5 jähriger provoziert den ganzen Tag

Hallo.
Mittlerweile bin ich/ wir wirklich ratlos.
Unser 5 jähriger Sohn treibt uns in den Wahnsinn. Er provoziert und triezt den ganzen Tag. Heute war wieder so ein besonders schlimmer Tag. Er wird wach und das erste was er tut, ist dem kleinen Bruder den schnuller weg zu nehmen. So geht es den ganzen Tag. Immer wieder diese kleinen Provokationen, wie den Weg zu versperren, Sachen verstecken, den kleinen Bruder in jeglicher Hinsicht ärgern. Wenn wir "stop" sagen, versteht er scheinbar, dass man es extra machen muss. Er hört dann also gar nicht, oder macht uns lächerlich, indem er uns nachäfft. Im Kindergarten ärgert er auch gerne, die ihm unterlegenen Kinder. Nicht aggressiv oder gewalttätig, aber eben sehr provokant, sodass er letzte Woche auch eine gelangt bekommen hat von seinem Freund. Trotzdem hat er generell viele Freunde und ist gut integriert.
Dieses Verhalten hat er schon seit Anfang an. In der Krippe sprachen die Erzieher immer von seinen "sozialstudien". Es mag sich nach lapallien anhören, aber wenn man sie den ganzenTag erträgt und nur Konflikte zu Hause hat, geht es wirklich an die Substanz. Wenn bei uns das Maß voll ist, und wir doller schimpfen, haben wir einen mega Konflikt mit ihm. Dann schreit er und tritt gegen Türen. Ist total auf 180. Wir verstehen einfach nicht, warum er den ganzen Tag so gegenan ist und überhaupt nicht kooperativ. Ansonsten ist er super entwickelt und alle empfinden ihn als sehr intelligent und es mangelt ihm an nichts. Ich hoffe, dass ihr uns helfen könnt.
LG

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"Es mangelt ihm an nichts"

Das ist der Trugschluss! Irgendwas läuft nicht rund, sonst wäre es harmonischer bei Euch.

Ich aus der Ferne kann nur raten. Was es ist, was fehlt, das müsst Ihr selbst herausfinden.

- schlecht verarbeitete Entthronung (Empfehlung: Geschwisterbuch vom Wunschkind)
- zu wenig/die falsche Art von Aufmerksamkeit
- zu wenig/zu viele Grenzen
- nicht immer die gleichen Regeln und Reaktionen (gerade Jungs in dem Alter müssen genau wissen woran sie sind)
- zu wenig ernsthafte Aufgaben, dadurch das Gefühl nicht gebraucht zu sein oder nichts zugetraut zu bekommen
- die Eltern/ein Elternteil ist aus dem Gleichgewicht und das Kind spiegelt das unbewusst

Ihr müsst Eure Familie betrachten, wo es momentan hakelt. Der Kommentar mit den "Sozialstudien" zeigt ja, dass Euer Kind mit Abweichungen im Sozialen nicht gut klar kommt und da viel Verlässlichkeit braucht. Die müsst Ihr als Eltern geben.

Ja, 5jährige sind anstrengend und fordern permanent Erziehung/ Anleitung/Reibung/Auseinandersetzung mit ihnen ein. Aber trotzdem sind permanente Übergriffe auf ein Geschwister ein Warnzeichen und nicht normal.

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Hallo lialga.
Danke für deine Antwort.
Natürlich hast du recht, irgendwas fehlt ihm, sonst wäre er wahrscheinlich nicht so. Fällt mir wohl nur schwer zu sehen, was es sein kann.
An die Enttrohnung hatten wir auch schon gedacht, und das spielt bestimmt auch mit ein, aber das kann es nicht alleine sein, da er diese provozierende Art halt auch schon davor hatte.
Ich habe das Gefühl, dass er Schwierigkeiten mit der gefühlsregulation hat. Von klein auf, ist er überdreht geworden, wenn er z.b. tot müde ist, anstatt zu mir aufs Sofa zu kommen und zu kuscheln. Ich denke, dass dieses Wochenende auch besonders schlimm ist, da die Woche sehr voll war, sowohl für mich, als auch für ihn. Spielverabredungen, Sport, kindergeburtstag, lange kindergartentage...
Das hab ich jetzt erstmal, als Versuch für die nächste Woche, komplett runter gefahren. Er will zwar eigentlich immer gerne was erleben, aber hat oftmals eigentlich gar keine Aufnahmefähigkeit/ Energie mehr dafür.
Er ist auch jemand, der wenig erzählt von seinem Tag und was ihn so belastet. Da ist es oftmals schwierig in ihn reinzugucken, obwohl wir ansonsten eine sehr offene und ehrliche/ innige und intakte Familie sind.
Es gibt auch Phasen in denen es auch besser ist, wobei das provozieren nie ganz weg ist.
Ich hab auch schon von der wackelzahnpubertät gelesen. Die würde auch erklären, warum es im moment so besonders schlimme Phasen gibt.
Keine Ahnung. Ich hab viele Gedanken, mich viel belesen, aber den richtigen Lösungsweg scheinbar noch nicht gefunden.

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Was nie schadet ist das intensive Sprechen über Gefühle. Basics: Gefühle bei sich und anderen benennen, Gefühle bei sich selbst beobachten, wie sie kommen, was man tun kann (Selbstregulation: tief durchatmen, aus einer Situation gehen, eigene Gefühle benennen um die Situation zu gestalten). Insbesondere dann natürlich über/nach solchen Provokationen. Wie sich wohl andere fühlen, wenn sie so etwas gesagt/getan bekommen. Wie er sich fühlen würde, wenn jemand so etwas mit ihm machen würde. Wobei er wahrscheinlich genau weiß, dass sein Verhalten nicht okay ist. Aber es ist eben die einzige Strategie momentan, die er zur Verfügung hat.

Auch hilfreich: Aktives Zuhören. Gerne mal googeln. Vielleicht kann er so (nach einiger Übung!!!) benennen, warum er provoziert und ihr könnt dann gemeinsam alternative Strategien suchen.

Zur Wackelzahn-Pubertät würde das Türenschmeißen und das heftige in Konflikt mit den Eltern gehen passen. Kann das ganze natürlich verstärken, aber ist wahrscheinlich nicht die Ursache, da er das Verhalten ja schon länger zeigt.

Grundsätzlich Stress und Termine zu reduzieren ist sicher nicht verkehrt. ;-)
Legt mehr Augenmerk auf gemeinsame positive Erlebnisse in der Familie und insbesondere auch Exklusivzeit jeweils mit den Elternteilen. Was mag er gerne? Daran teilhaben!

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das Kind ist immer der Spiegel eurer Erziehung, da ist wohl einiges schief gelaufen und jetzt hat er auch noch ein Geschwister, das ihm die Eltern noch mehr wegnimmt,
Ich würde euch raten, mal zur ERziehungsberatung zu gehen

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Woher weißt du das denn so genau? Ich wusste garnicht, dass du hellsehen kannst.

Ich glaube, dass man der Sache anders auf dem Grund gehen muss. Erziehungsberatung ist immer das allerletzte Mittel. Mein Jüngster hatte damals auch herausforderndes Verhalten und so einiges mehr. Da brauchte ich nicht zur Erziehungsberatung. Ich hatte eine Diagnose und zwar Autismus.

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Danke für deine Unterstützung. Ich finde auch, dass es ein selten unempatischer Beitrag ist😒

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<<<Ansonsten ist er super entwickelt und alle empfinden ihn als sehr intelligent und es mangelt ihm an nichts.<<<

Liebe TE,

du hast hier schon einige Gedankengänge bekommen. Kann es sein, dass dein Sohn unterfordert ist? Das er irgendwie mehr Input brauch.

Kuck mal hier rein: https://www.tuebingerinstitut-hb.de/informationen-ueber-hochbegabung/was-koennen-schwierigkeiten-hoch-begabter-kinder-sein/

oder kombiniert mit ADHS

https://www.adhspedia.de/wiki/Hochbegabung_und_ADHS

Hat dein Sohn einen strukturierten Tagesablauf? Genügend Möglichkeiten sich auszupowern?

Wenn er häufig gegen die Türen tritt, biete ihm ein Sitzkissen an, wo er reinboxen kann.
Oder schicke ihn in den Garten, falls ihr einen habt, falls er mal wieder auf die Idee kommen sollte gegen die Türen zu treten. Sag ihm, dass es hier verboten ist gegen die Türen zu treten. Er hat ja dann die Möglichkeit rauszugehen oder in den Sitzsack zu boxen.

LG und alles Gute
Hinzwife

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Hallo.
Danke auch für deinen Input.
Dieser Gedanke hat mich tatsächlich auch schon beschäftigt. Da er wirklich hauptsächlich provoziert, wenn er nichts spannendes zu tun hat. Und er ist wirklich sehr interessiert daran wie die Welt zusammenhängt. Er geht 1x die Woche mit dem kiga in die Bibliothek und leiht sich nur fachlitteratur (also natürlich welche für kinder, aber nie Bücher mit einer Geschichte). Ich weiß nicht, ob er hochbegabt ist, aber schon sehr intelligent und hat teilweise sehr abstrakte Gedankengänge. Ich werde versuchen ihm mehr Aufgaben zu geben, so wie "lialga" auch schrieb, und somit mehr Verantwortung zu geben. Wir haben einen sehr strukturierten Alltag, da wir beide vollzeit arbeiten, und es ansonsten gar nicht funktionieren würde. Dieses ist aber wahrscheinlich auch teil des Problems. Ich denke, dass ihm manchmal die Tage im Kindergarten zu lang sind (7:30-15:15). Da müssen wir wohl auch noch irgendwie eine Lösung finden...

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Hi,
mein Sohn wird bald 5 und ist manchmal auch so drauf 🙈 Wenn man genauer hinter das Verhalten schaut, hat es tatsächlich immer einen Grund (meistens, dass sich in dem Moment niemand mit ihm beschäftigt). Hast du mal das 2. Buch vom gewünschtesten Wunschkind gelesen (entspannt durch die Jahre 5-10)? Interessant ist, dass in dem Alter viele Konflikte entstehen, weil die Kinder mehr Autonomie wünschen aber das natürlich selbst nicht wissen/benennen können. Dass euer Sohn - je nachdem wie ihr wohnt - mal zum Bäcker geht. Sich selbst ein Eis kauft (ihr seid in der Nähe). Mit scharfen Messern was fürs Abendessen schnibbelt. Mit dem Roller um den Block fahren darf,... Solche Dinge. Oft sind die Kinder dann wie ausgewechselt, weil ihr Bedürfnis nach Autonomie erfüllt wird, sie Neues wagen dürfen, wir ihnen etwas zutrauen.

Und unabhängig davon hilft bei Geschwisterkindern immer Exklusivzeit. Macht regelmäßig was mit ihm alleine, in der Zeit seid ihr/bist du nur für ihn da. Gehst nicht an die Tür oder ans Telefon und lässt dich auf sein Spiel ein.

Liebe Grüße und alles Gute für Euch!

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mein Kind (auch 5) war und ist manchmal ähnlich und es trifft auch vieles aus den kommentaren auf uns zu
- klar wir machen bestimmt viel falsch (falsche / zu wenig / zu viel aufmerksamkeit, da find ich uns wahlweise wieder, v a wenn wir selbst gestresst / müde / in Eile sind), aber es bleibt immer ein prozess und nie endende aufgabe, auch an sich zu arbeiten… und unser zweites kind ist ganz anders, also es ist auch nicht alles unsere schuld
- kleine „autonome“ handlungen im alltag beglücken unser kind; am liebsten organisiert es mit und will auch mitbestimmen
- sachliche argumente helfen bei uns seit einiger zeit enorm, das war aber vorher anders
- rausgehen, radfahren, drinnen im zimmer musik an, lego bauen, tür zu …

und manchmal denk ich auch einfach an diesen spruch : liebe mich am meisten, wenn ich es am wenigsten verdient hab, versuche die arme zu öffnen und unser kind zu fragen, was ist los? funktioniert aber auch nicht immer - auf beiden seiten! ;-)

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Dass er ansonsten super entwickelt ist sagt gar nichts. Kinder sind nicht entweder völlig unterentwickelt oder super entwickelt es ist fast immer nur ein Teilbereich in dem sie Probleme haben. Lass es erst mal abklären ob er wirklich so 'rundum super entwickelt ist vielleicht braucht er ja dich irgendwie Förderung.

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Könnte auch ADHS. Muss nicht, aber könnte. Ist er ungeduldig und impulsiv? Leicht abzulenken, will Dinge nicht zu Ende machen, wenn's ihm zu lange dauert? Wenn er in die Schule kommt - da zeigt es sich oft dann deutlicher, falls die Konzentration das Problem ist.

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Das Kind provoziert weil es immer nur "würdest Du bitte" "das ist aber nicht nett" hört. Das sieht man an den Ausrastern. Der kleine Prinz braucht einen richtigen Anschiss. Nicht verständnisvoll sein, sondern reaktif. Unser großer Enkelsohn (6) hat von meinem Mann diesen Sommer so einen bekommen. Danach war er beruhigt. Mein Schwiegersohn meinte, dass das schon lange machen wollte, sich aber wegen in meiner Tochter nicht getraut hat. Gruß