. Der Vergeltungsgedanke hat hier keinen Platz. Denn auch im Altern Testament steht „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (3. Mose 19,18). Aus Religon für Einsteiger.

Top Diskussionen anzeigen