Ungleichbehandlung von Geschwistern

Hallo zusammen,

das ist mein erster Beitrag, ich bin sonst nur stiller Mitleser, doch jetzt benötige ich wirklich einen Rat. Bitte verurteilt mich nicht, ich möchte mein Problem wirklich lösen.

Ich habe zwei Kinder, 4 und 1 1/2 Jahre alt.
Vor ca zwei Wochen hatte ich ein längeres Gespräch mit meiner Tochter (4 Jahre). Sie weinte, weil sie Angst hatte, ich würde ihren Bruder mehr lieben als sie. Ich war wirklich erschrocken darüber, da ich nicht wusste wie sie darauf kommt. Ich war bis vor kurzem überzeugt beide gleich zu behandeln und da meinte Tochter ein empfindliches und sensibles Kind ist, mache ich mir teils sogar mehr Sorgen um sie.
Gestern bekam ich dann von Verwandten den Vorwurf, es käme ihnen so vor als würde ich meinen Sohn mehr lieben als meine Tochter. Was mich wieder sehr geschockt und traurig gemacht hat. Ich habe ein total schlechtes Gewissen.
Ich fragte dann was ich anders machen soll bzw. in welchen Situationen sich das bemerkbar macht. Keine Antwort.
Keiner kann mir sagen was genau ich falsch mache und ich selbst komme auch nicht darauf. Man sagte mir es sei von Situation zu Situations unterschiedlich.
Es ist so, das mein Sohn sehr verschmust ist. Meine Tochter überhaupt nicht. Ich gehe trotzdem oft zu ihr und gebe ihr Küsschen etc. , aber oft mag sie das nicht. Mein Sohn hingegen will ständig kuscheln. Vielleicht macht das einen falschen Eindruck? Jedenfalls bin ich jetzt ratlos und fühle mich schlecht. Ich habe schon nach dem Gespräch mit meiner Tochter versucht mich selbst zu reflektieren. Was soll ich jetzt machen? Ich möchte nicht das sich einer von beiden weniger geliebt fühlt, denn meine Gefühle für beide unterscheiden sich nicht.


Liebe Grüße

1

Deine Tochter schmust nicht gern, aber gibt es etwas, was sie besonders gerne mag? Etwas, was du mit ihr alleine machen kannst?
Vielleicht das etwas mehr ausbauen.

2

Hallo, ja wir gehen öfter zusammen Fahrrad fahren oder in den Zoo. Auch einfach mal ein Eis essen. Ich versuche ihr extra Zeit zu schenken, weil sie natürlich zurückstecken musste als ihr Bruder zur Welt kam. Ich war von Beginn der zweiten Schwangerschaft an alleine, da der Vater das zweite Kind nicht wollte. Aber ich versuche es tatsächlich auszugleichen mit gemeinsamen Unternehmungen mit ihr. Sogar ziemlich häufig.

3

Hi, auf unkonkretes Gelaber irgendwelcher Bekannten, die dann auf deine Nachfrage noch nicht einmal konkrete Situationen benennen können, in denen du deine Kinder so offensichtlich ungleich behandelt/liebst, würde ich pfeifen. Es ist eine Frechheit, dir solche Brocken hinzuwerfen und dann nichts konkretes dazu zu sagen.

Bzgl deiner Tochter kannst du nur Ursachenforschung betreiben, warum sie sich ungleich behandelt fühlt und ihr immer wieder versichern, dass du sie und ihren Bruder gleich liebst . Bitte pass aber auf, dass es sich die Waage hält - auch dein Sohn hat ein Anrecht auf Exklusivzeit und die Tochter hatte ja im jüngeren Alter auch viel mehr von dir. Sie sollte auch behutsam verstehen lernen, dass kleinere Kinder mehr Hilfe brauchen.
Wie oft sieht sie denn den Papa und wie hat sie die Trennung verarbeitet? Setzt ihr das noch zu?

4

Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen. Meine Schwester und ich hatten beide sehr stark in der Kindheit das Gefühl, dass die Eltern die andere bevorzugen/besser behandeln und leider hat es auch dazu geführt, dass wir als Kinder ein sehr schlechtes Verhältnis zueinander hatten. Das ist in gewissem Ausmaß ja einfach normal unter Geschwistern, dass es so extrem war lag aber glaube ich daran, dass unsere Eltern nicht besonders einfühlsam waren und bei beiden auf (jeweils andere) wichtige Bedürfnisse nicht eingegangen sind. Ich würde die Aussage deiner Tochter mal umformulieren in "ich fühle mich nicht genug geliebt". Denn wer sich genug geliebt fühlt, dem ist es egal, wie sehr der Bruder geliebt wird. Du beschreibst da ja auch eine sehr schwierige Situation mit zwei Kindern ohne Partner, da ist es ja quasi unmöglich, beiden Kindern und sich selbst gut gerecht zu werden. Ich finde es ein gutes Zeichen, dass deine Tochter dich überhaupt darauf anspricht und würde überlegen, wie man ihr noch mehr das Gefühl geben kann, geliebt zu werden. Kennst du "die 5 Sprachen der Liebe"? Du vermittelst ihr ja wie du sagst viel Liebe über die Sprache "quality time/Zweisamkeit". Du würdest es auch über die Sprache "Zärtlichkeit/Kuscheln" vermitteln wollen, aber das mag sie scheinbar nicht so. Vielleicht nimmt sie Liebe auf ganz anderen Kanälen wahr. Einer davon wäre zum Beispiel "Lob/Zuspruch" - vielleicht hilft es schon ihr ganz oft zu sagen wie lieb du sie hast und was für ein wunderbarer Mensch sie ist und wie wichtig sie dir ist. Vielleicht könnt ihr auch im Gespräch gemeinsam rausfinden, ob welchen Situation sie sich geliebt fühlt bzw. was sie dafür braucht.

Ich weiß nicht, wie viel ich auf die Meinung von Bekannten geben würde, die im Alltag ja nicht ständig dabei sind. Dass sie dir nichtmal konkrete Beispiele nennen konnten, finde ich wenig überzeugend.

5

Ich möchte die Aussage deiner Tochter nicht relativieren aber bist du sicher, dass sie das sehr beschäftigt oder war es vielleicht eine Momentaufnahme?

Ich habe auch eine Tochter (6) und einen Sohn (2). Meine Tochter ist ein glückliches Kind und mag ihren Bruder sehr. Mein Mann und ich verbringen viel Zeit mit beiden Kindern und beide Kinder bekommen mal Zeit mit den Eltern allein. Trotzdem sagt meine Tochter ab und an, dass sie lieber keinen Bruder hätte oder dass es schöner war, als wir noch zu dritt waren. Mir fällt aber auf, dass sie das sagt, wenn sie selbst nicht gut drauf ist, z.B. müde ist oder Hunger hat. Wenn ihr Bruder dann noch weint und Aufmerksamkeit bekommt, läuft bei ihr einfach das Fass über. Passiert z.B. manchmal während der Abendroutine. Das Gefühl ist dann zwar da und ich gehe darauf ein, aber ich glaube nicht, dass es ständig da ist und sie traurig macht.

Was ich sagen will: Reflektiere mal, in welchen Situationen deine Tochter so etwas sagt. Vielleicht gibt es andere (banale) Gründe für ihre Aussagen.

Ich habe den Eindruck, dass du alles richtig machst. Hör ihr zu, wie du es gemacht hast, aber mach dir keine Vorwürfe.

PS. Die Kuschelsituation ist bei uns genau gleich. Tochter kuschelt nicht gern und Sohn könnte immer kuscheln. Mir ist auch schon aufgefallen, dass das für Aussenstehende komisch aussehen kann. Aber das muss egal sein. Es geht ja um die Bedürfnisse unserer Kinder und die sind halt von Kind zu Kind unterschiedlich.

6

Erst einmal sollten dein Bekannten solche Äußerungen, wenn die Kids dabei sind unterlassen.
Und dann denke ich mir was sie sich einbilden darüber zu urteilen.
Die Kinder sind so unterschiedlich alt das die Bedürfnisse auch sehr unterschiedlich sind.

Mein Sohn (3) kuschelt auch nicht so gerne, liebt es aber mit mir zu toben und gekitzelt zu werden. Meine Tochter dagegen(1) will ständig auf den Arm und von dort aus die Welt erkunden.
Manchmal ist man hin und her gerissen.

Und dann können dir die Leute nicht mal ein Beispiel nennen, aber schaffen es dich zu 100%zu verunsichern.
Hör nicht aufdas gelaber. Am Ende behandelst du deine Kinder noch unterschiedlich weil du auf solche Kommentare hörst.

7

Oft lässt man jüngeren Geschwistern Sachen durchgehen wofür die älteren ärger kriegen.
Vielleicht ist das bei euch der Fall.

Bspw. Der kleine ist noch sehr grobmotorisch und haut dich weil er es lustig findet. Du lässt ihm das durchgehen deiner Tochter nicht.
Oder: du erwartest, dass sie nach dem spielen aufräumt. Bei ihm nicht bzw. Hilfst du mit oder verlangst, dass die große ihrem Bruder hilft.

Das sind mögliche Beispiel Szenarien, aber versuche das bei dir zu finden. Du kannst auch deine verwandten fragen, vielleicht können sie dir konkrete Beispiele nennen die ihnen aufgefallen sind.

Mir war so ein gegenteiliges Szenario bei meinen Schwager aufgefallen als es darum ging, das die Kinder ein fruchtjoghurt essen wollten. Der Sohn saß mit 5 auf dem weichen Sofa und das war OK. die Tochter 3 wurde ausgeschimpft, weil sie auf dem harten Teppich saß. Er setzte sie auf die fliesen daneben und wenn sie zurück krabbelte, Schnauzte er sie an und setzte die wieder vom Teppich weg. Seine Begründung: der Sohn ist 5 und wird nicht aus versehen kleckern. Sie ist 3, also vertraut er ihr gar nicht erst.

Das ist nur ein Beispiel. Generell sind sie zur Tochter viel strenger und ihm lassen sie viel mehr durchgehen.

Bei dir klingt es eventuell nach dem Gegenteil.

8

Hey!

Vielleicht geht es ihr wie Vielen Kindern mit kleineren Geschwistern, die einfach Angst davor haben, dass das jüngere mehr geliebt werden könnte, ohne konkreten Anlass.

Liebe Grüße
Schoko

9

Das kenne ich.
Meine kleine Tochter fordert sehr viel Kuscheln ein. Z.B wenn ich auf dem Sofa sitze.
Die Große fordert es auch ein, aber oft in Situationen, in denen ich nicht unbedingt kuscheln möchte: beim Kochen oder mitten in der Hausarbeit oder in einer stressigen Situation.
Daher hat sie mir das auch schon vorgeworfen.
Daher achte ich nun mehr darauf, wenn Kuscheln gerade passt, sie zu mir ranzuholen.