Erziehungsmethoden

    • (1) 02.04.19 - 19:25

      Hallo ihr Lieben,

      so langsam bin ich im Endspurt zu meinem ersten (und letzten) Kind und nachdem ich mich die ganze Schwangerschaft hauptsächlich mit dem Leben in mir, der Geburt und die ersten Wochen beschäftigt habe, kommen jetzt erste Gedanken zur Erziehung und der Zunkunft.

      Ich gehöre noch zur Generation Klaps und Hintern voll, wenngleich mich die ersten Wellen der antiautoritären Erziehung schon gestreift haben und ich im gewissen Rahmen frech und wild und wunderbar sein durfte.

      Natürlich kommt körperliche Gewalt heutzutage nicht mehr in Frage, aber ich finde viele Dinge, die meine Eltern gemacht haben, heute noch recht sinnig bzw. wünsche ich mir das auch für mein Kind. Nur wie kommt man dahin ohne antiquierte Erziehungsmethoden?

      - Gehorsam, ja ich weiß heute ist Funktionalität bei Kindern out, aber wir hatten einen gewissen Grundgehorsam Erwachsenen gegenüber und ich finde den auch wichtig ohne jedes Mal Erklärbär oder stundenlange Diskussionen spielen zu müssen. Gesellschaftstauglich wäre hier wohl der passende Ausdruck, was ich bei meinem Kind gern hätte.

      - Gewalt ist keine Lösung, heute scheint es mir normal zu sein, dass Kinder hauen, treten, beißen etc. bei uns war das ein Nogo in jedem Alter und ich weigere mich, mich von einem Kleinstkind verprügeln zu lassen. Bei uns gab es da ne ordentliche Schelle, nicht meine Lösung, wenngleich wirkungsvoll soweit ich mich erinnere. Wie löst man das heute?

      - Respekt vor anderen, ich bin im 4 Generationen Haushalt aufgewachsen und bei uns hatte jeder Erwachsene im Dorf 'die Hosen an', sprich Ansagen sind Folge zu leisten, Älteren und Schwächeren hilft man und ein Nein ist kein Weltuntergang oder Fall für einen stundenlangen Wutausbruch

      - danke, bitte, Entschuldigung und ich möchte - auf ich will aber hat niemand reagiert - Ignoranz soll aber heute ja schwer schädlich sein. Reicht da Vorbildfunktion?

      - sauber werden, bei uns klassisch mit 3, da sonst kein Kindergarten, allerdings scheint heute das Töpfchentrauma schlimmer als das Training. Irgendwie umsetzbar ohne Trauma?

      - Frustationsschwelle, ja die mussten wir früh lernen und auch aushalten, bei 3 Kleinkindern war Warten Pflicht und bedürfnisorientiert für alle nicht umsetzbar - wie steuert man das heute?

      - Spielzeug / Multimedia und Außenseiter - bei uns gab es das Problem schlichtweg nicht, wir waren viel draußen. Ich möchte kein TV/Tablet/Handy etc bis zur 1. Klasse und auch keine sinnlose Spielzeugüberhäufung in keinem Alter. Rückständig oder machbar?

      - Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit, wir waren das schon früh (einkaufen, sagen was wir wollen oder nicht, zum Kindergarten gehen, 'alleine' Zuhause bleiben, Selbstbestimmung bei div. Entscheidungen), wie in heutiger Zeit fördern?

      - eigenes Zimmer aufräumen / Hilfe im Haushalt bei uns altersgerecht selbstverständlich, heute zunehmend verpönt?

      Das sind so ein paar Punkte, die mir heute zumindest eher negativ auffallen und die ich aber gern für meine Tochter in modernisierter Form hätte ohne das ich 3000 Ratgeber lesen muss. Jemand Tips auf Lager oder sinnvolle Begründung warum das heute anders gehändelt wird?

      Zu mir falls das von Bedeutung ist: Fast 40, Eltern und Schwiegereltern nicht mehr vorhanden, Kinder und deren Erziehung im Umfeld eher abschreckendes Beispiel, daher nicht geeignet zum Erfahrungsaustausch.
      Kind weder geplant noch gewollt, aber natürlich nun sehnsüchtig erwartet und geliebt, Schwangerschaft bisher eher negativ verlaufen (Kind super, mein Körper eher nicht so) und ich zähle wohl jetzt schon nicht zu den Vorbildmamas, weil ich jetzt schon nicht meinen Fokus auf das alleinige Wohlbefinden meines Sprösslings lege, sondern alle Kompromisse eingehen müssen.

      • (2) 02.04.19 - 20:13

        Ganz einfach. Man kauft sich das Reparaturhandbuch "Kind", und schlägt nach. Bei Verfehlung 4b wendet man Konsequenz 4b1 an, und hat ein perfekt funktionierendes Kind;-).

        Ernsthaft: Lass es auf die Welt kommen, hab es lieb, stell fest, was für einen Charakter hat und finde dich damit ab, dass es kein Patentrezept gibt.

        (3) 02.04.19 - 20:18

        Hallo,

        Setze auf die Liebe und den gesunden Menschenverstand. Und kümmere dich möglichst wenig um die Meinung der anderen.

        Viel Spaß mit dem Zwerg

        😍

        (4) 02.04.19 - 20:32

        Es ist völlig sinnlos sich vorher so detailliert Gedanken zu machen. Du weißt doch gar nicht welchen Charakter dein Kind mal haben wird. Jedes Kind braucht seine individuelle Erziehung. Du wirst kaum einen ruhigen in sich gekehrten Jungen genau so erziehen können wie ein Mädchen mit ADHS. Manche Kinder werde mit 2 von ganz alleine sauber und bei anderen ist es mit 4 noch ein Kampf. Wie will man das über einen Kamm scheren?
        Man selbst ändert auch im Laufe der Zeit seine Einstellung zu manchen Dingen.
        Lass es auf dich zu kommen. Das ergibt sich von selbst.

      • (5) 02.04.19 - 21:19

        Die sogenannte Grundgerhorsamkeit von früher, war meist nur Angst den Arsch versohlt zu bekommen.
        Wichtig ist gegenseitiger Respekt, reale Erwartungen und Forderungen vom Kind, dann hört es automatisch aus Respekt und Einsicht.
        Behandle dein Kind so, wie du auch behandelst werden möchtest.....erinnere dich zurück, welche Aussagen, Tonwahl oder unnötige Erwartungen dich von deinem Eltern verletzt haben oder ungerecht waren...mach es anders.
        Erziehung ist eigentlich nur der Umgang miteinander , Kinder sind eigentlich Reflektoren der Eltern.

        • Ganz wichtiger Punkt! Bei vielen Erwachsenen hat man den Eindruck, dass ihnen die Welt der Kinder völlig fremd ist und sie selber nie Kinder waren.
          Meine Eltern haben nie ihre Versprechen eingehalten, haben mich immer alleine gelassen, haben mich geschlagen und behandelt wie einen Idioten.
          Das sitzt so tief, dass ich meine Kinder völlig anders erziehe.

          • (7) 04.04.19 - 13:33

            Das klingt ja schon sehr nach Mißhandlung, sowohl physisch als auch psychisch und sollte wohl kaum 'Vorbild' für Erziehung irgendeines Lebewesens sein.
            Es tut mir sehr leid für dich, dass du so groß werden musstest.

            • (8) 04.04.19 - 13:39

              Stimmt wohl, es gibt zwar schlimmere Fälle, aber so muss sich wirklich kein Mensch behandeln lassen. Ich habe seit 6 Jahren keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern, wobei ich das nicht alleine an meiner Kindheit fest gemacht habe. Meine Eltern sind kranke und durch und durch böse Menschen (zumindest meine Mutter, mein Vater wurde leider mitgerissen). Das hat sich auch nicht geändert, als ich erwachsen wurde...im Gegenteil.

              • (9) 04.04.19 - 14:20

                Ich hab den Kontakt zu meiner Mutter auch abgebrochen, das ist manchmal unumgänglich.

                Ich hoffe du hast deinen Frieden gefunden und kannst die Vergangenheit irgendwann abhaken.

                • (10) 04.04.19 - 14:37

                  Es kommt nur noch ab und zu hoch, wenn ich Großeltern mit ihren Enkeln sehe oder ich einfach eine "Mutter" bräuchte (das ist dann aber nicht meine Mutter, die mir fehlt, sondern eher eine fiktive Mutter).
                  Dir wünsche ich auch alles Gute #herzlich

      (11) 02.04.19 - 22:16

      Hallo taz,

      ich bin fast 30 und schon ohne "Klapps auf den Hintern" aufgewachsen. Meine Eltern kannten es natürlich noch anders aber auch nur bedingt und nur teilweise von ihren Großeltern. Ansonsten gabs das von Seitens ihrer Eltern/meiner Großeltern nicht. Meine Oma värterlicherseits war aber sehr streng und dominant. Sie sagt an und es musste gespurt werden.

      Und trotzdem haben mich dieses Themenpunkte wie du sie beschrieben hast auch während der ersten Schwangerschaft beschäftigt. Zwar nicht so detailliert aber im Allgemeinen eben "Was will ich meinem Kind mit auf den Weg geben?" "Was ist mir für ihr Leben wichtig?" "Und wie kommen ich dahin/wie setze ich es um?"

      Meine Erkenntnis: Man kann es nicht wirklich planen und sollte sich nicht zu sehr auf alles versteifen. Für ganz vieles reicht es wirklich aus ein Vorbild zu sein (auch die Eltern untereinander/miteinander) und die Kinder machen es nach. Meine Tochter (gerade 4 geworden) sagt schon sehr lange ganz selbstverständlich Danke & Bitte ohne das ich daneben stehen muss und "Was sagt man, wenn man etwas bekommen hat". Sie kann auch Entschuldigung sagen und weiß auch was das heißt/warum man das sagt!
      Selbst ihrem kleinen Bruder (fast 15 Monate) erklärt sie schon "N. da sagt man Danke!" ;-) oder es kommt "Ich hab für N. danke gesagt!" wenn es beim Metzger zum Beispiel die bekannte Scheibe Wurst gibt.

      Ja, bei einer 4-jährigen kommt auch mal "Aber ich will.../ Ich will aber..." im entsprechenden Tonfall natürlich, gehört dazu. Ich ignoriere sie nicht, sage ihr aber das sie ruhig und freundlich mit mir sprechen soll und gebe ihr die Möglichkeit ihr "Ich will..." nochmal anders/freundlich zu formulieren. Das klappt überwiegend.

      Selbstständigkeit versuchen wir auch im Alltag umzusetzen. Wenn wir z.B.: im örtlichen Biergarten sind und sie ein Eis möchte - ok, geh rein zur Theke (dort steht die Kühltruhe) und sag es dem Kellner. Wir sprechen vorher aber ab welches Eis ok ist und geben ihr das Geld mit.
      Oder neulich beim einkaufen wollte sie eine Wurst, ich musste aber nichts an der Frischetheke holen und hab gesagt, sie soll hingehen und fragen ob sie trotzdem eine bekommt (wir leben in einer Kleinstadt und man kennt sich hier eben und sie bekommt öfter mal eine, wenn wir auch nur vorbeilaufen). Hat sie sich da nicht getraut, ein paar Tage später sagte sie "Ich frag nach einer Wurst", weg war sie und kam mit einer Wurst zurück. Sie war sooo stolz!
      Genauso läuft sie auch alleine zu einem Freund aus der Nachbarschaft. Wir wohnen in einem reinen Wohngebiet, in einer Sackgasse, wir ganz hinten am Wendekreis und der Freund fast ganz vorne. Ich kann sie vom Fenster aus sehen und die andere Mama weiß dann auch bescheid, dass sie kommt aber für sie ist das natürlich viel mehr. Es macht sie stolz schon so groß zu sein! Im Jahr vor der Schule können/dürfen die Kinder (je nach Weg) auch alleine vom Kindergarten nach Hause laufen.

      Spielsachen/Zimmer aufräumen haben wir auch in den Alltag integriert, von klein an. Natürlich macht man am Anfang als Eltern es eigentlich alleine aber es wird zunehmend mehr. Auch unser Kleiner wird da eben schon so gut es eben geht mit eingebunden. Ob er dann einen Legostein oder 10 in die Kiste wirft ist ja in dem Alter noch egal.
      Zum aufräumen gehört für mich aber auch die Schuhe an seinen Platz zu stellen, wenn man nach Hause kommt, genauso Jacke & Mütze und evtl. den Kindergartenrucksack. Das ist bei uns aber auch alles so, dass es für sie erreichbar ist also Hacken auf Kinderhöhe, für Mützen/Schals & Co hat sie ihre Kiste (einfach reinwerfen) und der Rucksack wird ins Regal gestellt. Seit sie nun auch öfter bis 13.30 Uhr (bisher meistens 12 Uhr) im Kindergarten bleibt bekommt sie noch ein Mittagessen (Brot mit Beilagen) mit daher seit neusten noch: Brotdose aus dem Rucksack, Rucksack ins Regal, Dose in die Küche! Das geht alles ruck-zuck weil es einfach normal für sie ist!

      Da schließt sich ja auch der Haushalt an:
      Unsere Tochter hilft (zu 95%) jeden Abend beim Tischdecken oder will es sogar alleine machen. Nach dem essen bringt sie ihren Teller in die Küche.
      Alles andere ist eher sporadisch... wenn es sich ergibt hilft sie gerade sehr gerne die Spülmaschine auszuräumen - kommt aber nicht an alle Schränke ran. Und sie hilft total gerne im Garten... da gibt es eigentlich nichts was sie nicht gerne macht. Und im Haus gießt sie auch sehr gerne die Blumen. Sie denkt da ehrlich gesagt sogar besser dran, wie ich #rofl
      Entsprechend dem Alter wird sich das dann eben anpassen. Im Moment macht sie es von ganz alleine, weil sie möchte und Spaß daran hat. Das wird wohl irgendwann nachlassen aber dann wird jedes Kind (ans Alter angepasst, Schule, Hausaufgaben & Co natürlich berücksichtig) sein Aufgaben habe. Die können gerne variieren aber ich sehe mich nicht als die Haushälterin für Mann & Kinder. Wir leben als Familie zusammen, in einer Gemeinschaft alle haben Hunger, wollen saubere Wäsche und machen Dreck ;-).

      Das mit dem hauen, anschreien, treten, beißen ist mir auch schon immer wieder - mal mehr mal weniger aufgefallen. Wenn man sich sowas immer wieder schönredet und das Kind so gesehen immer wieder in Schutz nimmt, braucht man sich doch nicht wundern. Es gibt ja immer irgendwelche Begründungen und Rechtfertigungen warum das Kind das eben jetzt macht und warum es auch noch "ok" ist... Kann sich verbal noch nicht gut genug ausdrücken, hat eine x,y,z,-Phase, hat schlecht geschlafen, versucht so Kontakt aufzunehmen usw.! Gepaart mit einer großen Portion Ignorant oder falsch verstandenem "Ich erziehe aber bedürfnisorientiert und das war eben der Wille meines Kindes und dieser wird auf keinen Fall gebrochen!" (überspitz formuliert).

      Aktuelles Beispiel vom Sonntag als wir auf dem Spielplatz waren:
      Meine Tochter sitzt oben auf der Rutsche, will gerade los klettert von unten ein Junge (ca.5-6 Jahre alt) hoch. Rutscht runter, klettert wieder hoch. Rutscht runter... das ging so 3-4 mal. Meine Tochter hat es ihm gesagt, dass sie rutschen möchte und er sich hinten anstellen soll. Sagt er knallhart "Halt den Mund du Baby, ich mach was ich will!" Dann bin ich hin und habe eingegriffen. Hat mich verdattert anguckt, ist gerutscht und ist weg. Meine Tochter ist dann zur Schaukel und ich hör sie laut und deutlich sagen "Lass mich in Ruhe, ich mag das nicht!" und sehen wie er sich an der Schaukel ärgern und an den Ketten sie hin und her wackelt. In dem Moment stellt er sich hinter sie und schubst sie mir voller Wucht runter, dass sie flach auf dem Boden gelandet ist und er hat dann auch noch gelacht. Hab meine Tochter natürlich erstmal getröstet und bin dann zur Mama, sie ruft ihn und mit einer Engelsstimme "Aber X ich habe dir doch gesagt du sollst die Kinder nicht ärgern. Lass das doch bitte sein!" Er dreht sich rum, lacht und rennt weg...
      Meine Tochter macht das (bisher) nicht aber würde sie damit anfangen, würde ich ihr in ruhigem aber deutlichen Ton sagen, dass das absolut nicht geht. Entschuldigen lassen und ggf. wäre der Besuch auf dem Spielplatz (oder wo auch immer) auch beendet.

      Bei Spielsachen hilft es sich abzusprechen (Geburtstage, Weihnachten). Bei uns ist das normal und ich frage immer was sich Nichten/Neffen wünschen oder was gebraucht wird. Ostern & Nikolaus halten wir klein - Seifenblasen, Badespaß-Sachen (Farbe fürs Wasser, Schaumbad etc.), Sandspielzeug, Bücher, Mitbringspiel usw.

      Medien gehören für mich dazu und ich möchte, dass sie einen bewussten Umgang damit lernen. Fernsehen ist bei uns gerade hoch im Kurs bzw. war es im Herbst/Winter. Sie durfte eine Sendung mit 20 Minuten am Tag. Das fordert sie dann auch mal ein paar Tage ein und dann wieder ein paar Tage nicht.
      Spiele spielt sie auf dem Tablett nicht, sie guckt aber gerne mal Fotos darauf an.
      Wenn wir länger mit dem Auto fahren (ab mind. 3 Stunden) haben wir einen DVD-Player und sie darf dann einen Film anschauen. Das ist einfach für alle entspannter wie ein unzufriedenes Kind und für sie ist es ja auch absolut was besonderes.
      Für uns Eltern gilt aber z.B.: auch, keine Handys am Tisch wenn wir gemeinsam essen! Solche Dinge werden dann auch irgendwann mal für die Kinder relevant sein. Genauso wird irgendwann das Thema mit Spielekonsolen aufkommen... an sich ok aber eben nicht dauerhaft, Schule darf nicht darunter leiden und auch nur altersgerechte Spiele!

      Hui, ist jetzt ganz schön viel geworden aber ich hoffe es hilft dir weiter. Und ich wünsche dir noch eine schöne Restschwangerschaft und alles Gute für die Geburt :-)

      (12) 02.04.19 - 23:02

      Die ganzen Dinge, die du aufzählst, erreichst du auch ganz einfach ohne "Gewalt".
      Einfach durch Vorleben, Konsequenz, Regeln und manchmal auch deutlichen Ansagen (also nicht im Sinne von "aber XY, das macht man aber nicht" gesäuselt.

      Lg

      (13) 02.04.19 - 23:21

      Ich stelle mir haargenau die gleichen Fragen wie du, und hoffe, dass ich mit gesundem Menschenverstand und viel Liebe für meine kleine durchkomme.

      Ich bin auch noch Generation Klaps auf den Hintern, und würde sehr gerne diesem Bild widersprechen, man wäre nur aus Angst gehorsam gewesen. Ich habe eine Recht gute Erinnerung daran, zu wissen welches Verhalten gewünscht war und welches nicht, und zwar nicht aus Angst, sondern aus dem Wissen dass ich schonmal für was ähnliches bestraft worden war.

      Meine Eltern waren gnadenlos mit meiner Schwester und mir, nicht weil sie böse Menschen sind, sondern weil sie nicht anders konnten im Angesicht ihrer Selbstständigkeit. Mir hat es nicht geschadet, 11h im Kindergarten zu sein, und auch nicht später mich eben allein beschäftigen zu müssen, weil sie arbeiteten. Es hat mir auch nicht geschadet, dass ein Nein öfter war als ein Jahr, weil eben kein regelmäßiges Einkommen.

      Genauso wie sie keine Wahl hatten, habe ich es auch nicht. Vielleicht sogar noch weniger, weil ich eben keinen Typen an meiner Seite habe der das mit mir durchzieht. Aber ich werde versuchen mich an das zu halten was ich als Kind erfahren habe: eisernes Regiment, bedingungslose liebe und vor allem das honorieren von Kompromissen.

      • Eisernes Regiment? Honorieren von Kompromissen? Das soll passen?
        Eisernes Regiment schliesst Kompromisse aus, das kann meine Generation singen - in allen Tonarten....
        Meine Kinder mussten auch Regeln befolgen, etliche waren auch nicht verhandelbar, aber eisernes Regiment ist ja furchtbar, allein der Begriff wäre mir NIEMALS in den Kopf gekommen, selbst in schlimmsten Situationen nicht.
        Viel Vergnügen, wenn sie anfangen, sich dagegen aufzulehnen.
        Ich hoffe sehr, dass Du Dein Kind so liebst, dass Dir sowas nie wieder in den Kopf kommt.
        LG Moni

        • Ich glaube du interpretierst etwas ganz anderes in den Begriff rein, als ich meine. Was ich sagen will:
          - Mamas Wort gilt
          - Fixe Uhrzeiten
          - Fixe Aufgaben im Haushalt
          - Höflichkeit und Mitgefühl ALLEN Menschen gegenüber
          - Verständnis für ein Nein, wenn es einfach anders nicht geht, nicht immer alles hinterfragen
          - Schandtaten zugeben, nicht lügen, auch wenn eine Strafe droht

          Das waren die Regeln nach denen ich aufgewachsen bin, und tatsächlich war ich trotz dieser schrecklich traumatisierenden Einschränkungen das glücklichste und freiesteKind der Welt. Man konnte sich darauf verlassen dass ich brav bin, und ich konnte mich darauf verlassen dass ich alles darf was ich möchte, wenn ich nur lieb frage.

          Ad Kompromisse: ja, das passt. Die Wünsche des Goldstücks können manchmal nicht sofort erfüllt werden. Aber Geduld wird belohnt, und noch mehr als Geduld wird Kompromissbereitschaft belohnt. Kommunikation ist eben wichtig. Das schließt in meinen Augen nicht aus, dass es im Alltag eben nicht immer nach der Pfeife des Kindes geht.

          Wäre mein Name Kate Middleton könnte ich es mir erlauben, alles durchgehen zu lassen und jedes einzelne Bedürfnis zu stillen. Ich heiße nun aber anders, bin alleinerziehend und muss meine Miete selber bezahlen. Ich hab die Möglichkeit nicht, 3 Jahre daheim zu bleiben, ebenso wenig habe ich die möglichkeit mein Leben lang nur Teilzeit zu machen. Um wieder arbeiten zu gehen, Brauch ich ne Kita. Und für die Kita brauch ich ein Kind, das ein Mindestmaß an gesellschaftstauglicher Erziehung aufweist.

          End of story

          • Klingt immer noch gruselig genug.
            Um zu verstehen, dass etwas wirklich nicht anders geht, sollte man schon mal hinterfragen dürfen.
            Und ernsthaft, du würdest ein Kind bestrafen, das eine Verfehlung zugibt, welches du ohne Geständnis nicht hättest bestrafen können?

            • Auch du hast mich missverstanden.

              Wenn mein Kind zu mir kommt und sagt "hey, ich hab Blödsinn gemacht" dann reden wir drüber und finden gemeinsam eine Lösung, wie so etwas nicht wieder passiert, bzw eine gutmachung a la Geschirrspüler ausräumen.

              Wenn was ist und ich nachfragen muss, und dann sofort ein Geständnis bekomme, dann werde ich genauso nicht ausrasten, sondern die Konsequenz wird halt ein bisschen länger andauern.

              Wenn ich aber mehrfach nachfrage, und nachweislich angelogen werde, dann ja, werde ich tatsächlich so bestrafen, dass es "wehtut" - in meinem Fall war das damals Lego-Verbot und nicht mit dem hund Gassi mitdürfen, es findet sich bestimmt etwas was den Spross so kränkt, dass es keine Wiederholung der betreffenden Missetat gibt.

              Ich habe oftmals das Gefühl, wenn man von strafen spricht wird das mit heftiger Misshandlung gleichgesetzt. Nichts dergleichen habe ich behauptet, sondern vielmehr, dass Respekt eben keine Einbahnstraße ist

              • " Schandtaten zugeben, nicht lügen, auch wenn eine Strafe droht "
                Wie kann man das noch anders verstehen?

                Nein, ich glaube nicht, dass ich etwas missverstanden habe. ", es findet sich bestimmt etwas was den Spross so kränkt, dass es keine Wiederholung der betreffenden Missetat gibt", hat mit Respekt so richtig gar nichts zu tun, das ist Misshandlung.

                Ich bleibe dabei, dass das für mich sehr gruselig klingt.

                • Puh, wenn du es als Misshandlung erachtest, einem Kind, auch gegen seinen Willen, beizubringen dass es eben nicht immer tun und lassen kann was es will, und dass es auch Mal hören muss, dann sollte ich dir am besten meine Adresse zukommen lassen, damit du mich gleich anzeigen kannst. Soweit ich weiß ist Misshandlung nämlich strafbar.

                  Weißt du was ich gruslig finde? Dass Kinder nicht mehr bitte und danke sagen, dass sie laut Musik abspielen, nicht für alte Leute im Bus aufstehen und sich nicht entschuldigen wenn sie einen mit ihren tretrollern am Bürgersteig rammen. Ich finde es gruslig, dass Schulkinder (!!!) im Geschäft ihre Mütter treten weil die ihnen das ü-ei nicht kauft, oder die abgeschwächte Variante, sie einfach als arschloch betiteln. Oder beides gleichzeitig. Oder dass irgendein Balg auf mich zukommt und mir das Eis aus der hand zu nehmen versucht, und sich dann schreiend auf den Boden wirft wenn ich die besagte hand hochnehme.

                  Noch grusliger als diese verzogenen Monster finde ich aber die Eltern die belämmert daneben stehen und nicht wissen wie sie ihren Goldschatz davon abbringen können, seine Umwelt zu terrorisieren.

                  Wenn du dir samthandschuhe leisten kannst, schön für dich. Ich bevorzuge es,ein Kind großzuziehen, das schon früh weiß, was sich gehört und was nicht - das erspart allen Beteiligten einiges an Peinlichkeiten später

                  • Du verwechselst Ursache und Wirkung.
                    Wenn du Kinder mit Respekt behandelst werden sie gar nicht erst so respektlos wie die "Monster" in deinen Beispielen. Sich zu benehmen lernen sie besser, wenn man sie nicht dabei kränkt.

                Für dich ist doch alles nicht normal was nicht deinen Erziehungsmethoden entspricht.
                Hier von Misshandlung zu sprechen würde ich mir verbitten.

                • Wie nennst du es denn, ein Kind nachhaltig kränken zu wollen?
                  Klick doch einfach den Meldestift, dann wird mein post bestimmt gelöscht.

                  • Warum sollte ich dich hinterrücks melden?
                    Du hast deine Ansichten von Erziehung und andere haben andere.
                    Wenn du beim JA arbeiten würdest, dann würden die Kinderheime übergehen sowie auch die Gefängnisse mit den Eltern drin.
                    Kind misshandelt, weil Mutter Lego wegnimmt?

                    Nur weil es für manche Kinder Konsequenzen gibt, heißt das nicht gleich, dass man den ganzen Tag damit beschäftigt ist sich Strafen fürs Kind auszudenken. Stell dir vor, die glücklichen Momente überwiegen.
                    Soll ich dir meine Adresse schicken? Ich hab meinem Kind die Lavalampe weggenommen, weil ich nicht will, dass sie die ganze Nacht an ist. Mein Kind aber schon. Das JA freut sich bestimmt über deine Meldung.

Top Diskussionen anzeigen