Unterschiedliche Erziehungstile innerhalb einer Freundschaft (Sehr lang!)

    • (1) 11.07.18 - 06:02

      Ich hätte mal gern eine Einschätzung von Außenstehenden und muss dazu etwas ausholen.

      Ich habe eine Freundin, die ich über meine Tochter (damals 3) kennengelernt habe, weil ihr Sohn und meine Tochter in den gleichen Kindergarten gingen. Nach einem Jahr haben sie den Kindergarten gewechselt, unser Kontakt blieb aber.

      Im letzten Jahr bin ich mit meinem zweiten Kind schwanger geworden, da war meine Große fast 5. Als wir dann damals -ich war im 5. Monat- alle gemeinsam mal auf einem Spielplatz waren, hatte meine Tochter nicht so große Lust mit dem Sohn meiner Freundin zu spielen. Sie wollte lieber bei mir sein. Durch meinen wachsenden Bauch wurde es für meine Tochter immer realer, dass sie ein Geschwisterchen bekommen wird und daher war sie zu der Zeit sehr anhänglich. Also konnte ich meiner Freundin auf dem Spielplatz keine ungeteilte Aufmerksamkeit schenken, wofür sie kein Verständnis hatte und das mit Kommentaren zeigte.

      Als wir uns dann mal wieder treffen wollten sagte sie sowas wie: „Ach wirklich, ich dachte Deine Tochter mag meinen Sohn nicht mehr!“ Fand ich schon sehr befremdlich, stand ich aber drüber. Es kam also zu weiteren Treffen bei denen meine Tochter natürlich auch wieder ganz normal mit ihrem Sohn spielte.

      Als meine zweite Tochter dann auf der Welt war ging es mit umgebeteten Ratschlägen los.

      Als sie erfuhr, dass wir keinen Kinderwagen, keine Wickelkommode und kein Kinderbettchen anschaffen, kamen Kommentare in der Art: „Ach wirklich? Ich kann euch das aber günstig besorgen, das geht doch nicht ohne.“ Sie weiß jedoch, dass mein Mann und ich bei unserem ersten Kind auch das alles -gewollt- nicht hatten.

      Als sie dann zu Besuch kam durfte sie natürlich mein Baby auf den Arm nehmen. Irgendwann ging sie dann zu unserem Stubenwagen und wollte mein waches Baby dort rein legen. Ich sagte ihr, dass wenn sie sie nicht mehr auf dem Arm haben möchte, ich sie gern wieder nehme. Ihre Antwort: „Sie muss jetzt auch mal liegen.“ Auch das fand ich befremdlich und vor allem übergriffig. Nahm meine Tochter wieder auf den Arm und erklärte, dass sie nachts genug liegen würde und ich ihre Nähe gern hab. Augenrollen von ihrer Seite.

      Als wir -sie, mein Baby und ich- gemeinsam einkaufen waren wollte sie unbedingt den Maxicosi auf einen Einkaufswagen stellen, obwohl ich bereits dabei war mein Baby in die Trage zu nehmen. Sie sagte ich könne sie doch nicht immer tragen, das sei doch schlecht für meinen Rücken. Ich erklärte ihr, dass ich auch meine erste Tochter ausschließlich getragen hätte und ich keinerlei Rückenprobleme hätte. Erneut Augenrollen.

      Jetzt gestern waren wir am Strand und sie hatte meine Tochter im
      Arm. Alles war gut, bis sie sie umdrehte und mit ihr sprach. Derzeit ist mein Baby im 19. Wochen Entwicklungsschub und weint häufig bei anderen Gesichtern als bei meinem. Sogar bei meinem Mann. Das ist sonst gar nicht so, sie ist außerhalb von einem Schub total relaxt. Mein Baby fing also an zu weinen. Ich wollte sie nehmen und meine Freundin drückte mein Kind näher an sich und sagte, ich müsse sie auch mal meckern lassen.
      Ich sagte, ich lasse mein Baby nicht meckern und nahm sie ihr ab. Mein Kind beruhigte sich sofort. Meine Freundin rollte wieder mit den Augen.

      Und nun komme ich zu meiner Frage an euch: Was kann ich tun, um meiner Freundin freundlich aber bestimmt mitzuteilen, dass sie meine Grenzen überschreitet und sie das unterlassen soll?

      Ich selbst akzeptiere jeden Erziehungsstil (sofern es dem Kind nicht augenscheinlich schadet). Ich selbst kommentiere also ihren Erziehungsstil nicht, obwohl ich es selbst ganz anders mache. Zum Beispiel redet ihr Sohn häufig mit ihr wie mit einer Angestellten. Sie hört darüber weg und erfüllt ihm nahezu jeden Wunsch. Sie droht Konsequenzen an die dann nicht folgen. Ihr Kind isst alleine am Tisch und schaut dabei Fernsehen.
      Das alles ist mir wurscht, denn es ist ihr Kind!

      Auch, dass sie ihren Töchtern (sie hat noch 2 ältere Kinder 12/26) im Babyalter Ohrlöcher hat stechen lassen (sie ist Mexikanerin und da ist das Tradition) akzeptiere ich. Als sie sagte wie süß doch Ohrlöcher an meinem Baby wären und warum ich das nicht machen lasse, habe ich gesagt, dass das für mich nicht in Frage käme, ich trage selbst auch keine Ohrringe. Dass ich es als Körperverletzung empfinde habe ich natürlich in Anbetracht der Tatsache, dass sie es bei ihren Mädchen im Babyalter hat machen lassen, natürlich nicht gesagt.

      Mir liegt an der Freundschaft, da wir viele Gesprächsthemen haben und man sich aufeinander verlassen kann. Nur in Bezug auf Kindererziehung haben wir offensichtlich sehr verschiedene Ansichten.

      Wie stelle ich es also an, dass sie ihre ungebetenen Ratschläge für sich behält? Sie kommt mir fast vor wie eine übergriffige Schwiegermutter. Zum Glück habe ich allerdings eine sehr nette Schwiegermutter. 😉

      Ich habe im übrigen nichts gegen konstruktive Kritik. Wenn ich also etwas tun würde, das meinem Kind schadet, könnte ich ihren Drang sich einzumischen ja nachvollziehen. Da dem aber nicht so ist, verstehe ich es nicht.

      Versteht es jemand von euch?

      Lieben Gruß,
      Manja

      • Guten Morgen
        Ich habe auch so eine Freundin😅
        Ich erziehe meine Kinder ähnlich wie du
        Und sie hält es für den schlechtesten Erziehungsstil den man anwenden kann und tut auch dies ständig kund.
        Ich trage zu viel, ich kuschel zu viel, ich verwöhne zu viel... könnte das jetzt endlos weiterführen. Ich glaube da hilft einfach nur seinen Standpunkt klar machen und ansonsten überhören.

        Liebe Grüße und einen schönen Tag noch

        • Liebe diego204,

          danke für Deine Antwort. Das mit dem Überhören fällt mir zumehmend schwerer. Ich denke ich muss mir da wohl ein dickeres Fell zulegen.

          Aber es wurmt mich halt, dass in unserer Freundschaft so ein Ungleichgewicht herrscht, bei dem sie meint, mich umgebeten kritisieren zu dürfen und ich es ihr nicht gleich tun würde.

          Es ist aber schonmal schön zu wissen, dass nicht nur ich eine Freundin habe, die für meinen Erziehungsstil kein Verständnis hat.

          Dir auch einen schönen Tag,
          Manja

      (4) 11.07.18 - 08:30

      Ab und zu muss man sich von Freundschaften trennen. Mir wäre einiges an deinem Verhalten auch befremdlich, würde es zwar akzeptieren aber ehrlich gesagt eher Abstand davon nehmen.
      Wäre mir zu anstrengend.

      Nur weil die Kids in einem Kiga gehen, muss man sich nicht freundschaftlich verbandeln, wenn es sonst absolut keine Gemeinsamkeiten gibt.

      lg
      lisa

      • Das ist hier aber ja nicht der Fall, die TE hat geschrieben, dass sie viele gemeinsame Gesprächsthemen haben und ihr an der Freundschaft liegt.

        An die TE: Es klingt bisschen so, als würde sich deine Freundin Sorgen um dich machen. Leute, die diesen Erziehungsstil missbilligen denken oft, die Eltern würden nie an sich selbst denken und sich vernachlässigen. Vielleicht will sie dich nur schützen, ob bewusst oder unterbewusst. Vielleicht kannst du also mal betonen, dass es dir damit gut geht, wie du es machst.
        Ansonsten weiß ich auch nicht so genau. Das Augenrollen nervt sicherlich. Da würde ich schon sagen, dass das blöd ist.
        Bei manchen Sachen würde ich versuchen, es nicht so eng zu sehen. Wenn sie deine Tochter in den Stubenwagen legt, na dann nimm sie halt einfach wieder auf den Arm, da muss man ja nicht unbedingt groß was zu sagen. Viele Baby mögen das weglegen nicht (verständlicherweise), aber sie weiß auch, dass DU sie nicht weggelegt hat, sondern wer anders. Mit zunehmendem Alter wird es ja immer mehr so kommen, dass sie von anderen Leuten anders behandelt wird, als du es tun würdest. Das kann sie aber ja unterscheiden.

        • Liebe mimimika,

          dass sie sich Sorgen macht ist ein interessanter Gedanke. So habe ich es noch gar nicht betrachtet. Sie empfand die Babyzeit mit ihren Kindern total anstrengend. Sie bietet mir auch häufiger an mir mein Baby abzunehmen, damit ich mich ausruhen kann. Dass ich die Babyzeit genieße, wie auch schon bei meiner ersten Tochter, scheint sie nicht zu glauben. Aber unter dem Blickwinkel der Sorge um mich, würde das Sinn machen.

          Danke für Deine Einschätzung.

          Lieben Gruß,
          Manja

Verstehe ich. Ging mir ähnlich. Mir wurde immer gesagt, ich sei zu empfindlich. Vielleicht war ich es auch aber letztlich bin ich die Mama und ich weiß, wie ich mit meinem Kind umgehen möchte. Ratschläge können halt auch immer weh tun.
Ich habe mich von solchen "Freunden" getrennt und lebe damit durchaus glücklicher und zufriedener. Ich wundere mich immer wieder, dass manche Menschen Grenzen überschreiten.
Meine beste Freundin ist selber auf einer Geburtsstation. Ich habe nicht einen klugen Ratschlag von ihr bekommen. Zuhören können ist eine tolle Eigenschaft für eine Freundin

Hallo,

Du wärst mir genau so zu anstrengend, wie Deine Freundin.
Ihr passt nicht zueinander, bzw. Eure Ansichten nicht. Das bringt nichts.

LG

(10) 11.07.18 - 13:00

Gar nicht mehr rechtfertigen.

Ich habe Freundinnen, die es anders machen als ich. Bei allen gibt es 1-2 Punkte, die anders sind, bei einer fast alles.

Wir sind uns in einem einig:
wir sagen etwas, wenn es dem Kind augenscheinlich! nicht gut geht. Sonst respektieren wir es und lassen die andere Mutter machen. In dem Punkt sind wir uns alle einig.


Dieses "ich mache es so weil" kann u.U. einen Wechselball an unterschwelligen (gar nicht so gemeinten!) Vorwürfen lostreten.
Auch eigene Ängste, Prägungen etc. können da eine Rolle spielen. Manche würden es gerne anders machen, trauen sich aber nicht, weil sie es ja so und nur so gelernt haben.

Steh dazu, wie du es machst. Fordere es aber auch nicht von ihr ein.
Wenn sie dein Kind hinlegt, kannst du dein Kind ja wieder auf den Arm nehmen. Das würde ich dann auch nicht kommentieren, sondern einfach nur machen.

Sagen/eingreifen würde ich dann, wenn es deinem Kind schädlich wäre.


Bei anderen Kommentaren eine Art "joo mei" oder ein "is halt so" oder ein "wird schon gut gehen".
Gar nicht groß darauf einlassen.


Bei Situationen, die mit ihr direkt zu tun haben: Aufmerksamkeit etc. würde ich ein bisschen beobachten und sie ggf. ernst nehmen. Also bisschen reflektieren. Bekommt sie trotz der anderen Situation genug Aufmerksamkeit, gar nicht weiter darauf eingehen. Ist ihr Einwand berechtigt, dann ist es unglücklich ausgedrückt - das durchaus - aber dann würde ich eher an der Situation mit ihr was ändern, ihre Gefühle ernst nehmen. Ohne deinen Erziehungsstil dabei aufzugeben.

Ansonsten mal nach ihren Gefühlen fragen.

Oft sind es nicht die Handlungen, die uns zu Handlungen bringen, sondern die Gefühle, die dahinter stecken!

Das merke ich auch oft bei meinem Kind, je größer sind wird.
Sie hat ihren eigenen Kopf, ihre eigenen Gefühle etc. auch da frage ich mich dann: was treibt sie zu der Aktion? Ist es die Handlung als solche, die mich stört oder sind es die Gefühle, die damit verbunden sind.
Umgekehrt auch: wieso macht sie das jetzt? Dann frage ich, wie sie sich fühlt und erkenne den Hintergrund (die Aktion muss ich dann trotzdem nicht verstehen :-p , aber ich verstehe dann, wie es dazu kam). Letzteres hilft mir dann wiederum Lösungen zu finden. Lösung, wie ich ans Ziel komme und was mein Kind damit erreichen wollte. Lösung, wie es meinem Kind dabei gut geht - ohne dass es im Chaos (aus meiner Sicht) endet #winke

"Du, ich glaube, wir haben im Punkt Kindererziehung einfach andere Ansichten, das macht aber nichts. Lass mich mal machen, wie ICH es für richtig halte, ja?!"
Dann Ablenken auf ein anderes Thema.
VG

(14) 11.07.18 - 15:40

Hallo,

ich finde es ja lustig, dass manche dich anstrengend finden und überlege ernsthaft, warum. Ob man sein Kind trägt oder schiebt, wo das Baby schläft, wo man wickelt... berührt andere doch gar nicht wirklich #kratz

Was deine Freundin betrifft: Ich (!) würde diese "Freundschaft" beenden. Nicht, weil deine Freundin andere Erziehungsansichten hat, sondern weil sie sich so übergriffig verhält. Wenn dir aber ansonsten viel an ihr liegt, könntest du daraus eine Freundschaft ohne die Kinder machen. Da es mehr die Babyzeit betrifft, könntest du aber auch eine klare Ansage machen: Sag ihr einmal ganz deutlich, dass du ihre Erziehung auch oft falsch findest, sie aber trotzdem nie kritisiert hast. Genau das erwartest du von ihr auch. Sollte sie das nicht können, muss sie es sagen und ihr trefft euch nur noch ohne Kinder oder eben gar nicht mehr.

LG

  • (15) 11.07.18 - 16:59

    Liebe metha,

    Mich hatte auch gewundert warum ich als anstrengend empfunden werde, wenn ich mit MEINEN Kindern umgehe wie ICH das möchte. „twins“ und „blackandwhite“ würden offenbar eine Freundschaft mit mir beenden, weil ich ihre Erziehungseinstellung nicht teile.
    Das lässt zwar bei den Beiden tief blicken, hat aber nichts mit den Grenzüberschreitungen zu tun, die mich an meiner Freundin stören.

    Und Du hast recht, ich muss mich da wohl deutlich abgrenzen. Wenn sie dann beleidigt ist, dann kann ich es auch nicht ändern.

    Lieben Gruß,
    Manja

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