Zweisprachige Erziehung

Hallo#winke

Mein Mann und ich leben in Island. Er ist Isländer, ich bin Deutsche. Jetzt bin ich zum ersten Mal schwanger.

Wir möchten das Kind auf jeden Fall zweisprachig erziehen. Ich habe schon ein bisschen darüber gelesen, aber ich bin trotzdem unsicher.

Die Sprachen soll man strikt trennen. Was ist, wenn mein Mann und ich uns zusammen mit dem Kind beschäftigen? Spricht dann jeder seine Sprache oder einigt man sich auf eine?
Schafft das Kind es von Anfang an, die Sprachen zu trennen, oder wirft es die auch mal durcheinander?
Habt ihr sonst noch irgendwelche Tipps oder Erfahrungen?

Liebe Grüße
Raquel

Ich kann dir dazu keine persönliche Erfahrung schildern, weil ich selbst nur Deutschsprachig aufgewachsen bin und auch kein mehrsprachiges Kind habe, aber ich habe einen Bachelor in sprachwissenschaften und mache aktuell meinen Master in mehrsprachigkeit.
Das beste und auch einfachste ist es, das Kind nach dem Prinzip eine Person-eine Sprache zu erziehen. So, wie du es eben gesagt hast. Strikt trennen ist dabei nicht nötig, das passiert ja automatisch wenn du deutsch sprichst und er isländisch. Das Kind wird von alleine angefangen, die Sprachen zu mischen. Lasst euch davon aber nicht verunsichern, das ist normal und ein gutes Zeichen. Normalerweise entwickelt sich eine familiensprache. Da das Kind in Deutschland aufwächst, wird das vermutlich automatisch Deutsch sein, aber wenn du auch gut isländisch sprichst, könnt ihr auch versuchen, dagegenzusteuern und isländisch als familiensprache zu nutzen. Wichtig ist, dass ihr euch sicher mit der Sprache fühlt. Wenn du nicht fließend isländisch sprichst, sprich es auch nicht mit dem Kind. Macht es am besten intuitiv und so, wie du es dir eh schon gedacht hast. Und lasst euch nicht von Ammenmärchen verunsichern, es ist ganz toll fürs Kind, wenn es mehrsprachig aufwächst und ihr tut ihm damit nur Gutes :)

Upps, verlesen, ihr lebt in Island. Dasselbe gilt, nur andersrum :)

Danke für deine Tipps#danke
Mein Mann und ich sprechen die Sprache vom Anderen beide mittlerweile recht ordentlich, aber wir machen auch beide noch Fehler und man hört uns auch an, dass wir keine Muttersprachler sind.
Hilft es dann, wenn mein Mann mich konsequent verbessert, wenn ich im Isländischen einen Fehler mache?

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Hallo
Meine Kinder wachsen dreisprachig auf. Meine Eltern sind mit uns als Kinder ins Ausland und haben es nicht so toll gemacht, zu unserem großen Nachteil. Mein ältestes Kind ist erwachsen und da haben wir es auch etwas schleifen lassen. Vor ein paar Jahren bekamen wir nochmal Nachwuchs und nehmen es seitdem sehr ernst.
Das wichtigste ist meiner Meinung nach einfach dass man sich strikt an seinen Plan und dir Aufteilung der Sprachen hält.
Bei euch kann das zB. heißen Sprache 1 als Familiensprache, Sprache 1 mit Papa und Sprache 2 mit Mama (und deren Familie usw.). Es gibt auch noch andere Möglichkeiten, zum Beispiel Sprachinseln (immer im Auto Sprache x zB.). Das finde ich persönlich aber nicht effektiv genug.
Ganz schlimm finde ich es, wenn die Erwachsenen sprachen mischen. Am besten noch in einem Satz.
Die Sprachentwicklung ist so schon eine sehr individuelle Sache. Ich habe 5 Kinder und bei jedem Kind war es ander. Eins mischt zum Beispiel mal die Sprache. Dann wiederholen wir in der ausgemachten Sprache zum Beispiel was es sagte (Ja das ist ein Auto...). Verstehen tun sie alle die jeweiligen Sprachen, aber haben alle andere Vorlieben. Alles normal. Wichtig ist einfach dass man dabei bleibt, auch wenn man den Erfolg gerade nicht sieht oder in dem Fall hört ;-)
Meine Eltern haben unsere Sprache dermaßen schleifen lassen und wir sind dazu gekommen, fast ausschließlich in der Landessprache zu sprechen. Ich finde das im Nachhinein schade und merke das auch. Deutsch fällt mir nicht so einfach.
Unser Freundes- und Bekanntenkreis ist sehr international gemischt. Da sind einige dabei, die auf das ganze keinen Wert legen. Ich habe gerade eine neue Kollegin bekommen, die mehrere Jahre mit der Familie im Ausland war. Die Kinder im Grundschulalter haben nur mal in den Ferien deutsch gehört und das wars. Wir reden hier von einer deutschen Familie. Sie hatte gehofft immer dort zu bleiben und hat jetzt den Salat.
Niemals lernt man sprachen so einfach, wie wenn man damit aufwächst. Sehe es als Geschenk an dass euer Kind diese Möglichkeit hat.

LG

Danke für die Tipps und deine Erfahrung#danke

Eine meiner Nichten ist mit einem Amerikaner verheiratet. Als deren Sohn noch klein war, sprach sie mit ihm deutsch, er englisch. Gab manchmal etwas Buchstabensalat, klappte aber sehr gut. Der junge Mann spricht beide Sprachen fließend und wechselt problemlos hin und her. Da die Familie auch abwechselnd in Deutschland und USA lebte, war das für den Sohn natürlich so perfekt. LG Moni

Blöd, dass man hier nicht editieren kann.....
Es gab durchaus Zeiten, wo der Sohn das unbequem fand und mehr englisch sprechen wollte als deutsch, durch seine Freunde usw. als sie lange drüben waren. Meine Nichte war da allerdings ziemlich stur. Sie wollte ja, wenn ihr Mann in Rente geht, mit der Familie zurück nach Deutschland und wenn der Sohn englisch was fragte, beharrte sie auf der deutschen Sprache, sonst wäre sie untergegangen.;-)
LG

Danke für deine Erfahrungen!#danke

Im Bekanntenkreis kenne ich es so: Sie ist Deutsche, er Amerikaner. Als die Kinder zur Welt kamen, lebten sie in den USA. Mit Mama wurde ausschließlich deutsch, mit Papa nur englisch gesprochen. Das AuPair, das sie hatten war Deutsche und sollte auch mit den Kids deutsch sprechen. Man suchte bewusst Kontakt zu anderen Deutschen, damit sie die Sprache eben nicht nur zu Hause hörten.
Nach einigen Jahren zogen sie nach D. Die Kids kamen in eine internationale Schule, um genau den umgekehrten Effekt zu haben, nämlich mehr englischen Input zu haben. Damit sind sie meines Wissens nach auch gut gefahren.

Danke für die Tipps#danke
Ein AuPair brauchen wir wahrscheinlich nicht (haben genug Familie vor Ort), aber meine Schwägerin hatte mal über Workaway jemanden da, der bei der Hausrenovierung geholfen hat. Das ist vielleicht für uns mal eine Option.

Meine Kinder wachsen Deutsch/Norwegisch auf. Die beiden sind jetzt 3 und 5.
Bei uns gilt eine Person, eine Sprache, also Mama Deutsch, Papa Norwegisch. Mit dem Papa rede ich Norwegisch und Umgebungssprache ebenso. D.h. die Kinder hören nur von mir Deutsch.
Manchmal rede ich mit ihnen etwas Norwegisch, z.B. wenn ich sie aus dem Kiga hole.
Mischen tun sie die Sprachen auch, die Grosse komischerweise mehr wie der Kleine, wobei die Grosse insg. mehr Deutsch spricht. Ich wiederhole meist den gramatikalisch falschen Satz einfach richtig ohne gross zu kommentieren. Genauso mache ich es, wenn sie auf Norwegisch antworten, wiederhole ich den Satz auf Deutsch. Helfen tut natürlich auch viel vorlesen, singen, Spiele spielen, Tip toi (einfach super Ergänzung!), Kontakt mit den deutschen Grosseltern usw.
Das Buch "Mit zwei Sprachen gross werden" von Elke Montanari ist sehr empfehlenswert zu dem Thema!

Danke für die Tipps und Erfahrungen#danke
Das Buch werde ich mir auf jeden Fall besorgen.

Es gibt hier bei urbia auch einen klub über mehrsprachige erziehung. Vielleicht hast du ja lust vorbeizuschauen.

https://m.urbia.de/club/zwei+bzw+mehrsprachige+erziehung

wir haben die opol version gemacht. ich deutsch, papa englisch. das schwierigste finde ich wirklich dran zu bleiben. ich hab auch teilweise gemischt. wenn mir das wort nicht eingefallen ist, dann kam es eben in der anderen sprache raus. denglisch, wie es im buche steht#schwitz das ist aber gar nicht schlimm, wenn das kind das wort in beiden sprachen kennt. es ist halt nicht einfach deutsch zu sprechen, wenn man nicht in deutschland lebt. das wird mit den jahren immer anstrengender#schwitz bringt aber keine nachteile fuer zwerg. zwerg hat keine probleme mit seinen sprachen. in der schule gibts noch irisch obendrauf und von seinen freunden lernt er spanisch. besser kann es nicht gehen. ich seh das ganz locker. ich spreche auch deutsch, wenn wir bei freunden sind oder wenn ich mich mit leuten so unterhalte, sobald ich mich mit zwerg unterhalte, ist es in deutsch. mir ist es auch egal, ob die anderen etwas verstehen oder nicht. mach dir nicht all zu viele gedanken, mach einfach. euer kind kennt es nicht anders und waechst so auf.

Danke#danke
Noch funktioniert es ganz gut mir dem Deutsch sprechen, weil mein Mann es auch noch lernt, aber mal sehen, wie das in ein paar Jahren wird...
Danke fürs mutmachen!

Huhu,

das effektivste Prinzip ist das Immersionsprinzip. Du hast es schon richtig beschrieben. Jeder spricht EINE Sprache. Dein Mann isländisch und Du deutsch. Untereinander macht ihr das genauso - solange das Kind in Hörweite ist.

Wir handhaben das in Krippe und Kita so u d sind damit sehr erfolgreich: selbst die U3-Kinder verstehen die zweite Sprache sehr schnell und bei den älteren Kindern erkennt man, dass sie die Sprachen nicht mischen. Sie sprechen ihre bevorzugte Sprache (Muttersprache), denn um die "neue Sprache" sprechen zu können, müssen sie eine gewisse Sicherheit erlangen, genügend Selbstbeusstsein entwickeln, um üben zu können.

Es ist allerdings anfangs ziemlich gewöhnungsbedürftig, auf einer anderen Sprache zu antworten als man angesprochen wird :-D

Ich könnte noch ganz viel dazu schreiben. Fakt ist: Ich bin total begeistert aufgru d der Erfahrungen, die ich mit dem Immersionsprinzip schon machen durfte :-)

LG und viel Erfolg!

Ich kannte es bislang nur so, dass man sich auf eine Sprache einigt, wenn beide Eltern mit dem Kind zusammen sind.
Ist es nicht furchtbar verwirrend für das Kind, wenn Mama auf Deutsch fragt und Pabbi auf Isländisch antwortet?
Und welche Sprache nutzt das Kind, wenn es dann beiden gleichzeitig etwas erzählen will?

Ganz im Gegenteil. Das Kind lernt ja auch, dass ihr die jeweils andere Sprache versteht. Das Kind wählt die Sprache, das ihm leichter fällt. Du kannst aber das Kind auch fragen, ob es das gleiche auch auf der jeweils anderen Sprache sagen kann, wenn Du das möchtest.

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Ehrlich gesagt haben wir sogar drei Sprachen..
Ich meine Muttersprache
Mein Mann Englisch und ansonsten haben die Kinder Deutsch gelernt und wir waren nicht so strickt.
Heute sind alle 6 Erwachsen und können zwischen 4 und 7 Sprachen.
Wir haben und damals keinen Kopf gemacht ...
Es hat geklappt

Okay, vielen Dank. Ich bin da noch etwas unsicher...

Ich kann dir von Freunden kurz berichten.

Freundin ist Halbfranzösin, lebte mit deutscher Mutter in Frankreich. Mutter konsequent zu Hause deutsch, Vater französisch, Umgebung und Familiensprache französisch. Irgendwann wollten die Kinder immer franz. sprechen, die Mutter sagte dann immer "Ich verstehe dich nicht." So blieb das deutsche trotzdem präsent. Das die Mutter gleichzeitig mit ihrem Mann franz. sprach, kapierten die Kids nicht 🤣
Freundin spricht übrigens mit ihrer Tochter nur deutsch, da ihr das mehr liegt, trotzdem sie bis 20 in Frankreich lebte.


lg lene

Vielen Dank für deine beiden Antworten.
Es beruhigt, solche Erfahrungen zu hören.

Hey,
Hier etwas persönliche erfahrung!
Meine Nichte ist 2 sprachig aufgewachsen.
Uwar sprechen beide Elternteile Deutsch/russisch, der Papa hat aber im deutschen einen Akzent...
Alao mama sprach mit ihr deutsch und Papa russisch.
Sie spricht beide Spracven perfekt.
Wenn sie weiss, dass jmd kein Deutsch versteht spricht sie perfektes Russisch und andersrum genau so. Wenn jmd beides versteht mischt sie auch beide Sprachen.
Bei ihrem jüngeren Bruder ist es auch so(allerdings deutsch erst im KG gelernt)

LG

Danke#danke

Wie sprecht ihr momentan denn untereinander?

Mal so mal so. Meistens kommt es darauf an, wer das Gespräch anfängt.

Ich bin zwar auch nur einsprachig aufgewachsen, habe aber auch Freunde, die zweisprachig erziehen. Ich schließe mich den Vorrednern an: sprich konsequent Deutsch mit Deinem Kind, der Papa konsequent isländisch mit dem Kind. Untereinander könnt ihr so oder so sprechen, dennoch (so eit es geht) konsequent in der eigenen Sprache mit dem Kind sprechen - da versteht der andere Elternteil ja trotzdem das meiste. Macht meine Freundin heute noch so mit ihrem 10-jährigen Kind: sie unterhält sich mit mir in Deutsch, wenn das Kind etwas von ihr möchte, antwortet sie auf französisch (auch wenn er ausversehen mal Deutsch fragt, macht er aber meist nicht, da das so eingespielt ist). Auch Aufforderungen an das Kind sind konsequent französisch. Das funktioniert wunderbar!

Ganz klar: "one person, one language". Konsequent!!! Ohne Ausnahme. Dabei geht es darum, wie das jeweilige Elternteil mit dem Kind spricht, egal ob die Eltern untereinander anders sprechen und daher im Familienleben die Sprachen variieren. Hauptsache, man wechselt niemals, wrnn man selbst mit dem Kind spricht, zwischen den Sprachen hin und her. Sonst riskiertan, dass das Kind die zweite, weniger dominante Sprache später nur passiv kann bzw. nur versteht.
Auch regelmäßig Bücher vorlesen und Lieder singen in beiden Sprachen hilft.

Aktiv-passiv und sprachen mischen sind zwei paar schuhe.

Am anfang des spracherwebs ist es normal für die kinder sprachen zu mischen. Mit der zeit lernen sie welche sprache mit wem zu sprechen ist. Eventuell auch wer beide versteht (und bei wem man daher auch mit dem bequemeren mischen durchkommt!)

Ich kann allerdings von anfang an immer nur konsequent meine sprache gesprochen haben und das kind wendet sie trotzdem nie aktiv an weil es mir immer nur in der umgebungssprache antwortet!