Wut, beissen, hauen...wie damit umgehen?

    • (1) 27.01.19 - 20:00

      Hallo Liebe Eltern,

      unser Kind das bald 2 Jahre alt wird hat zurzeit eine katastrophale, hoffentlich, Phase.

      Oft sind es Kleinigkeiten die dazu führen das er wütend wird. Dann fängt er an zu schreien, manchmal schlagen und beißen.
      Wir wissen einfach nicht wie wir darauf reagieren sollen. Sollen wir es ignorieren und so Machen als würde er nichts davon machen? Sollen wir ihn auf sein Zimmer schicken? Sollen wir ihm Sachen abnehmen die er lieb hat?

      Er liebt es mit Kabel zu spielen....warum auch immer. Haben auch schon 99% Davon weg. Nur macht es ihn sauer das dass Kabel auch mal verknotet. Oder ich soll ihm ein Lied laufen lassen, mache ich es, dann past irgendetwas nicht und er ist wütend. Windel wechseln wird auch oft zur Katastrohe...immer sagt er nein.
      Es sind auch banale Dinge die mir im Moment nicht einfallen oder einfach nur wenn er das nicht bekommt was er will.

      Das schlimme ist nicht zu wissen wie wir dann reagieren sollen. Wir als Eltern fuehlen uns echt Sch... da wir denken das wir alles falsch machen.

      Weiteres Thema. Was machen wir mit Gegenstaende die oft zu Wut gefuehrt haben? Sollen wir alles verstecken mit dem er gerne gespielt hat auch wenn es auch mal zu frust gekommen ist oder ist das verstecken falsch weil ihm dann was fehlt?
      Beispiel waere der Staubsauger. Warum auch immer spielt er gerne mit dem Teil (AUS) und dann kann auch mal das Kabel einen Knoten bekommen was ihn wuetend machte. Wir haben den seit Wochen versteckt das er damit nicht mehr spielen kann. War das richtig, immerhin fragt er nicht mehr danach oder war das sein Ding und jetzt wird die wut auf was anderes staerker weil ihm was fehlt?

      Danke und LG

      • (2) 27.01.19 - 22:37

        Hallo, um aggressives Handeln bei Kindern besser einordnen und darauf reagieren zu können, wäre es sicher hilfreich, sich mit dem Thema etwas eingehender zu beschäftigen. Dieser Artikel fasst das Thema gut zusammen:

        https://www.psychoanalyse-aktuell.de/artikel/detail/news/ann-kathrin-scheerer-leidenschaftliche-aggression-als-tabu/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=4096ca3013560d35bf8b95db23d6dfa1

        Beste Grüße, n.

        (3) 28.01.19 - 14:49

        Hallo,

        meiner Meinung nach kann man das Thema natürlich lang und breit analysieren, nur praktisch bringt das wenig.

        Es reicht eigentlich, sich die Tatsache bewusst zu machen, dass das Kind gerade feststellt, dass die Welt nicht unbedingt tut, was das Kind will und das erzeugt Frust.
        Je nach Temperament werden die Kinder dann mehr oder weniger wütend, wenn es nicht so läuft, wie sie wollen.

        Was man da als Eltern tun kann, hängt davon ab, worum es geht. Bei manchen Dingen kann man dem Kind helfen, andere soll das Kind einfach in Ruhe lassen, wie die Kabel, wieder andere funktionieren aus physikalischen Gründen schlicht und ergreifend nicht. Da versucht man zu erklären und zu trösten.

        Wir hatten Dinge, an denen die Kinder nichts zu suchen hatten und dazu gehörten elektrische Geräte, Kabel und Steckdosen. Da konnten die Kinder wüten und brüllen, wie sie wollten. Damit mussten sie leben.
        Keinem Kind fehlt etwas, wenn es nicht mit Kabeln oder dem Staubsauger spielen darf. Dann spielt es eben mit anderen Dingen.

        Unser Sohn ließ sich bei Wutanfällen trösten, unsere Tochter nicht. Da musste sie eben ungetröstet brüllen.
        Unsere Tochter haben wir teilweise in ihr Zimmer verfrachtet, weil sie sich sonst immer weiter hochgeschaukelt hat.
        Manche Kinder lassen sich wiederum ganz gut mit anderen Dingen ablenken.
        Die sinnvollste Strategie ist bei jedem Kind anders.

        Wenn unsere Kinder gehauen haben, haben wir sie festgehalten und streng "Nein!" gesagt. Wenn sie auf dem Arm waren, haben wir sie abgesetzt.
        Von irgendwelchen Spielchen, von wegen, jetzt ist Mama aber traurig und hat Aua, halte ich gar nichts. Das nehmen die Kinder nicht ernst.

        Beim Wickeln würde ich Eurem Sohn ein Spielzeug geben, das es nur beim Wickeln gibt und sonst nie.

        Wenn das Kind mal gefrustet ist, ist das generell nichts schlechtes. Jeder Mensch erfährt Frust, und jeder Mensch muss lernen, damit umzugehen.

        Je mehr man das von den Kindern versucht, fernzuhalten, umso später lernen die Kinder damit klar zu kommen und umso weniger Verständnis hat die Umgebung dafür. Ein 2-jähriger, der tobt, weil er etwas nicht hin bekommt, ist eine ganz andere Geschichte, als ein 8-jähriger der in der Schule sein Heft auf den Boden pfeffert und den nächstbesten Stuhl tritt, weil es nicht läuft, wie geplant...

        Ihr solltet Euch mehr auf Euer Bauchgefühl verlassen und nicht jede Verhaltensweise Eures Sohnes zu Tode analysieren. ;-)

        LG

        Heike

      (5) 28.01.19 - 16:54

      Liebe 004200, unsere Kinder sind noch so klein, ein Kind in dem Alter will seine Welt erkunden...
      sie wollen über sich selbst bestimmen.
      Da ist auch alles interessant was die Eltern oder andere machen oder haben. Vorallem die Eltern sind die Orientierung, die sind das Vertrauen. Wenn die es haben, muss es interessant und gut sein, das will ich auch. Wenn Sie es mir nicht geben, frustriert mich das. Wieso ?
      Ich bin noch so klein, ich kann nicht mit euch diskutieren, ich kann nicht argumentativ erklären, dass ich mich für die gleichen Dinge wie ihr interessiere. Dass ich bestimmen will warum ich jetzt dies oder jenes machen will. Weil ICH das will. Nicht nur weil die Eltern das wollen. Ich will aber. Manno. Meine Gefühle kann/muss ich ausdrücken. Wenigstens das. Hallo? Seht ihr meine Not? Das ist echt wichtig! Ich bin total auf euch angewiesen und ihr labert mich zu! Das ist alles so unfair! Ich will das auch haben!!!!!! JETZT. 😡😫😢

      Dann kommt diese Wut Welle die sie einfach überrollt. Sie in dem Frust, den ganzen Gefühlen fast Ertrinken.
      Sie versuchen auf sich aufmerksam zu machen, so wie sie es in dieser Situation die sie selbst auch überfordert können, durch auf den Boden werfen, schreien, hauen, treten.
      Es wird noch lange dauern bis sie lernen auf dieser Wutwelle zu surfen.

      Jetzt hilft es in meinen Augen sich empathisch mit dem Kind verbinden und fühlen was es fühlt und dann erst handeln... Von Situation zu Situation kann das unterschiedlich sein....

      Auf jeden Fall signalisieren "ich sehe dich und deine Wut, verstehe dich, wäre auch wütend" so dass sich das Kind ernst und wahrgenommen fühlt.
      Alternativen suchen und anbieten.
      Wenn diese nicht funktionieren, ist das auch okay.
      Wir lassen uns ja auch nicht mit nem billig Handy abspeisen wenn wir das neuste iPhone bestellt haben😉
      Dann einfach da sein, die Wut annehmen, helfen durch die Wut zu finden. Zeigen dass es okay ist wütend zu sein und auch dabei zu schreien usw. Vllt zeigen wie es sonst mit der Wut umgehen kann. In ein Kissen schreien z.b.
      Wenn sich das Kind nicht anfassen lässt akzeptieren und signalisieren dass man da ist wenn es getröstet werden will.

      Ignorieren, wie oft geraten wird, fände ich persönlich ganz schlimm. Ein kleiner Mensch hilflos im großen Ozean der Gefühle, Wünsche, Orientierung. Da möchte ich ihn nicht alleine treiben lassen sondern das Rettungsboot sein auf das er flüchten kann wenn alles zuviel wird.

      Und denke daran, Zuhause ist der Hafen der Kinder, du bist der Leuchtturm an dem er sich orientiert, bei dir kann er seinen Anker werfen und seinen Gefühlen freien Lauf lassen und weiß dass er trotzdem geliebt wird und nicht unter geht.

      Solche Phasen sind für uns alle schwierig, Eltern und Kinder.
      Drücke dich/euch und schicke euch viel Kraft und Nerven ❤🍀

      (6) 28.01.19 - 19:38

      Hallo!

      Das ist einfach das Alter. Meine Tochter war auch so ähnlich schlimm. Sie hatte am Tag in Hoch-Zeiten ungefähr 6 Wutanfälle, die sie haben ausrasten lassen. Das ging leider auch bis zum 5 Lebensjahr.....

      Tja, wie reagieren.....Es kommt immer auf die Situation an. Wenn meine Tochter auf den Spielplatz wütend wurde, sind wir nach 2-3 Ansagen nach Hause gegangen (riesen Drama). Da ging es einfach darum, das ein Kind geschaukelt hat und meine Tochter schaukeln wollte. Sie wollte einfach nicht warten bis das Kind fertig war. S
      ie hat sich hingeworfen und gebrüllt.....

      Was manchmal ganz gut klappt ist die Aufmerksamkeit auf andere Dinge lenken. Das geht aber nur, wenn das Kind nicht schon Stinksauer ist. Ist es erstmal Wütend......klappt gar nichts mehr. Ich habe die Erfahrung bei meiner Tochter gemacht, wenn ich selber ruhig geblieben bin, ging die Wut etwas schneller wieder weg.
      Manche Kinder kann man in den Arm nehmen und trösten, manche nicht. Meine Tochter ist ausgerastet und man musst sie gewähren lassen (in einem gewissen Rahmen). Sie wollte nicht in den Arm genommen werden. Ich blieb dann einfach sitzen und wartete ab. Manchmal versuchte ich sie zu beruhigen, indem ich mit ihr ruhig redete.....klappte mal besser, mal schlechter...
      Es ist sehr schwer ruhig zu bleiben, wenn das Kind so brüllt.

      Eines hat meine Tochter nur einmal getan: Mich gehauen.
      Sie hat das einmal gemacht und ich habe soo gebrüllt und 'geweint'...….das fand sie gar nicht gut..... Den Blick werde ich bis heute nicht vergessen....*g*
      Beißen und Schlagen müsst ihr unterbinden. Er kann wütend sein, aber er darf keinen dabei verletzen oder wehtun.

      Die Gegenstände: Wenn ein Knoten irgendwo rein kommt, würde ich dem Kind zeigen wie es den wieder lösen kann....Ich würde nichts verstecken. Frust gehört einfach in dem Alter dazu und damit muss man umgehen lernen.

      LG Sonja

    • (7) 28.01.19 - 20:37

      Hallo,

      dein Kind entdeckt gerade seinen Willen und erkennt jetzt die Bedeutung des Wortes Nein. Ein ganz natürliches Verhalten. Er hat seinen Willen und will diesen auch durchsetzen. Nur geht das nicht immer und das sorgt für Frust. Da Kinder noch keine große Frustrationstoleranz haben, erklärt sich das Verhalten. Würdest du alles weg räumen was zu Frust führen kann, würdest du bald in einer leeren Wohnung sitzen. Jede Kleinigkeit kann Kinder aus dem Konzept bringen. Da reicht es schon, dass die Nudel senkrecht anstatt waagerecht auf dem Teller liegt, der Becher blau anstatt grün ist etc. Wie du damit umgehst, hängt von deinem Kind ab. Ich habe 3 Kinder und musste mit ihnen unterschiedlich umgehen. Der eine wollte getröstet werden, der andere wurde nur noch wilder wenn ich auf ihn eingegangen bin. Beim einen half ablenken, beim anderen ausbocken lassen. Aber Dinge weg räumen damit es erst gar nicht zu Wutausbrüchen kommt ist Blödsinn. Beißt oder haut er, sage klar Nein und setze ihn ab, wenn du ihn gerade am Arm hast. Ansonsten versuche ihn abzulenken oder aus der Situation zu nehmen. Versuche ihn zu trösten. Erkläre ihm, dass das jetzt blöd, aber nicht zu ändern ist. Wenn du Glück hast, geht er darauf ein. Wenn nicht, musst du warten bis er fertig ist. Meine Tochter brauchte ich gar nicht ansprechen wenn sie ihre 5 Minuten hatte. Meinen Mittleren ebenfalls nicht. Beide musste ich in ihrem Zorn komplett in Ruhe lassen, sonst haben sie sich noch mehr rein gesteigert. Beim Großen hat ablenken super geholfen.

      LG
      Michaela

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