Wie viel Strenge muss eurer Meinung nach in die Erziehung von Kindern?

    • (1) 26.08.18 - 13:55

      Ich bin momentan ein bisschen hin- und hergerissen, was die Erziehung meiner Tochter und das Verhalten der Großeltern angeht. Sie sagen, ich sollte ein wenig strenger mit ihr sein, damit sie mir nicht "aus der Hand gleitet". Wie seht ihr eine solche Aussage? Was ist Strenge für euch?

      • "Die Großeltern sagen, ich sollte..." - ihnen mitteilen, dass SIE sich rauszuhalten haben, genau. Ich hasse Einmischung von außen und habe das von Anfang an unmissverständlich klar gemacht. War okay, sie selbst mochten das früher auch nicht.

        Jetzt zur "Strenge": Ich bin sehr konsequent und wenn das als "streng" gilt, nun ja. Ein "aber Papa hat gesagt" gibt's bei uns nicht, wir ziehen da grundsätzlich an einem Strang. Wir trauen unseren 3 Kindern viel zu, sie sich auch. Sie dürfen teils mehr als Altersgenossen. Im Gegensatz erwarte ich z.B. auch Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit. Der von uns vorgegebene Rahmen wird ständig angepasst - erweitert oder auch mal enger gehalten, je nach Kind und Reife. Wir fahren damit sehr gut, muss ich sagen.
        VG

        hm....wenn Strenge Konsequenz bedeutet, dann bin ich wohl streng.....aber was ist streng?

        Was ich merke, wenn ich konsequent bin, funktioniert es auch. Wenn ich selber unschlüssig bin, finden Diskussionen statt. Ist es das, was gemeint ist ?

        Also ich setze Regeln und Grenzen so, wie sie eben sein müssen, dass wir alle harmonisch miteinander und mit unserer Umwelt leben können.
        Zum Beispiel etwas zu verbieten, einfach damit das Kind nicht alles bekommt, von dem Kind verlangen still zu sein, nur damit es das lernt oder ihm Nähe zu verweigern, nur damit es lernt, damit umzugehen, halte ich für Quatsch. Denke Kinder merken das auch schnell, wenn man ein Verbot ausspricht, von dem man selbst eigentlich weiß, dass es gar keine wirkliche Begründung in diesem Moment dafür gibt.

        Und mit dieser Einstellung ergibt sich irgendwie alles in unserem Alltag. Manche Regeln ergeben sich dadurch, dass die körperlichen Grenzen aller gewahrt werden sollen (nicht hauen etc), da gibt es auch keine Ausnahmen. Manche ergeben sich daraus, dass man sich sozial anpassen möchte (in der Bahn nicht lauthals schreien) - da ist zB ein kleiner Spielraum. Und zwar schau ich mir an, wieviel ich von meinem Kind verlangen kann. Ist es gerade sehr ausgeglichen, dann ist das natürlich deutlich mehr, als wenn es eh schon müde oder hungrig ist - da drück ich dann eher mal ein Auge zu (geschrien wird dann natürlich trotzdem nicht, aber ich sag nicht bei jedem Mal was, sobald die Lautstärke etwas zunimmt), weil ich weiß, dass mein Kind es gerade nicht KANN. Da kann ich schimpfen wie ich will, es ändert nichts, es würde höchstens in Tränen enden. Dann entschuldige ich mich lieber selbst bei den Leuten und sage "Mein Fehler, wir hätten besser schon vor einer Stunde zuhause sein sollen". Oder lenke das Kind ab, ohne was dazu zu sagen, dass es gerade eigentlich zu laut war, weil es eh nicht wirklich aufnahmefähig ist.

        Das jetzt nur so als Beispiel, wie wir "Regeln" aufstellen. Das passiert so ganz automatisch und intuitiv. Und das Einhalten dieser Regeln genauso. Ist immer ein Abwägen, wie schlimm der Regelverstoß in diesem Moment ist und was für eine Konsequenz folgt.
        Um bei dem Beispiel zu bleiben: Wenn die Bahn komplett leer ist (und mich das grad auch nicht stört) dürfte mein Sohn auch laut sein. Ich würde ihm sagen, dass das nicht geht, wenn Leute da sind, aber nicht schimpfen.

        Hoffe man versteht etwas, was ich meine #winke

        • Seh ich auch so. Vor allem ich zumindest erkläre meinem Kind generell immer warum ich etwas durchsetzen/umsetzen möchte was er nicht will oder warum mir ein Verbot wichtig ist. Ich wüsste gar nicht wie ich meinem Kind etwas erklären sollte, was ich nicht erklären kann weils für mich selbst kein nachvollziehbaren Sinn macht. "Weil man das eben so macht" ist für mich jetzt eher die Marke "Wenn alle ausm Fenster springen - springst du dann auch?"

          Wichtig ist das gelernt wird aufeinander Rücksicht zu nehmen, Dinge wertzuschätzen, Respekt, aber mir ist ebenso wichtig das mein Kind immer spürt. Dass egal was es angestellt haben könnte - es vor meiner Reaktion niemals Angst zu haben braucht.

          Genauso wie bei uns daheim andere Regeln herrschen als auswärts und wenn wir Besuch haben auch nochmal andere Gepflogenheiten gewünscht sind, als wenn wir unter uns sind. Aber selbst mein Sohn mit 2 Jahren hat das schon sehr gut verstanden das an unterschiedlichen Orten mit unterschiedlichen Menschen andere Normen gelaubt oder eben nicht erlaubt sind.

          Klingt "Unerzogen". Gefällt mir. ;-)

      Hallo,

      meine Mutter kann so manches in meiner Erziehung auch nicht verstehen. Ich wurde von ihr immer auf Leistung gedrimmt. Eine 3 war eine Katastrophe. Bei mir hat Druck Gegendruck erzeugt. Sie profilierte sich immer über uns Kinder und jetzt über ihre 7 Enkelkinder. Über die Enkel noch stärker. Während meine 2 ältesten Nichten totale Überflieger sind, sind meine nur Durchschnitt. Die Großen sind am Gymnasium, kommen gut mit, sind aber keine Spitzenschüler, sondern eben Durchschnitt. Da kommen auch Dreien, manchmal auch Vieren. Aber auch Einsen und Zweien. Ich sehe das ziemlich locker und bin der Meinung, dass sie ihren Weg gehen. Sie dürfen sich nachmittags mit ihren Freunden treffen, chillen etc. Das kann meine Mutter nicht verstehen. Unter der Woche wird daheim geblieben und gelernt. Ich ecke da öfters mit ihr an. Verdrehe ich bei einer 4 nur die Augen und sage, dass es vielleicht besser gewesen wäre doch mal vorher ins Heft zu schauen, bekomme ich postwendend von meiner Mutter gesagt, dass ich durchgreifen muss. Ich sage ihr, dass sie 3x die Möglichkeit hatte ihre eigenen Kinder zu erziehen. Meine erziehe ich selbst. Meine Mutter wohnt im Haus meines Bruders. Seine Tochter kam jetzt in die 5. Klasse, ebenfalls Gymnasium. Die geht nach der Schule nicht raus. Da wird bis zum Abendessen Hausaufgaben gemacht und gelernt. Ich bin generell eher locker, aber auch konsequent bei gewissen Regeln. Respekt voreinander ist eine der Regeln. Ich dulde keinen respektlosen Umgang. Ich behandel meine Kinder mit Respekt und sie dementsprechend uns. Meine Teenies haben aber auch das Recht mal stinkig zu sein und ihre Grenzen zu testen. Bisher läuft das super. Ich habe keinerlei Probleme mit ihnen. Auch in der Schule oder wenn sie irgendwo zu Gast sind, wissen sie sich zu benehmen. Sie sind verlässlich und tolle Kinder. Also kann ich so viel nicht falsch gemacht haben. Auch wenn Strenge nicht zu meinen Erziehungsmethoden gehört.

      LG
      Michaela

      • Was verbindet deine Mutter denn hier mit strenge und streng durchgreifen? Klingt wie einsperren mit Wasser, Brot und Büchern?! Ne ernsthaft. Natürlich mein Kind ist noch weit davon entfernt. Aber es macht schon ein Unterschied ob ein Kind bessere Leistung bringen könnte, aber aufgrund von schludrig sein oder faul sein eine schlechte Note erhält - hier würde ich auch mehr Lernzeit einberaumen, zur Not mit dem zeitweiligen Streichen von Hobbies. Aber wenn ich ein Kind hab, dass lernt, das sein möglichstes unternimmt um nicht unterzugehen... und dann einfach in gewissen Fächern eher auf 3 oder 4 steht. Oder mal ein einzelner Ausrutscher den wohl JEDER mal zu Schulzeiten fertiggebracht hat, weil Blackout im Test. So what. Ich glaub dass man hier mit Strenge mehr kaputt macht als das es dem Kind oder auch seiner Zukunft nützlich wäre.

        Nicht jeder muss aufs Gymnasium gehen und wenn man nicht gerade vor hat Arzt zu werden wo auch der Notenschnitt entscheidend ist... sollte man auch die Kirche im Dorf lassen. Wenn man ein Kind hat mit Matheschwäche... so what, wird aus ihm/ihr eben kein Bänker oder Mathematiklehrer. Wenn Fremdsprachen ein Problem sind - dann wirds wohl nix mit der Fremdsprachenkorrespondenz... dafür gibts Millionen anderer Jobs die man damit ohne Einschränkungen ausüben kann.

        Seh es bei meiner Nichte. Da wurde jetzt vor den letzten Ferien so ein Fass aufgemacht, weil sie im 1. Jahr aufm Gymnasium 2x ne 4 hatte, und ansonsten nur 2er und 3er im Zeugnis und das Zeugnis wurde dann als total schlecht hingestellt. Ich dachte mir eher "fürs erste Jahr ankommen aufm Gymnasium doch wacker geschlagen". #hicks Mir tat meine Nichte total leid weil sie so schlecht gemacht wurde von Seiten ihrer Mama... wos auch immer nur um Noten Noten Noten geht. #gruebel

        (10) 28.08.18 - 07:15

        Guten Morgen,

        sprichst du von meiner Mutter? Meine Eltern (Hobbylos - Arbeit in Haus und Garten) haben sich früher immer über uns Kinder definiert, aber jetzt noch stärker über die Enkel.

        Schule ist wichtig, keine Frage, und unsere Kinder sind diejenigen, die über den Klee gelobt werden. Große auf dem Gymnasium mit ordentlichen Leistungen , der Kleine getestet HB (weiß aber aus der Familie keiner), der Schule so gar nicht mag!

        Früher wurde uns Kindern ohne Begründung viel verboten. All das, was meinen Kindern nicht schadet und ich nicht durfte, wird von unserer Seite her erlaubt. Viele Freunde unserer Kinder würden ab und an gerne hier einziehen!
        Wir erziehen mit sehr großer Lockerheit, Vertrauen und Respekt, bisher finde ich die beiden Pakete gelungen, muss mir aber von meinen Eltern anhören, ich solle doch nicht so streng mit den Kindern sein!!!!

        Bei meinen Geschwistern ist es eher umgekehrt, da wird gemeckert, dass die Kinder zu verwöhnt sind. Die haben es eh schon schwerer, weil sie immer mitbekommen, dass „unsere“ schulisch problemlos mitlaufen, und es da halt Probleme gibt. Leicht haben es melde Schwägerinnen nicht.

        Ich setze die Regeln und Konsequenzen für meine Kinder, und die Großeltern haben sich daran zu halten, verwöhnen und ein paar Abweichungen sind okay.

        VG

    Auf was genau bezogen? Also so ne Aussage kann man schwer verallgemeinern. Streng bedeutet für mich konsequent durchgreifen. Auch dann noch, wenn es mit Tränen verbunden ist. Weil ein höheres Ziel in dem Fall wichtiger ist als der persönliche Wille. Manchmal muss man Dinge tuen auf die man z.b. keine Lust hat. Das gehört zum Leben dazu und in einem gewissen Maß MÜSSEN Eltern das auch in die Erziehung mit einfließen lassen. Denn ja, wenn sie es daheim nicht lernen, werden sie sich später schwer tuen, auch mal Tätigkeiten zu übernehmen die sie uncool finden.

    Man muss jetzt aber auch nicht aus allem ein Machtkampf gestalten. Wichtig ist, dass das was dir persönlich wichtig ist - dass dies auch konsequent durchgezogen wird.

    Bei mir sind das z.b. Zähne putzen, ist kein Wunschkonzert oder Körperhygiene (auch wenn Haarewaschen gehasst wird)... Mein Sohn darf durchaus mal sauer sein und infolge dessen sich im Tonfall vergreifen. Aber mir ist wichtig, dass er lernt, dass er damit bei mir nicht sehr weit kommen wird. Möchte er etwas das zu seinen Gunsten ist - MUSS er auch den Tonfall beachten. Mir ist Körperpflege (in nem normalen Rahmen nicht übertrieben), Umgangston (wenn man was haben möchte), Bitte/Danke/Entschuldiung wichtig genauso wie das nicht mit Eigentum 3. unvorsichtig umgegangen wird. Wenn er sein eigenes Zeug kaputt macht (gut er ist auch erst 2) ist mir das pfurzegal! Sein Zeug, sein Recht es auch kaputt machen zu dürfen - nur gibts halt dafür keinen Ersatz! Eigentum anderer hat er umsichtig zu behandeln sonst wird es weggenommen oder er aus der Situation heraus genommen.

    Ein gewisses Rebellentum haben aber alle Kinder in allen Altersklassen. Solang frech sein nicht in Unverschämtheit mündet und Spaß gilt nur als Spaß wenn es alle beteiligten auch so empfinden. Ok! Ich war auch hier und da etwas aufmüpfig als Kind/Jugendliche. Ich habs auch n paar mal mit Respektlosigkeit versucht (Grenzen testen in der Grundschule) hab aber gemerkt, dass die Reaktion meiner Eltern eher die Marke "Polen offen" war. Da haben meine Eltern sehr streng reagiert obwohl sie im Allgmeinen überhaupt nicht streng waren! Mit dem Resultat das ich z.b. nie mit meiner Mutter so hart reden würde wie es mein Mann mit seiner tut. Diese kann ich mir nicht mal vorstellen ernstzunehmend streng sein zu können. Mein Mann hat seine Mutter nie für voll genommen. Weil sie entweder total inkonsequent war, ihm selbst was anderes vorgelebt hat als das was sie erwartet hat von ihm etc. Ich kann z.b. keine Rücksicht von Seiten des eigenen Kindes erwarten, wenn ich umgedreht keine Rücksicht auf die Belange des Kindes nehme.

    (12) 27.08.18 - 12:35

    Hallo,

    Ich glaube nicht, dass es
    DIE
    Erziehung gibt,
    es gibt ja auch nicht
    DAS
    Kind.
    Sind alle unterschiedlich, haben verschiedene Bedürfnisse und ebenso vielfältige Unterschiede in der mentalen Ausstattung.

    Ich kann z,b. ein schlaues Kind nicht genauso erziehen wie ein entwicklungsverzögertes oder ein jähzorniges Kind genauso wie ein grundentspanntes Schäfchen.

    Wir Eltern können vor allem begleiten und ein Umfeld schaffen, in dem Kinder sich wohl, sicher und geborgen fühlen.

    Wenn du dein Kind ernst nimmst, auf seine Bedürfnisse eingehst, seine Fragen und Zweifel nicht ignorierst, dich mit ihm auseinandersetzt,
    kannst du eigentlich nicht viel falsch machen.

    Wenn du ihm einen respektvollen Umgang vorlebst, dein Kind diesen wie selbstverständlich an der eigenen Person erlebt, hat es gute Chancen, eine positive Entwicklung zu nehmen.

    Ich glaube an funktionierende Instinkte.

    Auch bei uns Eltern und darauf würde ich im zweifelsfrei eher hören als auf den von Oma und Opa.

    LG

    • (13) 27.08.18 - 12:36

      zweifelsfrei
      war Zweifelsfall
      gemeint

      (14) 28.08.18 - 16:09

      Hallo,

      ich finde, genau diese Tatsache, dass Kinder Individuen sind, kommt häufig zu kurz.

      Viele Eltern lesen irgendwelche Erziehungsratgeber oder Blogs und meinen dann, sie wissen Bescheid, wie DAS KIND tickt. Als seien Kinder Waschmaschinen, wo man lediglich die Bedienungsanleitung lesen muss...

      Wenn das Kind dann nicht A macht, wenn man Knopf B drückt, sind diese Eltern überfordert, anstatt sich Gedanken zu machen, wie IHR Kind tickt und ihre Erziehung entsprechend anzupassen.

      Die Frage, wie viel Strenge nötig ist, kann man daher gar nicht beantworten.
      Manche Kind sind von Natur aus kooperativ und passen sich an. Da muss man nicht viel sagen oder tun. Mit anderen hat man ständig Kämpfe, wenn sie sich ähnlich gut benehmen sollen.

      LG

      Heike

      • (15) 30.08.18 - 18:43

        Genauso ist es.

        Ich sage immer, der Große kam erzogen zur Welt. Wir haben vielleicht hier und da in die richtige Richtung gelenkt, hatten aber kaum was zu tun.

        Beim Kleinen ist das anders. Ein kleiner Wüterich, der mit seinen Gefühlen oft nicht klar kommt. Eine ganz andere Herausforderung!

        Wenn Leute mich loben, wie "gut gelungen" der Große ist, sage ich immer: nicht mein Verdienst.

        Beim Kleinen bin ich dann stolz wie Bolle :-)

        LG

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