Wie zu mehr Selbstständigkeit erziehen (11)

    • (1) 11.06.19 - 07:29
      Frangibiscus

      Wie könnte ich meiner Stieftochter (11) zu mehr Selbstständigkeit/Selbstbewusstein verhelfen? Aktuell ist es so: sie ist alle 14 Tage bei uns und die Hälfte der Ferien und ab und an mal ein Tag unter der Woche, wenn die KM ausserordentlich arbeiten muss. Hier fängt es schon an, dass sie keine 2 Stunden alleine zu Hause sein kann. Sie hat Angst. Sie ist allgemein ein sehr ängstliches Mädchen.

      Wenn wir z.B. gemeinsam weggehen (einen Stadtbummel machen, Europapark, Freibad etc.) klebt sie richtiggehend an uns. Sie muss uns immer an den Händen halten. Wir können uns gar nicht frei bewegen (wortwörtlich) da sie uns immer zwischen den Beinen/um die Füsse rumspringt. Sie sucht den Augenkontakt weil sie wohl Angst hat, verloren zu gehen (?). Mal abgesehen davon, dass es ziemlich mühsam ist, ist es doch auch nicht gut für sie? Dazu kommt, dass sie das auch zu Hause in unserem Haus macht! Also auch da verhält sie sich wie ein magnetisches Gegenstück zu uns. Stehen wir vom Sofa auf in die Küche, folgt sie. Beim kochen dasselbe, wir machen einen Schritt nach rechts, sie macht einen Schritt nach rechts. Ständig stossen wir zusammen weil sie wie nichts verpassen möchte. Wir lassen sie natürlich auch mal was selber machen (Gemüse schnippeln o.ä.) aber sowas hackt sie schnellstmöglich runter, damit sie sofort wieder bei uns sein kann.

      Inzwischen ist es schon so, dass sie von anderen belächelt wird. Ich habe schon mitbekommen, dass Besuch über sie 'geredet' hat, weil sie so ist. Wenn wir sie fragen ob sie nicht lieber etwas anderes machen möchte (TV, Buch lesen, basteln, etwas nach draussen gehen) verneint sie. Sie möchte bei uns sein. Ich weiss, jeder Mensch ist anders, das ist ja auch ok. Aber ich finde gerade in ihrem Alter muss man doch eingreifen und sie auf die richtige Bahn lenken? Sie lebt eigentlich ein 'Erwachsenen'-Leben bei uns. Ich dachte, das gibt sich mit der Zeit, aber es scheint schlimmer zu werden. Jetzt wo sie langsam ausgelacht wird (auch in der Schule) dachte ich, man müsste doch was unternehmen.. Der Vater sieht es zwar so wie ich, hat aber keine Lust/Kraft gross dagegen zu steuern. Er sagt vielleicht 1-2 mal sie soll raus gehen und mit anderen Kindern im Quartier spielen, aber wenn sie nicht will dann lässt er sie.

      • Hallo!

        Das Problem ist doch nicht ihre Unselbstständigkeit, sondern dass sie Verlustängste hat.

        Mein großer Sohn war lange auch so. Ja, es hat genervt, aber ich habe nicht versucht ihn zu ändern, sondern ihm erst das gegeben, was er brauchte: Sicherheit und Beständigkeit. Auch, wenn es anstrengend war. Egal, was andere dachten oder sagten. Mittlerweile ist er fast 16 und sehr selbstständig.

        In welche Bahn möchtest du das denn lenken? Ich würde da nichts ohne die Hilfe von außen ändern wollen. Mit Druck wirst du eher das Gegenteil erreichen. Zudem bist du Partnerin des Vaters und nicht ihre Mutter. Das ist eine schwierige Rolle, es steht dir aber nicht zu, bei diesem Kind irgendwas zu lenken. Das wird eher nach hinten losgehen.

        LG

        • (3) 11.06.19 - 10:39

          Hallo, vielen Dank für deine Antwort. Ja sie tut mir ein bisschen leid weil sie eben teilweise von Besuch (Freunden des Mannes) heimlich belächelt wird (er hat es zum Glück nicht mitgekriegt) oder aber ja auch schon in der Schule ausgelacht wird.

          Kürzlich gab es einen Vorfall von dem uns die Mutter erzählt hat, sie wurde anscheinend in einer Art Gruppenchat aus der Schule ausgelacht. Sie hatte vor ein paar Wochen Geburtstag und ein paar Kinder eingeladen. Dort hat sie eben auch so massiv die Nähe der Eltern gesucht und die ganze Zeit Händchen halten wollen statt mit den anderen Kindern zu spielen. Ich denke nur so langsam fängt eben genau diese Zeit an, Mobbing und die heutige Digitalisierung.. Dazu kommt, dass sie leicht übergewichtig ist (weil sie eben nur drin ist, gerne Süssigkeiten isst und null Bewegung draussen hat. Sie ist auch in keinem Sportverein o.ä.) Und wie du schon sagst, ich bin nicht die Mutter, wie könnte ich also unterstützend eingreifen? Ich habe schon versucht, mit ihr ein paar Teenager-Sachen zu machen, ihr Interesse an Haare flechten, Makeup, Kleidung, Schmuck etc zu wecken. Aber auch hier: Sie will nur Spiele spielen oder Fernseh schauen.. :-(

          • Hallo!

            Ich habe nicht den ultimativen Rat. Ich bin keine Fachfrau.

            Über meinen Sohn wurde auch geredet, aber das war mir egal. Er war wie er war, ich auch. Wenn ich gemerkt habe, dass geredet wird, dann habe ich erklärt, warum er so ist und was dahinter steckte. Ich habe versucht, ihm nie das Gefühl zu geben, dass er falsch ist. Es war falsch, wenn Außenstehende sich ein Urteil erlaubten ohne ihn oder mich oder Gründe zu kennen. Wenn ich das in der Form erlebt hätte wie du das gerade tust, dann hätte ich den Rednern ein paar Takte dazu gesagt. Das Mädchen ist 11! Sie braucht Erwachsene, die sie schützen! Sie kann das nicht allein.

            Im Falle meines Sohnes waren es meist Eltern, die Probleme mit uns hatten, andere Kinder nahmen ihn wie er war. Das Mobbing kommt von den Erwachsenen, seltener direkt von Gleichaltrigen.

            Deine Stieftochter ist total verunsichert und hat Angst. Sie traut sich nicht raus. Vielleicht findet sie Schminken auch doof? Meine Söhne haben auch nie Fußball gespielt, obwohl das allgemein so von Jungs erwartet wird. Ich würde versuchen sie nicht zu bedrängen. Dann schaut halt gemeinsam fern und dabei kannst du immer und immer wieder das Gespräch suchen. Bewerte sie nicht, nimm sie erst mal wahr wie sie ist.

            LG

            • (5) 11.06.19 - 12:48

              Hallo, ja da hast du natürlich Recht! Nur weil sie ein Mädchen ist, muss sie sich nicht für Makeup interessieren. Ja da hilft wohl wirklich nur abwarten und für sie da zu sein. Es ist nur so hart zu sehen/hören, wie sie bitterlich weint weil sie auf einmal ausgelacht wird. Und der Vater sich dann so hilflos fühlt und ihr nicht helfen kann.

              Ich war zu perplex um zu reagieren, als ich das vom Besuch gehört habe. Leider war es auch nicht in meiner Muttersprache, daher hätte ich auch nicht so schlagfertig etwas entgegnen können.

      (6) 11.06.19 - 10:51

      Ist sie beim anderen Elternteil genauso?

      Ich denke, dass hier wohl viel die Ursache ist, dass Sie ein SCheidungskind ist und nicht die ganze Zeit beim Papa und eben bei solchen Besuchs-Anlässen übersteuert.

      Wenn SIe beim anderen Elternteil genauso ist, dann muss dieses mehr "ran" ... wie ich rauslese, ist sie nämlich 80% der Zeit beim anderen? -- dann ist dort auch nötig, an solch einem Verhalten zu arbeiten.

      Und wenn sie nur bei "euch" so ist, -- dann würde ich mir keine Sorgen machen, -- dann wird die Papazeit genossen und das wird sich dann schon mal geben.... ---- ich denke, solche 14-tägigen Besuchs-Situationen spiegeln nicht ihr komplettes Leben bzw. ihre tatsächliche Selbständigkeit wieder....

      • (7) 11.06.19 - 12:57

        Hallo Muffin, ja beim anderen Elternteil ist sie genau so, also bei der Mutter. Die Mutter stört das nicht, sie sieht ihn ihr einfach ihr kleines Baby-Mädchen das nur zu ihr gehört und alle anderen sind "sowieso doof" (ihre Aussage). Sie wächst wahnsinnig behütet auf bei der Mutter. Muss sich z.B. ihr Essen nicht selber schneiden, Zimmer nicht aufräumen, wenn sie etwas will (neustes iPhone) wird es gekauft etc.. Ich hatte ja mal die Befürchtung, dass sich bei einer "neuen Freundin" die Freundschaft nur auf Geschenke bezieht (die Kleine hat natürlich frischfröhlich Sachen gekauft und verschenkt) und genau diese Freundin war es dann, die sich auf einmal von ihr abgewandt und gegen sie gehetzt hat.

        Ich habe das Gefühl ich "sehe", was auf sie zukommt (Kinder/Teenies können sehr grausam sein) aber die Eltern tun rein gar nichts dagegen. Eben das mit der Unselbstständigkeit, der übertriebenen Angst und auch dem Übergewicht (Pommes sind an der Tagesordnung)

        • Schlüsselwort: Babymädchen!
          Die Mutter erzieht das Kind doch garnicht als junges heranwachsendes Mädel sondern betüddelt sie wie ein Baby. Wenn der Vater und sie da nicht schnellstens korrigieren, ist sie vorprogrammiert als Zielscheibe von allem möglichen. Anhänglich sein, okay, aber wie ein Magnet an einem kleben, dass man bis ins Bad verfolgt wird usw. das ist weder angenehm noch gesund - für beide Parteien - auch wenn das hier offenbar welche anders sehen. Sollte hier wirklich eine derart ausgeprägte Verlustangst vorliegen, müsste ein Kindertherapeut aufgesucht werden. Das Kind ist zu bedauern. Mich wundert, dass es nicht schon längst eine Mobbingproblematik gibt.
          Mit 11 ist meine Enkelin mit ihrer gleichaltrigen Freundin in die Stadt marschiert zum Drogeriemarkt.....
          Der Elfjährige meiner Nachbarin fegt mit dem Fahrrad auch alleine in die Stadt.
          LG Moni

          • (9) 13.06.19 - 06:43

            Liebe Moni, du hast absolut Recht! Obwohl ich das mit dem Bad ja nicht mal irgendwo geschrieben habe, ist es doch genau so. Noch bis vor kurzem, wenn einer von uns auf Toilette ging, setzte sie sich vor die Türe und wartete..#schock

            Das Thema Verlustangst hatte mein Mann auch schon angesprochen, er meint evtl. weil sie als Baby mal öfter alleine gelassen wurde von der Mutter. Könnte das sein? Dass sie das als Baby wirklich mitbekommen hat und jetzt von diesen Ängsten geplagt ist? Ich kann mir das einfach fast nicht vorstellen..

    Vielleicht wäre es eine Idee, sie in eine Verantwortungsposition zu setzen, und dieses "Abenteuer" mit ihr zu erleben?

    Spontan fällt mir als erstes das Thema Haustier ein, oder ein Sport den man gemeinsam macht und aufeinander "aufpassen" muss.

    Ich glaube es bringt nichts, wenn man sie zwingt, allein etwas zu machen, da sie ganz klar auf euch fixiert ist. Aber im Rahmen einer gemeinsamen Aktivität Verantwortung übernehmen ist extrem gut fürs Selbstbewusstsein.

    Ich weiß das aus eigener Erfahrung, war sehr lange bei den Pfadfindern aktiv - ab einer gewissen Altersstufe war es dann so, dass nach ein paar Tagen Eingewöhnungszeit am Sommerlager die Erwachsenen sich zurückgezogen haben, und wir Kinder/Jugendlichen die Organisation weiterer Aktivitäten übernommen haben. Ich meine konkret Bus und Bahn zum nächsten Lagerort, dort schauen wie das mit dem Campingplatz ist, was wird gekocht, was muss eingekauft werden, wie sieht es bei unserem Budget aus, möchten wir bestimmte Sehenswürdigkeiten besuchen? Jeder dieser Punkte wurde von einem Team abgedeckt, ein Erwachsener saß dabei und hat nochmal kontrolliert ob eh alles passt. Vielleicht findest du diese Erklärung ein bisschen komisch, aber im Prinzip meine ich eine "geleitete Selbstständigkeit" - sie darf ganz viel entscheiden, hat aber immer jemanden von euch, der ihr den Rücken stärkt.

    • (11) 13.06.19 - 06:37

      Hallo und vielen Dank für deine Antwort. Die finde ich übrigens nicht komisch, ich verstehe genau was du meinst. Weil ich es schon versucht habe (meine Mutter hatte dieselbe Idee).. Wir haben 2 Katzen die die Kleine über alles liebt. Sie sollte jeweils an den Umgangswochenenden für die beiden zuständig sein, heisst füttern, immer für sauberes Wasser sorgen und natürlich das Katzenklo reinigen (sind reine Hauskatzen). Was soll ich sagen, am 2ten Tag hatte sie schon keine Lust mehr weil sie dafür sich von Papa (der TV schaute) hätte entfernen müssen.. Es war ok als wir es MIT ihr gemacht haben (zum zeigen), da war sie Feuer und Flamme. Aber als es darum ging dass sie es eben ohne uns und selbstständig macht, wollte sie nicht mehr..

      Aber ich versuche diesen Sommer mal was anderes, Badeausflug wo sie eine Freundin mitnehmen darf. Sie liebt das Freibad wie fast jedes Kind, aber alleine ins Wasser (mit allein meine ich wir sitzen am Beckenrand an der Sonne, immer in Sichtweite und sie im Wasser am tauchen etc.) ging nicht.. Sie setzte sich immer neben mich/uns. Evtl. jetzt mit 11 und wenn sie eine Freundin mitnehmen darf klappt das..

      Ich finde es einfach auch nicht für SIE gesund, mit 11 Jahren sich NUR mit Erwachsenen zu beschäftigen. Und wenn wir wirklich mal keine Zeit/Lust haben, dann weiss sie nichts mit sich anzufangen resp. sie hat keine Ahnung was man in ihrem Alter eigentlich so machen sollte..#schock

Für mich klingt das alles auch nicht gesund, insbesondere da es bei ihrer Mutter auch so ist.
Ich bin absolut kein Fachmann, aber ich würde massive Verlustängste vermuten. In jedem Fall sollte da ein Fachmann drauf schauen. Ängstlich und unsicher ist eine Sache, aber das klingt schon sehr extrem - so extrem das ich nicht Glaube, das man das ohne Hilfe von Außen in den Griff bekommt.

  • Vielleicht ist das Problem auch einfach, dass sie nicht weiss was mit sich anfangen? Die TE fragt ja am Anfang nach "zu mehr Selbstständigkeit verhelfen".

    @TE: Was denn nun, hat das Kind Angst oder ist sie einfach total unselbstständig? Wenn ich so deine Antworten rauslese klingt es für mich nicht zwingend (immer in jeder Situation) nach Angst sondern nach "gelangweilt"?

    • Wie gesagt, ich bin kein Fachmann, aber die elfjährigen die ich so kenne, jammern den halben Tag rum, das ihnen sooooo langweilig ist, wenn sie nicht wissen, was sie mit sich anfangen sollen.
      Da verfolgt auch keiner die Eltern sobald sie sich mal ein paar Meter bewegen und schon gar nicht bis zur Badezimmertür oder steht ständig beim Kochen einen halben Schritt daneben.
      Und wenn sie etwas Unternehmen ändert sich ja nichts, das Mädchen ist ja offenbar weiterhin anhänglich ohne Ende, dasselbe wenn sie zu Hause ist.

      Das klingt für mich in seiner Gesamtheit einfach nicht altersgemäß, sondern eher nach Kleinkind. Bei einem fast-teenager scheint es mir persönlich so, als wenn da etwas tiefergehendes im Argen liegt und wenn es schon so extreme auswüchse annimmt, das sie die Leute bis zum Bad verfolgt und davor wartet, hab ich eben meine Zweifel, ob man da ohne Hilfe von Aussen wieder rauskommt, insbesondere wenn das Kind den grossteil der Zeit gar nicht dort verbringt.

(15) 13.06.19 - 15:15

Eine Freundin von mir schickt ihre Kinder zum Kampfsport. Dadurch sind sie viel selbstbewusster geworden.

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