Kleines Monster * Hilfe und Tipps gesucht

Hallo Zusammen,

ich benötige ein paar Tipps. Mein kleiner Sohn ist jetzt fast 2,5 Jahre alt und ein kleines Monsterkind. Er schlägt, tritt, schreit und beißt wenn ihm was nicht passt. Er wirft mit Sachen um sich, weil es Spaß macht. Maßregelungen findet er häufig lediglich witzig und lacht einem ins Gesicht. Ich weiß nicht wie angemessen reagiere.

Was tut man so einer Situation, Bsp. er möchte den Roller von seinem großen Bruder (5) haben, der gerade damit fährt. Er fängt direkt an zu kreischen "ich will den Roller haben". Bekommt er ihn nicht sofort fängt er an zu schlagen und zu schreien und versucht den Roller gewaltsam zu bekommen. Lässt der Große nicht sofort los, beißt er. Der Große ist ein kleines Sensibelchen und fängt meist direkt an zu weinen. In solchen und ähnlichen Situationen haben wir versucht im Alternativen zu geben, lieb zu fragen, zu warten... ja auch mal etwas lauter geschimpft. Nichts interessiert den Kleinen. Wenn er uns oder seinem Bruder mal wieder richtig weggetan hat und dann noch lacht macht er mich nachmal innerlich regelrecht aggressiv mit seinem Verhalten.

Unser Großer hat in seinem ganzen Leben nie geschlagen, gebissen oder getreten. Er hat meist direkt beim ersten Mal gehört und bei Verboten es nie mehr getan. Wir dachten es liegt an unserer guten, zugewandten und kommunikationsreichen Erziehung..... hahahahahaha

Ich brauche ein paar Erziehungstipps #zitter

Hey , eines Vorweg kein Kind ist gleich :) das musste ich auch erst bitter lernen und bald kommt das 4.

Was wir tun wenn unsere Tochter so übermäßig kreischt, tritt o.ä (ist im selben Alter wird im April 3) aus der Situation raus nehmen, erklären (ja auch mal etwas strenger und lauter) das es SO nicht geht. Macht sie weiter Tamtam, was leider oft der Fall ist, wird sie ignoriert. Man braucht einen seeeeeehr langen Atem und ganz viel Durchhaltevermögen. Bei uns äußert sich das meist das die Lütte plötzlich die Sachen haben will wo ihr kleiner Bruder hat und dass mit aller Gewalt. Bieten wir ihr was anderes an , wird dies natürlich mit einem Kreischen verneint weil sie genau DASS haben will was der kleine hat. Gibt es aber nicht Punkt aus. Wenn man sie aus dem Kindergarten abholen will , rennt sie meist vor zur Türe und will dann aber nicht zum Auto gehen. Kreischend wird sich auf den Boden geworfen. Der kleine Bruder ist auf Mamas Arm also will sie das auch und zwar SOFORT. Gibt es nicht. Ja es ist ab und zu sehr peinlich wenn andere Mütter aus dem Kiga beim rein gehen sehen was Madame so anstellt und beim rausgeben die Situation genauso ist, aber nach spätestens 10 Minuten wird es ihr zu blöd und sie läuft zum Auto. Also es zieht , man braucht nur starke Nerven. So ist das mit allem. Wenn es der kleine Bruder jetzt hat , hat dein Kind sich damit abzufinden außer er fragt nett und der Bruder gibt es ihm. Gibt er es nicht hat er leider pech gehabt und muss sich was anderes suchen. Mir den Mund fusselig reden , da hab ich keine Lust drauf. Bringt reden nichts folgen Konsequenzen, das macht man dann ne Woche oder auch 2 Wochen mit und dann haben sie verstanden um was es geht. Aber du solltest auch Loben , wenn er was gut macht und sich seinem Bruder gegenüber fair verhält. Ich wünsche dir wirklich diesen Langen Atem , mir hilft der Gedanke "es ist nur eine Phase" mittlerweile ganz gut und bringt mich dann tatsächlich dazu ruhiger zu bleiben. Bis die nächste Phase ansteht :)

Alles liebe

Andrea mit 3 Kids an der Hand (6,2,1) und Baby Mädchen im Bauch 18.SSW

1. Ohren prüfen lassen!

Hört er gut?
Kann sein Gehirn Geräusche in Informationen umsetzen?

Warum?
Viele Kinder, die schlecht hören (akustisch und/oder Informationsverarbeitung) können akustische Informationen schwer umsetzen
UND sich verbal oft schlecht ausdrücken. Daher greifen sie dann auf andere Methoden zurück.


2. KLARE Linie, KLARE Handlungungen!

Bei hauen, beißen, treten usw. gibt es keine Alternativen. Das Wunschobjekt schon gar nicht.

Nichts erklären, HANDELN!

Erklärung/reden gibt es dann später. Dann, wenn sich das Kind beruhigt hat, wenn das Kind Blickkontakt halten kann (für mich ein Zeichen, ob mein Kind aufnahmefähig ist oder nicht), dann wenn sich die Situation beruhigt hat!

In der Situation: HANDELN

aus der Situation rausnehmen, in geschütztem Rahmen (kann sich nicht selbst verletzen durch nicht selbst steuerbares Verhalten; kann andere nicht verletzen)
ausbocken lassen.
Dabei bleiben, dass nichts schlimmeres passiert, tief durchatmen, klares Handeln : körperliches Schützen.

NACH der Situation in Ruhe reden (Blickkontakt ist bei meiner ein gutes Zeichen)


3. so kleine Kinder lachen nicht, um auszulachen, sondern oft um zu besänftigen.
Wenn Mama mitlacht, ist alles gut, dann passiert mir nichts.

4. Sachen schmeißen: wegpacken, was gefährlich werden kann!
Alternativen bereit halten und zeigen
- was darf geschmissen werden (weiche Bälle, die liegen blieben)
- was darf bei Wut gemacht werden (Kissen boxen, Fuß aufstampfen)

Wut und Gefühle müssen raus
Wege dafür oft gezeigt werden

vielen Dank für den ausführlichen Kommentar.

Tatsächlich hört er wohl schlecht. Er hat seit mehreren Monaten chronische Paukenergüsse beidseitig. Im Januar haben wir OP Termin. Allerdings haben sowohl wir als auch der Kindergarten das Gefühl, dass er sehr gut hört, auch sehr leise Geräusche oder flüstern. Er spricht mittlerweile auch sehr gut.

Danke für die Tipps, werde direkt versuchen das strukturiert umzusetzen. Insbesondere der Blickwinkel des Lachens, so habe ich das noch nie gesehen.

#winke

Jedes Kind ist anders, auch Geschwister, und somit auch die Erziehungsmethoden. Dein Großer ist sensibel, vielleicht ist dein Kleiner noch sensibler oder anders sensibel? So ist es bei uns. Meine Kleine setzt sich 1. selbst unter Druck manches schon können zu müssen und 2. reagiert sie auf Stress mit Trotzen und Aggression. Ich habe gelernt ihr mehr Zeit zu geben, auch bei Entscheidungen oder neuen Situationen. Es dauerte etwas Zeit, bis sie verstanden hat, dass wir ihr entsprechendes Verhalten endlich verstanden haben. Als ihr das bewusst wurde, dass wir kapiert haben, weshalb sie sich so "unerwünscht" benimmt, hat sie sich schneller beruhigt und war auch kompromissbereiter, denn sie merkte, dass sie selbst als Person nicht "unerwünscht" ist. Sie hat alles immer sehr persönlich genommen. Der einfache Satz "Ich verstehe, wie du dich fühlst" mit dem Zusatz der Gefühlsbeschreibung hat da Wunder geholfen. V.a. den Bezug zu uns Eltern ("als ich in deinem Alter war, ging es mir genauso") zu ziehen, half viel. Heute ist sie fast 4 und kann selbst ihre Gefühle sehr gut mit eigenen Worten ausdrücken. Ist ihr eine Situation zu stressig, nimmt sie sich selbst da raus oder bittet um Hilfe bei uns zur Bewältigung ("es ist mir zu viel!", sagt sie mittlerweile). Wir haben dies früher mit ihr gemacht, daher kennt sie das so.

Das Lächeln und Lachen bei Kindern im solch einer Situation ist evolutionär noch in ihnen drin, das ist nicht böse gemeint. Sie hoffen, dass es besänftigt, denn das Gegenüber kopiert oftmals diese Mimik, wodurch bereits Glückshormone ausgeschüttet werden und so das Gemüt beruhigt wird. Wenn man das im Hinterkopf hat, merkt man, wie verzweifelt das Kind sein muss, wenn es darauf zurückgreift.

Dein Kleiner sollte lernen auf seine Weise mit Frust umgehen zu lernen. Er bekommt nicht das, was er möchte, dann gibt es entweder die Alternativen: Warten (geht nicht immer), ein anderes Objekt nehmen oder gar nichts. Die Option nichts ist auch wichtig, denn manchmal gibt es eben nur diese Alternative, also sollte man sie auch anbieten. Zudem sieht einfach alles gleich besser aus, wenn die sonstige Alternative nichts ist. Man muss sich kein Bein ausreißen, um sein Gemüt zu besänftigen, man sollte ihn dabei begleiten sich selbst zu beruhigen und Alternativen selbst zu entwickeln.
Dein Beispiel: Er möchte den Roller des Großen haben, der gerade damit fährt. Ist der Große einverstanden, dass der Kleine das darf, muss er nun nur noch warten und lernt Geduld zu haben. Möchte der Große das nicht, dann ist es eben so, denn es ist sein Roller, dann kann er ein anderes Fahrzeug nehmen oder etwas anderes spielen. Und jetzt das Aber: Das Gleiche gilt für den Großen, wenn er etwas vom Kleinen möchte. Wenn so eine Situation mal eintrifft, dann erwähne z.B. die Rollersituation und dessen Lösung, auch wenn sie nicht befriedigend für deinen Kleinen war, um klar zu machen, dass diese Regelung auch umgekehrt zutrifft und beide Erinnerungen verknüpft werden mit dieser Regelung. Solche Regelungen betreffen auch Handlungen der Eltern, es gibt da keine Extrawurst. Nur so hat unsere Kleine diese Regelung ernst genommen, weil sie selbst auf Augenhöhe ernst genommen wurde und das kann ich vollkommen nachvollziehen, was ich ihr auch sagte.

So war es zumindest bei uns, ob es bei euch auch so ist, kannst nur du einschätzen. Einen langen Atem muss man da schon haben, allerdings ist das Resultat für alle absolut erstrebenswert. Ein entspanntes Familienleben zu haben, in welchem alle Beteiligten glücklich sind, ist es das wert.

Hallo,

ich finde, zahnweh hat das schon sehr gut zusammen gefasst.

Ich wollte noch ergänzen, dass ich unserer Tochter irgendwann gesagt habe, sie soll zurück beißen, wenn der Kleine sie beißt, weil alles andere nicht half.
Da hat unser Sohn Angst bekommen und nicht mehr gebissen.
Der wusste ganz genau, wie weh das tut. #aerger

LG

Heike