Zwischen den Kulturen / bin ich egoistisch?

Hallo zusammen,

ich bin schon lange ziemlich hin und her gerissen, was einige Punkte in der Erziehung angeht und wollte mir auf diesem Wege mal die Meinung von neutralen Personen holen.

Ich bin Türkin und mein Mann ist Deutscher. Mir ist es wichtig, dass mein Sohn viel von unserer Kultur und Art mitnimmt. Ein großer und wichtiger Punkt ist hier das Familiäre. Leider unterscheiden sich unsere Familien und Kulturen hier sehr stark.

Die Familie meines Mannes ist eine „Weihnachtsfamilie“. Man sieht sich an Weihnachten und vielleicht noch ein zweites Mal im Jahr und das war’s.
Bei uns ist es das komplette Gegenteil. Man sieht und spricht sich ständig. Meine Mutter hält keine 2 Tage aus ohne zumindest per FaceTime ihren Enkel zu sehen.

Jetzt das Problem: ich möchte, dass mein Sohn familiär wird, aber eben nur meiner Familie gegenüber. Nicht falsch verstehen, aber ich will nicht, dass er ausgenutzt oder eines Tages verletzt wird. Er soll wissen, dass es Unterschiede gibt, damit er nicht enttäuscht wird, aber ist es noch familiär einen Teil seiner Familie „auszuschließen“?

Ich bin mir nicht sicher ob es jetzt richtig rüber kommt. Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich die Hoffnung verloren habe, dass meine Schwiegerfamilie sich ändern könnte? Ist es okay aufzugeben und nicht mehr ständig für eine Verbesserung der Verhältnisse zu kämpfen?

Ich denke langfristig würde es meinem Sohn doch mehr schaden, wenn ich jetzt weiterhin mehr oder weniger „betteln“ muss, damit Kontakt da ist, er gewöhnt sich dran und sobald ich mich bisschen zurücknehme oder was falsches sage, ziehen die sich wieder komplett zurück und melden sich nie wieder bei meinem Sohn.

Außerdem ist es auch immer sehr angespannt und unangenehm mit denen Zeit zu verbringen. Kann etwas künstlich aufgebautes bzw. erzwungenes überhaupt langfristig gut gehen?

Sorry für die lange Nachricht, aber ich weiß auch gar nicht, wie ich das am besten formulieren soll.

Danke schonmal für eure Zeit :)

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Hey also ich find es nicht egoistisch, du wünschst dir ja nur ein familiäres Umfeld für dein Kind von beiden Seiten der Familie aus. Aber das kannst du nicht erzwingen, diese Unterschiede gibt es überall ganz unabhängig von der Nationalität. Nimm Abstand davon etwas erzwingen zu wollen oder für eine Besserung, die eh nicht eintreffen wird zu „kämpfen“ das bringt nichts, verursacht dir nur Stress und du ärgerst dich.
Um dein Kind würde ich mir keine Sorgen machen, die wissen ganz schnell sehr genau wo es ihnen gut geht und sie sich wohl fühlen und wenn der andere Teil der Familie eben nicht so präsent ist, ist das eben so.
Bei mir war es als Kind so dass die Familie meiner Mutter immer da war und die von meinem Vater war auch eher so die feiertags-happy-Family. Das hat mich bis heute nicht einmal gestört, es war einfach so. Ich hab mich gefreut wenn wir uns alle gesehen haben und hatte Spaß. Aber wenn’s mal darum ging außer der Reihe irgendwo anders zu übernachten und ich später die Wahl hatte war immer ganz klar wo ich hin wollte, nämlich zur Familie meiner Mutter. Nicht weil ich die anderen nicht mochte sondern einfach weil selbst ein Kind schon instinktiv so entscheidet und sich verhält wie man es gewohnt ist. Negative Gefühle zu der Seite der Familie hatte ich trotzdem nie.
Mach dir nicht zu viel Stress 😊 akzeptier es wie es ist, erfreu dich an deiner Familie und lass die anderen machen wie sie wollen, die sind es die was verpassen und nicht umgekehrt😊

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Wie steht dein Mann zu der Situation? Wenn er sich wohlfühlt im familiären Umfeld deiner Familie dann spricht ja nichts dagegen mit den Familien unterschiedlich umzugehen. Deine Familie seht ihr eben oft und es gibt dadurch eine engere Bindung und seine Familie seht ihr nur an den "Feiertagen". Wenn es in seiner Familie schon immer so gehandhabt wurde, dürfte sich auch niemand ungerecht behandelt fühlen.

Ich würde mich auch nicht weiter damit beschäftigen, dass sich seine Familie ändert und familiärer wird. Menschen sind unterschiedlich und das ist ok.

Deinen Absatz zum Thema "nur meiner Familie gegenüber" und "will nicht, dass er ausgenutzt wird" habe ich nicht verstanden. Was meinst du damit?

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Mit meiner Familie meine ich meine nicht angeheiratete Familie, aber was genau ich mit dem ausgenutzt meinte, weiß ich gerade selber gar nicht mehr. Hab mich wohl im Schreibfluss ein bisschen verloren.

Mein Mann fühlt sich zum Glück sehr wohl bei meiner Familie. Er hat auch schon selber oft gesagt, dass er sich bei meiner Familie wohler fühlt als bei seiner.
Ich merke aber natürlich, dass er seine Familie auch gerne bisschen familiärer hätte und immer wieder enttäuscht ist, wenn von denen wieder nichts kommt.

Hätte nicht gedacht, dass ich mir mal über sowas Gedanken machen würde, aber ich hätte auch nie gedacht, dass es Familien mit so wenig Interesse aneinander gibt.

Naja, ich denke am Ende kann ich da eh nicht viel ändern oder beeinflussen und die Verhältnisse werden genau so bleiben, wie sie sind.

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Man kann seine Familie nicht aussuchen, ich kenne das wenn man enttäuscht ist weil man sich manches anders vorstellt, ich tu mich auch schwer vieles in meinen Eltern so zu nehmen wie sie sind, sie sind nicht schlecht aber manchmal wünschte ich das auch ich mal anders behandelt werde aber ich kann das eben nicht ändern, nur nehmen wie es ist.

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Hi,
es gibt solche und solche. Klar ist es nicht schön, wenn man sich selten sieht und dann auch noch eine angespannte Atmosphäre herrscht. Dennoch ist dieser Teil auch ein Teil deines Sohnes und deines Mannes sowieso. So obliegt diese Entscheidung doch gar nicht dir, sondern es ist Sache deines Mannes, wie er den Kontakt gestalten möchte.
Nein, es ist nicht familiär. Dein Sohn wird schon verstehen, dass die anderen halt ganz anders ticken. Damit wird er sich schon arrangieren.

Vlg tina

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Nein sowas geht nicht langfristig gut und du tust schon richtig daran es zu lassen.

Auch wenns das ultra schade für das eigene Kind ist, man will ja eigentlich das es so ist wie bei einem selbst es wahr....ich kenne das.

Meine Familie ist zwar nicht mehr so wie es früher mal war, aber im Herzen eben immernoch sehr familiär bedacht....
Bei ihm ist das wohl nicht so...auch eher so das typische "geburtstage/Weihnachten/Feier"....mich nervt das und ich bemühe mich da nicht mehr, aber auch bei meiner Familie nicht mehr so.
Ich tue das was ich für mich brauche,aber nicht mehr mehr wie ich es mir wünschte,denn das tut nicht gut...wenn man anfängt erwartungen zu haben die eh nicht erfüllt werden kann es nur weh tun....und das muss ja für unsere Kinder nicht sein.


LG

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Ich denke das Ganze wird sich von selber regeln.
Meine Mutter kommt aus einer sehr innigen Großfamilie (7 Geschwister), mein Vater aus einer eher unterkühlten Mittelfamilie (2 Geschwister). Rate mal, bei welchen Familientreffen ich mich wohler gefühlt habe ;).
Die Treffen mit der Familie meines Vaters waren eher Pflichttermine, bei denen ein 'Puh! Geschafft!' bei der Rückfahrt in der Luft hing, von den Familientreffen mit der Familie meiner Mutter wollte keiner mehr weg.

Ich würde es einfach laufen lassen. Du polst eine eher distanzierte Familie nicht auf herzlich um - schon gar nicht als Schwiegertochter. Absolviert die Pflichtbesuche - solange es keine Beschimpfungen und Beleidigungen gibt, schadet das niemand und ist einfach ein Zeichen von Respekt und Höflichkeit. Wo sich Dein Sohn wohler fühlt, entscheidet er sowieso selber. Allerdings sind die Chancen des 'innigen' Familienteils da deutlich höher.

Grüsse
BiDi

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Danke für eure Antworten.

Ich werde es jetzt einfach so weiterlaufen lassen, wie es vorher ohne Kind war. Also die „Weihnachtsfamilie“ als solche akzeptieren, aber mich nicht weiter bemühen.

Ihr habt schon Recht. Am Ende muss mein Sohn das für sich entscheiden.

Danke nochmal und euch allen eine schöne Osterzeit.

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Auf Teufel komm raus würde ich gar nichts ändern.
Es ist wie es ist. Auch Kinder gewöhnen sich daran.
Es gibt Großeltern, die freiwillig und gerne alles für ihre Enkel tun, aber auch welche, die ihre Enkel zwar lieben, aber auch noch ein eigenes Leben führen wollen.
Nicht zu vergessen ist die massige Grauzone dazwischen.
Das muss man einfach akzeptieren.
Wenn es deinen Schwiegereltern es nicht anders wollen, dann kann man es nicht ändern.
Unsere Kinder haben selbst nur noch einen lebenden Großelternteil, die Oma. Allerdings hält sich ihr Interesse äußerst in Grenzen.
Sie wohnt nicht weit weg und als die Kinder kleiner waren bin ich mit ihnen oft zu ihr, weil ich auch dachte, da muss eine vernünftige Bindung her. Meine Mühe war leider vergebens. Sie hat sich ein paar Minuten mit den Kindern beschäftigt und das wars.
Sie redet prinzipiell nur über sich selbst und hört anderen gar nicht richtig zu. Meine Kinder gehen seit Jahren einem Hobby nach.
Wenn ich ihr davon erzähle ist es jedes Mal wie neu für sie. Soviel dazu.
Sie ist einfach so wie sie ist und sie wird sich nicht mehr ändern. Das war meine Lektion daraus.
Starte vielleicht einen Versuch mehr Kontakt zu den Schwiegereltern zu haben, aber ganz ohne Druck und Zwang. Erwarte einfach nichts, dann hast du auch nichts zu verlieren.

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Wieso egoistisch?
Jede Familie ist anders und beide familiären Seiten werden zufrieden sein.
Ich sehe kein Problem, Familien unterschiedlich zu behandeln.

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Ich würde jetzt auch nicht darum betteln, Familien sind wie du siehst unterschiedlich, manche wollen viel anderen reicht wenig, ich würde es nehmen wie es ist, deine Seite ist eben oft Präsent die andern nicht, aber eben weil jeder es für sich so entscheidet.