3-Jähriger - Was tun?

Hallo liebe Mamis,
Ich weiß, wir sind mitten in der Trotzphase oder auch Autonomiephasie. Wie auch immer man es nennen mag, es raubt einem nachname den letzten Nerv! Mein Sohn wird nächstes Woche drei und seit ca. 2 Wochen hört er überhaupt nicht mehr. Ich werde noch verrückt. Bin echt geduldig mit ihm, aber so langsam frage ich mich, wie ich da erzieherisch am besten vorgehen soll. Er rennt mir zur Zeit immer davon. Da zieht nix. Manchmal hört er wieder, wie früher, aber v.a. Wenn andere Kinder dabei sind, dreht er total auf und bei Widerstand fängt er sogar neuerdings an zu schlagen. Er sieht es dann zwar ein und entschuldigt sich sogar meistens, aber mich nervt es, dass er immer das einzige Kind ist, das die ganze Zeit wegrennt, während andere brav bei den Eltern stehen bleiben können. Er kann kaum mal einen Moment still sitzen, auch nicht beim Essen. In der Kita scheint es aber zu funktionieren. Bin ich vielleicht zu weich? Oder hat er nach der Kita begnügen vom Stillsitzen?
LG einer Mami mit geschundenen Nerven 😅

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Die richtige Balance aus Regeln und Nachsicht ist der Schlüssel. Und die muss man individuell fürs Kind und für die Situation finden.

Jungs brauchen oft mehr Regeln und weniger Ausnahmen. Sie müssen klar wissen woran sie sind. Also Hauen und Co sofort und immer verbieten. Hingehen, Situation verändern, Regel formulieren. Immer und immer wieder.

Du kannst nicht erwarten, dass Du ein Dreijähriges nur über Ansprache lenken kannst. Du musst hingehen, anfassen und Klartext sprechen. Positive Sprache:

Richtig: "Bleib auf dem Bürgersteig!"
Falsch: "Nicht auf die Straße!"

Richtig: "Iss ordentlich!"
Falsch: "Nicht kleckern!"

Klare Handlungsanweisungen, wenn Du alternativlos etwas von ihm willst. Eine Bitte kann man immer ausschlagen. ;-)

Das klingt jetzt sehr nach Drill. Daher schrieb ich eingangs über die richtige Balance.
Denn ein Kind, das nur noch Befehlsempfänger ist, kooperiert natürlich nicht gerne. Also gut überlegen, was wichtig ist und was nicht. Was er mit nichtmal schon leisten kann und was nicht.

Gerade mit 3 und 4 wirken sie schon so schlau und groß. Sind sie aber nicht. Ihre ganze Welt besteht aus entdecken und Emotionen. Da kommt man rational oft nicht ran.

Und ja, KiTa ist anstrengend. Gerade wenn sie mal wieder einen Sprung in Sachen Wahrnehmung und/oder Verarbeitung von Reizen gemacht haben, sind sie nach der KiTa oft total fertig. Versuch herauszufinden was Deinem Kind nach der Kita gut tut. Auspowern, Kuschelstunde, erzählen? Hunger, Durst?

Und ggf einfach mal für ein paar Wochen die Nachmittagsgestaltung etwas minimieren.

Zum Wegrennen. Ich hatte zwar kein Kind, das absichtlich weggelaufen ist, aber ein sehr neugieriges, das oft einfach plötzlich weg war, weil es am Erforschen seiner Umwelt war. Es saß lange im Buggy, wenn ich wusste, dass ich dem Kind nicht meine volle Aufmerksamkeit schenken konnte, weil ich mich z.B. mal um das Geschwister kümmern musste. Safety First!
Frei laufen konnte es halt nur an wirklich sicheren Orten.

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Kommt ganz auf die Situation an, wie ich da reagieren würde.

Anders als die Vorschreiberin sage ich "renn nicht auf die Straße" und nicht "bleib auf dem gehweg", dafür kommt auch eine Begründung dazu. Also ist es kein Befehl, sondern ein Ratschlag. Die einfache Begründung: es ist gefährlich, da fahren Autos, die dich nicht sehen und überfahren können. Wir müssen über eine viel befahrene Straße rüber, da passiert schon mal was, also haben die Kinder schon Unfälle gesehen. Wir gehen eben ehrlich und offen mit Risiken um und so lernten unsere Kinder schnell nicht auf die Straße zu rennen. Bekleckern darf sich unser Kind, ist dann erst mal sein Problem, nennt sich Konsequenz aus dem eigenen Handeln, zumindest wenn es mit voller Absicht geschieht. Ist alles nass und eklig, muss es selbst damit klar kommen, umgezogen wird erst, wenn wir Zeit und Lust haben, ggf. dauert es etwas und schwups klappt das fast saubere Essen, weil es dem Kind selbst unangenehm ist. "Iss ordentlich" ist zu abstrakt für ein Kind. Kinder wollen selbst erleben und entdecken, v.a. in diesem Alter. Nur wenn Gefahr droht, greif ich da ein und begründe es auch vernünftig. "Weil ich es nicht möchte" habe ich schon von Eltern als Begründung gehört ...
Klassisch ist ein Fehlverhalten auf dem Spielplatz, z.B. hauen oder Sachen anderer wegnehmen. Benimmt sich das Kind daneben gibt es vielleicht eine Warnung, ansonsten gehen wir eben heim. Bei uns ist der Gang auf den Spielplatz ein Privileg, das eben auch verloren werden kann. Ich musste nur einmal wirklich gehen, dann hat die eine Warnung stets gereicht bzw. war auch schnell nicht mehr nötig. Und ja, ich geh dann, auch wenn das Kind nicht gleich mitgeht, es rennt ziemlich schnell hinterher. Sowas mach ich nur, wenn ich es noch sehen kann und keine unmittelbare Gefahr besteht. Zudem warne ich lange vor. Andere Eltern handhabten es auch so, sodass wir gegenseitig auf die Kinder aufgepasst haben, bis diese hinterher sind.
Wir hatten auch mal kurzzeitig das Problem des Wegrennens. Da blieb ich hart, der Buggy kommt mit, rennt das Kind unachtsam davon ist es noch zu klein, also muss es in den Buggy angeschnallt werden. Ist der Buffy mal nicht dabei, muss das Kind an der Hand bleiben, zur Not halte ich am Handgelenk fest. Das geht ihne Schmerzen und das Kind kann nicht wegrennen. Meinen Kindern war das freie Laufen sehr wichtig, es ist wieder ein Privileg gewesen, das sie verlieren konnten. Dafür habe ich ihnen dann bei gutem Benehmen mehr Freiheit gegeben und bin mit ihnen Umwege gelaufen, weil sie es wollten und die Welt weiter entdecken wollten. Dazu gab ich auch die Begründung ab, dass sie so super laufen, da können wir einen Umweg macen als Belohnung.
Wenn das Kind Sachen absichtlich kaputt macht, haben wir versucht Verständnis und Empathie zu fördern. "Wenn du von XY das kaputt machst, wird er traurig, weil es ihm so wichtig ist. Wie würdest du es finden, wenn XY dein Lieblingskuschektiert kaputt macht?" Antwort A: Das Kind versteht es und entschuldige sich. Antwort B: Das Kind zeigt keine Einsicht, XY bekommt das Kuscheltier andeutungsweise als Ersatz es ist dem eigenen Kind ja nicht wichtig. Und prompt ist Antwort A doch die bessere Option.
Spielsachen teilen: Unsere Kinder mussten nichts teilen, durften dann aber auch kein Spielzeug anderer einfordern. Das zwangsweise Teilen von Spielzeug auf Spielplätzen verstehe ich nicht, es schürt nur Ängste statt das Teilen zu fördern. Sehen Erwachsene auch einfach zu einem anderen hin und fordern das Smartphone? Wenn sich Kinder fpr das Spielzeug anderer interessieren haben sie einen Anreiz freiwillig zu teien und lernen so das Teilen als etwas Positives zu sehen.
Kind wirft sich auf den Boden: Lass es, setz dich dazu oder wenn es unterwegs passiert, gehe weiter. Kind benimmt sich nicht beim einkaufen: Unsere Kinder dürfen sich zwei Kleinigkeiten frei aussuchen. Benehmen sie sich einmal daneben ist es nur noch eine Sache und dann schließlich keine mehr oder wir verlassen den Laden. Sie dürfen nicht schreien, rennen oder Sachen einfach so aus dem Regal nehmen. Sie dürfen sich zwei Sachen aussuchen, weil so die Entscheidung leichter fällt, sie denken sonst noch mehr über ihre Entscheidung nach und das raubt Zeit.

Das alles geschrieben ist, was bei uns half und spiegelt meine Meinung. Andere sehen es anders und haben andere Herangehensweisen. Nur weil etwas bei Kind A funktioniert, muss das nicht auch bei Kind B so klappen. Sogar bei Geschwistern ist es unterschiedlich. Such dir die Antworten heraus, die du meinst, dass sie für euch funktionieren könnten. Wir haben auch viel ausprobiert und rumgefragt, bis wir unsere Lösungen hatten. ;)