Sehr menschenfixiertes Kleinkind?

    • (1) 04.11.18 - 13:18

      Mein Sohn ist 14 Monate alt. Schon seit er ca. ein halbes Jahr alt ist, interagiert er viel mit Menschen, auch Fremden. Er hat nie gefremdelt, lässt sich anfassen und hochnehmen (letzteres aber nur minutenweise). Im Gegenteil, wenn Passanten nicht zurück lächeln oder auf seine Spielversuche eingehen, wird er stinkig, wenn ich nach dem Paketboten zu schnell die Tür schließe, weint er bitterlich, weil er sich nicht "verabschieden" konnte. Beim Spielen in Spielräumen wählt er grundsätzlich ein Spielzeug, was gerade in Benutzung ist - zum Erstaunen der Gleichaltrigen, die beiseite geschoben werden. Ältere Kinder sind davon verständlicherweise recht irritiert. Auch spielt er mit den anderen Eltern, betastet ihr Gesicht o.a. Klar, dass in dem Alter noch kein Konzept persönlicher Grenzen existiert, aber bei anderen sehe ich diese extreme Zugewandtheut nicht. Die verwirrte bis entsetzte Reaktion von Kindern und Erwachsenen belegt das zusätzlich (wobei es mich wiederum erstaunt, dass die Erwachsenen oft pikiert reagieren). Er spielt aber durchaus auch allein, ohne "Zuschauer" und unterscheidet natürlich deutlich zwischen seinen Eltern und Fremden, jedoch kommentiert jeder seine Aufgeschlossenheit. Wie ist das bei euch? Was bedeutet sein Verhalten für seinen Entwicklungsstand bzw. für später?

      • Betrachte es mal aus einem anderen Blickwinkel: was sieht dein Sohn in anderen Menschen? Kann er sie überhaupt schon als eigenständige Person wahrnehmen?

        Jedes Kind hat eine Vorliebe für ein Spielzeug. Unser Sohn ist sehr fixiert auf Wäscheklammern und Dosen, also auf und zuklappen, Deckel auf und abmachen.

        Evtl sieht dein Sohn andere Menschen ebenfalls wie Spielzeug an und interessiert sich deswegen ganz 'normal' für sein Spielzeug. Er hat scheinbar von euch gelernt, das man zum Abschied winkt (Beispiel Postbote). Zudem reagiert sein 'Spielzeug' ja viel mehr, es kann Geräusche von sich geben, sich bewegen und vieles mehr ;)

      (4) 04.11.18 - 19:52

      Völlig normal.

    • (5) 04.11.18 - 21:37

      Wie viel Zeit verbringst du mit ihm bzw wie viele weitere Bezugspersonen hat er?

      Bei meinem Sohn fiel es mir gerade vom 9.-13. Monat auch extrem auf. In Krabbelgruppen war er immer derjenige, der sich einfach bei anderen Müttern auf den Schoß setzte und nicht die Bohne drum scherte, ob ich mal zur Toilette ging oder so. Andere Kinder haben sich deutlich öfter nach ihren Müttern umgesehen bzw sich vergewissert, dass sie noch da sind oder haben sich gar nicht erst so weit von ihnen entfernt.
      Das war auch noch die Zeit, wo ich dachte hach, die Kitaeingewöhnung wird ja ein Witz - Pustekuchen. Die erste Zeit war super, aber dann begann er erst zu begreifen, was verabschieden heißt. Nämlich dass ich wirklich einfach nicht da bin, auch wenn er ruft oÄ. Ich denke, er war sich meiner Anwesenheit einfach so sicher, es war eher eine Ausnahme, dass ich nicht bei ihm war und sonst war zumindest der Papa da, da hat er sich einfach nie groß gesorgt und konnte fröhlich die Welt erkunden.
      Glaube aber das hat erst mal nur Einfluss auf die akute Entwicklung und nicht auf späteres Verhalten. Zumindest ist mein Sohn (2,5 Jahre) da inzwischen völlig "normal", heißt er quatscht in der Bahn wohl mal einfach fremde Leute an, lässt sich aber nicht ohne Weiteres anfassen bzw wenn jemand auf ihn zukommt, braucht er ein paar min zum warmwerden.

      • (6) 05.11.18 - 01:55

        Ich verbringe viel Zeit mit ihm, aber er hat auch den Papa und eine Oma als Hauptbezugspersonen, vom 3. Lebensmonat aufgeteilt etwa 40:40:20. Ich mache mir keine Sorgen, am meisten wundert mich eigentlich, dass die anderen Erwachsenen so negativ reagieren, als hätte ich etwas falsch gemacht bei ihm, dass er so "komisch" ist.

        • (7) 05.11.18 - 08:39

          Sorgen habe ich mir auch nicht gemacht, ist ja überhaupt nicht schlimm, dass er so offen ist!
          Ach, da würde ich nicht viel drauf geben. Ich habe das auch öfters erlebt, dass Leute erstaunt waren, evtl etwas genervt oder verwirrt, aber wirklich negative Reaktionen habe ich sonst nicht bekommen zum Glück.

    (8) 05.11.18 - 09:04

    Hallo,

    Kinder sind Individuen. Nur, weil die meisten Kinder in dem Alter eher nicht zu Fremden gehen, heißt das nicht, dass es keine Kinder gibt, die das tun.
    Beides ist normal.

    Die Tochter von Freunden von uns ist mit 2 einfach mit irgendwelchen fremden Leute mitgegangen, weil wir herum standen und quatschten, und sie offenbar dachte, bei denen wäre es spannender.
    Zum Glück haben die Leute sie nach ein paar Metern wieder zurück gebracht, als sie sie bemerkt haben. #schwitz

    Heute ist das Mädchen 14. Sobald sie so alt war, dass man ihr klar machen konnte, dass man nicht mit fremden Leuten mitgeht, hat sie das nicht mehr gemacht, sondern hat sich gegenüber Fremden weder übermäßig ängstlich, noch übermäßig vertraulich verhalten . ;-)
    Später hatte sie sogar mal eine Phase, wo sie sich schwer tat, Kontakte zu Gleichaltrigen zu knüpfen, also ein ganz normales Kind, was das angeht.

    "Beim Spielen in Spielräumen wählt er grundsätzlich ein Spielzeug, was gerade in Benutzung ist - zum Erstaunen der Gleichaltrigen, die beiseite geschoben werden."

    Wahrscheinlich denkt er, dass gerade dieses Spielzeug besonders toll ist. Die anderen Sachen werden dafür ja offenbar links liegen gelassen. ;-)

    Unsere Kinder waren in dem Alter auch recht offen gegenüber Fremden Sie sind zwar nicht gleich auf Fremde zu gestürmt, wie Dein Sohn, aber wenn jemand wirkte, als wäre er nett und würde mit ihnen spielen wollen, fanden sie das auch super.
    Die Eingewöhnung im Kindergarten war bei beiden problemlos.
    Unser Sohn hat dann aber mit 3,5 oder 4 Jahren angefangen, sich bei einigen fremden Erwachsenen hinter uns zu verstecken. Das macht er ab und zu heute noch - mit fast 9 Jahren!
    Allerdings sind das tatsächlich immer Leute, die sich sehr gut durchsetzen können. Irgendwie merkt unser Sohn das, auch wenn die nur freundlich Hallo sagen. ;-)

    LG

    Heike

    (9) 06.11.18 - 23:11

    Hi.
    In erster Linie interessiert dich ja warum andere Erwachsene so komisch reagieren. Jeder Mensch hat seine gewisse eigene Distanz Grenze. Mein Kind und mein Mann dürfen mir näher kommen als meine Freunde, die wiederum näher als Fremde. Wenn mir fremde zu nahe kommen weiche ich automatisch ein Stückchen zurück.
    Dein Kind ist für andere Menschen teilweise fremd. Ich würde ehrlich gesagt nicht wollen das ein fremdes Kind mir ins Gesicht fasst oder sich ungebeten auf meinen Schoß setzt. Vielleicht liegt es daran das andere komisch reagieren. Bringe deinem Kind bei, das es körperliche Grenzen zu wahren hat. Zu seinem Besten, denn Zurückweisung ist für niemanden schön. Erst Recht nicht für ein Kind.
    Das er ansonsten einfach aufgeschlossen ist empfinde ich als Stärke. Da wüsste ich auch nicht warum man darauf komisch reagieren sollte.

    (10) 06.11.18 - 23:14

    Puh OK, habe überlesen das er erst 14 Monate ist. Da ist natürlich noch nicht viel mit beibringen von Nähe und Distanz. Da würde ich ihn glaube ich wegnehmen wenn er anderen ins Gesicht fassen möchte. Aber das kann er alles noch nicht wissen. In dem Alter ist das noch süß :-) Aber vielleicht nicht für alle.

    (11) 09.11.18 - 23:16

    Huhu!
    Ich habe auch so ein Kind. Sie ist zwar fast 1 Jahr alt und noch nicht so alt wie deiner, aber seit vielen Monaten schon direkt total fixiert mit Menschen, die ihr Aufmerksamkeit schenken. Immer wieder höre ich, wie freundlich, offen und fröhlich sie ist und dass sie ja gar keine Angst vor Menschen hat.

    Ich sehe da eine Verbindung zu den diversen Bezugspersonen bei deinem und meinem Kind. Auch bei uns fand von Anfang an eine aufgeteilte Betreuung statt (Ich, Papa, Großeltern und sogar Freunde). Sie war nie nur auf einen fixiert und ist ganz schnell mit Menschen vertraut. Ich kann sie jedem auf den Arm geben und gefremdelt wird nur ganz selten bei auserwählten Personen (irgendwas erschreckt sie dann, dafür muss sie denen nur eine Sekunde ins Gesicht gucken - vielleicht nicht hübsch genug?! 😆).

    Es ist zwar nur eine Theorie - aber da wir als Eltern ständig für Kontakt zu anderen Personen gesorgt haben, könnten die Kinder eventuell offener für Menschen sein?!

    (12) 12.11.18 - 23:05

    Meine Kinder sind/waren da sehr ähnlich. Ich glaub, die Irritation liegt einzig daran, wo man lebt. Wir wohnen hier auf dem absoluten Land und hier im Dorf finden es alle völlig normal (bis auf die Mamis der mega schüchternen anderen Kinder, die finden es auch schön, wundern sich aber halt) und schön, dass das Kind so offen ist. Bei uns kommt es immer mal wieder vor, dass die Kinder z.B. in der Kirche die Mamis "durchtauschen" - und nein, die Kinder kennen die anderen Mamis nicht soooo gut.

    Dazu sind wir relativ häufig in Italien und dort werden Kinder nach Herzenslust betatscht, gestreichelt, angequasselt und angefasst. Ständig haben Wildfremde die Finger im Gesicht der Kinder. Dass das Kind da evtl. weinen könnte wird gar nicht in Betracht gezogen. (Ich find nur immer witzig, dass es die deutschen Spießermamis beim Kellner an der Strandbar tolerieren, während sie daheim die Schnappatmung bekämen, wenn es die Helferin beim Kinderarzt machen würde, aber gut.) Die Kinder weinen aber auch nicht.

    Ich finde es ehrlich gesagt völlig normal, dass Kinder eben NICHT fremdeln (ich habs wohl nie getan, mein Bruder auch nicht, meine 2 Kinder auch nicht). Bei meinen Kindern war es eigentlich ganz einfach: Sie haben gesehen, wenn ich zu jemand soweit Vertrauen habe, dann können sie zu dem auch hin bzw. dürfen sich von dem anfassen lassen. Leute, die mir suspekt sind, da reagieren die Kinder meist auch zurückhaltender. Wobei, hier im Dorf, da gibt's eigentlich kaum mal jemand. Das muss dann schon z.B. im Zug sein oder eben beim Ausflug in der Stadt.

    Mein Großer ist jetzt 8 und hat sich das eigentlich ganz normal beibehalten. Er ist schon offen und traut sich auch mit Erwachsenen im normalen Rahmen ganz normal sprechen. Er geht auch zu einem Fremden (z.B. neulich zum Bademeister, weil er eine Frage hatte zum Schwimmbadboden) und fragt da was, aber halt mit Grund. Er quasselt jetzt nicht ungeniert irgendwelche Leute an oder textet Erwachsene über Gebühr zu oder so. Aber er spricht laut und deutlich mit Erwachsenen und "kommt durch". An einem "geschützten Ort", z.B. einem Campingplatz, wo es normal ist, mit Fremden ins Gespräch zu kommen, kann es auch durchaus mal passieren, dass er jemand kennt, bevor wir die Leute kennen. Aber er würde jetzt nie in einer Stadt oder so jemand anquasseln oder sich anquasseln lassen. Also, der unterscheidet das schon ganz gut.

    (13) 13.11.18 - 10:09

    Ich würde das einfach auf dein Kind und seinen Charakter schieben.
    So ist er und das macht ihn aus.

    Meine Tochter ist ähnlich. Sie war einfach schon früh kommunikativ. Suchte auch schon immer vom Kinderwagen aus Kontakt zu allen möglichen Leuten. In sämtlichen Supermärkten und Geschäften im Umkreis ist sie als "das immer lächelnde Kind" bekannt.

    Im Vergleich mit anderen Kindern ist das ganz sicher etwas, was sie "auszeichnet" (im Sinne von Charaktereigenschaften).
    Auch auf dem Spielplatz quatscht sie jeden an.... das macht echt Spaß.

    Andere Kinder sind nur unterwegs. Ich kenne mehrere Gleichaltrige, die dafür ständig on Tour sind. Alles entdecken wollen. Die erkunden die Welt, während meine Madame herum steht und Leute anquatscht 😀

    Ich bin auch der gespannt, wie sich das in den nächsten Jahren weiter entwickelt.
    Glaube aber nicht, dass das "mein Werk" war.
    Ich bin alleinerziehend, Familie wohnt weiter weg.
    Wir waren in Krabbelgruppen und auch sonst unter Leuten. Aber die meiste Zeit waren natürlich doch nur wir zusammen.
    Deshalb denke ich einfach, dass sie halt ein offenes Wesen hat. :)

    Und dafür, dass sie die ersten Lebenswochen immer die Augen zu hatte, hätte ich damals auch nicht gedacht, dass sie mal so wird 😂

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