Der Tod im Leben

Wann besprichst du mit deinem Kind das Thema Tod?

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    • (1) 29.05.18 - 20:55

      Hallihallo ihr alle!
      Ich wollte mal ein Meinungsbild hier einfangen, weil ich vorhin ein Gespräch über das Thema Tod und den Umgang damit hatte und mich jetzt frage, wie andere damit umgehen.
      Also mich interessiert es, wie, wann und v.a. auch ob ihr mit euren Kindern darüber redet. Die Beweggründe für eure Entscheidung und euer Vorgehen würden mich ebenfalls interessieren. Bitte hierzu gerne an der Umfrage teilnehmen, falls ihr das möchtet.
      Vielen Dank fürs Lesen und hoffentlich antworten!

      • Meine Antwort:

        Wir haben im Alter von 3 Jahren begonnen unsere große Tochter darüber aufzuklären. Mit unserer Kleinen (2 J.) werden wir es auch dann machen. Natürlich nur stückchenweise und soviel, wie sie in dem Moment aufnehmen will/kann.

        Unsere Erklärung kurz Zusammengefasst: Jeder kann sterben, egal wie alt er ist, aber meistens sterben die ganz alten Menschen. Unfälle oder schwere bestimmte Krankheiten können auch zum Tod führen.
        Wir sind dabei auf ihre Fragen ernst und wahrheitsgetreu eingegangen.

        Auslöser waren bei uns mehrere:
        1. Haben wir eine alte Dorfkirche besucht, weil meine Tochter das wollte, sie liegt gegenüber eines Spielplatzes. Früher war es üblich, dass der Pfarrer oder andere Kirchendiener um diese Kirche herum bestattet wurden. Jedoch gibt es ein Grab von 2007, nämlich ein Kindergrab. Dabei ein Foto vom Kind (Grundschüler) und Spielsachen etc.
        2. Wir müssen täglich über eine viel befahrene Straße mit Ampel. Unsere Große hat Unfälle, die innerhalb kürzester Zeit passierten, dort gesehen. Also keine Verletzten, sondern einmal eine Gedenkstätte für ein überfahrenes Kind. Und einmal ein LKW von hinten gegen einen PKW mit blutiger und kaputter Frontscheibe. Wir mussten da leider vorbei gehen, die Verletzten waren bereits abtransportiert.
        3. Unser Kater musste operiert werden und aufgrund seines schon hohen Alters war unklar, ob er die Narkose überlebt. Er HAZ überlebt :)

        Einer meiner Beweggründe der frühen Aufklärung:
        In meiner Kindheit wurde nie über den Tod richtig geredet. Meine eine Oma ist gestorben, als ich 1 Jahr alt war, ich kenne sie nur von Fotos. Meine Uroma ist gestorben, als ich in der Grundschule war und mein Opa ist gestorben, als ich in der 9. Klasse war. Kein einziges Mal wurde mit mir darüber irgendwie geredet oder etwas erklärt. Ich war auf den Beerdigungen und war total überfordert und das jedes Mal. Deshalb möchte ich es bei meinen Kindern anders machen. Man weiß nie, wann jemand stirbt, ich möchte meinen Kindern eine Basis schaffen, sodass bei einem Todesfall ich als Trauernde es auch leichter habe mit ihnen das gemeinsam zu verarbeiten.

        Im Alter von etwa 4 Jahren begann mein Sohn zu verstehen, dass Tiere sterben. Er sah tote Vögel am wegrand und fing an zu fragen, ob man für immer tot ist. Da hsbe ich dann einfsch seine fragen beantwortet. Etwa ein halbes Jahr später fing er intensiver an, sich mit dem Tod auseinander zu setzen. Er fragte, ob Menschen auch sterben. Ja, wenn sie sehr alt oder sehr sehr krank sind, sagte ich. Dann dämmerte ihm, dass deine eine Oma schon alt ist. Und mit Tränen in den Augen fragte er, ob Oma jetzt auch stirbt, weil sie ja alt ist. Ich erklärte, dass jeder Mensch irgendwann stirbt und Oma auch irgendwann. Aber jetzt noch nicht. Er fragte, wo er denn wohnt, wenn wir sterben. Und ich meinte, er ist dann schon lange erwachsen und hat selber Kinder. Er Begriff in dem Alter, dass jeder irgendwann stirbt und das machte ihn sehr traurig. Ich nahm ihn in den Arm und erklärte, dass es noch sehr lange dauern wird, bis wir sterben. Und das ich an den Himmel glaube und wir uns dort nach dem sterben alle wieder sehen. Er fragte bisher noch nur einmal nach dem Himmel und ich habe ihm erzähl, woran ich glaube und das andere Menschen an etwas anderes glauben und das er selbst entscheiden kann, woran er glaubt. Er beschloss, auch an den Himmel zu glauben. Grundsätzlich beantwortet ich ihm alle Fragen, wenn er von sich aus danach fragt. Ungefragt etwas übdr den Tod zu erzählen, finde ich unangebracht. Man neigt dazu, mehr zu erzählen, als das Kind wissen will und es dadurch zu überfordern. Wenn er fragt, beantworte ich seine fragen und mehr nicht. Ich denke, das ist für uns eine gute Lösung.

        Ich halte es bei diesem Thema wie bei manch anderen.
        Ich beantworte Fragen. Kommen sie nicht, thematisiere ich auch nichts.
        Sohnemann ist vier und soviel hat er dazu noch nicht gefragt.
        Er ist aber auch noch nicht wirklich davon betroffen, in dem Sinne, dass jemand den er kennt gestorben ist.
        Er hatte sich in der Bibliothek mal ein Buch dazu ausgesucht, das haben wir gelesen, aber Fragen hat er nicht gestellt.

      • (5) 30.05.18 - 06:58

        Der Tod gehört nun mal zum Leben dazu, genauso selbstverständlich gehe ich damit um. Fängt doch schon ab Laufalter an....der tote Käfer auf dem Bürgersteig, der platte Igel auf der Straße, das eingeschläferte Haustier. Und ja, natürlich sterben auch Menschen.

        Natürlich ist das Thema, je älter das Kind wird, desto besser/detailierter kann man mit ihnen reden.

        Ich hasse dieses rumgeeiere bei dem Thema. Unsere Gesellschaft hat einen völlig verkorksten Umgang mit einem selbstverständlichen Thema.

      Hallo,

      wir sind das Thema angegangen als es uns betroffen hat. Ein enges Familienmitglied ist erkrankt und gestorben, letzteres sogar bei uns zu Hause.

      Meine Kinder sind im Kindergarten- und Grundschulalter. Sie haben gesehen, was passiert und haben gespürt, dass sich etwas verändert, auch wenn sie es nicht benennen konnten. Und deshalb haben wir über die Erkrankung, die Behandlung und auch den Tod gesprochen. Immer möglichst sachlich und ehrlich, oft mit Tränen, denn der Tod ist eine ungewisse Sache und da darf man ängstlich und traurig sein. Die letzten Stunden im Leben des Verstorbenen haben sie aber nicht mitbekommen und auch nicht die Leiche oder die Abholung durch den Bestatter gesehen. Das war uns ganz wichtig. Diese Abläufe haben wir ihnen aber sehr wohl erklärt.

      Ich denke, dass Eltern wahrhaftig sein müssen und das ist mir in der Erziehung sehr wichtig. Wenn wir mit den Kindern über das Thema Erkrankung und Tod gesprochen haben, dann haben wir es meist aus der Situation heraus angestoßen und dann die Fragen der Kinder beantwortet. Daraus hat sich das Gespräch ergeben, es war nie ein Monolog und das Gespräch war auch immer dann beendet, wenn die Kinder zum nächsten Thema übergegangen sind oder wir gemerkt haben, dass es zu viel wird. Wir wollten sie nicht überfordern.

      Viele Grüße,
      lilavogel

      Wenn es sich ergibt.
      Als mein Großer vier war, starb seine kleine Schwester, da war der Tod automatisch Thema. Wir sind aber auch vorher schon oft über den Friedhof gelaufen und er hatte Fragen gestellt.
      Die beiden Kleinen (9 und 11) sind mit ihrer verstorbenen Schwester aufgewachsen; in den letzten neun Jahren sind auch ihr Opa, ihre Großtante und ihre Oma gestorben.

      Der Tod gehört zum Leben, es ergibt sich einfach, darüber zu reden, Kinder fragen doch meistens, und wenn es nur um ein vorgelesenes Märchen, entfernte Bekannte oder ein Haustier geht...

      Hallo,

      als ich Kind war, wurde mit dem Thema Tod sehr offen umgegangen. Es war kein Tabuthema und es wurde ziemlich früh vermittelt, dass der Tod genauso wie die Geburt zum Leben dazu gehört. Ich war damals 3 als mein Opa starb. Für mich war das damals kein unüberwindbarer Schock. Mein Opa war alt und war nun gestorben. Es wurde mit uns Kindern immer offen darüber kommuniziert. Es wurde uns immer vermittelt, dass das der Lauf der Dinge ist, jeder irgendwann stirbt und der Tod im Prinzip nur für die Hinterbliebenen schlimm ist und nicht für den, der gestorben ist. Durch diese Offenheit wurde mir von Anfang an vermittelt, dass das Leben für die Hinterbliebenen weiter geht. Das war mit das Wertvollste was meine Eltern mir vermitteln konnten und ich bin im Nachhinein unheimlich dankbar dafür. Bei der Abstimmung habe ich 3-4 gewählt weil mein jüngster Sohn 3 und mein Großer 5 waren als mein Vater plötzlich und unerwartet starb. Natürlich habe ich den Kindern vorher schon vom Tod erzählt. Ganz einfach weil man ja über verstorbene Großeltern oder Urgroßeltern spricht. Für mich war es nicht schwer meinen Kindern zu erzählen, dass ihr geliebter Opa nicht mehr lebt. Ich konnte ganz bewusst trauen, habe aber nie die Verzweiflung und Ausweglosigkeit gespürt, die manch anderer spürt, der bisher mit dem Thema nie in Kontakt war. Auch meine Kinder haben es toll verarbeitet. Meine Oma war damals pflegebedürftig und sehr alt. Wenn meine Eltern im Urlaub waren, kümmerte und pflegte ich meine Oma. Auch hier haben mich meine Eltern, speziell mein Vater, darauf vorbereitet, dass es durchaus sein kann, dass sie plötzlich sterben kann wenn meine Eltern nicht da sind. Ich hätte genau gewusst was zu tun gewesen wäre und hätte davor keine Angst gehabt.

      LG
      Michaela

      • Hallo,
        Ich finde es gut, dass du mit dem Thema so gut umgehen kannst. Ich versuche es auch so meinem Kind zu vermitteln, aber ich selbst gehe mit dem Thema Krankheit und Tod sehr schwer um.
        Letzte Woche hatte mein Vati einen Schlaganfall. In der ersten Stunde wusste ich nur, dass der mit dem rtw abgeholt wurde. Ich wusste nix. Nicht ob er noch lebt oder was er hat. Diese eine Stunde war die Hölle für mich. Es geht ihm schon gut, er wurde heute entlassen und muss Blutverdünner nehmen.
        Aber wäre er gestorben, oh Gott. Ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen müsste. Ich weiß, dass es zum Leben dazu gehört. Ist aber für mich unvorstellbar. Schrecklich. Habe jetzt täglich Angst um meinem Vater.

        • Mein Vater starb auf einer Urlaubsreise in Südamerika. Er fiel einfach um und war tot. Meine Oma, die Mutter meines Vaters, fiel sofort nach Überbringen der Nachricht in eine Art Schock, an dem sie dann 5 Tage nach meinem Vater starb. Das war für uns alle auch schlimm und man denkt im ersten Moment, dass es ein Albtraum ist und man hofft, jeden Moment wieder aufzuwachen. Für mich war es ein Gefühl plötzlich erwachsen zu sein, obwohl ich schon 29 war. Ich war immer ein Papakind und zu meiner Oma hatte ich teilweise eine engere Bindung als zu meiner Mutter. In den ersten Tagen funktioniert man wie eine Maschine, eine Art Schockzustand. Dann kommt langsam die Verarbeitung. Ich hätte früher auch immer Panik einen geliebten Menschen plötzlich zu verlieren. Wie man in der Situation reagiert, weiß man erst wenn es soweit ist. Und in der Regel ist es von Natur aus so, dass die Eltern vor den Kindern gehen. Es bringt dir nichts, dich jetzt verrückt zu machen und in ständiger Angst um deinen Vater zu leben. Meine Oma hatte 2 sehr schwere Schlaganfälle, wurde damit 98 und hat ihren einzigen Sohn überlebt. Du musst dir sagen, dass der Tod eine Sache ist, die nicht in unserer Hand liegt. Ständige Angst davor nimmt uns die Fähigkeit, unbeschwert die Tage zu genießen, die man gemeinsam hat.

    (12) 30.05.18 - 15:05

    Hallo, entscheidend ist doch nicht das Alter, sondern wann Fragen aufkamen. Das war bei meinen so mit 3-4 der Fall und ab dann immer msl wieder. Meine gingen/gehen in einen Naturkindergarten, dort sehen sie ab und an mal einen toten Käfer oder einen toten Vogel, da ist das ganz normal und wird besprochen. Gruss

    Bei meinen Kindern hat sich das Thema Tod im Kindergartenalter ergeben, jeweils wenn wir da hingelaufen sind und gequatscht haben. Ich habe es bei allen Themen immer so gehalten--wer fragt, bekommt ehrliche Antworten, natürlich kindgerecht.

    (14) 30.05.18 - 20:57

    Wir haben mit unseren Jungs (10 Jahre) darüber geredet, wenn es Situationen und Fragen gab, die das ergeben haben.

    Das erste Mal war mit ca 3 Jahren. Da haben wir einen toten Vogel gesehen und einer der beiden hat gefragt, was mit dem Vogel los ist.

    Danach gab es immer mal wieder Fragen und Gedanken von den Kindern, über die wir geredet haben.

    Ganz ungezwungen.

    Sie haben (zum Glück) noch keinen direkten Todesfall von Freunden/Familie (menschlich/tierisch) mit erleben müssen.

    (15) 01.06.18 - 09:52

    Der Tod war so mit 2 das erste Mal Thema bei uns... Das Kind wollte wissen, was nach dem Tod passiert.
    Das war schwierig einem 2-Jährigen zu erklären und dann auch noch kindgerecht.

    Immer mal wieder ist es Thema bei uns, auch und gerade, weil die Schwiegermutter im letzten Jahr sehr plötzlich verstorben ist. (inzwischen ist er 8)

    Wir haben immer unmissverständlich klar gemacht, dass wir nicht an ein Leben nach dem Tod glauben, er aber glauben kann, was er möchte. Und so ist es ihm ein Trost zu glauben, dass seine Oma manchmal zu ihm schaut und mit ihm spricht... und wer weiß, vielleicht ist es ja tatsächlich so.

    Auch war uns immer wichtig ihm zu verstehen zu geben, dass Leben und Sterben zusammen gehören, ja einander bedingen. Jedes hat seine Aufgabe, selbst im Tod oder gerade dann... Ein totes Lebewesen ist ja auch immer (Nahrungs-)Grundlage für ein anderes, lebendes Lebewesen... Und so ist alles ein Kreislauf, des Kommens und Gehens des Werdens und Vergehens.

    Manchmal fürchtet er sich vor unserem oder dem eigenen Tod. Das sind Ängste, die wir ihm nicht nehmen können. Wir fürchten uns ja selber, vor dem, was wir nicht wissen, was uns unbekannt ist. Aber wir sagen ihm schon, dass er vermutlich sehr, sehr alt werden wird und meistens sterben ja alte Leute und nicht die Jungen. Das Sterben von Kindern oder jungen Menschen war bisher noch nicht wirklich Thema, obwohl wir auch auf dem Friedhof Gräber von Kindern sahen. Die Erklärung, dass es passieren kann, dass Kinder sterben, weil sie sehr krank waren, waren bisher ausreichend und mussten nicht weiter vertieft werden.

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