Sohn (4) weiß nicht, wie er mit seinem Bruder (1) umgehen soll

Hallo alle zusammen,
Seit einigen Wochen beobachten wir bei unserem großen Sohn (4), dass er offenbar nicht weiß, wie er mit seinem kleinen Bruder (1) umgehen soll.

Ein bisschen zur Geschichte: Direkt nach der Geburt konnte der Große mit dem Kleinen gar nichts anfangen - er konnte sich nicht merken wie er heißt und hat sich überhaupt nicht für ihn interessiert. Mit der Zeit ist das Interesse und seine Liebe für seinen Bruder dann aber gekommen und seit der Kleine krabbeln kann, sind die beiden ein Herz und eine Seele.

Nun ist es aber seit einer Weile so, dass der Große, wenn er die Aufmerksamkeit des Kleinen will, wie ein Tier um ihn herumkriecht, sich anpirscht, seinen Kopf in ihn reinschiebt und für uns völlig unverständliche Geräusche von sich gibt. Das ist zum einen für uns total anstrengend (weil super laut und auch teilweise echt schwierig mit anzusehen), zum anderen verliert auch der Kleine umgehend das Interesse, sobald der Große in sein Schema verfällt.

Alle Versuche unsererseits, ihm zu erklären, dass sein Bruder alles viel spannender findet, wenn er wie ein großer Bruder spielt und nicht brüllend und wiehernd hinter ihm her kriecht, verlaufen ins Leere. Er hört dann nicht zu, will weiter in seinem Schema bleiben, auch wenn er damit eigentlich nicht das erreicht, was er ursprünglich wollte...

Wenn er "normale" Spiele (eben altersgerecht) spielt, bekommt er wiederum die Aufmerksamkeit des Kleinen, was allerdings in DEM Moment wieder nicht gewollt ist, sodass der Kleine weggeschubst wird und er uns anfleht, alleine spielen zu dürfen.... Bis zum nächsten Moment, in dem er dem Kleinen wieder auf allen Vieren gegenüber hockt und sich (für unser Verständnis) "seltsam" verhält.

Im Moment sind wir ein bisschen ratlos, weil wir nicht einschätzen können, ob das ganz normales Verhalten ist und vielleicht auch nur eine Phase, ob wir das Ganze zulassen sollen oder unterbinden (zulassen auf Kosten unserer Nerven, weil es wirklich, wirklich suuuper anstrengend ist, den ganzen Tag zu beobachten). Ich versuche dann, ein gemeinsames Spiel anzubieten, was aber von Großen fast immer abgelehnt wird. Was hilft ist, etwas zu lesen, wo dann aber wiederum der Kleine in die Röhre schaut, weil die Bücher des Großen für ihn noch nichts sind...

Wäre schön, vielleicht von jemandem zu hören, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat und weiß, wie wir am besten mit der Situation umgehen sollen.
Liebe Grüße

3

Ich empfinde sein Verhalten als völlig normal und glaube ihr erwartet etwas zuviel von ihm.
Drei Jahre in diesem Alter sind Welten. Da gibt es nur wenig Schnittpunkte zwischen Geschwistern.

Euer großer hat schon soviel Empathie, dass er, aus seiner Sicht sogar altersgerecht, auf den kleinen zugeht und mit ihn einbeziehen möchte.
Euch gefällt die Art und Weise nicht, weshalb ihr seine Versuche der Kontaktaufnahme unterbindet. Er soll aber seine altersgerechten Spiele, welche ja gut für ihn sind unterbrechen und dann den kleinen mit einbeziehen. Ihr erwartet da ganz schön viel von einem Kind. Natürlich möchte er da nicht von einem Kleinkind dabei unterbrochen werden, der ihm alles auseinanderlegt. Das muss und soll er auch nicht.

Ihr richtet gerade im Kopf des großen ziemlichen Schaden an, der weiß wahrscheinlich gar nicht mehr was ihr eigentlich wollt.
Nimmt er Kontakt zum Bruder auf, ist es euch nicht recht - alleine spielen geht aber auch nicht, da soll der Bruder einbezogen werden.
Insgesamt vermittelten ihr ihm den Eindruck, sein Bruder wäre deutlich höher gestellt als er.

1

Hallo!
Mein dreijähriges Kind macht auch immer sehr laute Tiergeräusche. Anfangs fand die kleine das beängstigend, jetzt macht sie es auch. Ich finde das zwar auch manchmal laut, aber eigentlich auch sehr süß, daher ignoriere ich es oder sage: bist du ein Tiger? O.ä. Vielleicht muss der kleine es noch verstehen oder du verbalisierst das Verhalten mal? Ich finde es eigentlich sehr passend, um mit einem fast noch Baby ins Spiel zu kommen, da Babies ja auch häufig zuerst Tiergeräusche nachahmen. Eltern fragen ja auch beim lesen: wie macht die Katze? Etc.

Viel Erfolg!;)

2

Ich sehe es wie elin16,
das Tiergeräuschespiel macht ihm halt spaß ist auch absolut normal.

Schön ist, dass er überhaupt interesse zeigt, für ein Kind in dem Alter sind Babys (Sehr junge Kleinkinder) ja nicht sehr spannend. Das Tierspiel ist wohl sein Kompromiss.

"Er hört dann nicht zu, will weiter in seinem Schema bleiben, auch wenn er damit eigentlich nicht das erreicht, was er ursprünglich wollte..."
Ich denke er errichtet was er will, es ist nur nicht das was ihr wollt. Er ist will einfach die anderen spiele nicht machen. Spiele die für das Baby interessant sind, sind für einem 4-Jährigen eben langweilig.

4

Kann es sein, dass der Große den Kleinen nachahmt - Krabbeln, komische Geräusche?
Das klingt so nach wie ein Kleinkind verhalten.
Vielleicht ist es ja eine Art der Eifersucht? Er verhält sich wie der Kleine, damit er mehr Aufmerksamkeit bekommt, was er ja auch definitiv damit bekommt (was nicht heißen soll, dass ihr ihm keine Aufmerksamkeit schenkt). Somit würde ich das Verhalten auch nicht aufgeben.
Probiert mal aus, dass ihr gar nichts dagegen sagt und wenn ihr es nicht mehr aushalten, versucht ihn unauffällig abzulenken. Dass er für dieses Verhalten einfach gar keine Aufmerksamkeit mehr bekommt.
Mit einem Jahr kann man ja auch tatsächlich noch nicht wirklich etwas mit seinem Geschwisterchen anfangen.
Warte mal noch ein Jahr oder besser 2 dann wird es ganz anders werden.

5

Ich erzähl dir mal von unserer Großen. Die Kinder sind auch 3 Jahre auseinander.
Sie hat unsere bzw. Erwachsenenreaktionen auf ein Baby immer nachgeahmt. Das war nicht minder nervig. Dazu hat sie immer in einem übertriebenen, hellen und lauten Ton ihren Bruder angesponnene, von wegen Duzi-Duzi-Duzi…. 🙄 ohne Pause.
Wie die Vorrednerin schon geschrieben hat, war das eigentlich ein total süßer Versuch, mit dem Baby in Kontakt zu treten, aber es war nervig und ihr Bruder nie begeistert davon 😅
Es ging aber auch wieder vorbei.

6

Hallo,

Er muss seinen eigenen Zugang zu seinem Bruder finden. Das ist ein super Versuch, Kontakt aufzunehmen und ins Spiel zu kommen. Wenn er dabei nicht auf Resonanz stößt, wird er seinen Ansatz aller Voraussicht nach von alleine ändern. Meistens sind Kinder auch so feinfühlig, dass sie von alleine einem Gang zurückschalten, wenn das kleinere Kind signalisiert, dass es ihm/ihr zu grob/laut/viel war. Hab Vertrauen in deinen Großen und lass ihn mal machen. Unser Großer benutzt auch ganz gerne von Anfang an manchmal eine extrem hohe Quietschestimme für seine kleine Schwester aber es stört uns kein bisschen weil er es aus Liebe tut und es ihr nichts ausmacht. Bei all, was ungefährlich für beide ist, lassen wir ihn einfach machen. Auf diese Weise haben die beiden schon viele gemeinsame Spiele entwickelt und eine tolle Bindung aufgebaut.

Kinder kommunizieren oft anders als wir Erwachsenen aber das macht es nicht falsch oder schlecht. Stell dir vor, es hätte sich nach der Geburt deines Babys jemand daneben gestellt und dir ständig gesagt, dass du es nicht so halten sollst, sondern anders...und anders füttern/stillen, anders tragen, anders mit ihm reden etc. Das hätte dir sicherlich die Freude und Leichtigkeit genommen - so geht es den Kindern auch...


LG :)

7

Ich würde nur solches Verhalten umlenken/verbieten, was das Baby wirklich stört. Also offensichtliches ärgern und natürlich körperliche Übergriffe. Wenn das Baby die Tiergeräusche und das Umherkrabbeln okay findet, würde ich ihn lassen.
Ganz ehrlich: Was soll er sonst mit seinem kleinen Bruder spielen? Du beschreibst ja selbst, dass das Baby beim normalen Spiel den Großen eher stört, weil es noch zu klein ist, um "richtig" zu spielen.
Von daher finde ich das Verhalten vom großen Bruder ganz normal. Ich würde ihn nur vielleicht bitten, etwas leiser zu sein, falls er im Spiel mit dem Baby zu laut wird.

8

Mein 7-jähriger ist immer noch täglich abwechselnd mal
Katze, Tiger, Fuchs oder Pferd. Seine kleine Schwester macht das immer nach, total süß 🥰

9

Hallo! Solange Deine Kinder friedlich miteinander umgehen (so friedlich wie Geschwister nun mal sind) würde ich da möglichst wenig eingreifen und die beiden einfach machen lassen. Aber Du kannst natürlich Deinen Großen ein bisschen anleiten, was er mit dem Kleinen machen kann, zum Beispiel: "Schau mal, wir bauen jetzt aus den Bauklötzen einen Turm für X, und der darf den dann umschmeissen." Oder: "Lies doch X mal dieses Bilderbuch vor" (zwinker zwinker, natürlich kann der mit 4 noch nicht lesen, aber eine Geschichte erzählen schon) Oder lass die beiden zusammen mit Knete spielen oder im Sandkasten. Ich denke, es gibt viele Möglichkeiten, wo der Große ein stolzer großer Bruder sein kann, der seinem kleinen Bruder tolle Sachen zeigt.
Viel Spaß! J.